Musikalische Brücke von den 70ern ins Heute – Dresden ist nach Berlin der größte Schmelztigel für Rock-Musik im Osten der Republik. Hier hat sich, nach dem Startschuss Ende 2011, auch die Formation Wucan zusammengefunden. Die damals kaum 20-jährige Sängerin Francis Tobolsky suchte in einem Studentenmagazin,
Betreff Blues Brothers Wanted!, nach Mitstreitern und fand sie damals spontan mit Gitarrist Tim George und Schlagzeuger Pätz sowie etwas später noch Patrik Dröge (Bass). Schnell kamen die ersten beiden Demos Frank und Dopetrotter, erste Auftritte und mehr Aufmerksamkeit in der Szene. Januar 2014 folgten in Berlin weitere Demo-Aufnahmen, das Ergenbis war die EP Vikarma. Live-Trommler Pätz räumte seinen Sitzplatz, blieb jedoch zuerst einmal Bestandteil der Band. Die Besetzung wurde dann kurz durch Ollie ergänzt und der später durch Marc ersetzt. Mit ihm gingen sie auf Tour (mit Siena Root), aber bereits bei den Aufnahmen zum Album-Debüt Sow The Wind (2015) war Leo Vaessen der Schlagzeuger. Hier war schon die deutliche Weiterentwicklung zur EP Vikarma erkennbar, sicher hatte da auch der Produzenten Richard Behrens im Big Snuff Studio Berlin seinen Anteil. Wucan ist eine spielstarke Live-Band und gern gesehener Gast in Clubs und auf Festivals. Mit Reap The Storm (2017), Heretic Tongues (2022) und Live At Deutschlandfunk (2023) brachte die Band weitere gute Alben heraus.
Der Wucan-Stil ist außergewöhnlich, lässt Platz für Jam-Rock-Passagen, Querflöte und Theremin, auch allerlei Spielereien auf den Instrumenten sowie Gesang. Aber vor allem die Präsenz und charakteristische druckvolle Stimme von der geradezu vor Energie berstenden Sängerin Francis Tobolsky, die aber auch vor Emotionalität und Melancholie nicht zurückschreckt, sticht besonders heraus. Francis setzt (auch einbeinig) die für Rock-Musik ungewöhnliche Querflöte ein, deshalb wird Wucan in der Presse immer wieder gerne mit Jethro Tull verglichen. Dazwischen liegen aber Welten, so als wenn man die Planeten Pluto (eiskalt) und Venus (siedendheiß) vergleicht. Kann ein recht unaktraktiver Brite mit klassischer Spielweise mit einer jungen wilden Frau mithalten. Ein ganz klares: auf keinen Fall, denn allein die Wucht von Wucan ist für die britischen Progger unerreichbar. Natürlich beherrscht das säschische Quartett die komplette Palette von Folk-Rock der 70er bis zu modernen harten Rock und dazu allen Beimengungen unserer jetzigen Zeit. Wie schon die vier Wucan-Alben der zurückliegenden zehn Jahre ist auch Axioms (2025) das Resultat einer engen und kreativen Zusammenarbeit aller Bandmitglieder: Derzeit Francis Tobolsky (Gesang, Gitarre, Querflöte, Theremin), Tim George (Gitarre, Synthesizer, Gesang), Philip Knöfel (Schlagzeug, Gesang), Alexander Karlisch (Bass). Bild oben L: Wucan Promo, Bilder M_R und Text: Roland Koch
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