Der erste Rockprofessor der Welt erzählt über Musik – Ab und an nehmen wir auch Bücher in die Hand, die einen anderen Blickwinkel auf die Musik haben. Hier möchten wir bereits auf das sehr schöne Werk Nada Brahma: Die Welt Ist Klang von Joachim Ernst Berendt hinweisen.
Der geht das Thema Musik auch sehr wissenschaftlich an, wobei der Klang und seine Entstehung dort maßgeblich im Fokus stehen. Bei Professor Peter Wicke ist das ähnlich und nicht minder spannend. Für Leser die nicht zu sehr in die Tiefe wollen, gibt es andere gute Werke, aber für denjenigen der alles sehr detailliert, wissenschaftlich und aus der gesellschaftlichen Sicht untermauert haben möchte, der ist mit Von Mozart zu Madonna: Eine Kulturgeschichte der Popmusik gut bedient. Auf 320 Seiten und durch 11 Kapitel geht es durch die Jahrzehnte, wobei der Schwerpunkt nicht auf der aktuellen Musik liegt. Das Buch ist Ende der 80er geschrieben und zusammengestellt worden, erschien 1998 in erster Auflage bei Kiepenheuer (ISBN-13: 978-3378010307), 2001 noch einmal als Taschenbuch bei Suhrkamp (ISBN-13: 978-3518397930). Es gibt mit Handbuch Der Populären Musik (ISBN-13: 978-3795705718) noch ein weiteres Buch aus dem Hause Peter Wicke, ein fast 900-seitiges Kompendium zum Nachschlagen.
Leider ist der Titel des Buches etwas irreführend, denn wie sagte ein Rezensent: „Eine kleine Kulturgeschichte der Popmusik in Deutschland, mit Schwerpunkt auf Gesellschafts- und Szenetänzen, ergänzt durch einige wenige Überlegungen zu Beat, Rock, Disco und Techno“, wäre passender gewesen. Peter Wicke führt kenntnisreich durch die Entwicklung, die von der Hausmusik des Bürgertums über Walzer und Tango bis hin zu Schlager und neusten Clubtendenzen führt. Aber bei der Love-Parade ist dann Schluss. Zu jedem Zeitabschnitt beschäftigt er sich im Kern um einen Musiker oder Band. Beispielsweise in Kapitel 10: Sie liebt Dich, Yeah, Yeah, Yeah!: Pilzköpfe, Partys Und Protest ist die Beat-Musik und die The Beatles das Thema. Andere Bands dieser Zeit werden nur am Rande gestreift und von den The Beatles nur die Frühgeschichte erzählt. Aber interessant bleibt dabei immer der Blick auf die und von der Gesellschaft. Es wirkt ein bisschen wie eine Doktorarbeit, was aber NICHT abwertend gemeint ist. Es ist unterhaltsam zu lesen, das Blickfeld ist sehr auf die Entwicklung in Deutschland fokussiert, streift den englischsprachigen Raum nur am Rande. „Der erste Rockprofessor der Welt“ (Buchwerbung) hat einen guten Ansatz gefunden, der aber vermutlich nicht jedem munden wird. Denn wie sagte es der besagte Rezensent: „Das Buch verspricht Pizza, liefert aber Lasagne. Immerhin stellt man, wenn man sich einlässt, ganz schnell fest: Die Lasagne ist auch nicht übel.“ Besser hätte ich es auch nicht zusammenfassen können. Bilder: Promo, Text: Roland Koch
Kapitel 1 – Vergiss das so genannte Populare nicht:
Von der Kunst zur Unterhaltung – Die Geburt der populären Musik
Kapitel 2 – Das Gebet der Jungfrau:
Liebesspiele am Klavier
Kapitel 3 – An der schönen blauen Donau:
Der Bürger tanzt
Kapitel 4 – Schenk mir doch ein bisschen Liebe:
Schlager auf Schlager
Kapitel 5 – Darf ich um den nächsten Tango bitten?:
Körper im Gebet – Die Erotisierung der populären Musik
Kapitel 6 – Fräulein, bitte woll’n sie Shimmy tanzen?:
Die Wackeltänze
Kapitel 7 – Kann denn Liebe Sünde sein?:
Kraft durch Freude – Schlager unter dem Hakenkreuz
Kapitel 8 – Außer Rand und Band:
Zitterkäfer, Petticoats und Pferdeschwänze
Kapitel 9 – Ein bisschen Freude braucht der Mensch zum Leben:
Die Prothesen der Seele
Kapitel 10 – Sie liebt Dich, Yeah, Yeah, Yeah!:
Pilzköpfe, Partys Und Protest
Kapitel 11 – Into the Groove:
Die Kultur der Nacht
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