Festival: 14. Artrock Festival 2026 – Reichenbach, Vogtland (DE_SN)

Veröffentlicht am 27. April 2026 um 13:52

Der internationale Sonntag – Bis zur Halbzeit ohne Gitarre – Wir sind für einen Kollegen eingesprungen, kommen von einem spannenden Konzert aus Bremerhaven und waren erst am Samstagnachmittag in Reichenbach. Schon dieser Festival Samstag hatte mit dem Konzert der Rockpommel’s Band mit einem spektakulären

fast 3-stündigen Vollprogramm für einen strahlenden Höhepunkt des Tages gesorgt. Und mit den vier Formationen am Sonntag wurde nahtlos an den Vortag angeknüpft. Wir hatten ja bei früheren Berichten über das Artrock-Festival im Neuberinhaus immer einmal von einer Fachmesse für anspruchsvolle Rockmusik gesprochen. Diesen Charakter hat dieses Festival, leider für dieses gute Programm wieder sehr überschaubar besucht, erfreulicherweise beibehalten. Auf den Startplätzen Uno und Due des Tages spielten wieder einmal und zur Freude vieler Besucher zwei Formationen aus Bella Italia. Der Veranstalter scheint immer noch sehr gute Kontakte in das Land hinter den Alpen und damit Zugang zu einem unerschöpflichen Reservoir an kreativen italienischen Bands und Projekten zu haben.

Diesmal hatte er erneut wieder den italienisch-französischen Musik-und Kultur-Tausendsassa Alex Carpani sowie die legendären Urgesteine Le Orme in das schöne Vogtland gelockt. Der sympathische Alex hat Schlagzeug-Ikone Gigi Cavalli Cocchi (Ambigram, ClanDestino, Mangala Vallis) und den international erprobten und musikalisch breit aufgestellten Tieftöner Jacopo Rossi (Antropofagus, Dark Lunacy, Will 'O' Wisp) mitgebracht. Die bilden das erfahrene Rock-Trio Aerostation. Die Idee zum Projekt entstand im Herbst 2015 und sie haben nach ihrem selbstbetitelten Debüt (2018) nun ihr brandaktuelles zweites Album Rethink im Gepäck mitgebracht. Die virtuosen Klangteppiche von Aerostation sind äußerst originell, wie auch bei einigen anderen aktuellen Alben anderer Formationen, schwer einzuordnen und ist das Ergebnis einer intensiven und verzahnten Zusammenarbeit aller drei Musiker. Diesem Trio ist es möglich, mittels intelligenten Bass- und Trommelspiel, auch ohne weitere Gitarren, dichte und originelle Strukturen zu erzeugen. Dabei sorgen der Einsatz von modernsten Techniken und Instrumentarium, sowie auch das maßgefertigte Keytar von Alex Carpani, immer wieder für überraschende Momente. Gitarren hört man auch, die erzeugte Alex wie Claude Leonetti (Leode) von Lazuli mittels seines speziellen Zwitter-Instruments (Keytar). Wir waren anfangs skeptisch, ob die komplexen Kompositionen und die ultra-modernen Klangbilder die Zuschauer nicht überfordern würden. Aber weit gefehlt, die druckvolle Präsentation der elf Kompositionen von Rethink (09-2025) hintereinander in Reihenfolge wie gespielt auf dem Album, plus eine Handvoll vom Debüt, kam hier zu Beginn am Abschlusstag sehr gut an.

Wer dachte, dass die vier norditalienischen Musiker der 1965 gegründeten Italo-Prog-Legende Le Orme völlig übermüdet auf der Bühne stehen (Michi sitzend), der wurde eines Besseren belehrt. Auch wir, die durch unseren Italo-Experten Bodo Kubatzki jederzeit gut informiert waren, hatten aus verschiedenen Gründen tagelang mitgelitten. Das Quartett hatte nach Spirit Of 66 in Verviers, Belgien am Donnerstag, noch gerade knapp 18 Stunden vorher in den Niederlanden (De Boerderij, Zoetermeer) auf einer Bühne gestanden. Der Tour-Manager sah zwar müde und zerknittert aus, die vierköpfige Band und ihr Programm Trilogy 1971-1973 wirkten dagegen taufrisch und spielstark. Die drei frühen Alben hatte Le Orme neu aufgenommen und 12-2025 als Triple-Album veröffentlicht. Sagenhafte 60 Jahre ist Schlagzeuger Michi Dei Rossi die einzige verbliebene Konstante bei den Italienern bis heute. Wer ihn auf und später vor der Bühne erlebt hatte, der wird sich erstaunt die Augen reiben. Ein filigraner und vitaler Musiker, der freundlich und lebensfroh an den Bühnenrand kam und mit uns sprach und bescheiden und geduldig alle Wünsche der Fans erfüllte. Auch der Tastenspieler Michele Bon, rechts von Michi’s zentraler Trommelburg, gehört auch bereits seit 1989 zum Tafelsilber von Le Orme aus der Region Venetien. Links vom Schlagzeug hatte das Band-Küken Aligi Pasqualetto seine Keyboards aufgebaut, mittig agierte Luca Sparagna (Bass, Gesang). Sie spielten fast alle Lieder der drei frühen Philips-Alben Collage, Uomo Di Pezza und Felona E Sorona (konkret von drei Alben 18 von 23 Kompositionen) und Luca sang dazu in Italienisch und Englisch. Als Zugabe gab es noch Amico Di Ieri vom Album Smogmagica (1975). Neunzig magische Minuten und eine bärenstarke Leistung, damit haben Le Orme und Michi Dei Rossi ihre Visitenkarten im Vogtland abgegeben. Ganz Europa kann sich auf weitere Auftritte dieser Rock-Legende aus Norditalien freuen.

Jetzt endlich wieder Gitarren, ohne Haken und Ösen !! Den ersten Teil des Auftritts von Krissy Matthews bestritt der junge englisch-norwegische Meister-Gitarrist mit seinem eingespielten Live-Trio bestehend aus Slawek Semeniuk (Bass), Gerry Reynders (Schlagzeug) sowie der Saxofonistin Stephanie "Stephy" Doherty. Es gab fünf Eigen-Kompositionen vom Album Pizza Man Blues (2021). Bei der langen und hochenergetischen Version des Cream-Klassikers Sunshine Of Your Love konnten sich die Musiker dann noch einmal richtig austoben. Danach stürmte die angekündigte Gast-Sängerin Kim Jennett in Leder-Kluft auf die Bühne. Leider stieß diese Art von Bühnenshow nicht bei jedem im Publikum auf Zustimmung. Auch bei uns nicht. Aber das scheint das Konzept von Krissy zu sein, meisterlicher Gitarrist trifft auf schöne Frau in knapper, enger Bekleidung. Das haben wir auch schon bei anderen Auftritten von Krissy Matthews erlebt, wobei die bildschöne Marlia Rae beim Jazz-Blues-Festival Bamberg 2025 sich sehr dezent und banddienlich bewegte und auch gut singen konnte. Aber es gab genügend Besucher, die diesen Auftritt in voller Länge genossen und begeistert waren von diesem Konzept. Nach zweimal italienischen Art-Prog-Rock ohne Gitarren und Blues-Rock mit Begleit-Programm und solider Gitarrenarbeit von Krissy, nun der vermeintliche Höhepunkt des Festivals.

Wir haben die französischen Chanson-Rocker Lazuli gerade vor einem Monat im westfälischen Club Piano erlebt, und die dortigen Besucher waren ebenso hellauf begeistert wir hier im Vogtland. Es war magisch, mitreißend, emotional, umwerfend, ähnlich wie beim Auftritt von Rockpommel’s Band bei Rockpommel’s Land und Vater Schmidt's Wandertag und Solar Music am Vortag. Inzwischen gehen uns bei diesem südfranzösischen Quintett langsam die Superlativen aus. Extraklasse-Konzerte wie auf dem Lauf-Band. Woran liegt das ?? Natürlich an gut produzierter Musik, das aktuelle Album Être Et Ne Plus Être (wir berichteten) ist ein zeitgemäßes musikalisches Meisterstück. Aber auch an der Homogenität, Qualität, Ausdruckskraft und Freude bei der Live-Präsentation. Und genau das wurde, diesmal auch hier im Neuberinhaus, wieder einmal, reproduzierbar geliefert. Wenn auch noch exzellenter Ton sowie Licht passgenau dazu kommen, kann nichts mehr schiefgehen, ist auch nicht. Wir werden die Franzosen 2026 erfreulicherweise auch wieder beim TAP-Festival und Woodstock Forever treffen und es wird garantiert genauso magisch. Einige Kritiker meinten, das gesamte neue Album an einem Stück bei den Konzerten vorzustellen, wäre doch nicht so schön für die Fans und etwas gewagt. Ganz im Gegenteil, denn es gab immer zwei neue Stücke und einen Klassiker harmonisch im Wechsel und dadurch wirkte das Gesamt-Programm wie aus einem Guss. Den abrupten Ausstieg sowie Distanzierung des Gitarristen Gédéric Byar 2020, hat die Band gut verkraftet und die Trennungsschmerzen mit viel Kreativität, Arbeitswut und Zusammenhalt als Quintett kompensiert. Der charmante und talentierte Arnaud Beyney ist vom ersten Moment an, ohne große Allüren und mit eigenem Charakter, in diese unerwartete Lücke quasi hineingewachsen. Nicht nur dadurch, aber auch, sind diese lebensfrohen Chanson-Rocker deutlich spielstärker geworden und haben sich noch dominanter in der Spitze dieser besonderen Musikrichtung festgesetzt. Schön, dass wir das mit den anderen Lazulisten teilen durften.

Auch was neben der Loge, Saal und Bühne so passiert ist, verdient Erwähnung. Fast alle Künstler haben sich im Foyer blicken lassen, haben Nähe zugelassen und das Bad in der Menge genossen. Einige bekannte Händler waren auch wieder dabei, das Stone Prog Magazin präsentierte die Dresdener Band Orange Utan und natürlich auch sich selbst. Auch die Plauner Lokal-Matadore Polis, die am Donnerstag im Bergkeller das Festival mit reichlich deutschsprachigen Polis-Rock eröffneten, hatten auch einen Stand. Sie nutzen die gute Gelegenheit um noch einmal ihr neues noch nicht veröffentlichtes Album Pilger in Erinnerung zu bringen und schon einige Stücke davon hier bei ihrem Heimspiel zu verkaufen.

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