Rostock – Bremerhaven – Kiel – Kopenhagen – Lysekil – Oslo – Skagen – Cuxhaven
In 80 Tagen um die Welt (Jules Verne), oder in 8 Tagen um die Ostsee (Christa & Roland). Auch diese Kreuzfahrt-Veranstaltung mit der historischen MS Deutschland (unten dazu eine kurze Biografie), atmet den Geist des internationalen Blues. Und auch hier starten wir wie bereits von Blue Wave Binz, Blues Camp Göhren und Blues Fest Jeinsen, die Berichterstattung mit den Glanzlichtern von Christa. Unser Trio hatte ja schon eine Woche im Trainingscamp Gutshaus Stellshagen verbracht, ein zauberhaftes Bio-Hotel an der Boltenhagener Bucht. Von dort konnte Roland zwei Tage die Zappanale 2026 in Bad Doberan bei Rostock besuchen. Plakat Henry & Rudy: Uwe Rademacher, Bilder_Texte: Christa Koch
Am Sonntag war dann der Transfer von Grevelsmühlen nach Bremerhaven. Dort wurde dann am nächsten Tag die Gruppe auf sieben Kreuzfahrer erweitert. Die gebuchte Anreise per Bahn nach Kiel erwies sich trotz ICE-Sitzplatz-Reservierung als Odyssee, hier muss als Ersatz auch mal eine Plastik-Sitzschale in einem Linien-Bus reichen, also wie im Hinterland vom Kongo oder Burma. Hierzu könnte man einen kompletten Bericht schreiben, aber nur so viel, Deutsche Bahn und Schienen-Ersatz-Verkehr EV 70 X. Auch hier, was für eine erbärmliche Organisation. Aktueller O-Ton der DB im NDR-TV: In einigen Jahrzehnten wird es besser werden. Hoffentlich leben dann noch Bahnfahrer und/oder Zugführer. Im naheliegenden Hotel kurz die Koffer abgestellt, in einem bekannten Sylter Fisch-Brötchen-Lädchen ordentlich gestärkt und ab zum Musik-Cafe & Bar Blauer Engel von Lutz Lueck. Danke noch einmal an Lutz für seine loyale Unterstützung.
Und auch dank an Käpt’n Uwe Rademacher, selbst ein virtuoser Harmonika-Spieler und Veranstalter Winterblues-Festival Bremerhaven, der dieses Vorglühen-Konzert vor der Blues-Kreuzfahrt organisiert und mitfinanziert hat. Leider war trotz Werbung die Besucherzahl etwas überschaubar, vielleicht auch deshalb, wie bereits thematisiert, die Kreuzfahrt-Veranstalter kein Interesse hatte und damit auch die Unterstützung etwas fehlte. Aber es war dennoch ein sensationeller Abend mit Entertainer, Sänger und Harmonika-Spieler Henry Heggen und Ein-Mann-Orchester Uwe Hase alias Blues Rudy. Selbst Pianist Georg Schroeter (Blues Bruderschaft Schroeter & Breitfelder) war zum Kiebitzen gekommen und war ebenso begeistert.
„Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön“, so heißt es und so war es tatsächlich !! Wir haben natürlich nicht im Hotel gefrühstückt, sondern gemeinsam im Musik-Cafe & Bar Blauer Engel von Lutz Lueck. Danach Koffer aufnehmen und ab zum Kreuzfahrt-Terminal Ostsee-Kai wo die MS Deutschland, gerade zurück aus Kopenhagen, auf uns wartete. Das Einschiffen war schnell erledigt und das Einrichten in der Kabine ebenso. Dann erst einmal Kontaktaufnahme mit der MS Deutschland. Und es ist unserer Meinung nach ein echtes „Traumschiff“. Nach Kaffee & Kuchen, Abfahrt aus Kiel sowie Abendessen im Restaurant Berlin ging die Blues-Kreuzfahrt dann um 22:00 Uhr mit der Eröffnung im 2-stöckigen Kaisersaal so richtig los.
Hier auf der „Hauptbühne“ wurden vom Moderator des Abends Roger C. Wade erst einmal die gesamte Musiker-Mannschaft vorgestellt: Marion Wade (Keyboards, Piano, Klavier), Veronica Sbergia (Gesang, Waschbrett, Kazoo, Ukulele, Gitarre, Perkussion), Aki Kumar (Gesang, Harmonika), Jaska Prepula (Bass), Max De Bernadi (Gesang, Gitarren), Micha Maass (Schlagzeug, Perkussion), Michael van Merwyk (Gesang, Gitarren), Nathan James (Gesang, Gitarren), Roger C. Wade (Gesang, Harmonika, Entertainment), Tilmann Michalke (Gitarren). Alle Künstler wurden einzeln vorgestellt und es ging in den unterschiedlichsten Konstellationen sofort in die Vollen. Auch der extra von Marion & Roger Wade für unsere Blues-CD komponierte und eingespielte Titel Truth Ain't What It Used To Be fand seinen Weg in das Programm. Unten könnt ihr euch den MP3-Titel anhören. Gegen Mitternacht ist dann erst einmal Schluss, für einige Kreuzfahrer war es einaufregender anstrengender Tag, denn die Anreise nach Kiel war für viele sehr lang und hart.
Marion & Roger C. Wade (DE_UK)
Truth Ain't What It Used To Be (03:56)
Wir werden am nächsten Tag früh vom Aufheulen der Maschinen der MS Deutschland geweckt. Wir legen in Kopenhagen an der Liegestelle „Langelinie“ in nur 750 Meter Entfernung von der berühmten Meer-Jungfrau (Den Lille Havfrue) an. Auch der heutige Tag ist garniert mit viel Musik. Wieder abends im Kaisersaal, stehen heute Roger C. Wade & The Houserockers hier im Mittelpunkt. Die drei Musiker Marion, Roger und Tilmann aus der Region Niederrhein harmonieren natürlich optimal. Aber auch die Kollegen aus Finnland, Italien (Region Como) und USA passen nahtlos in das rockende Blues-Ensemble. Der Kaisersaal der MS-Deutschland ist wieder sehr gut besucht und die Stimmung steigt im Laufe des Konzerts kontinuierlich an. Licht und Ton waren dem Anlass angemessen und ausgezeichnet.
Ab 23:00 Uhr verwöhnte Michael van Merwyk in der Lido-Bar im Vorderschiff, zuerst Solo und später mit vielen Gästen, die Zuhörer mit seinem unvergleichlichen Gitarrenspiel und seiner ausdruckstarken Stimme. Seine speziellen Gitarren wirken in seinen Händen so klein und zerbrechlich, aber wenn er sie zärtlich bearbeitet, spürt jeder im Raum seine Hingabe zu diesem Instrument. Dazu singt er. Und um es gleich jetzt zu sagen, er ist ein wahrer Meister und setzt die Tradition seiner Urväter von Skip James, J.B. Lenoir und Robert Johnson bis heute fort. Er liebt was er macht, das hat er uns vielfach gesagt und damit stellt er spielerisch, fingerfertig und leicht die Verbindung zum Anfang der 20er her. Die offene Session ging bis 02:00 Uhr morgens, keiner der dabei war, hat es bereut !!
Michael van Merwyk (DE_NW)
Lay Down And Die (02:42)
Wer seine Exkursionen rechtzeitig vorgebucht hat, der hat schon in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen seine vielfältigen Erfahrungen damit gemacht. Die nächtliche Schiffsreise bis in das schwedische Lysekil war ruhig verlaufen. Die Bewegungsmuster auf der MS Deutschland haben sich inzwischen eingeprägt. Im Bug sind die Veranstaltungsräume: Lido-Bar, Kino, Saal Lili Marleen, Kaisersaal und die Rezeption. Im Heck sind die Restaurants Berlin und Lido, aber auch weitere Bars. Wir haben ja eine preiswerte Innen-Kabine mit direkten Zugang zum Maschinenraum gebucht, stört uns aber nicht, denn, wenn wir von der Lido-Bar direkt in unsere Kojen krabbeln, hören und sehen wir sowieso nichts mehr.
Sänger und Harmonikaspieler Aki Kumar steht heute im Zentrum der Kaisersaal-Bühne. Einige behaupten er sei der Meister des Bollywood Blues, verbindet den traditionellen US-Blues mit indischen Einflüssen und Melodien. Aber Aki selbst meint das dieses Etikett nicht ganz genau zutrifft. Er hatte seine Wurzeln in Indien, lebt aber seit 20 Jahren an der US-Westküste. Er spielte schon häufig zusammen mit US-Gitarrist Johnny Burgin. Der belebte schon das Blue Wave Binz 2025 und wird auf der Blues-Kreuzfahrt 2027 mit der MS Amadea dabei sein. Johnny lebt zurzeit in Dänemark, mal sehen was für ein Etikett Johnny bekommt, vielleicht „Danish Dyminate“. Das Nachtprogramm bestreiten diesmal Veronica Sbergia und Max De Bernadi. Immer wieder haben wir dieses gemischte Duo verpasst, aber diesmal erleben wir sie ein Dutzend Mal und wir sind überrascht von ihrem lebensfrohen Blues mit italienischen Esprit.
Die Geburtsstätte der MS Deutschland (Baunummer 328) ist ab 1996 die Kieler HDW-Werft (Howaldtswerken-Deutsche Werft), am 16. Januar 1998 schwamm dieser Neubau erstmals in der Förde auf, 11. Mai 1998 wurde die MS Deutschland in Kiel getauft und damit an die Reederei Peter Deilmann übergeben. Es ist kein gewöhnliches Kreuzfahrtschiff, denn es sollte an ein klassisches Grand-Hotel erinnern: mit edlen dunklem Massiv-Holz, aufwendigen Dekorationen, Bildern, Skulpturen und einem Kaisersaal, dessen Gestaltung bewusst an vergangene Epochen anknüpfte. Bereits 1999 löste sie die MS Berlin, auf der fanden die ersten beiden Blues-Kreuzfahrten 1998 (Mittelmeer) und 1999 (Nordsee) statt, als bekannte Kulisse der ZDF-Serie Das Traumschiff ab. Erstes TV-Reiseziel war dann Tahiti. Bis 2015 diente die MS Deutschland dem ZDF erfolgreich als Traumschiff, anschließend übernahm dann die MS Amadea diese Rolle. Die wird Austragungsstätte der nächsten Blues-Kreuzfahrt 2027 nach Norwegen (Bergen, Stavanger) sein. Aber das schwimmende klassische Grand-Hotel MS Deutschland wird sie nicht ersetzen können, denn dieses wunderbare Schiff ist einmalig in der Welt der Seereisen. 2026 wird das Traditions-Schiff zum letzten Mal mit der türkisblauen Phoenix Banderole über die Meere kreuzen. Am Dienstag, 21. Juli verließ das beliebte ZDF-Traumschiff seine Geburtsstadt am Kieler Kreuzfahrt-Terminal Ostsee-Kai zum letzten Mal in der Phoenix-Ära. Am Vortag hatte die illustre Truppe und viele Gäste um Käpt’n Rademacher dieses Ereignis würdig mit dem deutschen Blues-Duo Henry Heggen und Blues Rudy im Musik-Club Blauer Engel gefeiert. Dass alles wurde selbst organisiert und finanziert. Leider hatte weder Charterer türkisblau Phoenix noch der Kreuzfahrt-Organisator RIW Interesse daran gehabt über diese schöne Veranstaltung zu informieren. Schade, einmalige Chance sehr leichtfertig vergeben. Damit knüpft Charterer türkisblau Phoenix nahtlos an die DB an. Aber nicht nur damit !! Daten & Maße – Decks: 8, Passagiere: 520, Besatzung: 280, Antrieb: 16.751 PS, Länge: 175,49 Meter, Breite: 23,00 Meter, Weiterer Name: World Odyssey.
Der zweite Teil dieses Reise-Bericht der Blues-Kreuzfahrt ist weiter in Arbeit !! Weitere Kapitel (Oslo, Skagen, Cuxhaven) werden zeitnah folgen !! Nächster Halt: Oslo (NO)
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