Schatzkisten: Gentle Giant bei EMI & Alucard – Die englische Formation Gentle Giant um die schottischen Brüder Philip Arthur „Phil“ (1937), Derek Victor (1947) und Raymond „Ray“ Shulman (1949-2023) aus Glasgow entstieg um 1970 aus der Asche der völlig zu Unrecht unterbewerteten Psycho-Beat-Combo Simon Dupree & The Big Sound
EMI hatte in der Zeit von 2010 bis 2015 im Bereich Bündelung von Original-Alben als Pakete (Klein-Budget-Serien) von drei bis sechs CD’s die Preis-Leistung-Referenzqualität !! Es gab auch die CD-Boxen Original Album Serie (Warner, 5CD) und Original Album Classics (Sony/BMG, 3CD oder 5CD) im Platz sparenden Papp-Schuber. Da waren die einzelnen Original-Alben (je CD ein Album) in einfachen Papp-Taschen (Cardboard-Sleeve), Mini-LP-Hüllen im Replica-Design und ohne Booklet und weitere Informationen sowie meist aber auch ohne Bonus-Titel und aktuelles Re-Mastering. Für Liebhaber die fast lückenlos die Entwicklung der Geschichte oder Teil-Geschichte der/des Künstler/s mittels Alben und Bonus-Material verfolgen möchten, bot EMI damals die preiswerteste Alternative zu den teils nicht mehr verfügbaren und/oder teuren Einzel-Alben/Singles.
Auch wenn man den Output eines Künstlers beziehungsweise Band sowie eines Labels (Charisma, Decca, Harvest, Island, Motown, Vertigo, Virgin) auf zwei Boxen verteilt hatte, wie beispielsweise Groundhogs, Gentle Giant, Steeleye Span, Robin Trower, Tangerine Dream oder UFO, die Quantität und Qualität bleibt immer gleichbleibend hoch. Bei den Label-Übersichten von Island und Virgin sind die sechs verschiedenen 3CD-Boxen sogar nach Zeit und/oder Thema gegliedert. Leider sind heute viele Ausgaben nur noch auf dem Gebraucht-Markt zu haben, man muss geduldig suchen, aber es lohnt sich sehr. Es gab noch eine zweite parallele Serie von EMI Classics, mit zwei Dutzend dicken Paketen der EMI-Künstler der 50er und 60er. Hier werden in ähnliche Ausstattung beispielsweise Helden wie Shirley Bassey, Donovan, Hermans Hermits, Hollies oder Shadows umfassend vorgestellt. Wieder kann der Schatz-Jäger über einen kleinen Erfolg berichten, lange gesucht aber jetzt für SchoTTische einstellige Anzahl von Euronen die The Rock´N´Roll Years 1958-1963 von Cliff Richard eingesammelt. Also weiter suchen lohnt sich sehr, immer AUGEN AUF !!!
Leider zahlt der Käufer heute eh fast nur noch Logistik und Vertrieb. So kommt es, dass man beispielsweise wie bei Peter Tosh, alle sechs Studioalben, plus Bonus-Titel, plus komplettes unveröffentlichtes Live-Konzert, alles 2012-Remastered, plus tolles informatives Booklet in 6-CD-Box für damals um die SchoTTischen 10 Euro bekommen konnte und im anderen Fall reinfällt mit einem Einzel-Album im vermeintlich wertigeren Digi-Pak ohne Bonus oder Mehrwert für den gleichen oder höheren Betrag. Nachfolgend stelle ich hier in Teil 7 der Serie nun wieder weitere interessante dicke Dinger vor. Weitere Beiträge folgen. Also noch einmal: IMMER AUGEN AUF !!!
Die Bandbreite von drei Formationen mit Anfangsbuchstaben G sind hier im Teil 7 bis 9 dieser Serie wieder mal enorm. Von der schottischen Progressive-Rock-Band Gentle Giant über die funkigen US-Klassik-Rocker Grand Funk Railroad bis zu den britischen Blues-Hard-Rockern The Groundhogs.
Die englische Rock-Formation Gentle Giant um die schottischen Brüder Philip Arthur „Phil“ (1937), Derek Victor (1947) und Raymond „Ray“ Shulman (1949-2023) aus Glasgow entstieg um 1970 der Asche der völlig zu Unrecht unterbewerteten Psycho-Beat-Combo Simon Dupree & The Big Sound (Kult-Hit: Kites, Kult-Promi: Reginald Dwight alias Sir Elton John). Ihre Musik als Progressive-Rock zu bezeichnen trifft das Ganze angesichts der stilistischen Breite oder auch der Vielzahl, Art und Weise der verwendeten Instrumente eigentlich nur zum Teil. Sie spielten im Studio und auf der Bühne über dreißig verschiedene Instrumente und alle fünf Musiker sangen auch dazu. Hier möchte ich aber wie immer nicht zur Diskussion um Genres oder Schubladen beitragen, denn ich bin kein Befürworter von endlosen Aufzählungen, weder um Musik kompliziert einzuordnen noch um Vergleiche zu anderen Formationen herzustellen.
Gentle Giant zeichneten sich, wie bereits gesagt, besonders für die Komplexität ihrer Musik und die vielfältigen musikalischen Fähigkeiten ihrer Mitglieder aus. Außer den ersten beiden Schlagzeugern Malcolm Mortimore und Martin Smith (bereits 1997 verstorben) waren alle Mitglieder sehr versierte Multi-Instrumentalisten. Das musikalische Spektrum reicht von Klassik-Elementen und Renaissance-Anklängen über Folk- und Jazz-Einflüsse bis hin zu Hard Rock und Blues. Ihre ersten sechs Alben, von Gentle Giant (1970) bis The Power And The Glory (1974), nahm die Band noch für das Kult-Label Vertigo auf. Bei BGO Records sind alle sechs als Klangmonster im Doppel-Combo erschienen. Mitte der 70er wechselte Gentle Giant zu Chrysalis. Auf Drängen des neuen Labels wurden die Kompositionen etwas „vereinfacht“ und verstärkt auch rockigere Elemente eingesetzt. Dadurch wurden sie „leichtvertaulicher für Liebhaber von Rock-Musik. Bei diesem Label wurden bis 1980 insgesamt weitere 5 Studio-Scheiben und das Live-Album Playing The Fool (1976) veröffentlicht. Alle diese sechs Alben und einiges an Bonus-Material wird als I Lost My Head – Chrysalis Years 1975-1980 (2012) in diesem 4CD-Paket präsentiert. Besonders interessant, nicht nur für die vielen Gentle-Giant-Jünger, sind auch Aufnahmen einer raren John Peel Session aus dem Umfeld des ersten Chrysalis-Albums Free Hand von 1975. Es ist wieder einmal eine EMI-Wundertüte. Die erste echte Label-übergreifende Retrospektive erschien 2004 mit Scraping The Barrel auf drei Silberscheiben beim Label Alucard (Label von Kerry Minnear), hier noch ergänzt durch eine Raritäten-Sammlung als Daten-CD mit sagenhaften circa 9 Stunden Audio-Bonus in MP3 Qualität, über 200 Fotos, mehrere MPEG-Filme, viele PDF-Dateien mit Promo-Material. Zu dieser ungewöhnlichen und sehr interessanten Box (heute eine sehr gesuchte teure Rarität) gibt es nachfolgend noch weitere Infos.
Gentle Giant sind unbestritten eine der virtuosesten Rockbands aller Zeiten. Aber leider war die Musik dieses genialen Rock-Orchester zu sperrig für den normalen Rock-Konsumenten. Das zeigt sich auch bei der 5CD-Box Memories Of Old Days (2013) der englischen Art/Prog-Rock-Formation Gentle Giant aus dem schottischen Glasgow. Cover-Untertitel dieser Packung beschreibt genau, was hier zu erwarten ist: A Compendium Of Curios, Bootlegs, Live-Tracks, Rehearsal, Demos 1975-1980. Diese zeitliche Phase entspricht genau ihrem Engagement beim Label Chrysalis. Versammelt sind hier insgesamt 76 Stücke auf 5 prall gefüllten CD’s, mit BBC-Aufnahmen für Sight & Sound In Concert, eine komplette Bandprobe von 1977, einer Cleveland-Show aus dem gleichen Jahr, zwei Live-Auftritte von 1980 aus New Haven und dem Roxy in Los Angeles sowie jeder Menge anderem Material. Insgesamt eine kongeniale Raritäten-Aufarbeitung der Band und optimale Ergänzung zur Box I Lost My Head. Wer natürlich eine der weltweit 2.000 Stück von der 2019 erschienenen limitierten hochpreisigen Box Unburied Treasure (29 CD und 1 BR, Madfish, davon 17 CD mit unveröffentlichten Live-Aufnahmen) in seinem Bestand hat, der braucht über die beiden (eigentlich drei) von mir hier vorgestellten Boxen (EMI, Alucard) natürlich erst einmal nicht nachdenken. Auch die weiteren 1.000 Stück 2020 zum gleichen Preis von 250 Britische Pfund noch einmal nachgeschobenen Boxen waren sofort vergriffen. Dennoch befindet sich auf den drei von mir beschrieben Boxen von EMI und Alucard eine Menge Material das auf Unburied Treasure nicht zur Verfügung stand (oder gestellt, benutzt wurde). Deshalb sind die drei (mit Under Construction 1 vier) Sahnestücke für den GG-Jünger weiterhin unverzichtbar. Trotz ihrer hohen musikalischen Kompetenz erreichte Gentle Giant niemals übergroße Popularität, blieb vorrangig für ein spezielles Publikum von Interesse, prägte aber danach eine Reihe von durchaus bekannten Kollegen. Weiterhin genießen vor allem die frühen Vertigo-Alben bei Journaille und Fans hohes Ansehen. Die späteren Inkarnationen als Gentle Giant oder Three Friends und die Arbeiten des Band-Liebhaber Steven Wilson sind mal ein Thema für einen anderen Beitrag im DX_MINT. Aber sicher nicht uninteressant, da damit das Vermächtnis einer Supergruppe überaus berechtigt am Leben erhalten wird. Auch hier, Daumen klar nach oben.
Es war einmal im Jahre des Herren 1997, da veröffentlichten Gentle Giant das Doppel-Album Under Construction (Alucard, Label von Kerry Minnear) mit Demos, Outtakes, Soundfiles und weiteres. Bald darauf, hieß es, sollte ein Under Construction 2 folgen. Es verging also Jahr um Jahr ohne weiteres Album bis dann eine Box mit dem Namen Scraping The Barrel ins Gespräch und 2004 herauskam. Und was soll ich sagen, dann war sie da, liegt also sozusagen vor mir, zum Anfassen nah. Die Box beinhaltet 3 Audio-CDs und eine sogenannte Daten-Disc. CD1 und CD2 sind (beide über 70 Minuten) randvoll mit Demos, Auskopplungen, Versionen, Vokal-Titel etc., also praktisch die Under Construction 2, plus CD3 mit Solo-Projekten/Werken der GG-Mitgliedern. Der Überhammer ist aber die Daten-Disc. Diese bietet zum Beispiel über 9 Sunden MP3-Dateien (128 kbps) plus über 200 Bild-Dateien & MPEG-Videos, plus PDF-Dateien von Programmheften & Booklet, Promo-Materialien und weiteres. Auch einen riesigen Sack voller Samples von den Original-Bändern (Instrumente ohne Gesang) sind enthalten und können weiterverarbeitet werden (diese müssen Musiker allerdings lizensieren, wenn sie sie verwenden wollen). Ihr schmales Oevre, erstellt zwischen 1970 und 1980, wird damit sehr preiswert komplettiert.
Das ultimative Label-übergreifende Paket mit sagenhaften 29 CD und einer Blu-Ray heißt Unburied Treasure (2019, Madfish, SMABX1091) und dazu Front Row Center 1975-1980 (8CD Earbook). Dazu ist ein weiterer Beitrag in Arbeit.
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