Leben im Tal – Schaulaufen im Rock am Finkenbach – Wir hatten das Vergnügen die diesjährige Hallen-Rock-Triangel (Neuberinhaus, Congress-Center, Alte Kongresshalle) erleben zu dürfen und auch danach noch die Freiluft-Rock-Triangel (Herzberg, Finkenbach, Thüringer Wald). Und nach den Hippie-Festspielen nähe Fulda in Nordhessen
war es wieder ein unvergessliches Musik-Spektakel im Hippie-Mekka Finkenbach im Odenwald und das in jeder Hinsicht !! Ruhig fließen die diesjährigen Rinnsale von Falkengesäßerbach und Hinterbach von Talaufwärts und werden am Zusammenfluss im Dorf-Zentrum zum Finkenbach. Er gibt auch dem 21 Kilometer langen Fließ-Gewässer, dem kleinen Ort und dem Sportverein den Namen. Was das Festival-Kollektiv FC Finkenbachtal 1946 dieses Jahr wieder einmal geleistet und bei diesen ultraharten Sommer-Temperaturen real umgesetzt hat, ist kaum in Worte zu fassen. Zehn internationale Formationen an zwei Tagen, jeweils mit voller 90-minütiger Spielzeit, alle haben ausnahmslos erstklassig ihre Auftritte absolviert. Auch das Rahmen-Programm mit Show und Feuer sowie Licht, Ton und Technik überzeugten wieder durchgängig. Die zwei großen Zelte für die Versorgung der vielen Menschen, waren nicht überraschend, sehr stark frequentiert und alles funktionierte wie gewohnt reibungslos. Das Catering für die Künstler, Crew und Aktivisten war im Sterne-Bereich. Käsespätzle beispielsweise, vom Mehl bis zum fertigen Produkt auf dem Teller, alles komplett handgemacht und saulecker zubereitet. Aber besonders haben uns wieder die herzlichen Finkenbacher über alle Generationen begeistert, die wie jedes Jahr hier wieder ALLES möglich gemacht haben. Die Menschen auf dem Gelände haben es ihnen durch Lebensfreude gedankt.
Das Zeit-Management des Guru-Fescht ist bekanntlich sehr strukturiert, der Freitag kann von nah und fern sehr entspannt zur Anreise genutzt werden, so wie auch bei uns aus dem Ruhrgebiet. Schon zur Eröffnung war das Gelände gut besucht und pünktlich um 19:00 Uhr standen vier Legenden der deutschen Rockmusik mit dem Motto „Lass dich nicht von den grauen Haaren täuschen“, Titel des aktuellen Albums, auf der Bühne. Der Multi-Instrumentalist Dave Schmidt alias Sula Bassana konnte krankheitsbedingt nicht auftreten, dafür waren die vier grauhaarigen Männer, Bernd Kolbe (Bass), Schlagzeuger Carsten Steinkämper und das Twin-Gitarren-Duo Cliff Jackson und Heinz Glass, angereist und nun in der Start-Position. Und die alten Haudegen, die Mitgründer Bernd und Cliff sind immer noch äußerst vital dabei, legten trotz hochsommerlichen Temperaturen gleich los als wenn sie einem frierenden Publikum einheizen müssten. Wer Epitaph kennt, der weiß genau was geliefert wird, geradliniger harter Rock, Gitarren-Duelle am Fließband und wunderschöne Melodien. Und nach den vier erfahrenen deutschen Urgesteinen noch einmal anschließend ein deutsches Quartett mit vier Musik-Dinos.
Wir hatten schon hinter den Kulissen mit Mani Neumeier (1940), Peter Kühmstedt, Roland Schaeffer (1950) und Zeus B. Held (1950) ausgiebig gesprochen und dabei eine Menge Neues von den Gefährten des Krautrock-Kollektiv Guru Guru erfahren. Hat Mani noch vor 10 Jahren kraftvoll klein geschnittene Kohlköpfe in das Publikum geworden, so wirkt der nun mit fast 86 Lenzen schon etwas gebrechlicher. Aber wenn er hinter seinen geliebten Trommeln sitzt, am Mikro steht, seine Lurch-Maske auf hat oder auf seinen Topfdeckeln drischt, findet eine Metamorphose statt, es wirkt wie eine Verjüngungskur und sein Lächeln verzaubert dann die Menschen. Der Auftritt läuft wie gewohnt ab, ein Potpourri von Band-Klassikern, immer gewürzt mit den Einlagen der vier Musiker. Besonders Roland Schaeffer läuft diesmal wieder zur Bestform auf, allerlei Gitarren und skurrile Flöten, Saxofon, indische Nadaswaram (Kegel-Oboe), alle Instrumente eingebettet in den bunten und rhythmischen Klang-Kraut-Salat von Guru Guru. Trotz mehrerer Dutzend Auftritte denen wir beiwohnen durften, ist es immer wieder eine Freude diese vier legendären Männer bei der Arbeit erleben zu dürfen. Besonders wenn man diesen Musiker etwas näherkommt, auch am nächsten Morgen im Band-Hotel beim Frühstück.
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