Zwischen den Wäldern und Hügeln Thüringens lockt das Woodstock Forever auch dieses Jahr Besucher aus ganz Deutschland in die malerische Natur. Fünf Tage Love, Peace & Music verspricht der offizielle Slogan. Sicher nur fünf? Zwar startet das Programm erst am Mittwoch-Abend aber der Camp-Ground
ist zu diesem Zeitpunkt bereits bestens gefüllt. Veranstalterfamilie Memm ergibt sich den erlebnishungrigen Gästen, denn die stehen teils schon Montag vor der Tür. Das Woodstock Forever ist ein Dauerbrenner für die meisten Besucher, die treu auch in angespannteren Zeiten ihre Zelte und Camper den Berg hinaufgefahren haben.
Auch dieses Jahr kommt nicht ohne Neuerungen aus. Zusätzlich zur traditionellen Jamsession gibt es 2026 noch zwei weitere Bands oben drauf. Erstere wird angeführt von Stephan Graf, den die meisten Stammgäste sicher schon kennen werden. Mit Double Vision haucht er der Musik von Rory Gallagher neues Leben ein. Dieses Jahr steht die Setlist unter dem Namen: Rockpalast Spezial. Originalgetreu geht es so mit geschlossenen Augen nach 1982, garniert mit ein paar eigenen Kompositionen. Letztere fügen sich mühelos ein. Graf lässt seine runtergerockte Stratocaster förmlich glühen, wäre es denn schon dunkel. Auch Organist Frank Tischer etabliert sich, nicht zum letzten Mal, auf der Scheunenbühne mit Blick ins Tal. Der Rundum-Sorglos-Start mit Woodstock Feeling.
Für die meisten Musiker geht es danach nochmal auf die Bühne, denn es ruft die Woodstock Forever Jam Gang. Organisiert wird dieser traditionell von Bassist Ralf Peter, zeitgleich der Schwiegersohn von Festival-Vater Memm. Letzterer verkündet selbst, es sei immer wieder ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Was die insgesamt 13 verschiedenen Protagonisten hier auf die Bühne stellen ist in der Tat abwechslungsreich und herrlich handgemacht. Natürlich wird hier oder da mal ein Takt zu lang oder kurz gespielt aber darin liegt eben auch die Freude am jammen. Besonders bei David Bowies Heroes und nicht zuletzt Shine On You Crazy Diamond weiten sich die Ohren doch stark Richtung Bühne. Eine gelungene Wundertüte.
Während die Uhr auf Mitternacht zugeht, beginnt mit My Baby das Finale des Abends. Das Trio aus den Niederlanden ist spezialisiert auf Trance-artige Grooves zur späten Stunde. Stampfende Slide-Gitarren-Grooves mit modernem Touch bringen die Mengen vor der Bühne in Bewegung. Gitarrist Daniel de Vries verbindet seine Gitarre gekonnt mit Effekten für kreative Melodien und Rhythmik. Frontfrau Cato liefert dabei am Bass, zusammen mit ihrem Drummer-Bruder Joost van Dyck, gleichzeitig das Fundament. Techno Blues und Roots Rave nennt die Band ihre Musik selbst. Die wabernde Masse vor der Bühne bestätigt ihr Können zweifellos. Nach der ersten Zugabe versucht Veranstalter Memm noch eine Zweite rauszukitzeln… aber die Band ist bereits vollends verausgabt. Wer noch nicht genug bekommen hat, verweilt somit noch bei DJ Bunzel gegenüber oder tritt die Reise den Hügel weiter hinauf zur Matratze an.
Genug Schlaf? Hoffentlich, denn Donnerstag ruft das Festival bereits um 12:30 Uhr zur ersten Band. Bewusst wird hier täglich etwas Besonderes serviert, damit es die Massen auch wieder aufs Gelände zieht. Bröselmaschine sollte dabei den allermeisten ein Begriff sein.
Sie eröffnen die Waldbühne, die dieses Jahr durch abgeholzte Bäume ein klein wenig Atmosphäre einbüßt. Nichts was Peter Bursch und seine Mannschaft nicht augenblicklich ausgleichen können. Herrlich unaufgeregt blickt Bursch auf das frühe Publikum und wirkt voller Freude über die neugierigen Frühaufsteher. Über 50 Jahre tönt ihr progressiver Rock mit allerlei Einflüssen dieser Welt schon über Selbige. Besonders lange Stücke mit Bursch an der E-Sitar lassen die Bühne bei der aufkommenden Hitze wie eine Fata Morgana erscheinen. Sängerin Stella Tonon stachelt die Mitmusiker mit ihrer Energie immer weiter an und tanzt über die durchaus breite Bühne. Michael Dommers Gitarren-Intros muten gar Richtung Santana an. Für den besonderen Frische-Kick besucht Powerhouse Krissy Matthews seine Kollegen und liefert sich die üblichen Gitarrenduelle. Entsprechend hungrig ist die Menge nach Zugaben aber der Zeitplan muss, zumindest grob, eingehalten werden. Die Band verspricht aber lange zum Signieren am Bühnenrand zu verweilen.
Zwischen den beiden Hauptbühnen wird nun die Liftbühne belebt. Etwas kleiner am Hang und eben jenem Lift gelegen, wartet hier schon die Hank Davison Band auf ihren Einsatz. Man stelle sich ein Trio an einer Highway Tankstelle in den Tiefen Amerikas vor. Ausgestattet mit zwei Akustikgitarren und einer Mundharmonika und seit jeher an diesem Ort zu finden. Genau so ehrlich und schmutzig im besten Sinne klingen Davison und seine Kollegen. Tatsächlich hat die Band unter Bikern einen Kult-Status. Eine ehrliche Mischung aus Rythm & Blues und Folk.
Auch unten bei der Scheunenbühne bleibt man der Formation des Trios treu. Die Basement Saints sind drei Schweizer, die sich seit 2012 dem Bluesrock verschrieben haben. Nur einen klassischen Bassisten haben sie nicht. Robby „Keys“ Grausberg hat dafür direkt zwei Leslies für seine Hammond Orgel dabei und übernimmt so Fundament, Klangteppich und Soli. Zu schleppen gibt es also nach dem Konzert genug. Besonders das Cover von „Wicked Game“ überrascht mit seiner Wucht, getrieben von Anton Delens Gitarre und rauem Gesang. Wumms haben die drei reichlich.
Zeit zum ruhigen Entspannen? Nicht ganz, denn oben auf der Waldbühne stimmen The Magic Mumble Jumble schon die ersten Töne an. Die einstigen Straßenmusiker haben es weit gebracht. Hier als auch beim Herzberg Festival sind sie immer wieder gern gesehene Gäste. Ihr Folk-Pop ist voller Lebensfreude und soll vor allem zum gemeinsamen Bewegen und Fühlen animieren. Die acht niederländischen Musiker um Sänger Paul Instance strahlen ein Gefühl aus, das viele grad in heutigen Zeiten oft vermissen mögen.
Erholung folgt mit der Singer-Songwriterin Lotte Walda. Auch sie kommt aus den Niederlanden, lässt es aber deutlich ruhiger angehen. Der Moment um sich auf die Wiese vor der Bühne zu legen und das Wolkenspiel am Himmel zu betrachten. Die Lebensfreude und Herzlichkeit ist aber auch hier wieder zu spüren. Unterstützt von teils fünf Bandkollegen ein schöner Moment zum Durchatmen.
Deutlich lauter klingt es bei Wucan aus Dresden. Auch sie sind nicht das erste Mal gebucht und liefern reichlich Energie für den Start in den Abend. Frontfrau Francis Tobolsky feuert an, Gesang, Gitarre, Querflöte und Theremin aus allen Rohren. Gitarrist Tim George liefert auch mit Zigarette im Mund Soli um Soli bis die Sonne untergeht. Heavy Rock, Krautrock… in jedem Falle Rock. Die 15-Minütige Zugabe Wandersmann bietet zur Abwechslung deutschen Gesang und ein energisch verlesenes Gedicht.
Auf dem Weg nach oben geht es wieder durch die Stände des Festivals, die auch dieses Jahr wieder eine schöne Varianz an Speisen und Souvenir-Möglichkeiten bieten. Klassisches Grillgut, Knoblauchbrot oder Fallafelplatte? Jeder wird hier zu fairen Preisen bedient.
Oben angekommen wird die Luft schon von den sanften Klängen Lazulis eingehüllt. Ihr progressiver Rock aus Frankreich ist längst kein Geheimtipp mehr. Die fünf Musiker sind perfekt eingespielt und stimmen auch einige Songs ihres neuen Albums an. Die Melodien sind träumerisch, sehnend nach etwas, das jeder für sich selbst begreifen muss. Melancholie und mehr Zugänglichkeit als vor ein paar Jahren heben diesen Auftritt hervor. Sie wirken angekommen, zaubern Emotionen von der Bühne herab auf die Menge. Anführer Dominique Leonetti verliest mit charmantem Akzent die deutsch geschriebenen Reden zwischen den Stücken. Auch an diesem Abend gipfeln sie mit ihrem klassischen Party-Trick: Alle Fünf gemeinsam an der Marimba. Da die Band direkt in der Nacht noch zurück nach Frankreich fahren muss, werden die Fans für weitere Zugaben vertröstet.
Aber kein Grund schlafen zu gehen, denn weiter unten ist noch kein Feierabend in Sicht. Bluesrocker Danny Bryant musste zwar aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen, dafür gibt es einen unerwarteten Ersatz. Velvet Rush waren schon gebucht, hatten zunächst aber wieder abgesagt. Sie sollten zusammen mit Rose Tattoo touren. Da das aber auch aus Krankheitsgründen flach fiel, füllen sie nun doch den letzten Slot des Abends. Rettung in letzter Sekunde. Und so flutet sich das Areal mit klassischem Hard Rock aus Hamburg. Breitbeinige Posen, fliegende Haare und hymnische Refrains. Neu erfunden wird hier gewiss nichts, aber Spaß macht es allemal. Sängerin Sandra Lian tobt über die Bühne und motiviert die Nachtschwärmer zum mitgrölen. Sonderlich voll ist es derweil nicht mehr aber das tut der Perfomance von Velvet Rush keinen Abbruch.
Der dritte Tag beginnt noch heißer als die Vorherigen. Sonne ist besser als Regen aber auch die Waldbrand-Gefahrenstufe steigt weiter. Dennoch zieht es die eingecremten Körper zur Bühne, wo Ben Poole schon auf sie wartet. Der ist selber verwirrt und gibt zu, dass er nur ein paar müde Zombies um diese Uhrzeit erwartet hätte. Jetzt würde er selber gerne bis Sonntag bleiben. Durchgehend lächelnd liefern die vier Engländer amtlichen Bluesrock samt Orgel-Unterstützung. Mal eskalativ laut, dann wieder leise genug, dass man die angestrichenen Saiten nahezu pur hören kann. Dynamik, Jamfaktor und Spielfreude. Ein Dreieck was das Publikum belohnend bejubelt. Spätestens jetzt sollte jeder wach sein. Ein weiterer Beweis für die frühen Highlights des Festivals.
Midge´s Pocket lassen an der kleineren Liftbühne nun die 70er aufleben. Rockig, jazzig und mit prominentem Schlagzeug. Das Songwriting wirkt absolut stimmig und als hätten sie auch eine größere Bühne ausfüllen können. Langweilig wird ihr Genre-Mix bei weitem nicht und auch sound-technisch holen sie alles aus der kompakten Anlage raus.
Wer auf der großen Bühne anschließend garnicht soviel Platz braucht ist Götz Widmann. Allein mit Akustikgitarre bewaffnet, spielt er sich durch Lieder über all die Geschichten, die das Leben schreibt. Von ernster Liebesgeschichte zu dem mal als das lyrische Ich auf der Klobrille sitzend daneben gepinkelt hat. Aufgrund der sengenden Hitzeeinstrahlung hält es nur eine kleine Gruppe im Schatten der Bühne. Der Rest verweilt überall dort, wo die Sonne nicht hinblickt. Die Möglichkeit die Wasserreserven auf dem Gelände kostenlos aufzufüllen, lohnt sich heute besonders.
Wer sich nach musikalischer Abwechslung sehnt wird bei Morgan Ji erhört. Der Stil des französischen Quartetts ist schwer einzuordnen. Rock, Soul und Funk fusionieren sich mit elektrischen Beats und schamanischen Einflüssen. Sie selbst spielt dazu Banjo. Gitarrist Eric Laplean zeigt sich als Meister der Bottleneck-Slides und holt gar den Geigenbogen raus. Hypnotisch, tanzbar. Auch hier verhindert nur die Hitze große Extase. Die Zugabe „Wheeping Willow“ gibt es dafür 1,5-mal, da das Banjo sich bei der Wärme verstimmt. Morgan Ji liegt es zu sehr am Herzen, ihr Konzert auch wohlklingend zu beenden. Spannender Geheimtipp, den vermutlich keiner auf der inneren Bingo-Karte hatte.
Klassischer, dafür mit kreativer Namensfindung, geht es bei Aaron Brooks & The Bone Circus weiter. Brooks selbst ist amerikanischer Singer/Songwriter und spielt mit vier italienischen und deutschen Musikern als Knochenzirkus heute auf der Liftbühne. Der Ton ist meist eher ruhig und folkig. Im Schatten lauscht es sich angenehm bis es eine Stunde später schon wieder deutlich lauter wird.
John Leon & Escalation setzen auf die Mitarbeit des Publikums. Bereits durch The BossHoss gefördert, gibt die junge Band alles, um eine gute Rock´n´Roll Show auf die Beine zu stellen. Animation, Posing, Choreo… hier wurde geübt. Musikalisch sehr klassisch aber das möchten sie auch sein. Potenzial für eine Zukunft auf der Bühne besteht ohne Zweifel. Lediglich ihre Setlist ist 15 Minuten zu kurz geraten aber glücklicherweise lassen sich noch ein paar Songs aus dem Ärmel schütteln.
Um den Altersdurchschnitt wieder anzuheben geht es hoch zur David Cross Band. An die Klangästhetik gilt es sich kurzzeitig erstmal zu gewöhnen. Der progressive Rock des experimentellen Mannes mit der Geige bedarf ein aufmerksames Ohr. Wer es ihm schenkt, bekommt an diesem Abend eine Komplett-Ausführung von King Crimsons Klassiker Larks´Tongues in Aspic. Mit 77 Jahren wirkt Cross dabei unter seinem Hut immer noch fit und sympathisch. Auch wenn ihm der Nachname seines Gitarristen kurz entfällt. Der nimmt’s gelassen, denn er spiele ja erst ein Jahr mit ihm zusammen. Auch die komplexesten Arrangements gelingen den fünf Vollprofis mit Leichtigkeit.
Deutlich klassischer soll die Nacht mit Siena Root eingeleitet werden. Die Schweden sind mit ihrer aktuellen Sängerin und Organistin Zubaida Solid mehr als eingespielt. Klassischer Roots-Rock mit präzisen Riffs. Natürlich mit originalem Vintage-Equipment. Die Gründungsmitglieder Sam Riffer am Bass und Drummer Love Forsberg bleiben weiterhin der Herzschlag der analogen Truppe. Auch wenn sie mittlerweile keine Orgeln und Becken mehr zur Show anzünden, bleibt ihr Konzert eine Reise in die klangliche Vergangenheit. Lange Jams wabern, eh der Gesang einsetzt. Wenn auch weniger wild als früher, spielt die Band das Publikum durch die Nacht… doch die wollen mehr. Zugabe. Reicht nicht. Michael Memm kommt auf die Bühne und kündigt an nochmal nachzufragen, ob nicht noch ein kleiner Song in den vier Schweden schlummert. Tatsächlich. Mit Tales of Independence endet der Abend mit einem Brett und die Band zieht dankend in die Nacht.
Der letzte Tag mit Vollprogramm. Dieses Mal liegt es an Atomic Rooster die Fans aus den Betten zu holen. Trotz abermaliger Hitze füllt es sich vor der Bühne. Gitarrist Steve Bolton wirkt mit 76 Jahren immer noch spielfreudig. Die Show stiehlt im dennoch Keyboarder und Sänger Adrian Gautrey. Das Multitalent brilliert an rauen Stimmbändern und Tasten links und rechts von ihm gleichermaßen. Die Band ist gut geölt und alles klingt runder als noch vor ein paar Jahren. Ehrlicher Rock mit Kanten.
Wer dem Hitzschlag noch nicht Nahe ist, findet sich bei der Melanie Hammer Band ein. Die Thüringer Formation lebt klassischen Blues und tritt mit reichlich Spielfreude auf. Hammer selbst beweist sich dabei nicht nur stimmlich, sondern auch an Gitarre und Mundharmonika.
Wir bleiben beim Bluesrock. Xander & The Peace Pirates entern die Bühne. Ex-Gibson Boss Henry Juszkiewicz entdeckte die Band auf Youtube und verhalf ihnen zu einigen größeren Shows. Dabei schafften sie es bereits zur Vorband einiger großer Künstler wie Joe Bonamassa oder Bon Jovi. Heute sieht sich Bandleader Keith Xander mit einem ganz anderen Problem konfrontiert. Mit mehreren Kühlpacks und Ventilator beschützt er sein Pedalboard vor der Hitze, um den perfekten Sound zu garantieren. Der Musiker wurde zudem ohne einen vollständigen rechten Arm geboren. Auch das hielt ihn nie auf. Seine Prothese ist mit einem Plektrum-Halter ausgestattet. Er lernte auf diese Weise Gitarre zu spielen und ohne hinzusehen, würde es gar nicht auffallen. Jetzt sollte sich der Bandname auch erklärt haben. Stimmige Kompositionen, Soli und ein Gefühl für ein rundes und lebensbejahendes Songwriting machen die Piraten aus. Sympathieträger.
Weiter geht es mit Cynthia Nickschas & Friends. Tempo und Energie senken sich auf ein ruhiges Entspannungslevel. Mal nur zu dritt und mal samt zwei Gebläsen zeigt die Songwriterin und ehemalige Straßenmusikerin kreatives Liedgut aus ihrem über 15-jährigen Schaffen. Erfrischend, auch wenn die meisten weiterhin ihren Weg in den Schatten suchen. Die Band gibt dennoch alles und füllt die Bühne mit Freude und Melancholie der auf Deutsch verfassten Songs.
Kant aus Aschaffenburg breiten sich ein Stück weiter unten aus. Schneller, psychedelischer, weiter. Durchdachte Songs mit Vollgas liegen der Bassistin und den drei Jungs. Gut durchdacht, um die Zuhörer direkt in ein rauchiges Wohnzimmer der 70er Jahre zu versetzen.
Es wird voll. Wenn die Hamburg Blues Band Allstars rufen, kommt die Menge. Grade heute macht sich die neue große LED-Leinwand hinter der Behausung des FOHs bezahlt. Bandleader Gert Lange und seine nordische Crew sind jedes Jahr als Headliner der Scheunenbühne gesetzt. Samt längerem Zeitfenster. Mit einer breiten Schar an Gästen bleiben die Allstars dabei immer wieder für eine Überraschung gut. Dieses Jahr vor allem für Heidi Joubert. Zunächst als Percussionistin an Board, erobert sie bald an Cajon und mit kraftvoller Stimme die Bühne. Ihr Energielevel tut der Formation sichtlich gut. Krissy Matthews ist als weiterer Koffein-Shot dabei und verkündet seine Liebe zum Festival, bei dem er dieses Jahr bereits seit Mittwoch um die Bühnen geistert. Frank Tischer bietet weiteren Tastensupport und mit Vanja Sky und Claudia Cane füllt sich die Bühne immer weiter. Auch das Duett vom 80-jährigen Dobro-Meister Abi Wallenstein mit Heidi Joubert ist eine schöne Abwechslung. Zu neunt beenden sie gut 2,5 Stunden Spielzeit vor einer prall gefüllten Bühne.
Doch wer jetzt die Segel setzt verpasst Gäste, die von weit hergereist sind. Fughu kommen aus dem fernen Argentinien mit einer perfekt einstudierten Performance. Sänger Renzo Favaro schreitet aus der Finsternis und füllt die langen, progressiven Stücke mit reichlich Charisma. Er verschwindet, verwandelt sich in einen alten Greis und einen wahnsinnigen Wissenschaftler, der unbekannte Flüssigkeiten im Publikum verteilt. Die Arrangements sind komplex aber auch beim ersten Hören bleibt eine Faszination für die spannende Mischung und Theatralik der Show. Veranstalter Memm bringt es anschließend auf den Punkt: „Das mag vielleicht nicht jeder aber wer es mag… der ist begeistert“.
Ein letztes Mal finden sich die Nachtschwärmer nun an der Scheunenbühne ein. Traditionell versammelt sich die Festival-Crew und Familie Memm dankt ausführlich allen Helfern und dem Publikum. Eine schöne Geste, die die familiäre Atmosphäre des Wochenendes unterstreicht. Teamwork wird großgeschrieben. Auch dieses Jahr wird ein gemeinsames Lied angestimmt, bevor das Zepter für den finalen Abriss an Dr. Victor geht.
Das Power Trio feuert direkt zu Beginn aus allen Rohren. Strammer Rock ohne Schnörkel. Auch wer die Songs nicht kennt, sollte nach einer Minute zumindest mit dem Kopf wippen. Nicht umsonst schafften sie es schon zur Vorgruppe von Legenden wie AC/DC. Wie es sich für einen Doktor gehört, wird später im Programm noch der Herzschlag der Fans mit Stethoskop überprüft und gratis Merch verschrieben. Zusammen mit Freiwilligen headbangen sie auf der Bühne durch die Nacht. Memm bietet ihnen an solange zu spielen, wie sie es für richtig halten. Keine Grenzen bis die Band erschöpft von der Bühne zur Merchandise-Hütte wandert.
Wer immer noch Energie hat wandert zu DJ Electric, der Rest zieht glücklich zum Campground. Wo andere Festivals aktuell einsparen müssen und Preise erhöhen, glänzt das Woodstock Forever mit frischer Beständigkeit. Faire Preise und technische Weiterentwicklungen wie die LED-Wand samt Kameratechnik zeugen von guter Planung und Teamwork. Es bleibt spannend, was die Thüringer Veranstalter als nächstes aus dem Hut zaubern. Ein Termin für 2027 steht jedenfalls fest. Nur eine Woche später im Jahr… somit ja vielleicht mit einem Hauch mehr Schatten. Bilder_Texte: Marvin Brauer
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