Festival: 1. The Ancestry Rock Fest 2026_1 – München (DE_BY)

Veröffentlicht am 2. Juni 2026 um 22:58

Das erste echte „Prog-Festival“ (dazu kommen wir noch im nächsten Absatz) seit der Zeit als an den Ufern der Isar noch die römischen Legionäre Station in ihren Kastellen gemacht haben. Bavaria war damals Größenteils sicheres Gebiet, zumindest südlich der Donau. Nördlich hausten die Teutonen.

Und die haben kürzlich zu zweit die Limes-Grenze überwunden und die Alte Kongress-Halle nähe Teresienwies’n gestürmt. Es war Samstagmorgen circa 11:00 Uhr, noch wenig los in den geschichtsträchtigen, ehrwürdigen Hallen. Kaum im imposanten, zweistöckigen Foyer angekommen, wurden wir und unsere Neugier bereits von Technik-Chef Moritz erst einmal abrupt gestoppt. Wir zeigten unsere zerknitterten Passagierscheine vor, aber erst die Namen des Veranstalters waren dann der Sesam-Öffne-Dich.

Ein paar Fragen gingen auch noch, die wichtigste, heute ab 15:30 Uhr geht es tatsächlich hier los ?? „Wir werden pünktlich fertig, Umbaupausen sind zwar knapp, Technik-Tuning machen wir dann während der ersten Lieder im Live-Modus.“ Wir: „Wow, das ist ja ambitioniert. Viel Glück dafür.“ Die ersten Künstler trafen wir kurze Zeit später. Es sind Sänger Ben Knabe und Gitarrist Mike Voglmeier vom The Ancestry Programm, die sind Mitveranstalter und Namensgeber dieses Festivals. Wir begrüßten auch schon mal die Ständler im Obergeschoss, Michael Bäcker (Empire Magazin), Oliver Wenzler (Progressive Promotion Records) sowie Massimo Orlandini (MaRaCash Records). Die deutsche Musik-Presse war durch die Kollegen von Good Times, eclipsed und Empire und die Kunstwelt durch einen vor Ort aktiven Kunstmaler mit Ausstellung vertreten.

Die Zeit verrinnt physikalisch bedingt sowie astromisch relativ gleichmäßig und nun ist auch schon wieder unser erstes großes Kapitel Bereich Rockmusik des Jahres 2026 hinter uns. Die Prog-Triangel hat nach dem Einstellen des Night Of The Prog nun das Zepter in Reichenbach (Neuberinhaus), Ramstein (Congress Center Ramstein) und München (Alte Kongresshalle) übernommen. Drei fantastische Spielstätten, mit Paderborn wären es sogar vier Arenen. Wobei Prog-Triangel nicht ganz stimmt, denn bei den drei Veranstaltungen sind fast alle Bereiche der anspruchsvollen Rockmusik bedient worden. Uns fragen immer wieder interessierte Menschen: „Was ist denn Prog ??“ Ja, dann mal los, bitte erklärt doch mal warum Flame Drop, Ape Shifter, Superthousand, Sammary, Kraan, Rosalie Cunningham, Lazuli, RPWL und einige mehr auf PROG-Festivals spielen. Wir müssen umdenken und versuchen verstärkt die jüngeren Generationen zu erreichen. Dazu reicht das allgemeine Etikett anspruchsvolle Rockmusik. So prangt es seit mindestens ein Dutzend Jahren im Logo auf jedem Empire-Magazin. Da sind die Bezeichnungen Art oder Prog eher abschreckend.

The Glassmoon Connection – Nach dieser Einleitung wird es bereits klar, es ist nicht so einfach, als fast völlig unbeschriebenes Blatt, in diesem schwierigen Metier und diesem Aufgebot von 11 Bands an zwei Tagen, die 2-tägige „Prog-Party“ zu eröffnen. Die vier jungen Münchener Szene-Musiker und der präzise Vielarbeiter in Sachen anspruchsvoller Rock-Musik, Schlagzeuger Andy Lind (Schizofrantik, The Ancestry Program, LIND), gehen es aber beherzt an und überraschen die zuströmenden Besucher mit einer sehr individuellen, eigenständigen ausbalancierten breiter Stil-Mixtur. The Glassmoon Connection haben Mitte 2025 mit ihrem Debüt A Trip Into Subconsciousness ein weiteres facettenreiches Kapitel der Band aufgeschlagen und die Musikpresse war überrascht über so ein gutes komplexes Album aus Bayern. Das Quintett, Marie Brandis (Gesang), Andy Bauer (Bass), Andy Lind (Schlagzeug), Jan Lehner (Keyboards), Stephan Weyerer (Gitarre), spielte für uns überraschend souverän durch acht von zwölf Kompositionen (Komponist Andy Lind) ihres Debüts, mehr ging nicht in deren 45 Minuten Bühnenzeit. Und die fünf Debütanten haben nicht enttäuscht, eher im Gegenteil. Das haben auch viele im Publikum so gesehen.

Blind Ego – Diese Band aus Freising ist inzwischen eigenständig und mehr als nur der charismatische und virtuose Gitarrenheld Karlheinz Wallner. Wir haben die Entwicklung von Blind Ego über viele Jahre verfolgt und Kalle hat eine stabile eingespielte Mannschaft um sich herum. Er kann wie die anderen großen Band-Leader auch mal einen Gang zurückschalten und den Kahn laufen lassen. Es ist schön zu sehen, wie er mit Blicken und Gesten das Rock-Schiff dezent durch die Klippen und Untiefen dirigiert. Mit The Hunting Party (2025) schiebt Blind Ego im Vergleich zu seiner anderen Arbeitsstätte RPWL die Hebel deutlich zugunsten von harten Rock- und Metal-Elementen nach vorne. Seit seinem Debüt Mirror aus 2007 ist das neue Album bereits sein fünftes Studio-Werk, 2017 das Live-Album und 2022 sein Quasi-Instrumental-Album Voices als Solist Kalle Wallner. Er ist nicht nur ein sehr guter Gitarrist und Sänger, er ist auch ein sehr fleißiger und professioneller Arbeiter als Komponist, Klang-Ingenieur, Produzent, Talent-Scout, Drahtzieher & Vernetzer. Gut, dass wir solche Profi’s in Germanien haben und ihre unerschöpfliche Leidenschaft in den Dienst der heimischen Musik-Kultur-Szene stecken. Kalle und seine Truppe spielten 4 Titel vom aktuellen The Hunting Party und jeweils 2 Lieder von Preaching To The Choir (2020) sowie Liquid (2016). Mit Three ist selbst eine Komposition von Kalle’s Solo dabei. Auch der aktuelle Sänger Kevin Kearns (Cyant) passt sehr gut zu Blind Ego, deren Repertoire und den Kollegen Julian Kellner (Gitarre), Sebastian Harnack (Bass), Michael Christoph (Schlagzeug). Startplatz zwo erneut sehr gut besetzt, so konnte es weitergehen.

Century’s Crime„Die Grenzen zwischen Original und Tribute verschwimmen: The Supertramp feeling is still alive!“, ist das vielleicht zu dick aufgetragen ?? Schon beim Lesen des Bandnamens ist bei uns sofort die Verbindung zur britischen Band Supertramp präsent. 1974 erschien deren Durchbruch-Werk Crime Of The Century bei A&M Records, aber auch schon die beiden ersten Alben zeigten bereits die Besonderheit dieser Formation. Wir waren sehr gespannt, ähnlich wie der aufgespannte gelbe Sonnenschirm in der Bühnen-Dekoration, wie nahe Century’s Crime dem Original wohl tatsächlich kommen würden. Und im Vergleich zur damaligen spektakulären Welt-Tournee 1979 (siehe Bilder Vorbericht), bei dem wir Supertramp bei einem Auftritt selbst erlebt hatten, sah die Leistung des Münchener Quintett sehr gut aus. Wir können bestätigen, Century’s Crime sind derzeitig die wahren Vermächtnisverwalter von Supertramp der sogenannten klassischen Phase zwischen 1973 bis 1984. Denn diese gemischte Pfälzer & Bayrische Fünfer-Bande, gegründet 2016, hat nicht nur das Klangbild der prägenden Kompositionen sehr detailgetreu und virtuos auf die Bühne gebracht, sondern auch ein wenig den Geist, der damals über den Musikern schwebte und ihr Verhalten untereinander mitbestimmte. Dazu kommt, das München quasi die Geburtsstadt beider Formationen ist. Supertramp absolvierten ihren ersten öffentlichen Auftritt noch unter dem Namen Daddy im Münchener PN-Club, Leopoldstraße. Dort wurde sogar ein Kurzfilm gedreht, der unter dem Titel Supertramp Portrait 1970 veröffentlicht wurde (1970: Sanremo-Festival). Das alles sind gute Gründe warum die Münchener Band regelmäßig seit acht Jahren europaweit gebucht wird und die Fans hellauf begeistert. Gespielt wurde fast komplett Crime Of The Century; From Now On, Fool's Overture (1977: Even In The Quietest Moments) und The Logical Song, Goodbye Stranger, Take The Long Way Home (1979: Breakfast In America). Was ein Hit-Feuerwerk und alles so nah wie möglich am Original.

Rosalie Cunningham – Sie ist wild, talentiert, charismatisch, selbstbewusst, sie ist eine echte Bandleiterin wie damals Chrissie Hynde mit den Pretenders Ende der 70er. Die Britin Rosalie hat inzwischen mit Ipso Facto, Purson, Lucifer einige erfolgreiche Karrierestationen hinter sich, ist mit ihren 36 Lenzen auf dem sicheren Weg ein noch größerer Star zu werden. Wir verfolgen ihren Weg seit Anfang der 2020er und für uns nicht überraschend, Rosalie spielt reproduzierbar gute Konzerte, steigert mit ihrer eingespielten Band ständig ihre Reputation und zieht immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Leider wurden diese wichtigen Attribute durch die wiederkehrenden Probleme mit der Technik hier besonders deutlich. Sie war nicht darüber „amused“, das während der ersten Lieder nur der Gesang ihrer Musikerkollegin Claudia González Diaz am Bass zu hören war. Tatsächlich waren diese Technik-Probleme auch bei den anderen drei Bands deutlich. Hier zeigte sich die Professionalität des gesamten Quintetts und vor allem die Souveränität der Chefin, erarbeitet zusammen mit Claudia “Speedy” González Diaz (Bass, Flöte, Gesang, auch Cachemira), Rosco Wilson (Gitarre, Gesang), Aaron Bolli Thompson (Keyboards, Perkussion), Raphael Mura (Schlagzeug, auch Throw Down Bones) und natürlich der 36-jährigen Chefin Rosalie Cunningham (Gesang, Gitarre, vorher Ipso Facto, Purson) auf unzähligen Bühnen Europas. Vor einigen standen wir selbst mit offenen Mündern, Herzberg Fest, Woodstock Forever, Finkenbach, zuletzt am 21. März beim Rock-Festival Paderborn und es war nicht nur spannend, sondern auch inspirierend und energetisch. Ergänzen möchten wir noch, das Rosalie auch mit ihrer Vorgänger-Band Purson genauso gute Musik gemacht hat und immer wieder Titel davon Live präsentiert. Alles was diese sympathische britische Musikerin macht, hat Herz und Leidenschaft. Und diesen hochenergetischen, breitflächigen, modernen Rock, haben wir auch beim TAP-Fest, trotz einiger Anlaufschwierigkeiten, auch in der bayrischen Hauptstadt exzellent präsentiert bekommen. Wir wollen mehr davon. Aber wir sind nicht die einzigen, deshalb werden die Spielstätten immer größer und die Spielorte im ferner. English Version below !!

Kraan – Selten habe ich in den letzten Jahren einen so lebensbejahenden Hellmut Hattler erlebt. Zuletzt kürzlich bei dem Stone-Prog-Podcast im Dialog mit Marek Arnold und eben auch zum Abschluss am Samstag hier in der Alten Kongress-Halle Nähe Theresienwies’n mit seinen Kumpels von Kraan. Marek trat auch hier am Sonntag auf. Aber vielleicht lag es auch an der Bass-Kollegin Claudia González Diaz, die egal wo sie auftaucht, in Kontakt mit den Tiefton-Spielern kommt und die Musiker regelrecht auflädt mit ihrer Lebensfreude. Hellmut selbst sagt: „Die Dienstälteste deutsche Band durchgängig immer in Originalbesetzung.“ Das können wir bestätigen, Rang-Nummer 2: Epitaph. Und wer meint, da muss es doch inzwischen Abnutzungserscheinungen geben, weit gefehlt. Natürlich sind die Tieftöner Hellmut, Gitarrist Jan Friede Wolbrandt, Schlagzeuger Peter Wolbrandt alle drei älter geworden. Nicht nur wir, sondern auch viele befragte Gäste waren über diesen Auftritt beim TAP-Fest sehr angenehm überrascht. Eine kleine Gruppe von sehr jungen Fans, die wir zufällig auf dem Weg zum Hotel trafen, waren euphorisch, so eine Vorstellung von Rosalie Cunningham, aber besonders von Kraan erlebt zu haben. Die Spielfreude des Trios war beeindruckend, die Präzision und Harmonie ebenso, das Repertoire aus Klassikern und Aktuellem (auch von 2026: All In) wie aus einem Guss. Das Band-Küken Martin Kasper, er war immer mal für einige Kompositionen mit auf der Bühne, fügte mit seinem banddienlichen Tastenspiel noch einige Akzente zum guten Klangbild hinzu. Das erinnerte uns an einige Konzerte mit Keyboarder Ingo Bischof (1975-2007). Hellmut wies auch mit einigen Bemerkungen darauf hin und verbeugte sich damit vor seinem 2019 verstorbenen Kollegen, aber auch vor Martin „Kaaasssperrr“, wie er gutgelaunt den Keyboarder immer wieder respektvoll vorstellte. Volle Punktzahl für Kraan, unseren Höhepunkt des ersten Festivaltags und ehrlicherweise für alle anderen vier Formationen am Samstag. Alle Bilder & Texte: Christa & Roland Koch

Set Listen Tap Muc 03 Pdf

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Rosalie Cunningham (English Version) – wild, talented, charismatic, and confident – is a true bandleader in the mold of Chrissie Hynde (The Pretenders) back in the late 70s. The British artist has already enjoyed successful stints with bands like Ipso Facto, Purson, and Lucifer; at 36, she is well on her way to becoming an even bigger star. We have been following her career since the early 2020s, and it comes as no surprise to us that she consistently delivers excellent live shows, steadily building her reputation and drawing increasing attention alongside her tight-knit band. Unfortunately, recurring technical issues made these key attributes particularly apparent on this occasion. She was far from amused when, during the opening songs, only the backing vocals of her bandmate Claudia González Diaz (bass) could be heard. In fact, these technical glitches affected all three bands on the bill. Yet, this situation highlighted the professionalism of the entire quintet – and above all, the poise of the leader herself – qualities honed on countless stages across Europe alongside Claudia “Speedy” González Diaz (bass, flute, vocals; also of Cachemira), Rosco Wilson (guitar, vocals), Aaron Bolli Thompson (keyboards, percussion), Raphael Mura (drums; also of Throw Down Bones), and, of course, the 36-year-old frontwoman Rosalie Cunningham (vocals, guitar; formerly of Ipso Facto and Purson). We have witnessed her performances firsthand – jaw-dropping sets at festivals like Herzberg, Woodstock Forever, and Finkenbach, as well as the Paderborn Rock Festival on March 21st – and found them not only exciting but also inspiring and full of energy. It is also worth noting that Rosalie created equally brilliant music with her previous band, Purson, and frequently performs tracks from that era live. Everything this engaging British musician does is infused with heart and passion. And we also got to experience an excellent performance of this high-energy, expansive, modern rock in the Bavarian capital at the TAP-Fest, despite a few initial teething troubles. We want more of it. But we aren't the only ones, which is why the venues keep getting bigger and the locations further afield. All images & texts: Christa & Roland Koch

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