CD: Matteo Mancuso – Route 96 (IT)

Veröffentlicht am 6. Februar 2026 um 23:26

Gitarren-Champ Matteo Mancuso definiert Virtuosität & Ausdruckskraft – In letzter Zeit bei mir immer wieder das Thema Italien, Mitte November noch der Römer Andrea De Luca, Anfang Februar der Genueser Stef Rosen (alias Stefano Ronchi), diesmal der sizilianische Gitarren-Virtuose Matteo Mancuso aus Nähe Palermo.

Seine nach verfolgbare Live-Geschichte beginnt bereits beim International Jazz Day Unesco 2021 (archäologischen Stätten Agrigent, Sizilien) im Trio mit Stefano India (Bass) und Giuseppe Bruno (Schlagzeug). In dieser Besetzung spielt er auch sein sehr beachtetes Fusion-Debüt The Journey (2023, The Players Club), meisterhaft komponierte Titel kombiniert mit atemberaubende Fingerstyle-Technik, im Fico D'India Studio ein. Dafür nimmt sich das damalige Trio sogar drei Jahre Zeit. Beim zweiten Streich Route 96, gleiches Studio, zum Teil dieselben Musiker und Helfer, ging es dann beim „zurzeit weltweit heißesten Gitarren-Virtuosen“ wesentlich schneller.

Am 24. April erscheint nun über Music Theories Recordings das neue Werk, auf das der 29-jährige Matteo berechtigt sehr stolz sein kann. Das liegt sicher nicht nur an den Gastauftritten von flammender Gitarre Steve Vai, Gypsy-Jazz-Wirbelwind Antoine Boyer und Russen-Taste Valeriy Stepanov, sondern vor allem auch an seinen Kollegen Riccardo Oliva (Bass) und Gianluca Pellerito (Schlagzeug) sowie natürlich am famosen Talent von Matteo. Gianluca und Riccardo waren auch schon beim Debüt The Journey an zwei Kompositionen beteiligt. Ebenso hat Papa Vincenzo Mancuso seine Unterstützung als Musiker und Produzent wieder mit eingebracht.

Während seiner internationalen Tourneen mit ausverkauften Shows in Europa und Nordamerika hat der The Rara Avis (lateinisch: seltener Vogel) schon eine unüberschaubare Besucherzahl mit seiner taufrischen und modernen Jazz-Rock-Mixtur begeistert. Aber auch viele Kollegen wie Jonas Hellborg, Al Di Meola, Dweezil Zappa, Tommy Emmanuel, Tosin Abasi, Joe Bonamassa („So etwas habe ich noch nie gesehen“) und viele andere haben inzwischen deshalb gerne mit ihm musiziert. Er ist auch ein gern gesehener Gast in den Musik-Arenen dieser Welt. Matteo: „Das Album kommt genau zur richtigen Zeit. Ich möchte 2026 viel auf Tour sein, aber nicht Songs aus dem Debüt spielen. Ich wollte etwas Neueres und Frischeres. Diese Ideen sind origineller und melodisch stärker.“ Die aktuelle Promo-Kampagne wurde mit dem ersten offiziellen Video zu Isla Feliz im Trio-Format und Gast Antoine Boyer veröffentlicht. Matteo: Isla Feliz ist das erste Stück, das ich für das neue Album geschrieben habe. Ich wollte etwas mit lateinamerikanischen Einflüssen auf klassischer Gitarre.“ Das ist dem Trio plus Antoine sehr gut gelungen.

Seine musikalische Aufgeschlossenheit, es musizierte auch schon zusammen mit Prog-Rock-Legende Premiata Forneria Marconi (PFM), sowie nutzen verschiedener Stilen ist einer der signifikanten Unterschiede zwischen Mancuso und der überwiegenden Mehrheit seiner Kollegen. Er ist ein ähnliches herausragendes Talent wie die etwa gleichalterige Ulmerin Yasi Hofer, auch eine glühende Vai-Verehrerin. Die mischt, ebenso wie Matteo, gerade die europäische Musik-Szene auf, Yasi aber im Bereich Blues-Rock. Route 96, benannt nach seinem Geburtsjahr sowie nach der 96 KHz Audio-Sample-Rate, ist in jeder Hinsicht ein progressiver Schritt nach vorne. Und er wird 2026 das komplette Jahr, wie von ihm selbst angekündigt, auf seinen dreißigsten Geburtstag am 22. November zuarbeiten und das neue Material auf Bühnen weltweit präsentieren.

Mit Solar Wind beginnt das Album gleich mit einem entfesselten Matteo und einem Gastauftritt des mehrfachen Grammy-Gewinners und Gitarrenvirtuosen Steve Vai. Matteo: „Er schickte mir seine Parts innerhalb weniger Wochen zurück, und was er spielte, war spektakulär.“ Dann gibt es Fire And Harmony, dass Mancuso selbst als den längsten und intensivsten Track des Albums beschreibt, mit mehr Teilstücken und Abschnitten als alles, was er bisher aufgenommen hat. Nach dem schon erwähnten Isla Feliz dann L.A. Blues One beispielsweise beginnt mit Fusion-Akkorden im Stil von Allan Holdsworth, bevor es deutlich in Richtung Country geht. Matteo: „Ich habe viel Brent Mason und Johnny Hiland gehört, sowie einige der großen L.A.-Sessionmusiker wie Steve Lukather, Larry Carlton und Michael Landau.“ Eine Liebeserklärung an die lateinamerikanischen Einflüsse des Gitarristen gibt es mit Warm Sunset. Weiter mit Black Centurion hingegen ist vermutlich der härteste Titel, den der italienische Gitarrist je geschrieben hat, Matteo beschreibt ihn als eine Art Fortsetzung seiner rockigen Debütsingle Drop D. Wer die großen Helden der Fusion-Gitarren der 70er liebt, hört mal bei Route 96 rein und staunt was der 29-jährige Mancuso mit seinen Fingern direkt auf den Saiten; ohne Plektrum, den Einsatz eines Tremolos und Effektgeräte für Töne, oft in Hochgeschwindigkeit, erzeugt.

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