CD: Orange Utan – Futur III (DE_SN_BE)

Veröffentlicht am 10. März 2026 um 12:12

Art Emo Progressive Stoner Post-Punk aus Dresden & Berlin – Was ist denn da eigentlich los in Thüringen und Sachsen. Kürzlich ZÜNDEN die vier Männer von Theodor Strom ein loderndes Feuer in den Wäldern Thüringens, gerade eben kommt das neue Material von Rock-Poetin Sarah Lesch (Vorstellung demnächst).

Und nun beobachte ich, das die vier orangenen Utans in den Zittauer Wäldern des Dreiländerecks in ihrem Gehege wüten, raus und spielen wollen. Schon mal an dieser Stelle: lasst die Gestalten endlich raus, je früher desto besser, die sehen grimmig aus, wollen aber nur spielen. Was verbindet diese ausgewählten drei jungen ostdeutschen Künstler-Kollektive: 1. Aussagekräftige deutsche Texte, vielstimmig und geschichtet vorgetragen, 2. exzellentes Handwerk bei Gesang und an ALLEN Instrumenten, 3. Technisch und Aufmachung alles erstklassig aufbereitet. Das ist nun die Meisterklasse an dem sich andere orientieren müssen !! Damit meine ich nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch darüber hinaus.

Die vier Orange Utan’s sind in Berlin und Dresden beheimatet, gründeten sich 2011, brachten sofort das Debüt JETZT MACHT! in die Musik-Welt. Das Konzept-Album katastrophil erscheint 2018. Orange Utan: „Es erzählt von gesellschaftlichen Verwerfungslinien zwischen Realität und Traum. Protagonisten wie Direktor, Clown und Akrobaten führen durch eine albtraumhafte Zirkuswelt voller Selbstzweifel, Hoffnung, Wahn und Ironie.“ Nun nach langer Pause, dafür aber mit einem nächsten übergroßen Schritt Futur III.

Schon der erste Titel Kanndiktat des aktuellen Album Futur III (Satirisch: Ereignisse die ewig verschoben werden) des Quartett Orange Utan zeigt was für eine phänomenale Entwicklung diese Band genommen hat. Es fängt atmosphärisch und reduziert an, steigert sich stetig und explodiert im Mittelteil. Dann wieder etwas Tempo raus, Instrumente zurückgenommen, alles sehr schön ineinander verschachtelt. Es gibt inzwischen auch dezent und punktuell eingesetzte Elemente mit Synthesizer, die hier zur Eröffnung wie Verfugungsmasse den regulären massiven Pflastersteinen noch mehr halt und Stabilität geben. Das alles in einem exzellenten Mix. Das Lied klingt aus mit: „Mir ist soooo heiß, wir sehen uns auf dünnen Eis.“ Was für eine Botschaft und wie wahr das ist wird die Menschheit in den nächsten Jahren noch erleben !! Gleich der direkte Übergang zum nächsten Lied Furchtus, es entsteht das Gefühl das beide Lieder eine Einheit bilden. Das unterstreichen auch Gangart, Gesang und Texte. Mit variantenreicher Gesangsleistung von Sandro Gäbler und einem sehr schönen Gitarrenspiel von Burkhard Naumann, wunderbares Soli im Mittelteil, ohne zu übertreiben, saugut gespielt. Das alles macht Hunger auf mehr.

Und dann kommt Merkante, zuerst mit schönen Acapella-Harmoniegesang, der übernimmt immer mal wieder im Laufe des Liedes die Oberhand, dann hört man auch noch eine selten in so einer Komposition zu hörende Saz (Langhalslaute aus Zentralasien). Ich hoffe das sich die Orange Utan‘s trauen das Lied Live, wie die Plauner Polis beim Mantra, gemeinsam anzustimmen. Eigentlich brauche ich mir den Rest garnicht mehr anhören, denn wenn die vier Männer aus Dresden und Berlin so das ganze Album durchrocken, dann muss ich jetzt stoppen, sonst bleibt dieses Album bei mir in Dauerschleife. Auch der dezente, dosierte Einsatz des Cello von Ilja John Lappin (The Hirsch Effekt, Projekt Pinhead) bei Merkante, Apostal oder Cuora zeigt beispielhaft was für ein Feingefühl in den neun Kompositionen von Futur III stecken. Auch weiter bei Zunametan und Ohnmachtdas, sehr schöne Melodien, mächtige Klangwände und ein Füllhorn an Ideen und Spielfreude.

Ich habe die vier langhaarigen Männer schon vor Augen wie sie sich in Berlin, Jena und Dresden bei ihrer ersten Mini-Tour Ende März 2026 gemeinsam auf der Bühne zusammen kauern und dann regelrecht explodieren und das Holz unter ihnen Feuer fängt. Männer, ist könnt es, macht es, wenn nicht ihr, wer dann, wenn nicht jetzt, wann dann !! Das ausklinge Becken bei Ohnmachtdas, Schlaggeräte über die Gesamtspielzeit sehr banddienlich von Christian Kupsch gespielt, geht fast übergangslos in das Gitarren-Effekt-beladene Attackratie über. Auch bei Triebsal wird der Schubhebel voll nach vorne gedrückt, es hat alle vorher genannten Attribute, Sprechgesang, „Atme aus, atme ein.“ Danach geht das schöne Intro von Apostal über in einen atmosphärischen Gesangstitel, Sandro wird begleitet mit einer synthetischen Zweitstimme. Wie bereits gesagt, die beiden abschließenden mit Cello verfeinerten Titel Apostal und Cuora, zwei sehr schöne Lieder zum Abschluss, die animieren einen sofort erneut mit dem ersten Titel Kanndiktat, das wie vorher erwähnt ruhiger beginnt. Somit hat man dann eine Dauerschleife. Menschen: lasst euch auf dieses Album ein, in Gänze ein Hilferuf von unserer jungen Generation, Orange Utan und ich haben es schon lange verstanden, ihr auch !!

Auch auf das Artwork in Gold-Lindgrün von Jaime Villanueva muss ich zu sprechen kommen. Hier eine deutliche Entwicklung und ebenso viel Feingefühl, klare Strukturen und eine passgenaue grafische Umsetzung des Thema Zukunft (Futur). Das Quartett hat sich über Musik und Texte hinaus sehr viele Gedanken gemacht und ein intelligentes, zeitgemäßes Album geschaffen. Ein Zwitter aus Baum und Technik-Tentaleln erinnert ein wenig an die surreale Welt der Matrix-Filme. Die Produktion wurde in die Hände von Scott McLean (Ashenspire, Karlahan, Falloch, Poliverso, Maud The Moth, healthyliving) gelegt und das war echt gut so. Auch die technischen Verfeinerungen von Brad Boatright (Sänger, Gitarrist, Klangtechniker) im Audiosiege Master-Studio Portland, Oregon sind exzellent. Die CD mit Gold-Besputterung und das Booklet mit Texten und Illustrationen stecken in den beiden Kartonstecktaschen (4-seitiges Digipak). Zudem wird ein Artbook (210 x 210 mm) erhältlich sein, welches Texte und Illustrationen beinhaltet sowie ein Poster (Artwork des beeindruckenden CD-Cover).

Die Klänge der Synthies und deren songdienlichen Einsatz haben die Musik von Orange Utan enorm weitergebracht. Sehr gut eingewoben in das Klangbild verstärkt es die Dynamik und die Vielfalt der Lieder enorm. Auch der Einsatz von Saz, Cello und Chor stehen den vielschichtigen Kompositionen sehr gut zu Gesicht.

Orange Utans, ich hoffe ihr habt eine Plan wie Sören Müller Bass und Synthies gleichzeitig spielen will. Ich habe einen, beispielsweise Romain Thorel von Lazuli, Matthias Falkenau von Jones & The Crew oder Robby „Keys“ Grausberg von Basement Saints spielen beides auf den Keyboards. Ein variantenreiches und TOP produziertes Rock-Album mit schlüssigen deutschen Texten mit aktuellen Zeitbezug. Auch das Spiel mit den Titelnamen zeigt die exponierte Stellung als Gesamt-Kunstwerk, Beispiele: Kann Diktat, Furcht Us, Ohnmacht das. Ein Album mit Suchtpotenzial und auch preisverdächtig. Orangene Utans, ich freue mich darauf euch mal Live zu erleben !!

Bilder: Promo Orange Utan, Text: Roland Koch

Orange Utan (DE_SN_BE)

Furchtus (07:04, VÖ: 06-03-2026)

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