Heut ist ein schöner Tag – Auf der Reeperbahn nachts um halb Eins – Wir haben hinter Marcus Wicker (eclipsed) einen schönen Spruch auf einer Tafel gefunden: Wo Menschen zusammenkommen, wird es magisch !! Wie wahr und wie passend für diese Leuchtfeuer-Veranstaltung des Verein Prorock e.V. Kreis Paderborn.
Nun haben wir erlebt, was uns Vereinsfrontmann Hans-Werner Schubert im Vorfeld vermittelte: „Wir wollen immer erstklassige Musik, aber zu bezahlbaren Preisen, in einem wahren Musik-Tempel präsentieren !!“ Genau das ist auch wieder in Runde Vier gelungen, wir spürten es beim Team Paderhalle, Besuchern, Musikern auf der Bühne deutlich. Ein wahres Rock-Fest von und für Menschen und wir sind demütig und froh an diesem Treffen dabei gewesen zu sein.
Die Fakten: Die Rosalie Cunningham Band aus England, die Hamburg Blues Band & Gäste, die Hagener Rockpommel’s Band an einem magischen Abend in der Multi-Funktions-Halle Paderhalle (Baujahr 1981) in der Innenstadt der Dom-Stadt Paderborn. Es waren weit über 1.000 rockhungrige Fans dabei, betreut von einem Heer von Personal, das sich um Ordnung, Logistik, Technik, Essen, Trinken und Wohlfühlen kümmerte. So macht ein Kollektiv echte Werbung für Kultur, angefangen vom Veranstalter Pro-Rock e.V. Kreis Paderborn, dem Team Paderhalle, allen Besuchern bis hin zu den Medien. Erfreulich war auch, wichtige deutschsprachige Magazine der anspruchsvollen Rockmusik als Kollektiv und mit reichlich Personal präsent, Druck: eclipsed und Empire, Digital: Stone Prog, Musikzirkus, Musik-Info-Net. Auch einige Berichterstatter der lokalen Presse ließen es sich nicht nehmen, vorbeizuschauen. Eben eine echte Werbung für eine Rock-Veranstaltung !!
Mit vier britischen Musiker:innen und einer rothaarigen spanischen Dame gab es gleich zu Beginn der Veranstaltung mit einem vermeintlichen Geheimtipp und Senkrechtstarter direkt auf die Zwölf. Das Quintett um Rosalie Cunningham, zurzeit per Coach-Busse auf To Shoot Another Day Euro Tour 2026, gastiert Mitte bis Ende März in Benelux und Deutschland. Hochenergetischer, breitflächiger, moderner Rock, exzellent präsentiert von Claudia “Speedy” González Diaz (Bass, Flöte, Gesang, auch Cachemira), Rosco Wilson (Gitarre, Gesang), Aaron Bolli Thompson (Keyboards, Perkussion), Raphael Mura (Schlagzeug, auch Throw Down Bones) und der 36-jährigen Chefin Rosalie Cunningham (Gesang, Gitarre, vorher Ipso Facto, Purson). Rosalie und ihre Band startete pünktlich zum 75-minütigen Auftritt. Im Kern spielten das Quintett, ähnlich wie beim Woodstock Forever 2024 und Finki-Fest 2025, fünf Titel hintereinander vom aktuellen Album To Shoot Another Day (2024) und weiterhin gab es noch ein Potpourri von allen weiteren vorherigen Veröffentlichungen. Einziger Unterschied, diesmal funktionierte auch Rosalie’s Akustik-Gitarre.
Leider hatten die Besucher in Finkenbach damals Pech und somit kam nun das Volk in der Paderhalle erfreulicherweise in den Genuss von einem fast 15-minütigen Tempest And The Tide vom Purson-Debüt (2013). Allein das zeigt schon das Selbstbewusstsein dieser jungen Truppe und die Fähigkeit, jedes Lied tatsächlich fulminant zu präsentieren. Die Band-Besetzung ist stabil und eingespielt und hat zusammen nicht nur Spaß auf der Bühne. Das zeigte sich später auch, als Rosalie und Speedy beim Sonnentanz von Rockpommel’s Band im Technikbereich tanzten und mitfeierten. Rosalie ist Multi-Instrumentalistin, hat eine sehr angenehme variantenreiche Stimme und ist eine gute Bandleiterin obendrein. Aber auch Aaron, Claudia (mit wilder Mähne und auch einbeinig beim Flötenspiel) und Rosco, alle auf gleicher Höhe der Frontlinie, sowie im Zentrum Raphael, hatten ihren Anteil am Erfolg dieses Abends. Es wurden allesamt Eigen-Kompositionen gespielt, aber Live alles viel druckvoller, rauer und urwüchsiger, somit wirkte das Klangbild sehr nahe an dem der großen Rock-Helden der 70er. Eine erstklassige Vorstellung der Briten. Die Zeit verging wie im Flug, immer ein gutes Zeichen für ein abwechslungsreiches Konzert. Wir werden das Quintett 2026 mindestens noch einmal erleben dürfen, wir freuen uns darauf.
Die kurze Umbaupause konnte in den weitläufigen Bereichen der Paderhalle zur Stärkung und Auftanken genutzt werden, denn für den nächsten Höhepunkt mit der The Hamburg Blues Band brauchte man wieder volle Energie. Das Markenzeichen dieser Formation, Baujahr 1982, ist seit über vier Jahrzehnten brettharter, gitarrenbetonter Blues-Rock mit vielen Zutaten anderer Musikstile, nonstop ganzjähriges Touren sowie einladen von vielen prominenten Gästen zu den Auftritten. Den ersten Teil des fast zweistündigen Konzerts bestritten die Kern-Mannschaft um Gründer, Sänger und Gitarrist Gert Lange, Schlagzeuger Eddie Filipp, Gitarrist Krissy Matthews und Bassist Slawek Semenuik von der Krissy Matthews Band. Nach dem gewohnten Hans-Albers-Intro Auf Der Reeperbahn Nachts Um Halb Eins, ging es mit Volldampf ins Programm. Gert erzählte immer wieder kleine Anekdoten aus der Bandgeschichte, konterte frühe Rufe nach Inga mit: „Weiß deine Mudda eigentlich das du heute Abend hier bist.“ Gleich zu Beginn vom Klassiker Rockin’ Chair gab es leider technische Probleme, die tauchten immer wieder mal auf, behinderten aber trotz zusätzlichen Technikern im Frontbereich weder Spielfreude noch den energetischen Auftritt der Nordlichter. Es ging mit einigen beinharten Blues-Rockern im HBB-Gewand weiter im Programm. Ein Höhepunkt Try Me Again als Tribut an alle verstorbenen Musiker und Weggefährten und mit Krissy Matthews im „Zappel-Philipp-Modus“ rastlos mit raushängender Zunge und blindspielend auf der Bühne unterwegs. Es ist immer wieder eine Freude, diesen grandiosen Gitarristen bei seinen musikalischen Ausritten zu erleben.
Und dann der Mittelteil das Eddie-Krissy-Slawek-Trio mit Blues Is Still Alive und einem fulminanten Foxy Lady zum Abschluss. Kann man das steigern ?? Das Publikum war nun warmgespielt und bereit für die Gäste. Frank Tischer an den Keyboards und Hammond und Vokal-Legende Inga Rumpf (City Preachers, Frumpy, Atlantis) brachten noch mehr Energie, Klangvielfalt und Stimmung in die gut gefüllte Halle. Mit Friends, Indian Rope Man, How The Gypsy Was Born, I Don’t Need No Doctor, Superstition und Back To The Roots gab es eine Reise durch die Karriere von Inga. Sie war extrem gut aufgelegt, erzählte viel und interagierte sehr intensiv mit dem Publikum. Auch stimmlich zeigte sich die fast 80-jährige in Höchstform, die tobende Menge vor der Bühne erlebte die sechs Künstler wie aus einem Guss, fast wie eine Zeitreise zurück in die späten 70er. Neben dem fulimanten Schlagzeug-Solo von Eddie Filipp, passte dazu auch ein mehrminütiges Hammond-Solo von Frank Tischer, der angesteckt von der elektrisierenden Stimmung die Orgel förmlich zum Brennen brachte. Wieder ein rundherum gut geschnürtes Paket der Hamburg Blues Band.
Nach zwei großartigen Bands mit drei Frontfrauen, danach noch eine weitere Rock-Legende und eine Bühne voller Personal. Wer sich ein klein wenig mit der Geschichte von Grobschnitt beschäftigt hat, der weiß um den Kultstatus der Hagener Band und auch den späteren Inkarnationen bis heute. Mit Rockpommel’s Band wurde nun auf Wunsch der unzähligen Grobschnitt-Fans ein weiteres Kapitel aufgeschlagen, das deutlich den Grobschnitt-Klassiker Rockpommel’s Land ins Zentrum stellt. Mit Toni Moff Mollo (Gesang), Milla Kapolke (Bass) und Rolf ATS Möller von Extrabreit (Schlagzeug) sind immerhin drei Originalmitgliedern aus den 70/80er sowie mit Manu Kapolke (Gitarre), Demian Hache (Schlagzeug) und Deva Tattva (Keyboards) drei weitere Musiker die bei Grobschnitt Reloaded (2007-2012) ebenfalls dabei waren. Als Verstärkung sind Kevin Hollmann (Gitarre), der spielte einige Jahre in der Grobschnitt-Tribute-Band Nebelreise und Armin Krull von The Heroes und Marrakesch Express (Gesang, Akustikgitarre) dazugekommen. Nach dem erfolgreichen Testlauf 2025 im Werkhof in Hagen-Hohenlimburg war klar, die Rockpommel’s Band war geboren. Das Debüt gab die Formation geschichtsträchtig am 06. März 2026 in Menden. Auch wenn es keine Touren mehr geben wird, dafür sind zu viele Künstler mit Vollbeschäftigung im Boot, aber es gibt genug Anfragen und weniger Veranstaltungen wie hier in Paderborn (weiter Art-Rock-Festival, Herzberg), die eine Möglichkeit haben, so einem Rock-Theater einen würdigen Rahmen zu geben. Und alle Besucher, die den Weg in die Paderhalle nicht gescheut hatten und 22:30 noch nicht blutleer waren, haben einen 2,5-stündigen Auftritt der Extraklasse erlebt. Eröffnet wurde mit dem kraftvollen Powerplay (Variation Solar Music), danach folgte dann das Komplettwerk Rockpommel’s Land mit den Erweiterungen Before und Stoney Dance. Schon diese erste Stunde zeigte was die achtköpfige Kapelle sich in monatelanger harter Arbeit draufgeschafft hatte und an diesem magischen Abend leistete. Hier einen Akteur herauszustellen ist unser Ansicht nach unangemessen, denn besonders das harmonische Miteinander, ob Musikanten, Sänger oder Darsteller (Trommler, Maraboo, Jedi, Joint, Dämon, Sonnengott, etc.), und das gute Zusammenspiel war auffällig und sehr erfreulich.
Der mittlere Teil wurde mit Milla’s Frage ins Publikum eingeleitet: „Was für einen Tag haben wir heute?“ Die Antwort als hunderten Kehlen: „Heut ist ein schöner Tag.“ Nun folgten die Klassiker Vater Schmidt’s Wandertag (Jumbo), Mary Green (Illegal), Die Kinder Ziehn Zum Strand und Könige Der Welt (Kinder + Narren), alles Stücke die im Gewand der 2000er präsentiert wurden. Es war inzwischen der neue Tag angebrochen, das war genau der richtige Zeitpunkt für den nächsten Sonnenaufgang zu beten. Und dass tat die Rockpommel’s Band mit einem 30-minütigen Spektakel Sonnentanz, einer 80er Variante vom Klassiker Solar Music. Hier konnte Band und Publikum noch einmal verschmelzen und gemeinsam in Erinnerungen schwelgen. Nach einem tosenden Applaus noch die leicht melancholische Zugabe Solar Music Finale und weil Hans-Werner Schubert keine Ruhe gab, auch noch für seine Frau Wie Der Wind (Kinder + Narren) gleich obendrauf. Dann war „leider schon Schluss“ und die Reise durch die Geschichte von Grobschnitt vorbei. Fazit: Es war hier ist Ostwestfalen ein Heimspiel für die Rockpommel’s Band, sie haben die gute Gelegenheit genutzt. Wir freuen uns auf das fünfte Rock-Festival in der Paderhalle, vielleicht schon im Herbst, wer weiß !! Bilder_Texte: Christa & Roland Koch
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