Ein einmaliges Blues-Format in Europa – Christa und ich haben nun 2026 Jubiläum, das fünfte Mal sind wir im Regenbogen-Camp mitten in den herrlich duftenden Kieferwäldern zwischen Göhren und Baabe im Nordosten von Rügen. Und was ist auch diesmal neben dem friedlich pfeifenden geflügelten Federbällchen wieder prägend,
überall wird volles Rohr musiziert. Das Blues-Camp, letztes Jahr hatte diese Veranstaltung Jubiläum, hat erneut, nun das 21-mal, ihre Pforten geöffnet. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn das Regenbogen-Camp wird von der öffentlichen Zufahrtstrasse von einem Bahnübergang mit Bahnschranke der historischen Dampflock Rasender Roland getrennt. Der Kopf-Bahnhof zum Rangieren ist in Sichtweite und das lautstarke Signalhorn begleitet einen über den gesamten Tag, ach was sagen wir, über die gesamten zwei Wochen. Unfassbare 400 Teilnehmer bei den 3-Dutzend Seminaren, das ist wohl auch Rekord. Und es ist schön wieder hier zu sein, dieses Jahr dank Resort-Leiter Daniel mit optimal montierten 20 qm großen DX-MINT-Banner und Premium-TIPI mit direktem Blick auf die Ostsee. Sagenhaft !!
Wir gehen diesmal bei der Berichterstattung etwas anders vor als in den letzten Jahren. Vielleicht wird es dadurch etwas durchsichtiger für den Seiten-Besucher. Beim Beitrag Glanzlichter Blues Camp hat Christa ja schon alle wichtigen Teile des Blues Camp in sechs Kapiteln in Text & Bild vorgestellt. Die Auftritte auf der Regenbogen-Bühne (zweiteilig), die Sessions der Teilnehmer, die Seminare & Workshops (zweiteilig), aber vor allem die Menschen (Dozenten, Teilnehmer, Musiker, Personal), die diesen wunderbaren Ort an der Ostsee zu etwas Besonderen machen. Wir stellen nachfolgend noch einmal die professionellen Bands mit Texten und Bildern vor. Bilder_Texte: Christa & Roland Koch
B.B. & The Blues Shacks 3 (DE) – Die Hildesheimer BBs gehören zum vielfach preisgekrönten Tafelsilber der deutschen Blues-Szene. Wer nun denkt, Silber läuft an und der Lack wird ab sein, sehr weit gefehlt. Die Brüder Andreas (Gitarre, Gesang) und Michael Arlt (Gesang, Harmonika) haben die Band 1989 gegründet und musizieren seitdem in unterschiedlicher Besetzung. Zusammen mit Henning Hauerken (seit 1996, Bass), Fabian Fritz (seit 2015, Keyboards, Klavier) und Schlagzeuger Andre Werkmeister (seit 2014) arbeitet hier seit über ein Jahrzehnt ein kongeniales Team, die Spielfreude steht ihnen quasi ins Gesicht geschrieben. Das Quintett ist permanent in ganz Europa unterwegs, selbst die Amerikaner ziehen inzwischen den Hut vor dieser deutschen Band, sind bei den Kollegen sehr geschätzt. Das war auch hier in Binz deutlich spürbar. Sie spielen ihre Mischung aus Rhythm & Blues gewürzt mit Brisen anderer artverwandter Genres. Auch beim Blue Wave zündete diese gute Mischung, auch wenn die Besucherzahl, wegen der Umzugsbedingten und dadurch zeitlich sehr Richtung Mitternacht verschobenen Auftritts, sehr überschaubar war. Aber die Stimmung war fantastisch, die Besucher hatten die schlichte und nüchterne Atmosphäre der Spielstätte ausgeblendet und die Nähe zu den fünf Musikern und die späte Stunde sorgt für Juke-Joint-Gefühl. Die Spitzen der Schuhe von Gitarrist Andreas schauten immer wieder über den Bühnenrand hinaus, ins Publikum konnte er nicht, denn die Menschenmenge hatte sich nach vorne stark verdichtet. Entertainer Michael Arlt gehört längst zur ersten Liga europäischer Blues- und Soulsänger und er hielt mit seinem leidenschaftlichen, sehr emotionsgeladenen Gesang und Harmonikaspiel das Feuer am Lodern. Wir hatten ja noch am Sonntag 2-mal den Genuss dieser außerordentlichen Blues-Helden.
Big Creek Slim & Band 2 (DK_SF_UK_DE) – Der knurrig wirkende Däne Marc Rune Koldkær alias Big Creek Slim ist ein klassischer Blues-Musiker, geboren und aufgewachsen in Ikast, einer Kleinstadt zwischen Ringkøbing und Aarhus. Big Creek Slim ist durch und durch ein rauer, nicht kapriziöser Blues-Musiker. Er war Mitte der 2000er eine Zeit lang in der geschichtsträchtigen Heimat des Blues, sammelte dort für sich und seine Handwerkskunst viel ein !! Wer ihn beim Musizieren genau beobachtet, erkennt sofort seine Konzentration, er ordnet alles dem gemeinsamen Ziel, einer schönen Melodie oder einer bluesigen Botschaft, unter. Er wirkt manchmal wie weggetreten, wie an einem anderen Ort, vielleicht an einem seiner Lieblingsorte in Dänemark oder sonst wo. Dennoch spürt man immer seine Hingabe und Leidenschaft. Wie in allen skandinavischen Ländern ist auch hier auf dieser Halbinsel die Kultur und Musik ein großes Thema. Die lokale Blues-Szene ist dennoch überschaubar. Zurzeit ist Creek, neben Thorbjørn Risager, einer der gefragtesten dänischen Blueser und tourte nach der Pandemie (Solo 2021: Twenty-Twenty Blues) ausgiebig mit der aktuellen Besetzung, mit der er sein vorletztes Album Going To Germany (2024) aufgenommen hatte. Nach schwieriger Anreise nach Rügen, wurde sein brandaktuelles Album Real To Reel (02-2026) exklusiv auf dem Blue Wave Festival und im Blues Camp Göhren vorgestellt. Die drei Männer bei beiden Alben an seiner Seite, Roger C. Wade (Harmonika), Jaska Prepula (Bass), Micha Maass (Schlagzeug). Däne, Finne, Brite und Berliner, internationaler kann Blues nicht sein, vor allem nicht bei diesen vier Könnern und in dieser authentischen Art und Weise.
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