Éire Barde: The Taste – Taste (IRL) – Stud (NIR)

Veröffentlicht am 27. Januar 2026 um 22:13

Rory’s Weltkarriere: kurz, turbulent, schmerzhaftes Ende – Es gibt eine erfolgreiche Band vor der Solo-Karriere vom Iren Rory Gallagher und auch noch eine danach. Hier die Geschichten dazu. Bereits 1963 war der am 02. März 1948 in Ballyshannon (nähe Donegal) geborene 15-jährige Musiker Mitglied der Fontana Show Band, aus der später The Impact wurde.

Im August 1966 gründete der junge William Rory Gallagher (Gitarren, Mandoline, Saxofon, Gesang) mit 18 Lenzen im südirischen Cork das Power-Trio The Taste. Das entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einer überaus einflussreichen überregional bekannten Rock-Band. Anfänglich trat der Kumpel aus Cork mit Eric Kitteringham (Bass, verstorben 07-05-2013) und Norman Damery (Schlagzeug, verstorben 06-01-2023) in Hamburger Star Club auf. Im Star Club wurde zwar ein Quartett gesucht, aber aus nicht bekannten Gründen wurde der Keyboarder krank, sie bekamen den Job aber auch als Trio. Ausreden helfen manchmal. Sie traten in Hamburg unter anderen mit den berühmten Remo Four und den VIP’s (die sich später in Spooky Tooth umbenannten) auf. Die Arbeit im Star Club war hart und die Bezahlung schlecht. Deshalb ging es für das Trio schnell wieder zurück nach Irland.

Zurück in der Heimat bekam The Taste eine feste Anstellung in einem R&B-Club eines Belfaster Hotel. Juli 1967 wurden erste Demos in den Studios von Solomon & Peres (Produzent Tommy Scott) aufgenommen, sollten aber nicht veröffentlicht werden, besonders nicht als Single. Denn Gallagher, einer der einflussreichsten Gitarristen aller Zeiten, sperrte sich massiv Singles oder Musikvideos zu veröffentlichen. Irgendwie gelangten die Aufnahmen dann doch auf eine Single namens Blister On The MoonBorn On The Wrong Side Of Time (04-1968, Erst-Pressung: Major Minor MM 560) und damit dennoch in den Handel. Diese ersten Demos tauchten dann später in verschiedenen Zusammenstellungen und Alben wieder auf: Taste First (1972, BASF – 20 29084-0), In The Beginning – An Early Taste Of Rory Gallagher (1974, Emerald Gem – GES 1110) oder In The Beginning (1975, Decca – CPS 9383). The Taste wurde von einigen Fachleuten als einer der vielen und würdigen Nachfolger von Cream gefeiert. Auf dem Cover der Taste First der BASF-Ausgabe liest man: „Taste First ist so frisch und so jung wie der Blues selbst. Und der Blues wird niemals sterben…“ Erschienen ist Taste First 1972, laut Cover wurde das Album 1967 mit Richard McCracken und John Wilson (MK2-Besetzung) aufgenommen. Taste spielte in dieser Besetzung aber erst in der zweiten Hälfte 1968, also quatsch.

In der 4CD-Box I’ll Remember (2015, Polydor) werden auf CD4 alle neun Titel der Demo-Aufnahmen (The Belfast Early Sessions) von Juli 1967 komplett restauriert neu veröffentlicht und auch Norman Damery (Schlagzeug) und Eric Kitteringham (Bass) als Musiker genannt. Der Ordnung halber hat man 30 Minuten (vier Titel) von Live At Woburn Abbey Festival (07-1968) noch mit dazu gegeben. Auf CD3 gibt es noch die Raritäten Live In Konserthuset (1970: Stockholm, Schweden) und BBC Live In Concert (1970: The Paris Theatre London) in der MK2-Besetzung. Daniel Gallagher der Sohn von Dónal Gallagher, Neffe von Rory Gallagher, hat diese Super-4CD-Box zusammengestellt. Er ist A&R-Berater bei UMC (Universal Music Corporation) und Gitarrist bei den Cazals (2008: What Of Our Future).

Weitere Auftritte 1968 dann in Großbritannien und mit neuer Rhythmustruppe Richard McCracken (Bass, 26-06-1948, Omagh) und John Wilson (Schlagzeug, 06-11-1947, Belfast) machten das Trio (nun nur) Taste schnell bekannter, was dann folgerichtig auch zu einer gemeinsamen Tour mit der britischen Super-Group Blind Faith durch Nordamerika führte. Der kreative lokale Mittelpunkt der Gruppe wurde nun dauerhaft London. Man entschied sich für einen Vertrag mit Polydor (wie Blind Faith), veröffentlichten Taste (April 1969, Polydor 583 042) und Januar 1970 On The Boards (Polydor 583 083), die ersten zwei Studio-Alben, wobei letzteres sogar Fusion-Einflüsse durch Saxophoneinlagen von Gallagher zeigte. Im November 1969 eröffneten sie gemeinsam mit Yes, die Farewell-Konzerte der Super-Group Cream. Damit haben sie mit den beiden ikonischen Bands von Eric Clapton zusammen auf der Bühne gestanden.

Nach ihrem legendären und bemerkenswerten Auftritt beim Isle Of Wight Festival am 28. August 1970 (unter anderem mit Chicago, Procol Harum), das mit dem Album Taste: Live At The Isle Of Wight würdig dokumentiert wurde. 2015 mit zusätzlichen Titeln Gambling Blues, I’ll Remember, Same Old Story, Blister On The Moon und auch als DVD mit Bonus 3-mal Beat Club 1970 und 3-mal Promos wieder veröffentlicht. Sie tourten erneut durch Europa. Sie spielten auch am 04. November 1970 im Schweizer Montreux Casino (1971: Live Taste), und gaben die letzte Show in Belfast, Nordirland an Silvester 1970. Die Wege des Trios trennten sich dann Ende 1970. Nach Meinung von Schlagzeuger John Wilson war Rory Gallagher damals auf einem Ego-Trip. Er ließ die beiden anderen (nach Gallaghers eigener Meinung) musikalisch weit hinter sich. Rory können wir ja leider nicht mehr befragen, aber es gibt auch andere Meinungen dazu. Beispielsweise das was mir mehrfach bekannt geworden ist. Er wollte sich in jeder Hinsicht weiterentwickeln. Die Wahrheit, wird irgendwo dazwischenliegen. Frontmann Gallagher startete danach sofort eine sehr erfolgreiche Solo-Karriere bis zu seinem frühen Tod Juni 1995 (siehe unten Zeitleiste).

Richard McCracken (Bass) und John Wilson (Schlagzeug) gründeten zusammen mit dem Gitarristen Jim Cregan (Debüt 1971: Stud) und später John Wieder (Gitarre, Violine, vorher The Animals, Family) daraufhin die Fusion orientierte Band Stud (Zucht). Mangels Erfolg wurde Anfang 1972 nach dem Album September (1972) die Auflösung beschlossen und die Band nahm im Mai 1972 in den Command-Studios London vor kleinem Publikum ihr letztes Album Goodbye auf. Es gab lediglich nur fünf Titel zu hören, wovon mit Horizon No. 2 und Harpos Head No. 2 zwei lange Kompositionen jenseits der 15 Minuten Grenze zu Gehör gebracht wurden. Weiterhin spielten Stud ein viertes recht unbekanntes Album The SWF Session (DE_BW, Long Hair – LHC 00081) ein. Zwei Titel eingespielt am 14. April 1972 und vier weitere am 10. Mai 1972 im SWF Studio in Baden-Baden.

Die Handvoll Auftritte von John Wilson mit Nick Scott (Bass) und Sam Davidson (Gitarre) Ende 2006 oder auch das Album Wall To Wall (2009, Bad Reputation – BAD091103) mit Albert Mills (Bass) und Sam Davidson (Gesang, Gitarre), wieder als Taste, waren völlig unnötig und Tasteless, da die beiden Hauptakteure Rory Gallagher und Richard McCracken fehlten. Ganz im Gegensatz zu der 2015 veröffentlichten wunderbaren 4CD-Polydor-Werkschau und Schatzkiste I´ll Remember, darunter auch mit den Aufnahmen von einem Event bei der BBC.

SchoTTenTipp: 1. I´ll Remember [4CD-Box], 2. What´s Going On: Live At The Isle Of Wight [DVD], 3. Stud: The SWF Session 1972 [CD], 4. Rory Gallagher: Original Album Classics [5CD-Box], 5. Rory Gallagher: Shadow Play: The Rockpalast Collection [3DVD]

Was ist das besondere an Kumpel Rory. Er hatte wie viele Iren die Musik in die Wiege gelegt bekommen. Und er hatte viel Talent sowie den entsprechenden Blutkreislauf, die Energie in seinen Körper so zu verteilen, dass er diesen hochenergetischen irischen Rock immer wieder und egal wo zum Leben erwecken konnte. Und das bis zu seinem frühen Tod am 14. Juni 1995. Er starb später in London an den Folgen einer Lebertransplantation. Was war der Unterschied zu anderen Gitarristen. Rory hat seiner Musik, besonders seine Art Saiten-Instrumente zu spielen, immer eine irische Note hinzugefügt. Das Vermächtnis von Rory Gallagher wird bis heute von seinen Kumpels Gerry McAvoy (Bass) und Schlagzeuger Brendan O'Neill (Band Of Friends) aus Irland sowie Stephan Graf (Theodor Strom) aus Thüringen mit seinem Gallagher-Projekt Double Vision würdig am Leben erhalten. Und das ist sehr gut so, denn wird weiterhin viele Fans begeistern.

Zeitleiste: The Taste – Taste (IRL) – Stud (NIR)

07-1967: Taste First (1972) – auch The Belfast Early Sessions (2015: Box I´ll Remember)

07-1968: Live At Woburn Abbey Festival – auch At Woburn Abbey Festival (2015: Box I´ll Remember)

08-1968: Transmissions 1968 – 69 (Bootleg) – Aufnahmen 08-1968, 10-1968, 02-1969, 08-1969

10-1968: In Concert (1977) – Live At The Marquee, 25. October 1968 (Ariola)

xx-1968: Radio & TV Broadcasts 1968-69 – Peel Session & Bilsen Jazz Festival (1960s Records)

04-1969: Taste (1969)

01-1970: On The Boards (1970)

08-1970: Live At The Isle Of Wight (1971) – auch What´s Going On: Live At The Isle Of Wight DVD

11-1970: Live Taste (1971)

11-1970: Live In Basel 1970 – Aufgenommen vom Schweizer Rundfunk (1960s Records)

xx-1971: Solo Karriere Rory Gallagher mit Künstlern siehe unten

xx-1971: Stud

xx-1972: September

05-1972: Goodbye – Live Command Studios, London im Mai 1972

05-1972: The SWF Session 1972 – Produzent: Roland Schaeffer von Guru Guru

Zeitleiste: Rory Gallagher (IRL)

1971 – 1972: Gerry McAvoy (Bass), Wilgar Campbell (Schlagzeug).

1972 – 1978: Gerry McAvoy (Bass), Lou Martin (Keyboards), Rod De'Ath (Schlagzeug).

1978 – 1981: Gerry McAvoy (Bass), Ted McKenna (Schlagzeug).

1981 – 1991: Gerry McAvoy (Bass), Brendan O'Neill (Schlagzeug) & häufiger Gast: Mark Feltham (Harmonika).

1992 – 1994: David Levy (Bass), Jim Leverton (Keys), John Cooke (Keys), Richard Newman (Schlagzeug) & Gast Mark Feltham.

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