Schatzkisten: Zwischen Raumfahrt und heißer Schokolade – Die Bandbreite von vier Formationen mit Anfangsbuchstaben H bis J sind hier im Teil 10 und 11 dieser Serie wieder mal enorm. Von den Space-Rock-Band Hawkwind über die Schmuse-Rocker Hot Chocolate und dem britischen Blues-Hard-Rockern Ian Hunter
bis zum einbeinigen Rocker mit Querflöte Jethro Tull.
Space-Rock-Combo par excellence sind die 1969 in London gegründeten britischen Hawkwind. Auch diese Combo gehört inzwischen zum erlesenen Kader jener Gruppen, die mehr als 50 Jahre auf dem musikalischen Buckel haben. Im Übrigen haben sie in dieser Zeit mindestens die gleiche Anzahl an Musiker durch das spacige Band-Gefüge geschleust. Dabei waren auch so Kandidaten wie Ian Fraser Kilmister alias Lemmy Motörhead, Nik Turner, Robert Calvert, Ginger Baker oder Tim Blake, jeder für sich ein Star in der Musikszene. Einzige Konstante der silbernen Maschinerie ist bis heute Master-Mind Dave Brock. Trotz auch späterer Erfolge und anhaltendem Kultstatus, dank immer wieder grandioser Konzerte, die wichtigste und kreativste Phase dieser Formation sind und bleiben diese frühen Jahre von 1970 bis 1975. Sie markierten die fruchtbarste Periode mit kultischem Getrommel, atonale elektronische Exkursionen, bizarre Klanglandschaften, Science-Fiction-Texte (zum Teil von Michael Moorcock), Heavy Blues- und Rock-Riffs, pumpende Rocksongs sowie ein irgendwo aus einem Raum fern von dem Rest der Band rotzendes und röhrendes Saxophon (anfänglich von Nik Turner). Das alles habe ich selbst mehrmals erlebt, zuletzt 2016 !! Nach der guten DCD-Veröffentlichung At The BBC (2010) mit Material eben dieser Frühphase, wurde nur ein Jahr später Parallel Universe, eine prallvolle 3CD-Anthologie der Liberty/UA Phase von 1970 bis 1974 nachgelegt. Diese Zusammenstellung kann sich zu Recht als eklektische Ansammlung aus Hawkwind’s kreativsten Zeit bezeichnen und beinhaltet fast die gesamten Titel-Listen ihre ersten vier Alben inklusive neuen Mixen, Live- und alternativen Versionen und mehr. 34 Titel auf 3CD’s, zwölf Titel wurden davon bis 2011 noch niemals veröffentlicht. Dazu ein hervorragendes 32-seitiges Booklet mit unzähligen gut recherchierten Fakten zur Band, Spitzenklasse zu einem wirklich sehr günstigen Preis. Wer aber eher einen Querschnitt zum Chillen oder Gesamtübersicht der ersten dreißig Jahre von 1969 bis 1999 sucht, bekommt mit der 3CD-Retrospektive Epocheclipse – 30 Year Anthology diesmal das 44-Titel Voll-Programm. Zweimal hat EMI mit diesen beiden Werken zwei gute, unterschiedliche, fette Pakete geschnürt.
Mondlandung mit dem Apollo-Programm und Woodstock mit Love & Peace stehen für 1969. Nicht jede Band die in der Disco-Phase erfolgreich in den Hitlisten stürmte, konnte ausschließlich mit dem Präge-Stempel Pop-Musik abgehakt werden. Als The Hot Chocolate Band und mit einer Reggae-Version von John Lennon’s Give Peace A Chance starteten 1969 der jamaikanische Front-Sänger Errol Brown, Tony Connor (Schlagzeug, später Audience), Tony Wilson (Bass), Harvey Hinsley (Gitarre, später House Band), Larry Ferguson (Keyboards) und Patrick Olive (Congas, später Bass) im Londoner Ghetto-Stadtteil Brixton ihre Karriere. Die Demo-Aufnahme wurde vom Beatle John der Segen erteilt und bei Apple Records zusätzlich mit einer Eigen-Komposition von Brown/Wilson (Living Without Tomorrow) schnell als Single veröffentlicht. Kurz danach der erhoffte Vertrag bei RAK Records von Mickie Most und damit war dann Hot Chocolate, eine der bedeutendsten britischen Soul- und Funkbands der 70iger, mit einprägsamen, rhythmischen Ohrwürmern und einer Melange aus Musik mit Wurzeln südlich des Äquators, geboren. Diese heiße Schokolade legten mit ihrer Charttauglichen Mucke einen prägenden Grundstein für anspruchsvolle und tanzbare Disco-Musik. Es folgten regelmäßig erfolgreiche Single-Veröffentlichungen, zwischen 1970 und 1984 feierte die Band jedes Jahr einen Hit und im Juni 1974 das erste Album Cicero Park. Danach Chart-Stürmer Hot Chocolate (Oktober 1975), Man To Man (Juli 1976), Every 1’s A Winner (März 1978), Going Through The Motions (Juli 1979), Class (November 1980), Mystery (August 1982) und Love Shot (Oktober 1983) mit weiteren Hits am Fließband. Ab Mitte der 70iger kam man nicht an Hot Chocolate vorbei, ob man wollte oder nicht. Auch nicht Prinz Charles und Lady Diana, auf deren Hochzeit-Zeremonien im Buckingham Palace Hot Chocolate auf der Höhe ihres Erfolges 1981 spielten. Insgesamt fanden 34 Singles und 10 Long-Player der Band in 40 Ländern den Weg in die internationalen Charts. Ihr Song You Sexy Thing schaffte es in viele Hitparaden, war Dauerbrenner in den Tanz-Tempeln weltweit und sorgte zu der Zeit für ausverkaufte Konzerthallen. Hot Chocolate treten bis heute mit verschiedenen Originalmitgliedern auf (2015 starben Errol Brown und Larry Ferguson). Immer verstärkt mit guten Kollegen tourt die Gruppe nach wie vor mit ihren zahlreichen weltbekannten Hits rund um den Globus. Das umfangreiche Box-Set Box Selection: Their 8 RAK Albums 1974-1983 (4-CD-Multipack mit Booklet) bündelt alle überarbeiteten acht Studio-Alben, je 2 auf einer CD. Wer auf rhythmische lebensfrohe Tanzmusik steht, bekommt hier das volle Programm und in sehr guter Qualität.
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