Hier nun der zweite Teil des Reise-Berichts der Blues-Kreuzfahrt 2026 von Kiel (Ostsee) nach Cuxhaven (Nordsee). Der erste Teil umfasste die Anreise und das Vorglühen im Musik-Cafe & Bar Blauer Engel von Lutz Lueck (Montag) bis in das beschauliche nordschwedische Lysekil (Donnerstag). Im zweiten Teil geht es nun von dort über Oslo (NO), Skagen (DK), Nordfriesische Inseln nach Cuxhaven (Montag).
Auch die sommerliche Passage vom idyllischen Lysekil in Nordschweden zum nördlichsten Punkt der Reise verläuft ohne nennenswerte Zwischenfälle. Zwar dürfen auch wir Blues-Kreuzfahrer das dröhnende Schiffs-Typhon bei der Einfahrt nach Oslo nicht benutzen, ebenso ein stiller Hafen, aber dennoch erklingt wie so oft die Melodie des Traumschiffs überall in der MS Deutschland. Die müden Kreuzfahrer kommen früh morgens in der City von Oslo an, das Schiff dreht und parkt Rückwärts ein. Das Heck steht nun praktisch direkt am imposanten modernen Gebäude-Komplex der Norwegischen Oper & Ballett, dahinter liegt der zentrale Haupt-Bahnhof. Westlich direkt neben der Bordwand werden wir von den dekorierten Soldaten der Festung Akershus bewacht, ähnlich wie vor 300 Jahren als die Wikinger noch die Fjorde befuhren. Direkt unter dem Kiel der MS Deutschland der „Opera-Tunnelen“ der Osloer Stadt-Autobahn. Näher an die Innenstadt geht wirklich nicht !! Es gibt wie gewohnt ein üppiges Programm auf und außerhalb des Schiffes.
Oben auf dem Promenadendeck mit Schwimmbad gibt es nach dem Mittagessen eine Session, Künstler treffen Blues-Reisende die ein Instrument dabeihaben. Selbst Charly Blendermann von Must B Blues ist mit einem geliehenen Cajón (Kisten-Trommel) bei der gemeinsamen Jam dabei. Weiterhin musizieren zusammen: Gitarren, Harmonika’s, Waschbrett, Klarinette, Saxofon und natürlich Gesang aus vielen Kehlen. Beim Auslaufen aus dem Hafen von Oslo, vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt Norwegens, gibt es hinten auf dem Lido-Deck noch eine Cocktail-Party, favorisiert ist Farwell Oslo. Das Abend-Programm beginnt heute mit Solist Nathan James etwas früher. Später kommen wieder einige Kollegen dazu, ein bunter kurzweiliger Reigen, ein weiterer schöner Abend nimmt im Kaisersaal im Bug auf Deck 6 seinen Lauf. Oben in der Lido-Bar (Bug, Deck 9) spielen diesmal zeitversetzt zuerst Aki Kumar und Max De Bernadi im Duo. Auch hier kommen weitere Akteure aus dem Kaisersaal später tröpfchenweise dazu.
Wer sich auf eine gemütliche Überfahrt, raus aus dem spektakulären Oslo-Fjord, dann durch den Skagerrak nach Skagen, eingestellt hatte, der hatte die Rechnung ohne die Kaventsmänner gemacht. Wir gehörten zu den wenigen die den Beginn diese Überfahrt im Sonnenuntergang auf dem Lido-Deck genossen, mit dabei aber ein Akrobat der kopfüber die Reling reinigte. Wer wie wir später mittig im Schiff direkt über der Maschine nächtigte, immer ein Ohr am Pulsschlag des Schiffsdiesels, der konnte ganz ruhig schlafen. Ein regelmäßiger Rhythmus wie beim Wachtrommeln mit Micha Maass, gleichmäßig, kräftig, regelmäßig. Dazu die Schiffsbewegungen die uns in den Schlaf schaukelten. Die Reisenden in den Luxus-Kabinen auf den höchsten Decks und mit Außen-Kabinen hatten mehr mit dem starken Wellengang zu kämpfen und dadurch eine etwas unruhigere Nacht. Die Nordsee ist halt etwas rauer, das mussten einige Kreuzfahrer nun feststellen. Im nächsten Hafen Skagen, an der nördlichsten Spitze von Dänemark, waren auch wieder einige Reisende auf den beliebten Bus-Touren unterwegs. Wir machten im vorletzten Hafen der Kreuzfahrt, genau wie US-Gitarrist Nathan James, eine Stadtbesichtigung zu Fuß, natürlich auf Spuren von Live-Musik, diesmal direkt gegenüber der Skagen Kirke.
Beim Ablegen wollte uns Dänemark nicht mehr loslassen, natürlich nachzuvollziehen, bei dieser Dichte an Blues-Prominenz und Feierbiester im Blues an Bord. Ein Schlepper muss her, der zog uns mit unbändiger Kraft vom Pier weg, bis dann unsere beliebten Maschinen (wir schlafen ja direkt darüber) der MS Deutschland übernehmen konnten.
Auch der vorletzte Abend war wieder geprägt durch erstklassigen Blues, wie jeden Abend beginnend im plüschroten Kaisersaal mit Blues-Prediger Michael van Merwyk, Trommel-Dozent Micha Maass und Roger C. Wade. Nach dreißig Minuten kommen Tieftöner Jaska Prepula, noch etwas später dann Marion Wade am E-Piano. Am Schluss stehen sie wieder alle auf der Bühne und feiern zusammen mit den Musikhungrigen. Manch einer fragt sich, wie haben die bloß in so ultrakurzer Zeit das ganze Repertoire so schnell zusammengebaut und eingeübt. Es sind eben Profi-Musiker, die ihre Lieder mitbringen, die Vorgehensweise absprechen und loslegen. So etwas in freier Wildbahn, oder besser gesagt auf offener See, zu erleben ist natürlich nicht alltäglich. Jeder der bei der dritten Blues-Kreuzfahrt dabei sein durfte wird das sicher bestätigen. Die späte Session findet heute am Samstag in der Piano-Bar Lili Marleen statt. Veronica, Nathan und Micha eröffnen und, na ja, ihr kennt das ja schon, dann Jaska, Aki, Roger, Max, Marion. Wieder bewegt sich ein schöner Abend auf den Morgen zu und das Schiff um die Spitze Dänemarks herum auf die nordfriesischen Inseln. Die Nacht wird wieder unruhig, nicht für uns im tiefen Bauch der MS Deutschland.
„Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön“, aber auch schön anstrengend. Deshalb gibt es nach einem 5-tägigen musikalischen Nonstop-Blues-Programm zur Belohnung einen Ruhetag auf See !! Ruhetag ??, nicht wirklich, denn schon morgens um 10:00 Uhr versammelt Predigerin Marybeth Müller ihre Gospel-Schäfchen zum Sing-Mit-Workshop, Reverent Michael van Merwyk begleitet das Ganze mit seiner Gitarre. Ab 21:00 Uhr dann das Abschlusskonzert im Kaisersaal auf Deck 6. Inzwischen braucht man die Musiker nicht mehr vorzustellen, dennoch hier zum letzten Mal zum Merken: Marion Wade (Keyboards, Piano, Klavier), Marybeth Müller (Gesang), Veronica Sbergia (Gesang, Waschbrett, Kazoo, Ukulele, Gitarre, Perkussion), Aki Kumar (Gesang, Harmonika), Jaska Prepula (Bass), Max De Bernadi (Gesang, Gitarren), Micha Maass (Schlagzeug, Perkussion), Michael van Merwyk (Gesang, Gitarren), Nathan James (Gesang, Gitarren), Roger C. Wade (Gesang, Harmonika, Entertainment), Tilmann Michalke (Gitarren). Wer jetzt immer noch nicht genug hat, nächstes Jahr geht es vom 22. bis 30. Mai wieder auf die Blues-Kreuzfahrt 2027 von/nach Bremerhaven. Zielorte: Bergen, Ulvik, Stavanger, Arendal in Norwegen. Und der Ordnung halber, auch wenn Phoenix, RIW oder sonst wer das Blockieren möchte, es ist bereits eine Veranstaltung am Vortag im Theater im Fischereihafen geplant. Namen sind auch schon im Gespräch !!
DI_MI: Kiel (DE) nach Kopenhagen (DK): 174_322 (Seemeilen_Kilometer)
MI_DO: Kopenhagen (DK) nach Lysekil (SW): 202_374
DO_FR: Lysekil (SW) nach Oslo (NO): 129_239
FR_SA: Oslo (NO) nach Skagen (DK): 141_261
SA_MO: Skagen (DK) nach Cuxhaven (DE): 342_633
Kiel (DE) nach Cuxhaven (DE): 988_1.829
Die Geburtsstätte der MS Deutschland (Baunummer 328, Baukosten 215 Millionen DM) ist ab 1996 die Kieler HDW-Werft (Howaldtswerken-Deutsche Werft), am 16. Januar 1998 schwamm dieser Neubau erstmals in der Förde auf, 11. Mai 1998 wurde die MS Deutschland in Kiel getauft und damit an die Reederei Peter Deilmann übergeben. Es ist kein gewöhnliches Kreuzfahrtschiff, denn es sollte an ein klassisches Grand-Hotel erinnern: mit edlen dunklem Massiv-Holz, aufwendigen Dekorationen, Bildern, Skulpturen und einem Kaisersaal, dessen Gestaltung bewusst an vergangene Epochen anknüpfte. Bereits 1999 löste sie die MS Berlin, auf der fanden die ersten beiden Blues-Kreuzfahrten 1998 (Mittelmeer) und 1999 (Nordsee) statt, als bekannte Kulisse der ZDF-Serie Das Traumschiff ab. Erstes TV-Reiseziel war dann Tahiti. Bis 2015 diente die MS Deutschland dem ZDF erfolgreich als Traumschiff, anschließend übernahm dann die MS Amadea diese Rolle. Die wird Austragungsstätte der nächsten Blues-Kreuzfahrt 2027 nach Norwegen (Bergen, Stavanger) sein. Aber das schwimmende klassische Grand-Hotel MS Deutschland wird sie nicht ersetzen können, denn dieses wunderbare Schiff ist einmalig in der Welt der Seereisen. 2026 wird das Traditions-Schiff zum letzten Mal mit der türkisblauen Phoenix Banderole über die Meere kreuzen. Am Dienstag, 21. Juli verließ das beliebte ZDF-Traumschiff seine Geburtsstadt am Kieler Kreuzfahrt-Terminal Ostsee-Kai zum letzten Mal in der Phoenix-Ära. Am Vortag hatte die illustre Truppe und viele Gäste um Käpt’n Rademacher dieses Ereignis würdig mit dem deutschen Blues-Duo Henry Heggen und Blues Rudy im Musik-Club Blauer Engel gefeiert. Dass alles wurde selbst organisiert und finanziert. Leider hatte weder Charterer türkisblau Phoenix noch der Kreuzfahrt-Organisator RIW Interesse daran gehabt über diese schöne Veranstaltung zu informieren. Schade, einmalige Chance sehr leichtfertig vergeben. Damit knüpft Charterer türkisblau Phoenix nahtlos an die DB an. Aber nicht nur damit !! Daten & Maße – Decks: 8, Passagiere: 520, Besatzung: 280, Antrieb: 16.751 PS, Länge: 175,49 Meter, Breite: 23,00 Meter, Weiterer Name: World Odyssey.
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