Instrumental-Musik wird mit einen oder oft auch mehreren Instrumenten (oder Tonerzeugern) egal welcher Art und Zusammensetzung sowie auch von kompletten Ensembles und Orchestern ausgeführt und sie ist damit der direkte Gegenpol zur Vokal-Musik.
Diese Art von Musik begleitet die Menschheit seit ihrem bestehen. Die ersten nachweisbaren, echten, reproduzierbaren Kompositionen sind in der klassischen Musik ab Mitte des 15. Jahrhunderts festzustellen, ziehen sich durch die Hochzeit des Jazz und Blues bis in die moderne Zeit des Pop und Rock durch alle unterschiedlichen Genres. Auch Interpreten der vokalgestützten Musik, ein- oder mehrstimmig, haben immer wieder auch reines Instrumentales erschaffen. Es ist eine besondere immer wieder interessante Variante und äußerst kreative Ausdrucksform musikalischer Werke. Die Instrumentierung muss beim Hörer schon zu Beginn den Appetit machen, die Spannung, wenn möglich durchgängig halten und damit auch den bombastischen Abschluss vorbereiten.
Orchester und Ensembles, Gruppen und Bands, Musiker Solo, Duo, Trio mit täglichen Kontakt zu begeisterten, interessierten und fachkundigen Publikum werden viel direkter und wahrnehmbarer mit den neuen Strömungen, Stilen, Tänzen, Klängen, Rhythmen, Veränderungen, etc. konfrontiert, setzten sich deshalb auch zwangsläufig aus künstlerischen Erwägungen schneller, zielgerichteter, unmittelbarer mit allen diesen Aspekten auseinander. Diese Symbiose zwischen Macher und Konsumierer hatte/hat in der Entwicklung der Musik, unabhängig von Art und/oder Genre, besonders in der Zeit der 50er und 60er, als der Konsum von Künsten weniger Zuhause in den eigenen vier Wänden, sondern sehr viel mehr außerhalb der Wohnung an den unterschiedlichsten Lokalitäten Live stattfand, immer eine wichtige und entscheidende Rolle und Bedeutung.
Außergewöhnliche und/oder prägende Künstler der Bereiche 1. Klassik, 2. Jazz und 3. Pop & Rock werden thematisch und chronologisch in weiteren folgenden Beiträgen ausgeführt. Die in diesen Beiträgen vorgestellten Künstler mit Schwerpunkt Pop und Rock aller Genres stellen jeweils nur eine kleine Auswahl dar. Es sind immer ein paar Schwergewichte, aber auch teilweise recht unbekannte Interpreten und Künstler dort vertreten. Interessante Genres mit Schwerpunkt Instrumental-Musik wie Ambient, Berliner/Düsseldorfer Schule, Minimal-Musik, und andere werden auch kurz vorgestellt. So entsteht eine recht umfassende Betrachtung der Instrumental-Musik aus verschiedensten Blickwinkeln.
Nachfolgend als Erleichterung für die schnellere Suche eine Auflistung der Bands, Projekte, Künstler die in den späteren Kapiteln ausführlicher behandelt werden mit Gruppe 2: Pop und Surf, Gruppe 3: Rock´N´Roll und Rock, Gruppe 4: Funk, Jazz, Soul, Gruppe 5: Mariachi & Big Bands, Orchester, Gruppe 6: Symphonic, Gruppe 7: New Age und Meditation, Gruppe 8: Filmmusik, Gruppe 9: Listen, Übersichten, Weitere Texte, Verschiedenes.
Jedes Jahr erscheinen zunehmend weniger, aber dennoch immer wieder ein paar instrumentale Rock-Hits. Damals war das anders, massenhaft Instrumental-Perlen, von denen jede gewöhnlich auf einem mehr oder minder simplen Riff, einer Ohrwurm-Melodie (The Champs: Tequila, regelmäßiger Ausruf) und/oder auf irgendeinem elektronischen Gag/Gimmick (Tune Rockers: The Green Mosquito, Schlag Mit Der Fliegenklatsche) aufgebaut war. Es gab natürlich auch musikalische Eintagsfliegen, die Rolle in der Rock-Musik ist aber minimal. Das war in den späten 50ern in der Hochzeit des Rock´N´Roll (Beispiel: Twang) und Teen-Pop sowie frühen 60er mit der Surf-Rock Musik völlig anders. Da waren die Instrumental´s total angesagt, einer der wesentlichen Trends, fasst sogar eine der dominierenden Musik-Stile der Masse. Ursprünglich wurden rockige Instrumental-Stücke anfänglich in der Blütezeit Anfang/Mitte der 50er von Rhythm & Blues Tanz-Combos gespielt. Wesentliches Merkmal war meist ein Organist oder Pianist wie Cecil Gant oder Bill Doggett (Lionel Hampton Big Band) oder auch ein guter virtuoser Saxophonist wie Bill Justis, Joe Houston, Jimmy Beasley, King Curtis (später auch Solo erfolgreich), Jimmy Forrest, Lee Allen, Gene Barge, Plas Johnson, Cilfford Scott, der zusammen mit Bill Doggett 1956 die ersten großen Rock-Instrumental-Hits mit Honky Tonk (#2 US) und Slow Walk (#26 US) hatte. Bis es soweit war, nahmen Combos wie von Bill Doggett (mit Hilfe starker Mitstreiter Cilfford Scott und Billy Butler) und viele andere talentierte Bands Singles am Fließband auf, durchquerten die US-Staaten rastlos in alle Richtungen, rockten regelmäßig in irgendwelchen Raststätten, Motels, Restaurants, Bars, Clubs, Juke-Joints, Theater und ähnlichen Etablissements, was dieser Art Rock-Musik eine gewisse Neigung zur Improvisation einbrachte, die angeregt und befeuert wurde aus dem Jazz und Boogie-Woogie.
Mitte der 50er waren Instrumental-Bands bei Tanzveranstaltungen sehr angesagt und beliebt, die Black Music war dagegen im Studio sehr stark auf Gesang ausgerichtet, die weiße Studio Rock-Musik geteilt in Teen-Idole (Ricky Nelson) und kraftvolle, ungeschliffene Rockabilly-Sänger (Bill Haley, Eddie Zack, Elvis Presley, Johnny Cash, Gene Vincent, Carl Perkins und weitere). Zum Ende der fünfziger Jahre verlagerte sich das Bild noch stärker Richtung Teenager-Musik, mit einer fast monopolistisch, zentralisiert ausgerichteten Medien-Maschinerie. Aber wie bei vielen Monokulturen in den Künsten üblich (aber nicht nur dort), drehte sich das Rad munter weiter und aus den abgetrennten Wurzeln des Rock´N´Roll entstanden zarte neue kraftvolle Triebe in Form von meist durchweg mit weißen Musikern besetzten Instrumental-Bands, die dann das lokale Leben in den US-Staaten sehr belebten und auch die britische Szene auf dieser verregneten Insel auf der anderen Seite des Atlantik damit infizierten und anzustoßen. Diese starken Impulse sorgen indirekt auch dazu, das Ende der 60er die erste britische Invasion die Rock-Musik aus seiner Flaute heraus und zur globalen Dominanz der Musik des Vereinigten Königreichs führte, dem 60er Commonwealth des Brit-Rock und später globalen Classic-Rock (auch zwei interessante Themen) !! Das ist aber wieder ein anderer Teil der bunten Musik-Geschichte und das Rad hatte sich derweil noch einmal ein Stück munter weiter gedreht !!
Zurück zum Thema. Die Instrumental-Gruppen waren fast ausnahmslos ein regionales Phänomen, ein Produkt des lokalen Musikschaffens, welches oft die Quelle jeglicher bedeutender Erneuerung in der Rock´N´Roll-Musik war. Die professionellen Musik-Schaffenden in den damaligen musikalischen Hochburgen, vor allem Großraum New York, LA, London, waren längst von den Einflüssen außerhalb der Musikindustrie isoliert worden. Lokale Bands mit täglichen Kontakt zu begeisterten, interessierten und fachkundigen Publikum wurden viel direkter mit neuen Strömungen, Stilen, Tänzen, Klängen, Rhythmen, Veränderungen, etc. konfrontiert und setzten sich deshalb auch zwangsläufig aus künstlerischen Erwägungen schneller, zielgerichteter, unmittelbarer mit diesen Aspekten auseinander. Diese Symbiose zwischen Macher und Konsumierer hatte/hat in der Entwicklung der Musik, unabhängig von Art und/oder Genre, immer eine wichtige und entscheidende Rolle und Bedeutung.
Anfänglich waren Bands dazu da einen Sänger zu begleiten, auch Instrumental-Bands wie Rock-A-Teen blieben zuerst dabei für einige Stücke mit dem Vokalisten die Bühne zu teilen. Rockabillly und Teen-Ballad kamen aus der Mode, die Musiker wollten lieber zusammen mit trinkendem und tanzendem Publikum Rock-Musik zelebrieren. Die Gitarre wurde immer mehr zum vorherrschenden Instrument und Heroen wie King Of Twang aus Phoenix Arizona Duane Eddy oder Virtuose Link Wray, die mit ihrem raffinierten, kraftvollen, einfallsreichen Spiel sowie ihrer Art, Dynamik und Rhythmus, spätere Kollegen wie Pete Townshend, Eric Clapton, Jimmy Page oder Jeff Beck inspirieren sollten, übernahmen nun das Zepter. Der in dieser Periode erfolgreichste Instrumental-Rocker Eddy schaffte mit Produzenten Lee Hazlewood, eigen entwickelten Gitarren-Sound, schmutzige beherrschte Saxophon-Solos, gelegentliche Ausrufe der Band, in leicht dahintrabenden Beats so zu verknüpfen, das ihn dieses Rezept mit mindestens 20 Top Hits zum größten internationalen US-Star Ende der 50er machte, besonders in England wo die Instrumental-Gruppen wie Shadows, Tornados und ein dutzend andere praktisch die ganze Rock-Szene beherrschten. In Deutschland, Holland, Schweden, Japan, erreichten diese Instrumentals eine größere Bedeutung und Beachtung als im Mutterland Nordamerika, natürlich konkurrierten sie dort viel stärker mit anderen Genres, Stilen, Märkten, Sounds, Strömungen. Aus der North-West-Rock-Szene mit unter anderem Wailers, Frantics, Viceroys, Bluenotes, Sonies, Dynamics, Kingsmen, Ventures starteten dann auch die Letzteren (Der Stolz von Seattle) mit ihrem polierten, technisch perfekten gitarrenbetonten Sound durch, veröffentlichten bis in die 70er regelmäßig mindestens 50 Alben, inspirierten dadurch zahllose Musiker weltweit.
In der Zeit von 1959-1962 begeisterten Johnny & The Hurricanes mit einem rockorientierten Stil die Fans vor allem in Europa, spielten sogar im Hamburger Star Club (Vorgruppe The Beatles) und brannten innerhalb von drei Jahren völlig ab. Und das ist wörtlich gemeint, denn von dem damals üblichen Tantiemensatz von nur 1,5 Prozent mussten die Künstler auch noch alle Produktionskosten bezahlen. Gewinner waren die Manager Orving Micahnik und Harry Balk, die 20 Prozent der Verdienste einstrichen. Oben drauf kamen dann noch die Kompositionsrechte und somit die Veröffentlichungstantiemen sowie bei Vermittlung der Rechte an andere Labels ein weiterer Tantiemensatz von damals üblichen 5 bis 10 Prozent. Leider wurde in dieser Zeit schon das bis heutige gültige Regelwerk der Musikindustrie festgelegt, der kreative, komponierende, produzierende, aktive Künstler kann meist von seiner Arbeit nicht leben, die passive Administration verdient den Großteil des Geldes, es gab/gibt leider auch nur wenige Ausnahmen, meist Künstler die sich voll oder teils selbst vermarkten hatten/haben. Zwar ein Zugewinn für beide Seiten, denn die Manager haben die Kontakte, Strukturen, Studios, Vertriebe und die Künstler die Sicherheit dies alles nutzen zu können ohne es selbst aufbauen und pflegen zu müssen, aber oft unfair und ungerecht gewichtet und verteilt. Auch bei John Pocisk alias Johnny Paris alias Johnny & The Hurricanes war das so, er lebte wie viele andere auch in ärmlichen Verhältnissen, starb früh, aber seine Werke und sein Name strahlt bis heute ultrahell und hoffentlich noch sehr lange weiter. Darüber hinaus ist der große Verdienst von Johnny und vielen seiner Zeitgenossen, dass sie ein dynamisches, eigenständiges, lebendiges und wichtiges Bindeglied zwischen der großen Zeit der Orchester und Ensembles der 30er bis 50er und der schon mehrmals erwähnten ersten Welle der britischen Invasion waren. Kaufen kann sich Johnny dafür leider nichts mehr, denn er starb 2006 verarmt im Alter von nur 65 Jahren im Feindesland Deutschland an den Folgen einer Milzoperation.
Die Zeit bis Mitte der 60er konkurrierten Duane Eddy, The Ventures, The Champs, Bill Black, Ricky Nelson und einige andere mit gelegentlichen vokallosen Vorstößen, mit in Mode gekommenen Girl-Groups, Tanzschlager und wieder aufgeflammten Soul und Black Music um die Gunst der Konsumenten. Hunderte von fleißigen aber erfolglosen, vor allem in Nordamerika übrig gebliebenen Instrumentalen, hielten nach einem neuen Trend oder einer zugkräftigen Masche Ausschau. Und da hatte dann Dick Dale mit Let´s Go Trippin´ von 1961 die Zündschnur gefunden. Schnell zogen Bands wie die Beach Boys und das US-amerikanische Surf-Musik-Duo Jan & Dean (Jan Berry, Dean Torrence) nach, auch reine Instrumental-Gruppen wie beispielsweise The Chantays (Pipeline), The Pyramids (Penetration), The Surfaris (Wipe Out) lösten eine regelrechte Schwemme an guten Surfern aus. Auch die in Europa weitestgehend unbekannten Astronauts aus Denver, Wailers aus Seattle und die Trashmen aus Minneapolis, alle drei Bands gründeten sich sehr weit weg von Kaliforniens sonnigen Stränden, sogar die Ventures mit einer Surf-Version von Walk Don´t Run, sowie eine breite Front von weiteren Surf-Rock-Bands stimmten das letzte große Hurrageschrei der instrumentalen Rock-Musik für dieses Zeitalter an.
Instrumental-Rock in vielen Schattierungen trat zeitlich begrenzt als eine eigene Ausdrucksweise stark, fast schon dominant in Erscheinung, mit der Fähigkeit die Phantasie des Zuhörers auch ohne Texte und Gesang anzuregen. Zugegebenermaßen ist dieses Genre begrenzter als andere, aber da die Regeln strenger sind, sind oft auch die Ereignisse raffinierter, intelligenter, erinnerungswürdiger, als diese simplen Formeln zuerst vermuten ließen. Und obwohl ein Überleben lokaler Musikszenen, von denen unter anderem Rock-Musik auch stark abhängig ist, in den letzten Jahren zweifelhafter erschienen, möchte man annehmen dass der Instrumental-Rock doch wieder eine Auferstehung erleben wird, bevor die Rock´N´Roll Geschichte abgeschlossen sein wird. Denn das Rad dreht sich bis heute immer munter weiter !!
Die dreiteilige Zusammenstellung The History Of Surf Music (Volume One: Original Instrumental Hits 1961-1963, Volume 2: More Original Instrumental Hits, Volume 3: Revival 1980-1982), erschienen 1982 bei Rhino Records sowie die ebenfalls dreiteilige Zusammenstellung The History Of Surf (JB Production, 2012) sind zwei sehr gute Beispiele für exzellente, umfassende Übersichten der Instrumental-Musik der 60er und 70er Jahre.
Die Blaupause für eine andere wichtige Neuerung entstand in der Phase ab Mitte der 50er ausgelöst 1954 durch den Solisten Art Blakey mit Begleitband The Jazz Messengers, wurde genreübergreifend fortgesetzt beispielsweise durch Gruppen wie Buddy Holly & The Crickets, Bill Haley & His Comets, Dick Dale & His Del-Tones, Johnny & The Hurricanes, Link Wray & His Raymen, Eddie & The Showmen, Cliff Richard & The Shadows, Herb Alpert & The Tijuana Brass, Booker T. & The M.G.´s, James Brown & The Famous Flames bis hin zu Tony Sheridan & The Beat Brothers, dessen Begleitband später die größte Karriere der Musikgeschichte bis heute machte und die sich auch fast bis zum Letzten jeden Alters, egal wo auf diesem Globus herumgesprochen hat. Dabei spaltet sich dieses Thema in zwei Konstellationen auf, 1. Formationen die auch ohne Hauptakteur autark aktiv sind wie zum Beispiel: Crazy Horse (Neil Young), The Band (Bob Dylan), War (Eric Burdon), und 2. die von einem Mastermind und einer Band die nur in dieser symbiotischen Kombination zusammen arbeiten wie beispielsweise: John Mayall & The Bluesbreakers, Bob Dylan (Grateful Dead, Tom Petty & The Heartbreakers) und Neil Young (Booker T. & The M.G.´s, Pearl Jam) haben sogar mit verschiedenen Combos zusammen gearbeitet und sich deren Ästhetik zu eigen gemacht. Im Fall Big Brother & The Holding Company war Janis Joplin nur gleichberechtigtes Mitglied.
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