Tragik Rock: Randolph Craig Wolfe – Randy California (US)

Veröffentlicht am 22. Januar 2026 um 23:19

Kaptain Kopter reist mit Jimmy James und Ed im Zeppelin – Viele interessante, aber zum Teil recht unbekannte Geschichten des Classic Rock, sind oft mit anderen großen Namen verknüpft, mit den britischen The Beatles oder auch Led Zeppelin oder dem US-Gitarrengott Jimi Hendrix.

Hier nun die tragische Geschichte von Randolph „Randy“ Craig Wolfe, der am 20. Februar 1951 in eine Musikerfamilie (Vater: Robert Wolfe) in Los Angeles hinein geboren wurde und seine frühen Jahre damit verbrachte, verschiedene Musikstile im Folk-Club Ash Grove von Onkel Ed Pearl sehr genau zu studieren. Im Alter von 15 Jahren, zogen seine Mutter Bernice Pearl und sein neuer Stiefvater Ed Cassidy 1966 nach New York City, wo Cassidy einige lukrative Jazz-Aufträge zu erfüllen hatte. Im Musik-Club Manny’s Guitars lernte Randy dort den aufstrebenden Jimi Hendrix kennen. Schon im Sommer spielte er in der Band Jimmy James & The Blue Flames von Hendrix. Den Künstlernamen Randy California bekam er von Band-Chef Hendrix, der ihn damit von Randy Palmer alias Randy Texas in der Band unterscheiden wollte. Als Hendrix von Musik-Manager und Produzent Chas Chandler, dem ehemaligen Bassisten der Brit-Barden The Animals, nach England eingeladen wurde, verhinderten Randys Eltern erst einmal seine Reise nach Europa, damit er seine High School abschließen konnte. Berichten zufolge wollte Chandler aber auch nur Hendrix als einzigen Gitarristen für die geplante Band und verhinderte deshalb auch noch zusätzlich Randys Reise nach England. Jimi lud Randy trotzdem ein, damit sie „Jeff Beck suchen gehen konnten.“

Ed Cassidy, Spezialität: spielt ausgedehnte Schlagzeugsoli mit bloßen Händen statt mit Trommelstöcken, der in den 50ern beispielsweise mit Szenegrößen wie beispielsweise Art Pepper, Cannonball Adderley, Thelonious Monk, Gerry Mulligan, Zoot Sims zusammen musizierte, suchte in NYC jedoch nicht nur nach Arbeit, sondern auch nach neuen Herausforderungen. Und mit eben Randy (Gitarre), sowie Bassist Mark Andes (Marksmen, Canned Heat, Jo Jo Gunne, Heart) und Jay Ferguson (Gesang, Western Union, Jo Jo Gunne) gründete er die Red Roosters. Die Truppe wurde dann 1967 durch Tastenmann John Locke (Nazareth) ergänzt, der Sound änderte sich, der Name auch, in Spirits Rebellious. Mit verkürzten Band-Namen erscheinen kurz hintereinander die viel beachteten Alben Sprit (1968, einen Monat vor Randys 17. Geburtstag), The Family That Plays Together (1969, Hit: I Got a Line on You), Clear (1969). Sie zeigen deutlich die musikalische Vielfalt dieser Musiker, den großen Durchbruch wie Jimi Hendrix erreichen sie aber leider nicht. Vielleicht ist zu der Zeit nicht genug Raum für zwei US-Gitarrengötter, mag sein das Randy zu introvertiert und nicht exzessiv & wild genug ist, eventuell spielt Spirit auf den falschen Bühnen dieser Welt. Kann aber auch sein, dass California einfach nur Pech hatte, weil sich in diesem Sommer Of Love alles um Jimi Hendrix, dem Aushängeschild gegen Krieg und Establishment dreht. Die Musikalität von Spirit war jedoch auf Augenhöhe mit Jimi’s Experience, aber eben anders.

Led Zeppelin, eine andere der größten Rock-Bands aller Zeiten, tourten 1968 und 1969 zusammen mit Spirit, verbeugten sich vor denen mit einer Cover-Version von Fresh Garbage (Opener Debüt Spirit 1968). Es wird vermutet, dass Jimmy Page sich bei Stairway To Heaven von Californias Gitarrenpart aus Taurus vom Album Spirit inspirieren ließ. Led Zeppelin traten 1968 und 1969 bei einigen US-Konzerten gemeinsam mit Spirit auf, was diese Kontroverse noch weiter anheizte. 1996 erklärte Randy California in den Liner Notes der Wiederveröffentlichung von Spirits erstem Album: „Ich werde immer wieder gefragt, warum Stairway To Heaven genauso klingt wie Taurus, dass zwei Jahre zuvor erschienen ist. Ich weiß das Led Zeppelin auch Fresh Garbage live gespielt haben. Sie waren unser Vorprogramm auf ihrer ersten US-Tour.“ Da Fresh Garbage vom selben Album wie Taurus stammt, verstärkt dies die Kontroverse, dass Led Zeppelin das Lied zumindest gut kannte. Aber Inspiration ist nicht verwerflich oder strafbar. Manchmal entscheiden kleine Nuancen, Ort und Zeit, Glück oder Pech über die Dinge. Spirit wurde sogar eingeladen, für Jimi Hendrix in Woodstock 1969 zu eröffnen. Band-Manager und Produzent Lou Adler lehnte dies jedoch ab, da das Quintett mit der Promotion ihres aktuellen Albums Clear stark beschäftigt waren. Nach Led Zeppelin nun aber noch ein weiterer deutlicher Ritterschlag.

Aber weiter in die 70er als dann Tvelve Dreams Of Dr. Sardonicus (12-1970) erschien, das kommerziell erfolgreichste Album der Band. Nach vier in Nordamerika sehr beachteten Alben, scheint es gut zu Laufen für den jungen Randolph „Randy“ Craig Wolfe. Die Briten von Led Zeppelin spielen seine Songs, werden von ihm inspiriert für ihre weiteren Großtaten. Jimi Hendrix hat sie im Fokus. Aber die ständigen Arbeiten im Studio und Live haben auch enorme Kräfte gekostet. Auch der überraschende Tod und damit den Wechsel in den Club 27 von seinem musikalischen Freund Jimi Hendrix am 18. September 1970 gehen nicht spurlos an ihm vorüber. Tieftöner Mark Andes und Sänger Jay Ferguson verlassen 1971 dann auch noch Ed und Randy, sie machten dann mit Jo Jo Gunne erfolgreich Pop-Rock-Musik (UK-Hit: Run Run Run). Dann folgten bei Spirit verschiedene weitere Wechsel in der Besetzung, die führten sogar dazu das kurzzeitig mal kein einziges Gründer-Mitglied mehr mit im spirituellen Boot war. Ist nun auch Spirit Musik-Geschichte ?? Keineswegs, Gründer und Super-Drummer Ed Cassidy führt zusammen mit Keyboarder John Locke und Al & John Staehely die aufständischen Geister (Spirits Rebellious) weiter zum nächsten Album Feedback (1972). Die beiden Neuen aus Texas übernehmen Bass, Gitarre, Gesang, Al (Bass, Gesang) schreibt sogar sieben Lieder des Albums.

Nachdem Ferguson und Andes die Band aufgrund „der schleppenden Verkaufszahlen von Twelve Dreams Of Dr. Sardonicus verlassen hatten, um Jo Jo Gunne mitzugründen, und nachdem sein enger Freund Hendrix gestorben war, verließ auch der deprimierte Randy California seine Jugendliebe Spirit. Er nahm aber neben Jesse Ed Davis, Joe Walsh, Mel Brown, Taj Mahal eine Gastarbeit auf dem Album L.A. Midnight (1971) von B.B. King an. Weiterhin veröffentlichte er 1972 sein erstes sehr gutes Solo-Album Kaptain Kopter And The (Fabulous) Twirly Birds. Das Album im klassischen Trio enthielt einige Stücke die an Hendrix erinnern sowie zwei Beatles-Cover. Unterstützt wurde er passenderweise auch von Larry "Fuzzy" Knight (siehe unten Rockpalast), vom ehemaligen Experience-Bassist Noel Redding (alias Clit McTorius) und von Ed Cassidy (alias Cass-Strange-Drums). 1974 erwarb Randy California berechtigt und offiziell die Rechte am Bandnamen Spirit und veröffentlichte ab diesem Zeitpunkt seine vielen nachfolgenden Werke, Spirit Of '76 (1975) bis California Blues (1996) unter diesem nun rechtlich sicheren Namen. Darunter auch viele Konzert-Alben, denn die Live-Qualität dieser Band war legendär und deshalb auch die Vielzahl von Mitschnitten. Evangeline Records hat Anfang der 2000er viele Alben aus den 80ern erneut veröffentlicht, teilweise mit massenhaft und guten Bonus-Material, inklusive auch unveröffentlichte Schätze der US-Combo.

Randy hat bis heute das Mitgefühl vieler Menschen die Rock-Musik schätzen und lieben; Künstler, Produzenten, Veranstalter, Fans. Rockpalast-Urvater Peter Rüchel war so einer davon, er bot diesen großartigen Musikern, die hier in Europa noch nicht so bekannt waren, 1978 eine würdige Plattform auf der bis heute bekanntesten Live-Bühne der Welt, German Television Proudly Presents Rockpalast (dazu ist ein Beitrag in Arbeit). Randy trat mit Ed Cassidy (Schlagzeug) und Larry "Fuzzy" Knight am Bass bei der 2. Rockpalast-Nacht am 05. März 1978 in der Grugahalle Essen auf, dokumentiert als West Coast Legends Volume 3 (SPV, 2009). Und an dieser Stelle auch eine große Verbeugung vor Peter Rüchel, Christian Wagner und den Verantwortlichen beim WDR, die uns dieses Format gebracht und bis heute erhalten haben, das ist einmalig weltweit.

Randy California ertrank am 2. Januar 1997 beim Schwimmen im Meer in der Nähe des Hauses von seiner Mutter Bernice Pearl auf Molokaʻi, Hawaii. Er war mit seinen 12-jährigen Sohn Quinn gemeinsam schwimmen. Sie gerieten in sehr starke Strömungen. Nachdem er seinen Sohn ans Ufer in Sicherheit geschoben hatte und somit sein Sohn Quinn überlebte, wurde Randy auf das offene Meer hinauszogen und ertrank vermutlich. Seine Leiche wurde nie gefunden. John Locke starb 2006 und Ed Cassidy 2012. Es gibt noch eine andere ähnliche Tragische Geschichte mit so einem furchtbaren Ausgang, sogar wieder in den USA und sogar im selben Jahr (Mai 1997 in Memphis, Tennessee). Die Geschichte dazu kommt demnächst als Tragik Rock: Jeff Buckley (US).

Wie hätte sich die Geschichte von Randy aus Kalifornien entwickelt, wenn er früh mit Jimi weitergezogen und die Welt gemeinsam musikalisch aufgemischt hätte (auch beim Woodstock Festival 1969), sein Lied Taurus oder auch ein anderes durch die Decke gegangen wäre oder er sich nicht so früh aus dem Leben verabschiedet hätte. Hier ist wieder einmal ein trauriges Beispiel für die Tragik des Lebens.

Al & John Staehely – Der Songwriter, Sänger und Gitarrist Al Staehely ist vor allem für seine kurze Zeit bei Spirit bekannt. Nach seinem Abschluss an der juristischen Fakultät der University Of Texas im Jahr 1970 zog Al Staehely nach Los Angeles und schloss sich der Band Spirit als Sänger, Bassist und Haupt-Songschreiber an. Die Gruppe nahm das Album Feedback (1972) auf, das sieben von Staehelys eigenen Liedern enthielt. Schon ein Jahre später erschien das einzige Album Sta-Hay-Lee (1973) der Staehely Brothers bei Epic Records. Dafür schrieb Al Staehely sogar zehn Songs. Es ist praktisch ein Solo-Album, die wichtigsten Helfer sind John Locke (Keyboards) und Stoop Hairy (Schlagzeug, Perkussion). Später veröffentlichte Polydor sein Solo-Album Stahaley's Comet (1982). Staehelys Songs wurden unter anderem von Keith Moon, Bobbie Gentry, Patti Dahlstrom, John Cipollina und Marty Balin aufgenommen. Er hat vereinzelt bis heute immer wieder Spuren in der US-Musik der Westküste hinterlassen, ist derzeit aber hauptsächlich als Anwalt mit Spezialisierung auf Unterhaltungs- und Markenrecht tätig und lebt wieder in Austin, Texas. +++ Der amerikanische Gitarrist und Sänger John Staehely ist der Bruder von Al Staehely. Die Brüder zogen Anfang der 70er von Austin, Texas, nach Kalifornien, wo sie der Band Spirit beitraten und später ihre eigene Gruppe Staehely Brothers gründeten. John spielte später auch Lead-Gitarre für Künstler wie Jo Jo Gunne (Band von Mark Andes und Jay Ferguson), Robert Palmer, Bob Dylan, John Hiatt und The Law (Paul Rodgers & Kenny Jones). Heute lebt er in Houston, Texas, und arbeitet dort als Kunsthändler.

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