Portrait: Journeye (DE_BW)

Veröffentlicht am 5. Januar 2026 um 22:18

Journeye: US-Rock Live an der LoreleyAOR, diesmal aber nicht im Stadion – Woher kenne ich diesen Sänger, ging mir nach ein paar Titeln immer wieder durch den Kopf. Kappe On Top und lange, schmale Tattoos auf beiden Unterarmen.

Das Zentrum der Bühne, in diesem Fall die Treppe und einziger Zugang zur höher gelegenen Terrasse, ist sein hauptsächlicher Wirkungsbereich, immer das Mikro in Reichweite. Dann bringen mich die Männer von Progressive Promotion Records drauf, klar Oliver Wenzler kennt den natürlich. Kein unbekannter, sondern Arno Menses (Subsignal, Sieges Even), ein renommierter international bekannter Sänger, der schon 2009 und 2016 mit Subsignal unter dem alten Bühne-Dach der Loreley agierte. Diesmal ist Arno mit Journeye, der 6-köpfigen deutschen Tribute Band der US-Rocklegende Journey wieder mal hier am Rheinfelsen, aber jedoch an dessen Fundament. Journey war eine sehr erfolgreiche und einflussreiche späte klassische Rock-Formation und Stadion-Rock-Band Mitte der 70/80er. Schon 1973 gegründet von den beiden ehemaligen Santana-Mitgliedern Neal Schon (Gitarre) und Gregg Rolie (Tastengeräte). Viele Besetzungswechsel, ein Bündel voll Chart-Hits und ausgezeichneter Alben, immer hohe musikalische Qualität und Spitzen-Personal sind/waren die Markenzeichen dieser AOR-Rocker. Zeitlose Hits wie beispielsweise Wheel In The Sky, Any Way You Want It, Who’s Crying Now, Don’t Stop Believin’ laufen heute noch auch hier in Europa regelmäßig in verschiedenen Musik-Sendungen. In ihrer fast 50-jährigen Karriere haben Journey weltweit weit über 80 Millionen Tonträger verkauft. Wer eine sehr gute Übersicht als Retrospektive der fetten Jahre haben möchte, dem sei hier das Triple-Album Time3 ans Herz gelegt, eine Reise durch den Fantasy-Rock-Kosmos von Journey. Die Leidenschaft für diese großartige Musik hat Arno, René Orfanidis (Gitarre), Josip Mihaljevic (Keyboards), Jens Kreft (Bass), Florian Diedrich (Schlagzeug), Elena Kippenberger (Gesang) aus dem Raum Frankfurt & Mannheim zusammengeführt. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Band als feste Größe in den Live-Clubs des Rhein-Main-Gebiets und darüber hinaus etabliert. Und diese perfekt eingespielte Live-Band präsentiert zum Abschluss des Freitags Journey Live-Songs authentisch, originalgetreu und druckvoll am Fließband, weltbekannte Radiohits, gefühlvolle Balladen und kernige Rocker, alle großen Hits. Vokalist Arno Menses interpretiert den Gesang von Steve Perry (1977–1987 und 1996–1997) auf seine ureigene Weise, stimmlich von Klangfarbe und Dynamik sicher auf seinem Niveau. Auch der virtuose und erfahrene Gitarrist René Orfanidis sorgt detailgetreu mit seiner perfekt abgestimmten nah an Neal Schon angelehnten Spielweise für das richtige Journey-Feeling. Somit sind Journeye dicht und intensiv am Gefühl der Originale. Zu dem energiegeladenen Rock-Groove passen auch der mehrstimmige Chor und der Gesang von Elena (die sollte gelegentlich näher am Bühnenrand oder im Duo mit Arno agieren) sowie die Solo-Ausflüge von Arno und René auf die Bass-Boxen sehr gut. Ein großartiger Abschluss des Live-Tripel am Festival-Freitag, mitreißende Rockmusik die den Spaß wieder für viele Stunden zurückgebracht hat.

Eine insgesamt sehr ordentliche eigenständige Freiluft-Veranstaltung. Ich sage deutlich, kein Ersatz für irgendwas, sondern nach langer Enthaltung wieder ein Treffen von Gleichgesinnten in angenehmer sommerlichen Atmosphäre. Einige werden die Nase rümpfen, wie Die Prinzen singen: Das ist ja alles nur geklaut. Aber alle vier Formationen (Stoxxx, Gray Matters, Journeye, Swamp Moon) haben unterschiedliche Ecken der Rock-Musik abgebildet und den bekannten Titeln und Repertoires ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Ich habe auch die Freude der Musiker gespürt wieder für Publikum zu spielen, die Erleichterung im Publikum gesehen wieder mal ein Musikfest besuchen zu dürfen. Die Planung für das verschobene Prog-Fest Night Ohne The Prog 2020 an der Loreley gingen weiter. Einige Künstler, die wir in einer Vorschau Geisterfestival Programm im Empire Magazin vorgestellt hatten, haben wir dort weder 2021 noch 2022 leider nicht gesehen, dafür eine Menge gleichwertiger Künstler. Für Ayreon ist dann am Samstag Steve Hackett Genesis Revisited mit der Seconds Out & More Show eingesprungen.

Aktuell Ende August 2020 – Die Situation während der weltweiten Pandemie hat sich innerhalb weniger Wochen massiv verschärft. Es wurden jetzt auch die meisten, teils aus dem Frühjahr sicherheitshalber verschobenen Kleinkunst-Veranstaltungen, im August 2020 leider erneut abgesagt. Die Hoffnung lag auf dem September, aber auch hier war absolut nichts sicher. Man durfte dennoch die Hoffnung nicht aufgeben.

Triple-Album Time3 – Die Dinosaurier sind wieder lebendig. Wer sich 55 Songs lang auf die Reise durch den Fantasy-Rock-Kosmos von Journey begibt, wird diesen Eindruck nicht los. Bei der 3-CD-Box Time3 kommen jene Rockfans auf ihre Kosten, die mit extremen Spielarten wie Grunge oder Trash nichts anfangen können. Journey bieten ihnen versierte Gitarrensoli, Präzisions-Gesangssätze und romantische Balladen-Höhepunkte - eine Musik, die sich um 1980 als dickfellig genug erwies, der Attacke der Wave-Wühlmäuse zu trotzen. Bevor Journey mit Donner (Glanz) und Doria (Gloria) durch die US-Fußballarenen zogen, waren sie eine versierte Kapelle im progressiven Underground der US-Westküste. CD 1 dokumentiert, wie die Santana-Aussteiger Gregg Rolie (Keyboards) und Neal Schon (Gitarre) in San Francisco Mitte der 70er Jahre nach einem Profil zwischen bluesigen Haschpfeifchen-Trips und Fusion-Jazzrock suchten. 1978 waren derlei Ambitionen Vergangenheit: Journey stellten dann den Herzensbrecher Steve Perry ans Mikrofon und buchten mit ihm Dauerplätze in den Charts. Zu Beginn von CD 2 hört man, wie die Kalifornier nicht vergaßen, dem (Hard-) Rock-Publikum mit hochgezüchteten Powerrock-Boliden zu imponieren. Sieben Ausschnitte aus dem 1980er Livealbum Departure führen dann eindrucksvoll vor, wie Amerikas Antwort auf Queen mit Bombast-Rock, Blues, Boogie und Balladen ein Auditorium von Tausenden fesselte. Der Rest der CD gehört dem Repertoire des erfolgreichsten Journey-Album Escape (1981). Bis 1986 behaupteten sich die Stars an der Spitze, allerdings um den Preis, dass ihre Musik immer sinnleerer wurde, gut nachzuhören auf CD 3. Als Bonus für Fans gibt es elf bisher unveröffentlichte Stücke und ein Booklet, das neben Band-History und -Diskographie auch viele Fotos enthält. Das Beste von Journey auf drei prallvollen Silberscheiben.

Ein Prolog – Auch wenn seit Mitte März 2020 deutschlandweit fast alle Kultur-Veranstaltungen mit Besuchern drinnen & draußen wegen der Corona-Pandemie konsequent nicht stattgefunden haben und damit diese gesamte Branche in ein kollektives Desaster getrieben hat und auch die Streitereien zwischen den verschiedenen Verantwortlichen der Stadt Sankt Goarshausen, den Pächtern der Loreley-Bühne, auch des Besucherzentrums und dem Pächter des Restaurant sowie einigen Veranstaltern, nun immer weiter eskalieren, es gibt eine kleine bunte Schar von Aktivisten die sich gegenseitig beistehen und auch mächtig gegen das Unvermeintliche entgegenstemmen. Also es ist auch wieder einmal ein klein wenig wie bei Asterix und den Galliern, die trotz Übermacht der Blechbüchsen-Armee des römischen Imperiums ihre Hoffnung nicht aufgeben und mit kollektiver Tatkraft und Geschick ihren kleinen dörflichen Lebensraum verteidigen. Die Geschichte die ich nun erzählen will, hat auch als einen seiner wichtigen Punkte ein altes befestigtes, romantisches Dorf mit ZWEI Burgen, ich nenne es mal Kamp-Bornhofen am Rhein und dem wilden Rheinsteig. Dort in der familiären Herberge Singender Wirt an der schmalen Burgenstraße im Bornhofer Tal, sowie auch an ein paar anderen schönen Stellen im Flusstal, treffen sich trotz aller Widrigkeiten verschiedene kleine Gruppierungen von Kindern, Frauen und Männern mit fast einheitlicher, schwarzer Oberbekleidung. Darauf prangt vorne und hinten ein großes buntes Logo und ein Schriftzug: Night Of The Prog 2020. Was ist los hier im idyllischen und im Moment sehr ruhigen UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal auf halben Weg zwischen Bingen und Koblenz. Eines der großen früheren Musikfeste kann es doch nicht sein, ist doch alles schon sehr lange von Winfried Völklein abgesagt. Die große Bühne und das Gelände Drumherum sehen aus wie eine zugewachsene Stein-Eisen-Ruine, das Unkraut steht flächendeckend Mannshoch. Nichtdestotrotz wurde von einigen Musik-Maniacs in die Hände gespuckt und ordentlich in die Hörner geblasen. Man hat sogar auch in der Nähe einen würdigen Festplatz gefunden. Südlich der Fährstadt, unten im Tal etwa 2,5 Kilometer außerhalb der Stadtgrenze, gibt es direkt am Rheinufer und unterhalb des berühmten Loreley-Felsen einen Gasthof für Reisende. Und genau hier treffen sich fernab von Zivilisation in  Bernies Blues Bar (www.berniesbluesbar.de) nun die Liebhaber der anspruchsvollen Rockmusik zum alternativen Open-Air für ein 2-tägiges Night Of The Rock. Selbst die Händler-Gilde ist durch Oliver Wenzler und Helfer von Progressive Promotion Records ordentlich vertreten. Die haben sich vom kurvenreichen Weg durch die Schlucht des Rheins, entlang der Zoll-Burgen, Wehrmauern und Denkmäler nicht abhalten lassen, haben ihre Tische mit reichlichem Warenkorb aufgebaut. Für Essen und Trinken ist auch gesorgt und zum Fest fehlen jetzt nur noch die Musiker und Gaukler. Die vier Kapellen, Stoxxx, Melanie Mau & Martin Schnella, Journeye, Swamp Moon, stelle ich jetzt Schritt für Schritt vor.

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