Alte Kongresshalle München mit internationalem Rock-Fest am Sonntag – Wir sind schon wieder recht früh in der schönen Alte Kongress-Halle. Heute ist einiges los in München und rund um die Theresienwies’n, es erwartet uns ein breites und buntes Programm. Es ist erneut Durchhaltevermögen gefragt,
aber das haben wir. Viermal Rock mit Proken, Flying Circus, Lazuli und RPWL. Dazu The Artrock Project aus Sachsen und die Lokal-Matadoren The Ancestry Programm mit anspruchsvollen Rock-Programm.
Proken – Außen auf der „Verpackung“ steht seit 2017 mit Proken ein neuer Name der verschiedenste Assoziationen zulässt, innen haben wir viel Erfahrung und musikalische Qualität pur. Die sechs Musiker von Wayward und Chandelier sind allesamt keine unbeschriebenen Blätter. Es wird schon einmal bestätigt durch die Auszeichnung Deutscher Hard Rock Preis 2024 und das sie ihr Repertoire beherrschen, haben sie in den letzten Jahren bei vielen Gelegenheiten Live gezeigt. Auch hier in der Alten Kongress-Halle gegenüber vom Deutschen Museum: Verkehrszentrum. Mark Tobler (Gesang), Rocky Sferruzza (Gitarre), Tom Jarzina (Schlagzeug), Toni Edlbauer (Bass), Benedikt Horsthemke (Keyboards), Mike Piccolavia (Gitarre), sechs Namen, die unsere Veranstalter auf dem Zettel haben sollten, falls sie noch nicht schon draufstehen. Endlich steht auf vielen deutschen „Verpackungen“, beispielsweise Chandelier, Dawnation, Flying Circus, Love God Chaos, Polis, Saris, Subsignal, mit anspruchsvoller, heimischer Rockmusik das korrekte Etikett. Es ist die Zeit vorbei wo alle nur auf die Insel in der Nordsee schauen. Auch in Germanien gab/gibt es fantastische Rockbands, die nicht nur zeitgemäße Alben machen, sondern besonders auch Live vollkommen überzeugen. In der oben genannten Riege spielen auch Proken. Sie spielten sieben Kompositionen von ihrem Debüt Dividing Times (2023) und mit Suicide Man und Falling Without Evidence gab es auch zwei neue Stücke. Mark Tobler schreibt alle Texte, für die Musik und Arrangements zeigt sich die ganze Mannschaft verantwortlich. Ein sehr gelungener Auftakt und kraftvoller Weckruf für den zweiten Tag der ersten Ausgabe vom The Ancestry Rock Fest.
Flying Circus – Auf Startplatz zwei stand heute am Sonntag das erfahrene Grevenbroicher Rock-Quintett von Flying Circus diesmal recht früh auf der Bühne. Sie hatten gut geplant, waren schon am Vortag mit ihrem neuen Tourbus angereist und wollten direkt nach ihrem Auftritt wieder zurück an den Niederrhein. Sie hatten also schon einige Kollegen vom Vortrag miterlebt. Ihr harter Rock passte nahtlos zu der Eröffnung des Tages. Leider hatten die fünf Musiker anfangs auch etwas Pech mit Licht und Ton, aber alles verbesserte sich während des Musizierens. Das im Winter 1989 gegründete Quintett veröffentlichte bereits 1997 seinen Debüt-Klassiker Seasons und bis heute mehr als ein Dutzend weiterer großartiger Alben. Die Gründer und Lenker über diesen Karriereweg, Gitarrist Michael Rick und Sänger Michael Dorp und besonders ihr Werk gehört sicher zu den Kronjuwelen der deutschen Rockmusik. Sie starten jetzt noch einmal mit Fan naher Promo-Kampagne und viel musikalischer Qualität durch. Im Kern ihres Auftritts stand das aktuelle Album The Eternal Moment, aber es gab auch einige Klassiker. Schlagzeuger Ande Roderigo durfte immer wieder seine exquisite Singstimme präsentieren und Rüdiger Blömer (Keyboards, Geige) verfeinerte mit seinen Künsten wie immer sehr feinfühlig das Klangbild. Auch Neuzugang Tieftöner Dietmar Berteld, Roger Weitz konzentriert sich nun mehr auf Studioarbeit, hat sich bereits tief in das Gruppengefüge eingefügt und glänzt unaufgeregt mit präzisem Saitenspiel. Wieder einmal ein schöner Auftritt von Flying Circus.
The Artrock Project – Da musste sich nun die neu formierte Mannschaft um Drahtzieher und Multi-Instrumentalist Marek Arnold (Saxofon, Keyboards) schon gehörig anstrengen, das tat sie auch. Nach Rüsselsheim nehmen sie erneut eine Ochsentour auf sich und kommen aus Sachsen in einem Rutsch angereist, spielen ihre insgesamt neun Lieder von vier Formationen (Toxic Smile, Cyril, SSTTGD, ARP) und fahren sofort wieder zurück in die Heimat. Marek hatte 2023 nach 5-jähriger Vorarbeit unter Mithilfe unzähliger internationaler Helfer mit seinem ersten Solo-Album The Artrock Project ein Doppel-Vinyl-Füllendes Meisterwerk veröffentlicht. Damals stand für Marek außer Frage, dieses Material jemals Live präsentieren zu können. Sein Label-Chef Dirk Jakob und wir waren da anderer Meinung. Und schon zwei Jahre später hatte Commander Marek seine Meinung geändert und mit Ulf Reinhardt (Schlagzeug), Larry B. (Gesang), Denis Strassburg (Bass) ein erfahrenes Team mit Musikern seiner Projekte formiert. Aber damit nicht genug sind auch noch Sänger Sören Flechsig und der junge Gitarrist Ian von Ossowski wieder mit nach München gekommen. Und gerade diese Beiden haben sich famos in diese Riege von „alten Haudegen“ eingefügt, die Homogenität aller Akteure ist sehr spürbar und eine klare Steigerung zum 2. German Prog Rock Meeting 11-2025 in Rüsselsheim. Dieses The Artrock Project sollte unbedingt zusammenbleiben und musizieren. Kleine Anekdote am Rande. Wir trafen an unserem Abreisetag zufällig einen Fan an einer nahen gelegenen Bäckerei. Der war extra wegen Flying Circus und The Artrock Project angereist (Übernachtung beim Bruder), hatte aber leider ein Ticket für den falschen Tag gekauft. „Nicht so schlimm,“ meinte er „der Samstag war ja auch echt Klasse.“ Wie wahr und passend !!
The Ancestry Program – Schon beim 1. German Prog Rock Meeting 03-2025 (zusammen mit Flying Circus) haben die Münchener Ahnenforscher viele Besucher mit offenen Mündern stehen lassen. Die Frage: Wie schafft man es, so anspruchsvolle Rockmusik spannend und kurzweilig zu präsentieren ?? Die einfache Antwort: Mit musikalischer Qualität. Die Namensgeber dieses Festivals, eigentlich ein Septett, mussten diesmal mit kleinerer Besetzung antreten: Ben Knabe (Gesang, Pedal-Steel-Gitarre), Thomas Burlefinger (Keyboards, E-Gitarre, Gesang), Mike Voglmeier (Gitarre) und Andy Lind (Schlagzeug, Growls). Und sie haben es formidabel hinbekommen, das kann gleich gesagt werden. Es wurden wieder alle Ingredienzien; drei komplexe Alben haben sie bereits veröffentlicht; das vierte ist fast fertig, von The Ancestry Program genutzt und präsentiert. Ben Knabe spielte ein emotionales Solo an seiner Pedal-Steel-Gitarre, Andy Lind wirbelte in seiner Trommelburg, auch schon am Vortag bei Glassmoon Connection wie ein vielarmiger Tintenfisch. Mike Voglmeier spielte souverän alle Gitarrenteile und Linksaußen Thomas Burlefinger gab auch mal den Mittelstürmer mit seinem mobilen Keyboard. Die vier Akteure wirkten auf der Bühne wie aus einem Guss, sorgten mit ihren Soloeinlagen immer wieder für staunen und Zwischen-Applaus beim Münchener Publikum. Die einstündige Spielzeit war im Nu vorbei, dann standen sie Arm in Arm zusammen und genossen die Ovationen der Besucher.
Lazuli – Was soll man zu dieser außergewöhnlichen Formation aus Südfrankreich noch sagen, so langsam gehen uns fast die Superlativen aus. Wieder einmal haben diese fünf französischen Musiker von Lazuli ihr Publikum mit Liebe überschüttet. Viele Fans standen Nähe der Bühne, tanzten, sangen die kompletten französischen Texte mit. So eine gemeinschaftliche Verschmelzung von den Menschen auf und vor der Bühne haben wir in dieser Intensität nur einmal beim legendären Konzert von Bob Marley mit seinen Wailers am 13. Juni 1980 in der Dortmunder Westfalenhalle (Uprising Tour) erlebt. Die Chanson-Rocker präsentierten fast ihr komplettes neues fantastisches Album Être Et Ne Plus Être, clever garniert mit einigen weiteren Klassikern der letzten Werke. Im Hintergrund passende animierte Videos und Bilder, womit zusammen mit der Musik eine erhabene Kulisse geschaffen wurde. Da wir das neue Album zuletzt detailliert besprochen haben, verweisen wir auf diesen Beitrag.
Nur noch so viel: Diese wunderbaren Kompositionen Live zu erleben, gesungen von Dominique Leonetti, vor allem in einem Pulk von emotionalisierten, feiernden Europäern, hebt jedes Konzert dieser französischen Musiker in einen unbeschreiblichen Level. Wer irgendwo eine Gelegenheit hat, diese wunderbaren Franzosen erleben zu können, geht hin und lasst euch verzaubern und mitnehmen auf eine gemeinsame „Voyage des émotions“. In unserem Hotel waren ein Pärchen, die ihren Urlaub damit verbrachten Lazuli hinterher zu reisen. Am 15. Mai waren sie in Alzey (Oberhaus), einen Tag später in Haßfurt (Rathaushalle) mit Tom „Lilly“ Müller direkt an der Bühne und einen weiteren Tag später nun in der Alten Kongresshalle. Und wir haben die beiden sympathischen Weltbürger wiedererkannt, die Feierbiester aus dem Feierblock im Gang neben der Bestuhlung. Solche Erlebnisse verbinden über alle Sprachgrenzen hinweg und das ist der starke Füllstoff zwischen gleichdenkenden Humanoiden.
RPWL – Zum Abschluss des Sonntags machten die Freisinger in ihrer Nachbarstadt quasi ein Heimspiel. Wie gewohnt traten sie professionell und mit ihren Klassikern vor das Publikum in der Alten Kongresshalle. Vorne Gitarrist Kalle Wallner, Rock-Prediger Yogi Lang und Bassist Markus Grützner, in der hinteren Reihe der neue Tastenmann Butsch Keys, die beiden Sängerinnen Caroline von Brünken sowie Carmen Tannich und Schlagzeuger Marc Turiaux hinter seinem Plexi-Glas-Zaun. Man merkte, sie haben es nach so einer französischen Emotionsreise schwer, die letzten verblieben Besucher wieder mitzunehmen. Aber mit jedem Lied klappte es besser und am Ende stehen fünf Musiker vorne am Bühnenrand und lassen einen, wie immer bei RPWL, sehr gelungenen Auftritt ausklingen. Damit wurde die Prog-Triangel, insgesamt sind bei den drei Veranstaltungen 35 Formationen aufgetreten, kurz vor Mitternacht würdig abgeschlossen. Die Frage bleibt, wird es das 2027 in dieser Form bei so einer schwachen Besucherzahl noch einmal geben ?? Bilder-Texte: Christa & Roland Koch
Lazuli (version française) – Que dire de plus sur ce groupe extraordinaire du sud de la France ? Les superlatifs nous manquent. Une fois de plus, les cinq musiciens français de Lazuli ont conquis leur public. De nombreux fans, massés près de la scène, dansaient et chantaient en chœur les paroles en français. Nous n'avions déjà ressenti une telle communion entre le public et les spectateurs qu'une seule fois auparavant : lors du concert légendaire de Bob Marley et ses Wailers, le 13 juin 1980, à la Westfalenhalle de Dortmund (Uprising Tour). Les chanteurs de chanson-rock ont interprété la quasi-totalité de leur fantastique nouvel album, Être et Ne Plus Être, habilement ponctuée de quelques classiques de leurs œuvres récentes. Des vidéos et des images animées, parfaitement adaptées, étaient diffusées en arrière-plan, créant une atmosphère sublime en harmonie avec la musique. Puisque nous avons récemment publié une critique détaillée de ce nouvel album, nous vous invitons à la consulter.
Encore une chose: entendre ces magnifiques compositions en direct, interprétées par Dominique Leonetti, surtout au milieu d’un public européen ému et enthousiaste, transforme chaque concert de ces musiciens français en une expérience indescriptible. Si vous avez l’occasion de voir ces talentueux musiciens français sur scène, n’hésitez pas et laissez-vous envoûter et emporter par ce véritable voyage émotionnel. À notre hôtel, un couple avait passé ses vacances à suivre les concerts de Lazuli. Le 15 mai, ils étaient à Alzey (Oberhaus), le lendemain à Haßfurt (Rathaushalle) avec Tom «Lilly» Müller au plus près de la scène, et le surlendemain, à l’Alte Kongresshalle. Nous avons reconnu ces deux charmants cosmopolites, de véritables fêtards, assis dans l’allée voisine. De telles expériences créent des liens par-delà les barrières linguistiques, et c’est là le lien puissant qui unit des personnes partageant les mêmes idées.
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