Ayers Rock: Dead Can Dance (AUS_UK_IRL)

Veröffentlicht am 2. November 2026 um 22:51

Frau & Mann – Australien & Britannien – Altstimme & Bariton 2 – Im südaustralischen Melbourne treffen sich 1980 die Arbeitskollegen Bariton Brendan Michael Perry und Altstimme Lisa Germaine Gerrard, gründen 1981 Dead Can Dance. Die detaillierte Vorgeschichte zu den Beiden ist im ersten Teil erzählt.

Dieses außergewöhnliche Duo verstand sich nach Wechsel vom australischen Melbourne ins britische London, treibende Kraft war Perry, als Künstler-Kollektiv. Sie hatte durch ihre Vorgeschichten und auch durch das multiethnische Umfeld im Melbourner Stadtviertel East Prahran (beide hatten dort Nebenjobs) einen ganz eigenen Klangkosmos entwickelt. Dead Can Dance nutzen die ganze Vielfalt globaler Musik-Kultur, beziehen sich auf mittelalterliche Musik, viele ethnische Musikrichtungen, Neo-Klassik und rockigen Elementen. Diese Musik und dazu auch noch der ungewöhnliche Gesang von Brendan und besonders aber Lisa lassen eine Klang-Melange entstehen die weltweit einzigartig ist und einen sehr hohen Wiedererkennungswert hat. Das Duo und einige Gäste erzeugen mittels afrikanischer Perkussion, australischen Didgeridoos, asiatische Saiten-Instrumente (auch chinesische Yangqin), eine Vielzahl unterschiedlicher Gitarren und andere Zupf-Instrumente sowie vielen anderen exotischen Musikgeräten, sphärische Klangräume wie aus einer anderen Welt. Die Musik ist ideal zur Vertonung von visuellen Darbietungen, dort wird sie deshalb sehr häufig eingesetzt. Nach der ersten Trennung 1998 arbeiten beide unabhängig voneinander an verschiedenen Film-Musiken und Projekten. Deren weitere detaillierte Geschichte siehe bei den Profilen von Lisa und Brendan im Teil 1.

Von Down Under ins Königsreich – Die erste gemeinsame (aber erst 1986 in der 4AD-Kompilation Lonely Is An Eyesore veröffentlichte) vierspurige Studio-Aufnahme, bei dem Lisa Gerrard die Lead-Stimme sang und das Yangqin spielte, war die improvisierte Komposition Frontier. Hier sind bereits alle Stilelemente dieser Truppe zu hören: den nichtlyrischen, phonetischen Gesang von Lisa, atmosphärische elektronische Klangstrukturen, stark verknüpft mit einer Vielzahl von akustischen Instrumenten. Der frühe Demo-Titel wurde zusammen mit ein paar anderen 1982 in einem Studio in Belgrave, einem östlichen Stadtteil von Melbourne aufgenommen. Später erschien dieser Song 1984 auf dem selbstbetitelten Debüt (Cover mit ritueller Maske) in einer Neuaufnahme mit britischen Musikern. Die Aufnahmen der ersten vier Titel für die John Peel BBC Radio Show entstanden am 19. November 1983 im Maida Vale Studio Four. Schon Ende Februar 1984 erschien das selbstbetitelte Debüt der Gothic-Rocker weltweit. Das in einem Achtspur-Studio (Vineyard) entstandene Werk, fand nie die Zufriedenheit des Duos, hat aber alle Merkmale dieser Formation. Die mangelnde technische Qualität ist auch der Grund weshalb auf den beiden schönen Zusammenstellungen 1981-1998 (2001, 3CD+DVD) und Wake (2003, DCD) dieses Debüt nicht berücksichtigt wurde. Eine zweite Peel-Session mit erneut vier Titel wurde für die BBC im Maida Vale Studio Four am 02. Juni 1984 aufgenommen. Das zweite reguläre Studiowerk ist die 4-Titel-EP Garden Of The Arcane Delights, aufgenommen im selben Zeitraum wie die Peel-Sessions, kam schon im August 1984 auf den Markt. Damit wurden damals der aufflammende Hunger der Fans gestillt und auch dem Qualitätsanspruch der Band genüge getan. Alle acht vorher erwähnten BBC-Aufnahmen findet man auf einer Deluxe-Ausgabe dieser EP (2016: 4AD). Mit dem Wechsel in die Woodbine Street Studios, dort wurde mit Gäste-Unterstützung der Nachfolger Spleen And Ideal aufgenommen und im November 1985 veröffentlich, war der Durchbruch geschafft und der weltweite Siegeszug der Totentänzer begann.

Hoheiten des Düsteren – Mit den nächsten Alben Within The Realm Of A Dying Sun (1987) und The Serpent's Egg (1988) veränderte sich der Stil immer mehr weg von klassischer, elektronikgestützter Rock-Musik hin zur klassischen, akustisch geprägten Musik und den dazugehörigen Elementen. Es war daher kein Zufall, dass sich die Film-Industrie verstärkt für ihre Arbeit zu interessieren begann. Im Jahr 1989 schrieben Gerrard und Perry den Soundtrack zu Agustí Villarongas Film »El Niño De La Luna« (Moonchild), in dem Sirene Lisa Gerrard auch ihr Schauspiel-Debüt hatte. Diese sperrige Bilder-Musik für Publikum erfolgreich auf Bühnen zu präsentieren, war immer Bestandteil dieses Projekt, wurde aber zunehmend komplizierter. Dennoch folgte 1990 die erste große Tour durch die USA und erneut mit Aion (griechisch: Ewigkeit, Begriff der Antike) ein bärenstarkes Studio-Album. Mit gregorianischen Gesängen, traditionellem Liedes-Gut, mittelalterliches Instrumentarium wie Drehleier, Dudelsack und Schlagwerke, die Renaissance ist darin noch stärker gewichtet. Inzwischen weltweit auf der Erfolgswelle, ist eine Retrospektive unvermeidlich. 1991 folgte deshalb A Passage In Time mit zwei neue Stücken Bird und Spirit. Diese Zusammenstellung ist aber nicht meine favorisierte Best-Of des Projekts, das ist klar die DCD Wake. Dennoch ist diese erste Kompilation auch ein kreativer Baustein dieses Künstler-Duo. Alle 14 Titel plus die zwei neuen Kompositionen wurden erneut gemischt und mittels Glasmastering, sowie den damals besten technischen Möglichkeiten, nur auf CD veröffentlicht. Das Werk ist durch die Wahl der Songs und deren geschicktes zusammen setzen wie eine fließende Klangstruktur. Manche Fans meinen es ist das zwölfte Studio-Album dieses Projekts.

Mittelstück, Filet oder Panade – Christopher von Deylen alias Schiller sagte kürzlich in einem TV-Interview: „Mit meiner Musik versuche ich Bilder und Filme im Kopf entstehen zu lassen.“ Das trifft auf die Klänge von Dead Can Dance ebenso zu. Im September 1993 erschien Into The Labyrinth, das wieder mehr elektronische Weltmusik einband und die medienstärkste Veröffentlichung des Duos ist. Perry und Gerrard steuern im selben Jahr einige Stücke zum US-Film Baraka bei, arbeiteten mit dem Avantgarde-Künstler Hector Zazou auf Sahara Blue (MTM) zusammen. Das auf der US-Tour aufgenommene Live-Album Toward The Within (1994), enthielt überwiegend bislang unveröffentlichte Titel. Damit zählt es bei den DCD-Fans ebenso als vollwertiges Album, es verschwimmen damit die Schubladen Demo, Studio, Live, Neuaufnahme. Es gibt auch noch einige sehr gute offizielle Bootlegs von der Tour. Auf dem 1996 erschienenen Album Spiritchaser bewegten sich Dead Can Dance stärker in Richtung afrokaribischer Elemente. Hier dominieren rhythmische Strukturen, eingespielt von bis zu einem Dutzend Perkussionisten. Brendan Perry blieb auch bei diesem letzten gemeinsamen Album der musikalische Steuermann, entwickelte musikalische Visionen und strukturierte die gemeinsame Projekt-Arbeit. Am 9. Dezember 1998 kam ein sehr trauriger Tag für die DCD-Fans, Lisa und Brendan trennten sich aus ungenannten Gründen, das Duo-Projekt wurde kommentarlos aufgelöst. Lisa Gerrard auf ihrer Webseite unter dem Titel The Dead Can Dance Statement: „Wenn die Angst dorthin kommt, wo die Liebe sein sollte, ist es an der Zeit, weiterzuziehen!“ Mein Urteil zu Filet oder Panade: Eindeutig ein erstklassiges Mittelstück.

Tourneen 2005 – Nach einer 6-jährigen Projekt-Pause, in der Lisa sowie Brendan intensiv an jeweils eigenen Projekten arbeiteten, sind Dead Can Dance überraschend dann 2005 mit Tourneen wieder in Europa (März/April, 12 Auftritte) und Nordamerika (September/Oktober, 8 Auftritte) erfolgreich aktiv. Alle Auftritte sind über offizielle Bootlegs und Promos gut dokumentiert. Auch diesmal war die Hoffnung wieder groß das Lisa Gerrard und Brendan Perry nicht nur auf der Bühne zusammenarbeiten könnten. Viele Gerüchte einer Reunion lagen in der Luft. Anlass dazu gab natürlich das mit Saffron, Yamyinar, The Love That Cannot Be, Crescent, Minus Sanctus und Hymn For The Fallen auch eine Handvoll neue Lieder der beiden Komponisten auf dieser Tour präsentiert wurden. Allerdings kommentierte Lisa Gerrard erneut die drängenden Nachfragen zu Dead Can Dance mit zu unterschiedlicher musikalischer Ausrichtung und dass dadurch die Differenzen schier unüberbrückbar geworden seien. Aber um es schon mal vorweg zu nehmen, die Zeit heilt manchmal auch größere Wunden.

Tourneen 2012 – Im August 2012 erschien mit passenden Titel Auferstehung (griechisch: Anastasis), nach einer Studio-Pause von immerhin 16 Jahren, überraschend dieses nächste gemeinsame Album von Dead Can Dance. Zu hören sind diesmal viel mehr synthetische Klänge, geschickt eingestreute Weltmusik-Elemente, wechselnd jeweils 4-mal Gesang von Perry und Gerrard. Vielen Kritikern gefiel dieses, gefühlt wie an einem Reißbrett produzierte glatte Album, nicht besonders. Denn gerade diese raue Düsternis, gekoppelt mit vielen naturakustischen Klängen und begleitet mit besonderer Vokalakrobatik, war das Markenzeichen dieses Duo. Nicht falsch verstehen, Anastasis ist sicher noch weit über Mittelmaß, aber die drei Alben aus Mitte der 90er sind viel überzeugender, in jeder Hinsicht. Beispielsweise ist der Schwerpunkt bei der vorbildlichen Best-Of-DCD Wake (2003) nicht ohne Grund mit fünf Titeln (35 Minuten) von Into The Labyrinth (1993) genau aus dieser Zeit. Aus dem Material der begleitenden weltweiten Tour entsteht das erste echte Live-Album In Concert (2013) der Band. Zum bisher letzten Album Dionysus (griechischer Gott) dauerte es dann nur fünf Jahre, zwei ultralange Titel im typischen Stil. Im April und Mai 2022 kommen Dead Can Dance nach langer Zeit endlich wieder mal nach Europa, nach Berlin, Bochum, Frankfurt, werden live auf ihre lange musikalische Karriere und elf einzigartige Studio-Werke zurückblicken. Es war in jeder Hinsicht ein audiovisuelles Ereignis der Extraklasse.

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