Ein Plädoyer für Poesie aber auch für Widerstehen – Mit Theodor Strom, Orange Utan und Sarah Lesch, drei völlig unterschiedliche Künstler Region Thüringen und Sachsen, drei grundverschiedene deutschsprachige Alben, dreimal echte Volltreffer. Ich kann mich an allen dreien nicht satthören. Nachdem Rock-Chansonedde und Klartext-Sprecherin Sarah Lesch aus Leipzig...
bereits mit Gute Nachrichten (März 2024) damals ein deutliches und rockiges Ausrufezeichen setzte, ist es nun wieder soweit. Ja, es ist wieder März-Frühling, das hört man auch im Hintergrund „in den hörbaren Räumen“ an vielen Stellen auf dem neuen Album. Und Sarah hat trotz der vielen Auftritte die sie inzwischen erfolgreich absolviert hat, wieder genug Zeit und Muße gefunden das Album Poesie & Widerstand zu erarbeiten und nun ins Licht der Musikwelt zu bringen. Da wir ja regelmäßig über Sarah’s beachtliche Werke berichten, ersparen wir uns diesmal eine übergroße Einleitung zu ihrem facettenreichen Leben und ihrem imposanten musikalischen Werdegang, punktuell aber dennoch unvermeidlich. Welche „guten Nachrichten“ und Botschaften „über leise Zuversicht in lauten Zeiten“ Sarah diesmal für uns alle hat, dazu kommen wir noch !!
Vor genau zwei Jahren hatte uns ihr damaliges Label den Ball direkt zugespielt, diesmal Listenrecords aus Berlin. „Sarah Lesch gehört zu den profiliertesten Stimmen der neuen deutschsprachigen Liedermacherszene. Seit über zehn Jahren steht sie für handgemachte Musik, präzise Sprache und eine künstlerische Haltung, die sich konsequent zwischen persönlicher Nähe und gesellschaftlicher Verantwortung bewegt. Ihre Songs verbinden poetische Intimität mit politischer Klarheit – ohne Parolen, aber mit spürbarer Wirkung.“ Stimmt, das sehen wir ganz genauso. Was fehlt sind noch, mit sehr variantenreicher Instrumentierung und enormen textlichen Tiefgang.
Schon mit dem ruhigen akustischen Intro und der ausgezeichneten präzisen Lyrik von Plädoyer knüpft Sarah an ihren Vorgänger Gute Nachrichten an. Wie so oft, sind ihre Worte und Sätze nicht plakativ oder reißerisch im Vordergrund, entwickeln aber ihre Treffsicherheit und Bissigkeit beim näheren und mehrfachen Hinhören. Das ist eine der großen Stärken dieser selbstbewussten, emanzipierten, gereiften Dame des Polit-Pop-Rock. Da gibt es keinen Satz zu viel, da ist jedes Wort an die richtige Stelle einsortiert. Es gibt aktuell einige andere deutsche Frauen die auch Lied-Poetin für sich beanspruchen, aber nur wenige erreichen regelmäßig und vermeintlich so federleicht das Niveau einer Sarah Lesch. Oberflächlichkeit ist ein Fremdwort für sie. Natürlich könnten wir euch jetzt einige Namen aus 55 Jahren Rockgeschichte nennen, die wir selbst erlebt haben und die uns immer auch inspiriert haben. Aber wir sind bei Sarah, die macht seit ihrem Startpunkt ihr ureigenes Ding. Von der ersten Zeile bei Lieder Aus Der Schmutzigen Küche (2012) als Chansonedde bis zum sehr reduzierten, fast Acapella-Song Ich Kenne Einen Ort, das letzte Lied vom aktuellen Album Poesie & Widerstand (VÖ: 20. März 2026). Schon nach den folgenden Zwei Von Liebe sowie Gebet (mit Naturgeräuschen im Hintergrund) wird deutlich das Sarah diesmal stärker auf ruhiger, atmosphärischer, akustischer setzt, eine Rückkehr zu akustischen Wurzeln wie sie selbst sagt. Sarah: „Musikalisch setzt Poesie & Widerstand bewusst auf Reduktion, Körperlichkeit, akustische Wärme sowie holzige Gitarren und hörbare Räume.“ Das ist im Begleit-Material von Listenrecords herausgestellt, das fällt auch schon beim ersten durchhören sofort auf und bleibt in Erinnerung. In den neun Liedern sind die Themen erneut breit gestreut und haben aktuellen Bezug zu Leben, Leute und Gesellschaft. Poesie & Widerstand ist diesmal von Tempo und Härte etwas anders, das aber nicht das erste Mal und es ist wieder ein aussagestarkes Album mit vielen Denkanstößen geworden, eben typisch Sarah Lesch.
Bei den Musikern und Helfern setzt Sarah Lesch für ihr aktuelles Liedermacher-Album auf Kontinuität. Alle lebendigen Texte hat wie gewohnt Sarah geliefert, singt natürlich mit ihrer angenehmen Stimme auch alles selbst. Bei der Musik und der Produktion arbeitete sie diesmal im Trio mit Norman Daßler (Felix Meyer) und Philipp Wiechert zusammen. Norman und Philipp teilen sich auch die komplette Gitarrenarbeit, die wirklich beeindruckend ist und gut zu dem Charakter der Lieder von Poesie & Widerstand passen. Schlagzeuger Dominique „Gaga“ Ehlert (Schwarzkaffee, Dark Suns, MAARP) war schon bei Gute Nachrichten dabei. Die tiefen Töne hat diesmal Tim Gressler (Dark Suns) übernommen, außer bei Verschlafene Trauer zupft Sebastian Braun den Akustik-Bass. Alles gut gemischt von Norman Daßler, gemastert von Flo Siller.
Poesie & Widerstand beginnt mit einem deutlichen Plädoyer in Poesie gegen Resignation und Aufgeben, endet mit dem Versprechen, dass Sarah Lesch einen Ort für uns alle kennt – die Hoffnung bleibt, glaubt BITTE immer daran. Bilder: Promo Sarah Lesch (F: Sandra Ludewig), Text: Christa & Roland Koch
Titelliste: 1. Plädoyer (03:39), 2. Zwei Von Liebe (03:23), 3. Gebet (03:48), 4. Dalai Lama (04:52), 5. Anna-Lisa (04:47), 6. Allerschönste Frau der Stadt (03:42), 7. Verschlafene Trauer (03:35), 8. Heute (05:12), 9. Ich kenne einen Ort (02:24), GLZ: 35:45
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