Brit Barde: Julian’s Treatment – Julian Jay Savarin – Altarra & Alda (UK)

Veröffentlicht am 31. März 2026 um 20:54

Vermächtnis: Eine visionäre brillant vertonte SF-GeschichteMehr als ein Konzept – Eine durchgängige Geschichte über vier LP-Seiten mit dem Hinweis, dass dies nur Teil Eins der Science-Fiction-Story ist. Orgelspiel wie beispielsweise Nice, Atomic Rooster, Arthur Brown als zentrales prägendes Element, eine überragende signifikante Frauenstimme und

der ungewöhnliche Sound im früheren extremen Stereo Feeling. Ich war damals begeistert von diesem Konzept A Time Before This des Projekt Julian’s Treatment. Eine Musik zum Zuhören, eintauchen in eine andere Welt, zum auseinander setzen für die Zeit auch lange nach Mitternacht. Leider hatte ich dieses Doppel-Vinyl nicht, ein Freund hatte das seltene Teil, hütete es wie den heiligen Psych-Prog-Gral, heute werden einige seltene Ausgaben manchmal im fast vierstelligen Euro-Bereich gehandelt. Leider blieb diese besondere Musik, eine Perle des frühen psychedelischen britischen Rock, eine recht unbeachtetes Stück Musikgeschichte. Alles sah so gut aus, als der junge, knapp zwanzigjährige gutaussehende britischer Musiker, Komponist und Schriftsteller, später vor allem bekannt als Science-Fiction-Autor, Ende der 60er in London seine Ideen für ein ehrgeiziges Musik-Projekt versuchte umzusetzen.

Der 1950 auf der Insel Dominica (nördlich von Venezuela, Karibik zwischen Martinique und Guadeloupe) geborene, hat französisch-mayanischer Abstammung, lebte seit 1962 im Großraum London und wollte eigentlich Jura studieren. Seine Faszination für den Weltraum und die Luftfahrt brachte ihn aber dazu der R.A.F. (Royale Air Force) beizutreten, bevor er tiefer in die aufregende Londoner Underground-Musikszene eintauchte. Julian Jay Savarin trug die jugendliche Kreativität in sich, die viele in dem Alter und dieser Zeit in sich gespürt haben, eine Phase des Probierens und auch des Findens. Früh im Jahr 1970 beginnt der große stämmige Julian, eine Erscheinung zwischen Voodoo-Priester und Schlagzeuger Buddy Miles, die Suche nach seinen Mitspielern für die Umsetzung seiner Geschichte: Die letzten Überlebenden des Planet Erde reisen durch den interstellaren Raum Richtung Sternbild Alpha Centauri, geraten dort in eine Auseinandersetzung zwischen Altarra und Alda. Bild_Oben_Links: Julian Jay Savarin, Lady JoMeek, John Dover

Zwölf Teile in vier Akten – Die musikalische 12-teilige SF-Geschichte wird sehr schnell umgesetzt vom Texter, Komponist und Keyboardspieler Julian Jay Savarin und mit folgenden in Londoner Studios und Clubs rekrutierten Helfern: John Dover (Bass) und Del Watkins (Gitarre, Flöte), beide vom unbekannten Blues-Rock-Quintett Rare Amber (1969: Rare Amber), Schlagzeuger Jack Drummond sowie der vokalstarken Frontfrau Cathy Pruden. Das Doppel-Vinyl A Time Before This (SYB 2) erschien dann bereits im Juni 1970 und die Single-A: Alda, Dark Lady Of The Outer Worlds, B: Phantom City (YB 1009) kurz vorher bei einem der für die damalige Zeit typischen, vielzähligen kleinen Label. Young Blood war sicher namentlich die richtige Plattenfirma, wie man damals sagte. Leider war das Problem dieser kleinen Buden, und das ist leider bis heute so, das überschaubare Budget und die mangelnde Vernetzung. Das heißt, das Werk wurde leider nicht so bekannt und es blieb dann auch bei einer Handvoll Auftritte auf der britischen Insel. Vielleicht lag es aber auch am fehlenden Selbstbewusstsein von Julian, der bereits bei Interview mit dem Melody Maker verkündete das die Band ja nur für drei Alben geplant war und sich die Mitglieder danach wieder anderen Projekten, teilweise bestehenden, zuwenden wollten. Ziel erreicht, ob so geplant oder nicht, das sei mal dahingestellt.

Wie meist bei solchen Kult-Scheiben, gibt es zwei Lager. Die eine Fraktion, die unglaubliche Beträge bezahlen um eine der raren Vinyl-Exemplare zu bekommen (siehe oben) und an denen jegliche Kritik abprallt und die Kritiker, die den dünnen Sound, den Gesang oder die Instrumentierung beanstanden. Ich möchte neutral darauf reagieren. Die Musiker sind allesamt keine Virtuosen, die Story ist einfach gestrickt, die Technik entspricht nicht der des Abbey-Road-Studios, die Ausführung ist guter Durchschnitt. Aber all das macht den Reiz dieses wunderschönen Konzept-Album aus, die unpolierte und rau gemischte Musik in der Spannbreite von Brit-Folk über Canterbury bis harten Rock passt zu dieser Weltraum-Oper. Die narrativen Elemente und der passgenaue Gesang von Cathy sind in den sanften wie in den wilden Passagen eine angemessene Ergänzung. Selbst Julian’s prägnantes Orgelspiel passt über die gesamte Spielzeit wie die Faust aufs Auge. Del, Jack und John liefern mit ihrem Instrumentarium ein gutes Fundament und glänzen mit einigen eingestreuten Solis. Wollen wir denn nicht außergewöhnliche Musikwerke, wenn ja, dann hört euch diese A Time Before This von Julian’s Treatment an, taucht ein in die psychedelischen Klangwelten, genauso sollen Sie klingen, die Scheiben der frühen 70er. Es gibt aus dieser Zeit noch eine Menge zu entdecken. Wir werden uns hier im Music-Info-Net weiter darum kümmern.

Julian sprach ja immer wieder von drei Alben, wenn man A Time Before This zweifach rechnet, sollte noch ein weiteres Drittel kommen, vermutlich sogar zwei. Das kam dann auch Anfang 1973 mit dem quasi Solo-Werk Waiters On The Dance (Birth Records, Young Blood, RAB2). Es gab zu diesem Album lange viele Unklarheiten, die aber zum größten Teil mit der Wiederveröffentlichung bei Esoteric Recordings (2008) aufgeklärt wurden. Der Sound des Albums wird dabei wieder von Julian’s Orgel (diesmal zusätzlich auch Mellotron) und Fuzz-Gitarre (Nigel Jenkins) geprägt. Insgesamt ergibt sich auch, dank dem auch bei Julian’s Treatment eingesetzten Bassisten John Dover, dem neuen Schlagzeuger Roger Odell (von Contemporary Music Unit, später Shakatak) und der gesanglichen Unterstützung von Lady JoMeek (alias Jo Meek, Joe Meek), ein recht ordentliches Klangbild. Joanna war mit ihrer Schwester Anna Meek (Ann Brayton Meek, 01-07-1948 – 06-05-2024) bei den progressiven Rockern Catapilla und arbeitete auch mit Edward William „Ed“ Welch zusammen. Deshalb vermutlich auch, wie damals üblich, dieses Versteckspiel mit den Namen. Es handelt sich hier, bei Teil 2 Waiters On The Dance, um eine Vertonung des Savarin-Buch Lemmus One: Waiters On The Dance (Teil 1 der Lemmus-Trilogie), knüpft somit an die Story des Debüts an und darauf weist auch der Titel The Death Of Alda hin. Allzu viel hat sich im Vergleich zu A Time Before This nicht verändert, leider keine Tull-Flöte, dafür aber eine volleres und stärker nuanciertes weibliches Front-Organ. Im Titel Stranger gibt es sogar echte, durchaus effektvoll eingesetzte Streicher zu hören. Es war Savarins zweites und offenbar letztes musikalisches Werk, er schrieb danach nur noch neben Science-Fiction auch eine Reihe von Thrillern und andere Bücher, von denen einige ins Deutsche übersetzt worden sind.

Die Lemmus Trilogie wurde mit Beyond The Outer Mirr (1976) und The Archives Of Haven (1977) von Julian Jay Savarin weitergeschrieben. Einige seiner Bücher sind auch in Deutsch beispielsweise bei Moewig erschienen. Bleiben noch die weiteren Spuren der anderen Musiker. Cathy Pruden geht zurück in ihre Heimat Australien, Joe Meek bleibt in ihrer Heimat UK, die weiteren musikalischen Spuren beider verwischen sich. Del Watkins nimmt 1973 noch das selbstbetitelte Prog-Rock-Album mit Argus auf, Nigel Jenkins arbeitet weiter in verschiedenen Projekten. Schlagzeuger Jack Drummond taucht unter, Roger Odell spielt noch einmal kurz (mit John Dover) bei Tracks auf, aus denen wird kurz danach die Jazz-Funk-Rocker Shakatak, die starten aber weltweit groß durch. Es kommt also genauso wie Julian Jay prophezeite, die Mannschaft findet sich für 3 bis 4 Lichtjahre aus den Tiefen des Raums zusammen, schafft zusammen etwas Großartiges, und verschwindet dann wieder im weiten interstellaren Raum der Musik-Kultur ohne echte Spuren zu hinterlassen. Aber die wenigen Fans sind leidenschaftlich und nimmermüde weiter diese schönen Geschichten in Erinnerung zu halten.

Wer mehr und umfassend über das Thema A Time Before This und seinen Erschaffer Julian Jay Savarin wissen möchte, sollte sich die Komplett-Ausgabe A Time Before This... Plus von See For Miles Records (1990: SEE CD288) besorgen. Das Booklet ist üppig und bringt für Schatzsucher noch mehr Details zur Geschichte zutage. Leider fehlt bei dieser Zusammenstellung aus Platzgründen der Titel Dance Of The Golden Flamingoes (08:55) vom zweiten Album Waiters On The Dance. Aber diese Kleinigkeit ist sicher zu verschmerzen, denn die Stückzahlen der verfügbaren Vinyl-Alben ist begrenzt und die Preise steigen jährlich in immer absurdere Höhen. Also besorgt euch lieber eine der besser und preiswerter verfügbaren CD’s und taucht ein in die psychedelische Welt des Julian Jay Savarin mit Wort, Gesang und Musik.

Seit Mitte der 70er hat Julian Jay eine beeindruckende Anzahl von recht anerkannten Büchern (siehe unten) unter seinem Namen veröffentlicht, aber musikalisch hat seit dieser Zeit nicht mehr viel von ihm gehört. Genauer gesagt, gar nichts. Fast alle wussten nicht, dass 1974 ein Nachfolge-Album zu Waiters On The Dance aufgenommen wurde, dass aber aus welchen Gründen auch immer, leider nie das Licht der Welt erblickte – bis zum Jahr März 2025 !! Beyond The Outer Mirr (Rise Above Relics, RARLP025, RARCD025) ist zweifelsohne ein weiterer heiliger Gral aus der goldenen Ära des frühen Progressiven Rock. Neben Julian Jay Savarin und Bassisten John Dover liefert Sängerin Lady JoMeek wieder eine unglaubliche Leistung ab, die den Hörer verblüfft zurück läßt. Es gab bei Veröffentlichung eine limitierte Vinyl-Auflage von 100 Exemplaren, inklusive signiertem Foto von Jo Meek und Booklet im LP-Format. Dazu eine Single mit den beiden Titeln Terra und I Am You aus der Promo-Phase 1974. Diese Ausgabe war nur Exklusiv bei Rise Above Relics als Mailorder erhältlich. Beyond The Outer MirrTitel: 1. Age Beyond, 2. Worlds Of The Outer Rimm, 3. Tell Me, 4. Broken Dreams, 5. Third From The Sun, 6. I Am You, 7. Kizeesh, Single A: Terra, B: I Am You (Single Edit).

Julian Jay Savarin ist ein britischer Autor und Musiker. Er schreibt in verschiedenen Genres – darunter Science-Fiction, Spionage, Thriller, Krimi, Polizei-Thriller und Luftkampf. Seine komplette Muller-Reihe (9 Bände) über einen Berliner Polizisten mit englischen Verbindungen wird demnächst als Kindle-Edition erhältlich sein. Der fünfte Band der Reihe Hunter’s Rain ist bereits verfügbar. In zukünftigen Kindle-Titeln kehrt der Autor mit dem Jahrhundert-Roman The Lost Eagle und dem Motorsport-Roman The Last Corner zu seinen Science-Fiction-Wurzeln zurück. Bilder: Promo, Cover, Text: Roland Koch

Julian’s Treatment ‎– A Time Before This... Plus (1990)

1. First Chapter: First Prophecy "First Oracle"

2. Second Chapter: "The Coming Of The Mule"

3. Third Chapter: "Phantom City" (3 & 5: Single)

4. Fourth Chapter: "The Black Tower"

5. Fifth Chapter: "Alda, Dark Lady Of The Outer Worlds"

6. Sixth Chapter: "Altarra, Princess Of The Blue Women"

7. Seventh Chapter: Second Prophecy "Second Oracle"

8. Eight Chapter: Part One: "Twin Suns Of Centauri"

9. Eight Chapter: Part Two: "Alkon, Planet Of Centauri"

10. Ninth Chapter: "The Terran"

11. Tenth Chapter: "Fourth From The Sun"

12. Eleventh Chapter: "Strange Things"

13. Twelfth Chapter: Epilogue "A Time Before This"

14. Child Of The Night 1 + 2

15. Stranger

16. The Death Of Alda

17. Cycles

18. Soldiers Of Time (14-18: Waiters On The Dance)

Julian Jay Savarin – Beyond The Outer Mirr (2025)

A1 Age Beyond

A2 Worlds Of The Outer Rimm

A3 Tell Me

A4 Broken Dreams

A5 Third From The Sun

B1 I Am You

B2 Kizeesh

C1 Terra

D1 I Am You (Single Edit)

 

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