Langer Weg von Sodom über Sieges Even bis Subsignal: Kapitel 1 – Einige denken das in den 80ern anspruchsvolle Rockmusik nur auf den verstreuten britischen Inseln und nicht, oder nur kaum, auf dem Kontinent und in beiden Teilen Deutschlands stattgefunden hat. Weit gefehlt, denn auch hier im deutschsprachigen Raum wurde landesweit und breitgefächert ordentlicher Rock gemacht,
wenn auch von Veranstaltern und Publikum bis heute leider etwas zu unbeachtet. Zu diesen Gruppen gehörten auch die harten Rocker Sieges Even (vor den ersten Demos: Sodom) aus dem Ballungsraum München, die von Gitarrist Markus Steffen und dem Bassist Oliver & Alexander Holzwarth (Schlagzeug) schon Anfang der 80er gegründet wurden. Diese Formation hatte, wie viele andere weltweit, eine durchaus interessante und wechselhafte Geschichte. Leider trennten sie sich 2008 nach fast dreißig Jahren und acht starken Alben aufgrund interner Differenzen eigentlich dann im Zenit ihres Erfolgs. Ab 2000 veröffentlichten sie nur noch die vierteilige Equinox-Digital-EP als Projekt Looking-Glass-Self. Für den nachfolgenden Text zu Subsignal (Kapitel 2) ist aber die Band-Geschichte sowie letzte Bandphase ab 2002 nicht ganz unwichtig.
In dieser Zeit, als sie auch kurz als Val'Paraiso (angelehnt an den Equinox-Titel The Valparaiso Dreaming) live auftraten, stieß Arno Menses (Bonebag, Journeye) als neuer Sänger zur Band. Kurz danach begannen die Arbeiten, jetzt musikalisch wieder als Sieges Even, aber etwas anders ausgerichtet, an dem sechsten Album The Art Of Navigating By The Stars. Neu sortiert und motiviert hatten sie 2004 Auftritte in Amstelveen und Frankfurt am Main und das neues Album wurde im September 2005 beim bekannten deutschen Musik-Label Inside Out veröffentlicht. Auch dank dieser starken Promo-Unterstützung und besonders auch der dynamischen und kreativen Belebung durch Sänger Arno Menses wirkte The Art Of Navigating By The Stars für die Band wie nach einer kollektiven Frischzellenkur und wurde weltweit ein sehr beachtetes progressives Rock-Album.
Dieses Erfolgsrezept passte dann auch auf Paramount, das im September 2007 veröffentlichte zweite Werk wieder mit Arno Menses, gemeinsam produziert von der Band und Kristian Kohlmannslehner (alias Kohle). Playgrounds (2008), aufgenommen 2007 an verschiedenen Orten während der Paramount Tour, war dann der Schlusspunkt und blieb leider das einzige Audio-Live-Album. Zum Zeitpunkt dieser letzten beiden Veröffentlichungen von Sieges Even hatten Gitarrist Markus Steffen und Sänger Arno Menses (der musizierte schon länger mit Bonebag, hier Schlagzeug und Gesang) aber schon viele Ideen für eine neue gemeinsame Formation, arbeiteten schon an Konzept und Kompositionen. Jetzt nach über zweieinhalb Jahrzehnten erfolgreich und endlich sehr deutlich sichtbarer in der Musik-Szene, in einer Zeit als anspruchsvolle Rock-Musik auch wieder etwas populärer wurde, war die Geschichte von Sieges Even nach einer Tour mit den US-Stars von Journey 2008 zu Ende geschrieben.
Das ist sicher kein Einzelfall, wenn Musiker lange zusammenarbeiten, sich weiterentwickeln und neue Visionen haben. Ich schrieb kürzlich einem Freund der auch eine erfolgreiche Band Anfang der 90er mitgegründet hat und sich zurzeit in unruhigen Fahrwasser bewegt: „Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich woanders wieder eine Neue !!“ Und genau das passierte nun auch, Alexander (Schlagzeug) und Oliver Holzwarth (Bass) gründeten Brutal Godz, sind bis heute prägende und äußerst aktive Musiker besonders in der internationalen Metal-Szene. Markus und Sänger Arno arbeiteten weiter an dem neuen Projekt aus dem dann Subsignal entstand.
Sieges Even Spezial: Im Vorprogramm ihrer Idole Emerson, Lake and Palmer (ein geplantes Album Sieges Even spielt ELP kam nie zustande), von denen sie zur Return Of The Manticore Tour (5. Juli 1997, Out In The Green Festival, Westfalenpark Dortmund, mit ELP, Art Garfunkel, Barclay James Harvest) eingeladen worden waren, stellten sich die Münchner im Juni/Juli 1997 einem breiteren Publikum vor. Wir waren damals dabei !!
Diskografie: Demo 1986 (MC: 1986), Bootleg Kassette 1987 (MC: 1987), Repression And Resistance (MC: 1988), Life Cycle (1988), Steps (1990), Napalm vs Sieges Even (1990), A Sense Of Change (1991), Sophisticated (1995), Uneven (1997), Inside Out: The Art Of Navigating By The Stars (2005), Paramount (2007), Playgrounds (2008)
Langer Weg von Sodom über Sieges Even bis Subsignal – Kapitel 2
Noch während der im niederländischen Rotterdam geborene Arno Menses (Gesang) und der in Region der bayrischen Hauptstadt lebende Markus Steffen (Gitarren) mit Sieges Even 2007 am Album Paramount arbeiteten, entwickelte dieses Duo in einem Nebenprojekt unabhängig davon die Ideen zu einer anderen Formation. Sie wurde dann auch als Subsignal im selben Jahr gegründet. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit war ein Song namens A Wallflower On The Day Of Saint Juliana, der schließlich offiziell unter dem Titel Eyes Wide Open auf eben dem Album Paramount im September 2007 erschien. Er wurde von Subsignal öfter Live gespielt und eine akustische Version gibt es auf Out There Must Be Something – Live In Mannheim 2012. Ursprünglich zwar nur als Nebenschauplatz gedacht, entwickelte sich das anfängliche Projekt doch viel dynamischer mit Eigenleben und hatte dadurch auch Einfluss auf die Stammband Sieges Even. Nachdem Arno und Markus dann die Band im Sommer 2008 verlassen hatten, machte man sich sofort auf die Suche nach geeigneten Musikern, um aus dem Projekt eine funktionierende vollwertige Band zu machen.
Als erster stieß Ralf Schwager mit seinem Bass dazu, der durch seine Tiefton-Arbeit bei der Münchener Prog-Metal-Band Dreamscape schon recht bekannt war. Die Band wurde durch den studierten niederländischen Schlagzeuger Roel van Helden (Delphian, Sun Caged, Powerwolf) und den Keyboarder David Bertok (ebenfalls Dreamscape) komplettiert. An dieser Stelle wieder einmal die Frage nach Huhn und Ei, nach Ursache und Wirkung. Also welche Aktion hat dann was ausgelöst und den Ablauf der Ereignisse in welche Richtung beeinflusst. Für Außenstehende alles nicht ganz so wichtig, denn die musikalischen Werke und Präsentationen auf Bühnen weltweit sind bei Sieges Even und Subsignal über jeden Zweifel erhaben. Beide Formationen stehen für Pioniergeist, erstklassige Qualität, Kreativität und Variabilität aus deutschen Landen. Subsignal über sich selbst: „Wir definieren unseren Stil als progressiv, mit einer Offenheit für verschiedene Genres wie Pop, AOR, Rock, Metal und weiteren Zutaten. Wir wollen dort anknüpfen, wo Sieges Even aufgehört haben, aber mit einem stärkeren Fokus auf die Live-Auftritte und einer größeren Offenheit für andere musikalische Richtungen.“
Weiter beschreiben Arno und Markus ihre Musik mit Worten wie melancholisch, emotional, innovativ und melodisch. Musikalisch bewegen sich Subsignal im Fahrwasser von Sieges Even der Inside-Out-Phase, öffnen sich aber für neue Stile, erweiterte Instrumentierung und Gastbeiträge. Mit dieser Ausrichtung ist der Weg offen für viele Spielarten des Rock, Härte aber auch Besinnlichkeit, Symphonisch ebenso wie Akustisch. Subsignal nahmen im Frühjahr 2009 ihr hochgelobtes und bis heute geschätztes Debüt Beautiful & Monstrous für Golden Core Records (ZYX Music Europe) auf. Mit dem Mitproduzenten kommt auch wieder der Name Kristian Kohlmannslehner alias Kohle (Century, 8kids, Soloprojekt: Another Perfect Day) ins Spiel, er war wie schon erwähnt auch mitverantwortlich für das letzte Studioalbum Paramount von Sieges Even. Das Debüt erscheint im September 2009 im deutschsprachigen Raum, weltweit dann Februar 2010. Ihr erstes offizielles Konzert spielten Subsignal im Juli 2009 beim Night Of The Prog Festival, Europas größtes Prog-Festival auf der Freilichtbühne Loreley (2006-2024). Im folgenden Herbst ausgedehntes Touren und einige Konzerte zusammen mit der deutschen Krautrock-Legende Jane. Die zweite Etappe ihrer Beautiful & Monstrous-Tour bestritten sie 2010 mit den kanadischen Prog-Urgesteinen Saga, aber auch mit einigen Solo-Konzerten in Deutschland, Schweiz, Österreich und Italien. Die erfolgreiche Tour endete im Herbst 2010 mit einem Auftritt auf dem deutschen H.E.A.T. Festival.
Bereits im Frühjahr 2011 war die junge Band schon wieder bereit für die Tonstudios und sie begannen mit den Aufnahmen zu ihrem zweiten Album Touchstones. Aber dieses Mal verfolgte man ein dezentrales Aufnahme-Konzept: Das Schlagzeug wurde wieder einmal in den berühmten Kohlekeller-Studios von Kristian Kohlmannslehner (auch Mixing und Mastering) eingespielt, während Gitarren und Bass bei Kalle Wallner (Violet District, RPWL, Blind Ego) in den Farm Studios Greising aufgenommen wurden. Keyboards, Oboe und Streicher entstanden bei David Bertok in seinem Münchener Studio und die Gesangsaufnahmen wurden beim Haustechniker Charly Czajkowski (Rage) im VPS Studio Hamm gemacht. In der Woche der Veröffentlichung stieg Touchstones direkt auf Platz 53 der offiziellen deutschen Media Charts ein. Kurz danach ging die Band wieder auf Tournee mit vielen gefeierten Auftritten in ganz Europa.
Das Quintett Subsignal gastierte auch beim 1. Progressive Promotion Festival im Musik-Tempel Das Rind, Rüsselsheim. Das Eisen war nun heiß genug zum Schmieden, die Gelegenheit wurde für ein Live-Album genutzt und im Mai 2012 war es so weit. Es wurde eine Show der Touchstones-Tour im 7er Club in Mannheim mitgeschnitten und im Herbst 2012 wurde dann die Konzert-DVD mit dem Titel Out There Must Be Something – Live In Mannheim 2012 (Golden Core, ZYX) veröffentlicht. Als Schlagzeuger war hier schon Danilo Batdorf von den Münchener Dreamscape am Trommeln. Damit spielten nun drei Musiker von Dreamscape zusammen mit Arno und Markus. Subsignal’s sechster Mann Charly Czajkowski hat bei der Planung, Umsetzung und der Entstehung der DVD sehr großen Anteil.
Den Rhythmus, Album und Tour im jährlichen Wechsel, wurde beibehalten. Im Februar 2013 begaben sich Subsignal wieder ins Studio, um das dritte Album mit dem Titel Paraíso aufzunehmen. Produziert wurde die CD dieses Mal von Gitarrist Markus Steffen, Arno Menses und Technik-Guru Charly Czajkowski. Paraíso enthält 10 Lieder mit einer Gesamtspielzeit von etwa 60 Minuten. Bei dem Song The Blueprint Of A Winter ist die mexikanische Gesangsdiva Marcela Bovio zu hören. Sie ist bekannt durch ihre Arbeit mit Stream Of Passion und Arjen Lucassens Ayreon. Parallel zum Album wurde dieser Song in zwei Versionen zusammen mit Swimming Home (Akustik Version) und einen Video-Clip von Paraíso auf einer auf 500 Stück limitierten Single veröffentlicht. Es wurden sogar mehrere Stücke mit einem vierköpfigen US-Streicher-Quartett aufgenommen. Die Sonderausgabe von Paraíso als Doppel-CD enthält den Live-Mitschnitt des Auftritts der Band 2012 im 7er Club Mannheim. Auch Paraíso stieg genau wie sein Vorgänger Touchstones sofort mit ähnlicher Platzierung in die deutschen Charts ein, also der dritte Streich hintereinander.
Nach der offensiven und geglückten Veröffentlichung von Paraíso spielten Subsignal; und täglich grüßt das Murmeltier oder wie sollte es anders sein; eine weitere erfolgreiche Europa-Tour (auch mit einem Auftritt beim berühmten Rock Of Ages Festival Deutschland). Und im Mai 2014 spielte die Band ihre erste US-Show auf dem Rites Of Spring Festival im geschichtsträchtigen Gettysburg, Pennsylvania. Nach der Rückkehr von der weltweiten kräftezehrenden Paraíso-Tour trennten sich Subsignal und Schlagzeuger Danilo Batdorf sowie Keyboarder David Bertok (beide von Dreamscape). Batdorf schloss sich sofort der Band Kaisers Bart an (2018: Meister5tück). Das Kreativ-Duo Arno Menses und Markus Steffen begannen sofort, neues Material für das vierte Album The Beacons Of Somewhere Sometime zu schreiben. Nach einem Jahr intensiver Vorarbeit wurde auch dieses Album wieder von Markus Steffen, Arno Menses und Charly Czajkowski produziert und im Frühjahr 2015 eingespielt. Für die Keyboards zeigte sich der Italiener Luca Di Gennaro (Soul Secret) verantwortlich, an Schlagzeug und Perkussion verstärkte nun der Münsterländer Könner Dirk Brand (Axxis, F.O.B., Gregor Hilden Organ Trio) das Quintett.
Das nunmehr vierte Studiowerk in nur sechs Jahren hat eine üppige Gesamtlänge von etwa 70 Minuten, allein der Titeltrack bringt es auf über 23 Minuten. Es erscheint wie der Vorgänger Paraíso in verschiedenen Formaten, erreicht in der Woche der Veröffentlichung Platz 64 in den offiziellen deutschen Charts und erkundet, über das gesamte musikalische Werk, emotionalen Tiefgang. Diese Facette ist für Subsignal in dieser starken Ausprägung neu. Auch wenn es sich bei The Beacons Of Somewhere Sometime (Oktober 2015) nicht um ein typisches Konzeptwerk handelt, gibt es bestimmte musikalische Themen, die im gesamten Album immer wieder auftauchen. Die Lyrik handelt von Themen wie Verlust, Abschied oder unerwarteten Ereignissen die sich nicht kontrollieren lassen, dazu passt auch der Albumtitel.
Gitarrist Markus Steffen: „The Beacons Of Somewhere Sometime ist sicherlich unser emotionalstes und intensivstes Album. Ich habe in den letzten zwei Jahren einige nicht so erfreuliche Dinge erlebt, und ich denke, einiges davon ist direkt in unser Songwriting eingeflossen. Aber andererseits war Beacons ziemlich einfach zu schreiben, und es ist wahrscheinlich ein Subsignal-Album, das sehr nahe an dem ist, was Arno und ich vor einigen Jahren mit Sieges Even gemacht haben.“ Mit diesem Album wird die Kontinuität Album & Tour im jährlichen Wechsel, Label, musikalische Ausrichtung und Personal beendet, eine neue Zeit bricht für Subsignal an. The Beacons Of Somewhere Sometime ist das letzte Album für Golden Core Records (ZYX Music Europe), danach erscheint dort nur noch 2018 die 2CD-Kompilation A Canopy Of Stars – The Best Of Subsignal 2009-2015 mit 25 Titeln. Wie gewohnt spielten Subsignal eine Deutschland-Tournee als Support für das neue Album. Sie traten auch auf dem Generation Prog Festival in Nürnberg, dem 1st Space Prog Rock Night-Festival in Essen auf sowie auch, diesmal zum zweiten Mal, auf dem berühmten Night Of The Prog Festival im Juli 2016.
Im Januar 2017 gehen Subsignal zusammen mit der deutschen Band Blind Ego von Kalle Wallner auf Tour durch Deutschland und Belgien. Nach der Tour im Winter 2017 begannen Subsignal mit den Aufnahmen zu ihrem fünften Album mit dem Titel La Muerta. Das neue Album wurde über Subsignal’s neue Plattenfirma Gentle Art Of Music (RPWL, Panzerballett, Sylvan, Crystal Palace, etc.) veröffentlicht. La Muerta wurde von Yogi Lang und Kalle Wallner produziert, beide bekannt durch ihre gemeinsame Band RPWL. Das Album enthält 11 Songs und hat eine Gesamtspielzeit von circa 55 Minuten. Im Gegensatz zu The Beacons Of Somewhere Sometime gibt es auf La Muerta keine konzeptionellen Zusammenhänge oder Themen. La Muerta ist ein klarer Kontrapunkt zum 2015er Album.
Gitarrist Markus Steffen: „Wir versuchen nie, ein Album zweimal zu schreiben – das ist sowieso nicht möglich und schon gar nicht gewollt – sondern wir haben versucht, uns ein bisschen zu reduzieren, nach dem Motto: Weniger ist oft mehr. Ich denke, dass La Muerta transparenter geworden ist, rockiger, vielleicht sogar poppiger im wahrsten Sinne des Wortes, und das hört man auch auf der Produktionsebene. Kalle und Yogi haben uns mit ihrer Erfahrung und ihrem Input einen großen Schritt nach vorne gebracht.“ Die Keyboards wurden diesmal von Markus Maichel (Dante) eingespielt. Neben zwei kürzeren Instrumentalstücken enthält La Muerta auch eine sehr ruhige und gefühlvolle Komposition mit dem Titel Some Kind Of Drowning, hauptsächlich wird es von Klavier (Markus Jehle von RPWL) und zwei Stimmen getragen. In diesem Lied ist neben Arno Menses die russische Sängerin Marjana Semkina als Duopartnerin zu hören.
Semkina ist bekannt für die Petersburger Band Iamthemorning, die 2016 den Progressive Music Award für das beste Album gewann. La Muerta wurde am 25. Mai 2018 weltweit als CD, Vinyl und Digital über Gentle Art Of Music (Soulfood) veröffentlicht. Die anschließenden Tourneen endeten am 6. September 2019 mit einem Auftritt auf dem renommierten ProgPower USA Festival im Center Stage Theater in Atlanta (Georgia). Also alles wie gewohnt. Bereits im Mai 2020 wurde das Live-Album A Song For The Homeless – Live In Rüsselsheim 2019 veröffentlicht. Aufgenommen am 28. März 2019 im bekannten Rüsselsheimer Club Das Rind, dort gastierten sie am Anfang ihrer Karriere 2011 beim 1. Progressive Promotion Festival schon einmal, also ein Heimspiel. Das Doppelalbum dokumentiert als CD, Doppel-Vinyl, digitales Download und Stream ein fulminantes Konzert der La Muerta-Tour.
Die beiden Kreativ-Köpfe Markus Steffen und Sänger Arno Menses arbeiten nun seit 2006 konstant und nimmermüde an neuem Material. Wer hätte gedacht das deren Arbeitswut erst einmal ausgebremst wird, dass der Auftritt von Subsignal auf dem ProgPower USA Festival in Atlanta im September 2019 erst einmal das letzte Konzert für eine sehr lange Zeit sein würde? Wer hätte erwartet, dass der Studio-Nachfolger von La Muerta noch fünf Jahre entfernt ist? Die Pandemie hat auch für Subsignal eine Menge verändert. Viele Konzerte mussten abgesagt werden, gemeinsame Proben oder Aufnahmen waren nicht mehr möglich, Besetzungswechsel inklusive. Ralf Schwager, Bassist der ersten Stunde, verließ die Band aus persönlichen Gründen und der Niederländer Martijn Horsten kam für ihn fließend in das Subsignal-Team. Martjin ist kein Unbekannter: 2018 spielte er auf der ersten Etappe der La Muerta-Tour, ist bereits im Zusammenhang mit A Song For The Homeless – Live In Rüsselsheim 2019 erwähnt.
Ein erstes kreatives Lebenszeichen gab es dann erst im Sommer 2021, mitten in der Hochphase der Pandemie. Die Band veröffentlichte das Akustikstück A Room On The Edge Of Forever, Kreativ-Duo Gitarrist Markus Steffen und Sänger Arno Menses gefilmt beim Komponieren des Liedes. Veröffentlicht als digitale Single und als Video für YouTube, später auch noch als Bonus auf dem CD-Album. 2022 konnten schließlich dann die Aufnahmen für das sechste Studioalbum A Poetry Of Rain beginnen, produziert und technisch veredelt erneut unter der Regie von Kalle Wallner und Yogi Lang, veröffentlicht wieder bei Gentle Art Of Music (Soulfood). Die meisten Songs wurden noch vor dem Ausbruch der Pandemie geschrieben und sind im Vergleich zu La Muerta etwas progressiver ausgefallen, wenngleich typische Markenzeichen wie Chöre, Akustikgitarren oder ausgefeilte Melodien weiterhin enthalten sind.
Gitarrist und Komponist Markus Steffen über A Poetry Of Rain: „Auf dem neuen Album haben wir versucht, einen Kontrapunkt zu La Muerta zu setzen, dass vielleicht etwas mehr in Richtung AOR tendierte. Aber im Grunde sind wir bei den Dingen geblieben, die wir lieben: Melodien, gute Refrains und interessante, aber gleichzeitig transparente Songstrukturen. Jedes neue Album ist ein Gegenreflex zum jeweiligen Vorgänger. Textlich steht jeder Song für sich, hat ein anderes Thema. Auch wenn es nicht unbedingt geplant war, sind einige der Texte sicherlich unter dem Eindruck der vielen traurigen Dinge entstanden, mit denen wir seit Anfang 2020 und vielleicht noch länger täglich konfrontiert werden. Eine Kultivierung der Traurigkeit.“
Nun ist eine weitere Geschichte über fast 45 Jahre geschrieben, vom ersten Münchener Projekt Sodom, über die Senkrechtstarter und Vielarbeiter Sieges Even bis hin zur weltweit gefeierten Rock-Band Subsignal. Kreative Kollektive von Musikern die auf ihrer langen rockigen Reise im Spannungsfeld von progressiven Rock & Metal bis zum klassischen AOR & Rock-Pop viele Facetten modern und zeitgemäß verbunden, abgebildet und bespielt haben und dafür viele Fans in unterschiedlichen Lagern gefunden haben. Für den Dirigenten und Projektleiter Markus Steffen, der diese jeweiligen homogenen Besetzungen als Gitarrist unterstützt hat, ist es sein Lebenswerk.
Denn er ist über die gesamte Zeit durchgängig in verschiedenen Funktionen an den kreativen Prozessen maßgeblich beteiligt. Aber nicht zu vergessen auch die vielen anderen seiner Musiker-Kollegen, die ihn oft sehr lange begleitet haben und mit ihren Beiträgen für ein Markenzeichen gesorgt haben. Wie sagte Yogi Lang bei einem bekannten Prog-Festival sinngemäß zum erlauchten Publikum: „Wir sehen uns nicht als Prog-Band, können mit diesem Begriff nicht so viel anfangen. RPWL war und ist tatsächlich eine Rock-Band, die unterschiedlichste Stimmungen mit ihrer Musik abbilden kann.“ Danach spielten sie ihre ureigene Musik, dazwischen aber auch als Block, frenetisch von den Fans gefeiert, ein viertelstündiges Pink-Floyd-Potpourri. Somit werden die langjährigen Verbindungen zwischen diesen beiden im Kern bayrischen Bands noch deutlicher. Violet District und RPWL sowie Sieges Even und Subsignal, zwei lange Erfolgsgeschichten in der deutschen Rockszene. Bilder: Promo, Cover; Text: Roland Koch
Langer Weg von Sodom über Sieges Even bis Subsignal – Kapitel 3
Erwähnenswert ist aktuell auch noch die gegenseitige Zusammenarbeit 2023 von Arno Menses bei Marek Arnold’s Artrock Project (überragender Gesang bei Papillon) und eben Marek Arnold bei A Poetry Of Rain (mit aufwühlendem Saxofonsolo bei The Last Of It's Kind). Diese Werkschau lag seit Ende 2024 komplett fertiggestellt im Archiv und erblickt nun das Licht der Musikwelt. Da ich mit Dirk Brand auch wegen seinen Arbeiten für das Gregor Hilden Organ Trio Kontakt hatte, fragte ich immer mal wieder auch nach Subsignal. Dirk Brand: „Hey, nein, Subsignal bleibt bestehen, aber in etwas anderer Besetzung !! Infos kommen demnächst :-))).“ Ich wusste also früh, dass die Weichen für die nächste Inkarnation von Subsignal bereits gestellt waren.
Der Ausstieg von Sänger Arno Menses im Frühjahr 2024 und den daraus resultierenden Folgewirkungen, ihm war das Tour-Leben zu anstrengend und er wollte sich auf seine Tribute-Band Journeye konzentrieren, hatten noch zu zwei weiteren Wechseln in der Besetzung geführt. Keyboarder Markus Maichel (Dante) und der niederländische Bassist Martijn Horsten haben die Band aus persönlichen sowie beruflichen Gründen ebenso verlassen. Nun standen Markus Steffen und Dirk Brand alleine da, aber nicht lange. Nun aber mit Powerized Nick Holleman (Vicious Rumors, Powerized, Induction, Sinbreed, Trance) eine erfahrene neue Frontstimme. Also eine Auswechselung im Oranje-Team. Mit David Bertok (Dreamscape) an den Keyboards ist nun wieder ein Mitglied aus den Gründertagen von Subsignal dabei. David hatte ja bereits auf dem Album Poetry Of Rain mitgearbeitet und lebt als Film-Komponist im Medien-Schmelztiegel Los Angeles, hat dort viel Erfolg (Emmy Preisträger) mit seiner vielfältigen Arbeit. Aber es fehlt noch der Tieftöner. Und auch da eine große Überraschung, David’s ehemaliger Dreamscape-Kollege und Subsignal-Urgestein Ralf Schwager kommt nach sechs Jahren Abwesenheit wieder zurück in den Schoß von Subsignal. Und es ist bereits mit Hiraeth ein erster Schnupper-Titel bei Gentle Art Of Music veröffentlicht worden. Die Arbeiten am kommenden Album sind 2026 voll im Gange und eine Tour ist für 2027 geplant. Marek Arnold hatte Bandgründer und Gitarrist Markus Steffen im Stone-Prog-Podcast. Sehr interessanter Stoff !!
Und ich bin sehr sicher, die Reise vom Quintett Subsignal geht erfolgreich weiter. Ich bin an dieser Stelle mit Markus Steffen in allen Punkten einig, wir sind älter geworden, Sieges Even und Subsignal haben internationalen Stellenwert, ein Kollektiv was im Kern über von 1986 bis 2026, also 40 Jahre Bestand hat, ist ein musikalisches Vermächtnis. Und es geht weiter, denn stärker besetzt waren die bayrischen Rocker quasi noch nie, mit Markus, David, Ralf, drei ultraerfahrene Gründer, Dirk Brand als virtuoser Langzeit-Schlagzeuger und einen jungen, leidenschaftlich Frontsänger mit ebenso beachtlichen Werdegang. Endlich wieder deutliche Signale eines deutschen Rock-Schwergewicht, lasst es krachen Subsignal, wir sind dabei !!
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