Moderner dynamischer Instrumental-Rock aus Belgien – Wem heutzutage zu Belgien nur Parlament der EU, Pommes und Pralinen einfällt, der hat vermutlich zu sehr auf seinen heimischen Bierdeckel geschaut oder nicht genug nachgedacht. Progressive Rock-Musik gibt es hier auch, vielleicht nicht so ausgeprägt wie im Rest von BeneluX.
Die Flamen Quantum Fantay aus Lokeren bringen eigentlich seit Gründung 2002 unaufgeregt und regelmäßig gute Alben auf den Markt und sind seither mit ihrer rhythmischen und treibenden Space-Prog-Psychedelic-Mixtur in ganz Europa auch Live in Clubs und bei Festivals zu bewundern. Nun mit The Butterfly EffeX immerhin schon ihr zehntes Studio-Album und seit 2014 der sechste Instrumental-Koloss beim Prog-Flüsterer Oliver Wenzler von Progressive Promotion Records. Ich muss gestehen, dass ich ein früher Fan dieser Psych-Musik-Richtung bin, die sich eigentlich schon in der Anfangszeit von Canterbury und Fusion als Nebenschauplatz weiterentwickelt und etabliert hat. Als Pioniere sind da beispielsweise Daevid Allen (Gong), Steve Hillage (Solo, System 7) und Ed Wynne (Ozric Tentacles) zu nennen. Nun hat sich mit Pieter van den Broeck (alias Pete Mush, ehemals Girribizzi) ein weiterer „Space-Commander“ in diese ruhmreiche Ahnenreihe eingefunden.
Der Album-Titel The Butterfly EffeX endet ungewöhnlich mit einem großen X und dieser drittletzte Buchstabe des Alphabets zieht sich wie ein verbindender roter Faden durch alle Namen der acht Lieder-Titel. Musikalisch sind sowieso wieder alle acht Kompositionen miteinander verbunden. Auch ich benutze den X-Buchstaben sehr häufig und gerne, aber das ist ein ganz anderes Thema. Mit dem 12-minütigen Return To Xaja knüpft die instrumentale Reise fast nahtlos an die belgische Vorgänger-Etappe Oneironauts von 2024 an. Wer nun meint, immer das gleiche, Wiederholung, Langeweile, sehr weit gefehlt. Denn hier werden die vielen, zum Teil auch neuen Zutaten, wie beim Kochen des Menüs neu gemischt & portioniert, anders gewürzt & zubereitet. Daraus ist ein wieder einmal sehr schönes, kurzweiliges, 1-stündiges Werk geworden. Das wird in dieser Saison 2026 auch im Mittelpunkt der Live-Aktivitäten (auch Herzberg) stehen.
Schon das zweite Stück PhoeniX nimmt ein wenig Tempo raus, stellt zu Anfang ruhigere Gitarre und Tasten in den Vordergrund und mit Vernal EquinoX geht der mehrstufige Trip weiter. Es ist für mich immer wieder erstaunlich was Musiker aus einer Melange von zwei Instrumenten, im Kern Keyboards (Pete) und Gitarren (Tom Tee alias Tom Tas), für komplexe Klangstrukturen erschaffen können. Damit möchte ich aber die rhythmische Zuarbeit von Bassist Wouter de Geest (alias Jaro) und Schlagzeuger Jazzper Coulier nicht zu weit in den rückwärtigen Raum stellen. Besonders das Fundament durch die Rhythmus-Gruppe ist sehr entscheidend für die Flug-Stabilität.
Die Reise führt mit Xemuta weiter in den zurzeit unruhigen Orient. Der nächste Titel Xellestial Dream erinnert mich stark an einige Passagen des aktuellen Album Être Et Ne Plus Être von Lazuli. Auch die Franzosen bauen mit ihrer besonderen Instrumentierung außergewöhnliche Klang-Landschaften zusammen, dazu Dominique Leonetti‘s fanatische Singstimme, beides einfach umwerfend. Quantum Fantay benutzt für diese fehlenden Vokalteile passende Einschübe mit Cello (Lyssa Toyinbo) sowie Zutaten vom Langzeit-Mitreisenden Charels Sla mit Flöten und Duduk (armenisches Holzblasinstrument). Bei Xtra Hop wird es klanglich asiatischer und beim achten X von Quantum X wird der Schubhebel noch einmal nach vorne geschoben. Am Ende der einstündigen Klang-Odyssee schließt sich wieder der Kreis und die Klangfäden verbinden sich erneut mit der Start-Sequenz und schon geht’s wieder los in die nächste orbitale Umrundung unseres blauen Balls. Wieder einmal ein sehr gelungenes Album, das laut Flotten-Chef Oliver Wenzler sicher nicht das Letzte der Belgier sein wird. Bilder: Promo PPR, Text: Roland Koch
Titelliste: 01. Return To Xaja (11:40), 02. Phoenix (7:50), 03. Vernal Equinox (6:40), 04. Xemuta (7:11), 05. Xellestial Dream (6:09), 06. Xcelleration (6:02), 07. Xtra Hop (6:36), 08. Quantum X (8:21), GLZ: 60:36
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