Brit Barde: Vincent Crane – Atomic Rooster (UK)

Veröffentlicht am 1. März 2026 um 23:13

Geschichte über zwei Dutzend prägende Rockmusiker - Ich habe hier im MINT wieder einmal die Such-Funktion benutzt, war eigentlich sehr sicher für den Suchbegriff Atomic Rooster mindestens drei Dutzend Einträge zu bekommen. Aber was für eine Überraschung, außer zu den Live-Konzerten der Neuzeit ab der 2020er kein direkter Treffer, sondern nur Erwähnung bei ein paar Protagonisten

Beispielsweise wie Chris Farlowe (wegen kurzzeitig dort Mitglied) sowie Julian’s Treatment, Rare Bird und The Nice (wegen deren prägenden Orgel-Sound). Also, dann mal in die Hände gespuckt und ran an die Arbeit für eine legendäre klassische Rockband der Ende 60er. Diese großartige Band aus England habe ich in deren Hochphasen leider immer wieder verpasst und dann waren sie plötzlich mehrfach kurz, am Ende sogar Jahrzehnte, völlig vom Musikmarkt verschwunden. In der nachfolgenden Geschichte wird es deutlich warum das so war. Nichtdestotrotz habe ich durchgängig über die gesamte Zeit immer wieder ihre schönen, kraftvollen Lieder gehört. Der Düster-Rock-Beauftragte Vincent Rodney Cheesman gehört eigentlich auch zu den tragischen Gestalten der Rockmusik. Er hat mittels seiner Bruderschaft und mit seinen außergewöhnlichen Visionen Musik geschaffen, die der von Black Sabbath, Black Widow oder Blood Rock mindestens ebenbürtig war. Aber die damals angebeteten Dämonen meinten es nicht so gut mit ihm. Ebenso mit seinem geistigen Bruder, dem inzwischen fast 85-jährigen „Gott des Höllenfeuers“, Arthur Wilton-Brown (24-06-1942) aus Whitby, England, der zwar viel länger lebte, aber auf ewig in seiner Höllenfeuer-Zeitschleife feststeckt. Mehr dazu später im Text.

Als ich 2017 gewahr wurde, dass sich eine neue Formation um Peter French (Gesang) und Gitarrist Steve „Boltz“ Bolton (08. November 1949, Manchester), mit dem vollen Segen von Vincent‘s Witwe Jean Cheesman, gebildet hatte und auch Konzerte in Kontinental-Europa geplant waren, war meine Freude grenzenlos. Bereits 2016 wurde Atomic Rooster mit Erlaubnis von Crane’s Witwe, Jean: „ihr müsst aber auch neues Material aufnehmen“, in dieser neuen Quintett-Besetzung reformiert. Der erste Auftritt war ein unauffälliges Warm-Up in Clitheroe, (Lancashire) am 14. Juli 2016. Die Besetzung bestand damals aus Pete und Steve sowie dem Keyboarder Christian Madden (The Earlies, Tokolosh), dem Bassisten Shug Spencer und dem Schlagzeuger Bo Walsh (Gabrielle’s Wish). Schon 2017 kam der Multi-Instrumentalist Adrian Gautrey (Little Wing) für den ausscheidenden Madden in die Band. 2019 wurde dann noch Walsh durch Paul Everett ersetzt. Danach kamen diese schreckliche Pandemie mit all ihren Exzessen und meine Hoffnung sank wieder, diese wunderbare Band doch noch einmal Live erleben zu dürfen. Die geplanten Konzerte, natürlich auch bei allen Festivals, wurden gestrichen oder verschoben.

Auch wenn Vincent schon lange Sternenstaub ist, Pete und Steve haben eine Menge vom klassischen Material damals eigenhändig eingespielt und mitgeprägt, waren mit der Band Anfang der 70er auf vielen Bühnen weltweit aktiv. In der letztgenannten Besetzung haben wir dann Atomic Rooster Anfang September 2022 beim 2 Days Prog + 1 Festival (siehe Bilder unten) am Lago Maggiore nun doch noch erlebt. Die Erlebnisse dort mit Adrian, er ist heute der Sänger und das zentrale Element bei Atomic Rooster, werden wir nie vergessen. Zwei weitere Begegnungen folgen 2023 im Vogtland beim Art-Rock-Festival und Thüringen beim Woodstock Forever Festival (2023). Folgt den drei Links und lest über unsere Erlebnisse aus dem Piemont, Reichenbach und Waffenrod dort weiter nach. Nachfolgend die Geschichten der prägenden Protagonisten dieser legendären britischen Band.

Biografien der prägenden Musiker von Atomic Rooster

Vincent Cheesman (1943) – Erst spät im Teenager-Alter begann Vincent Rodney Cheesman Klavier zu spielen, schaffte es aber schnell an das Londoner Trinity College Of Music, schloss es nach drei Jahren diplomiert ab. Er merkte selbstkritisch schnell das er wegen des späten Einstiegs nicht der virtuoseste Pianist werden würde. Aber er begann talentiert mit dem Komponieren von Songs. Schon während seines Studiums spielte er in verschiedenen lokalen Bands, beispielsweise The Word Engine. Bereits 1963 gründete er eine eigene Band Vincent Cheesman Trio, die 1964 sogar im Marquee Club debütierte. Es ging ihm aber wie vielen Musiker in dieser Zeit, viel Arbeit, wenig Geld, keine echten Perspektiven. Deshalb Wechsel nach Paris, er kauft dort eine gebrauchte Orgel, damit ein Neustart mit einer bluesigen Jazzband. Doch das Publikum hatte andere Interessen, sodass auch dieses Projekt quasi in einem Desaster endete.

Vincent Crane sagte sich: Vielleicht mal mit einem anderen Namen probieren, so wird aus Cheesman dann Crane. 1966 trifft er Arthur Brown, ab 1967 ist The Crazy World Of Arthur Brown nun der gemeinsame Lebensinhalt. Und genau darauf hatten nun die hungrigen Rockfans gewartet. Die zweite Single Fire wurde 1968 ein internationaler Chart-Hit, das selbstbetitelte Album ein riesiger Erfolg bis heute. Crane ist 1970 sogar auch Gastmusiker beim Debüt Album von Rory Gallagher und er ist nun scheinbar ganz oben angekommen. Die verrückte Truppe um Arthur und Vincent war wegen der Hits Non-Stopp unterwegs, das führte jedoch nach der dritten US-Tour zu internen Spannungen und in der Folge zur Trennung. Wer alle Karrierestationen von Vincent Crane gebündelt auf einer Retrospektive sucht, dem sei hier Close Your Eyes: A Collection 1965-1986 (2008, DCD) von Castle Music SEHR ans Herz gelegt.

Arthur Brown (1942) gründete 1969 die Experimental-Prog-Band Kingdom Come, Vincent Crane zusammen mit Carl Palmer die progressive Rock-Band Atomic Rooster. Diese traten sofort unter anderem mit Deep Purple im Londoner Lyceum auf. Schon 1970 verließ Carl die Band, um bei Emerson, Lake & Palmer mitzumachen. Im März 1970 erschien das Debüt namens Atomic Ro-o-oster in der Besetzung Crane, Palmer und Multi-Instrumentalist Alan Nicholas Graham (Skin Alley). Bereits im September des gleichen Jahres folgte dann das Atomic-Rooster-Hit-Album Death Walks Behind You mit Titeln wie Tomorrow Night, Vug und Sleeping For Years sowie 1971 die Hit-Single Devil’s Answer. Beide Alben erschienen beim Londoner Label B & C Records (Beat & Commercial). Noch im August 2022 haben wir beim Woodstock Forever Festival, Paradiesvogel Arthur (24-06-1942) unterstützt durch die Hamburg Blues Band, mit seinen unverwüstlichen Hits Fire und I Put A Spell On You selbst erlebt. Wer etwas Besonderes vom Gott des Höllenfeuers sucht hier die SchoTTenTipps: 1. 08-1975: The Tell-Tale Heart (The Alan Parsons Project: Tales Of Mystery And Imagination), 2. 1979: Crane-Brown-Album Faster Than The Speed Of Light (IC 58 088), 3. 1979: Shadows Of Ignorance (Klaus Schulze: Dune, Brain – 0060.225)

Carl Palmer (1950) – Seit Kindesalter schlägt Carl Palmer auf die Trommeln, arbeitete professionell dann in Bands wie The Mecca Dance Band, Kind Bees (später Craig) und Chris Farlowe & The Thunderbirds. Er ersetzte Drachen Theaker bei den Psych-Rockern The Crazy World Of Arthur Brown, als diese Band gerade im Zenit ihrer Karriere war, tourte mit ihr durch die USA. Nach deren Auflösung, kehrte Palmer nach England zurück und gründete Anfang 1970 mit Bandkollegen Vincent Crane (Keyboards) die klassische Rocktruppe Atomic Rooster. Mit dem Bassisten und Sänger Nick Graham veröffentlichten sie das Debüt Atomic Ro-o-oster sowie die Hit-Singles Tomorrow Night und Devil’s Answer. Im Frühjahr 1970 folgte er dem Ruf von Greg Lake und Keith Emerson, der Rest ist pure Rock-Geschichte.

John William Cann (1946) – Zu den frühen Bands, des in den East-Midlands geborene John William Cann, er spielte die Gitarre früh bei The Sonics (Wiltshire) und The Attack (London). Tragisch dass die das Pech hatten, das ihre Version von Hi Ho Silver Lining (03-1967) zeitparallel auch vom kürzlich verstorbenen Jeff Beck veröffentlicht wurde. Cann wurde anschließend zentrales Mitglied der Psychedelic-Rock-Band Andromeda. Bei denen schrieb er den selbstbetitelten Klassiker (07-1969) praktisch im Alleingang bevor er dann von Atomic Rooster abgeworben wurde und Andromeda sich deshalb auflöste. Dort wirkte er schon ungenannt am Debüt Atomic Ro-o-oster mit, es existiert sogar eine Erstpressung des Original-Album ohne die Gitarrenspuren von John Cann. John hatte großen Anteil am Erfolg vom nächsten Album Death Walks Behind You und den beiden erfolgreichen Hit-Singles Tomorrow Night und Devils Answer. Aber auch hier bei den Atomaren Hähnchen gab er zeitlich nur ein kurzes Gastspiel, denn während der Arbeiten zu In Hearing Of gab es Streitigkeiten innerhalb Atomic Rooster. John und Schlagzeuger Paul Hammond verließen die Band und gründeten mit Sänger Al Shaw und John Gustafson (Bass, Gitarre) die harten Rocker Hellhound (nur historische Demos), dann John Cann‘s Daemon, die sich schnell in Bullet (Single Hobo) umbenannten. Das einzige Material aus 1970/71 erscheint als The Entrance To Hell aber erst 1994/2010. Dann später geht es als Hard Stuff weiter. Für seine Tour-Arbeit für Thin Lizzy ändert er seinen Namen in John Du Cann. Er blieb der rockigen Musik immer treu, hatte viele weitere Aktivitäten (auch schon 1971 mit Pete French als Hellhound) mit bekannteren Kollegen. Im September 1979 landete er mit Don't Be A Dummy, einer Komposition aus einem TV-Werbespot für Lee Cooper Jeans (1978), einen Top-40-Hit in Großbritannien. Er starb 21. September 2011 an einem Herzinfarkt.

Paul Hammond (1952) – Der englische Rock-Schlagzeuger wurde 1952 geboren, aber leider nur 40 Jahre alt. Hammond ersetzte Carl Palmer bei der Progressive-Rock-Band Atomic Rooster, spielte mit ihnen als Trio, mit Vincent und John, den Klassiker Death Walks Behind You und die Single Devils Answer ein. Er verließ dann mit John Cann die vermeintlich erfolgreiche Truppe, gründete mit Sänger Al Shaw und John Gustafson (Bass, Gitarre) in zeitlicher Abfolge die Hard-Rock-Bands Hellhound (nur historische Demos), Daemon, Bullet, Hard Stuff (1972: Bulletproof, 1973: Bolex Dementia). Er trommelt an der Seite von Vincent Crane (Gesang, Keyboards, Bass), David Gilmour (Pink Floyd), Bernie Tormé (Gillan, Ozzy Osbourne) und Jon Field (Jade Warrior) auf am Rooster-Reunion-Album Headline News (1983). Nach erneuter Auflösung verwischen sich seine Spuren in der Zeit und 1992 ist dann endgültig Schluss.

Peter French (1948) – Pete wurde von Vincent Crane, John Cann und Paul Hammond gebeten, sich Atomic Rooster anzuschließen, nachdem sie sein Album Growers Of Mushroom mit Leaf Hound (vorher Black Cat Bones) gehört hatten. Vincent war der Meinung, dass die Band von einem starken Leadsänger profitieren würde, und John stimmte zu, da er sich mehr auf seine Gitarrenarbeit konzentrieren wollte. So beschloss Peter Anfang 1971, der Band beizutreten und In Hearing Of aufzunehmen. Unglücklicherweise gerieten Vincent und John bei der Fertigstellung von In Hearing Of in einen Ego-Konflikt, als John darauf bestand, mehr Gitarre auf das Album zu packen, während Vincent darauf bestand, dass er weniger wollte. John und Paul beschlossen daraufhin, die Band zu verlassen, was natürlich ein riesiges Vakuum hinterließ, das es zu füllen galt. Peter wurde von John und Paul gebeten, Vincent ebenso zu verlassen und mit ihnen zusammen eine neue Band namens Bullet zu gründen (Mittschnitte als Daemon und Hellhound existieren, wurden viel später VÖ). Peter lehnte aber ab und beschloss bei Vincent zu bleiben. Glücklicherweise wurde das Album In Hearing Of sowohl in Europa als auch in den USA ein großer Erfolg, der an den früheren Erfolg des zweiten Atomic Rooster-Werk Death Walks Behind You und die beiden erfolgreichen Hit-Singles mit Tomorrow Night und Devils Answer anknüpfte. Kurz nach dem Ausstieg von John und Paul nahmen Rooster zwei neue Mitglieder auf, Steve Bolton an der Gitarre und Ric Parnell am Schlagzeug. Die Band bestand nun aus den Mitgliedern Vincent Crane, Peter French, Steve Bolton und Ric Parnell und tourte erfolgreich durch Europa, die USA und Kanada. Peter French verließ Atomic Rooster 1972, da Vincent leider ziemlich depressiv geworden war und es schwierig für Pete war, mit Vincent zu arbeiten. Zu dieser Zeit wurde er gebeten, sich der US-Band Cactus anzuschließen, um durch die Staaten zu touren und dabei zu helfen, ein neues Album ('Ot 'N' Sweaty) mit ihnen für Atlantic Records zu realisieren. Peter verließ Atomic Rooster, um sich Cactus anzuschließen. Der letzte Auftritt, den Peter mit Atomic Rooster hatte, war 1972 der exzellente Abschied beim Sommer-Konzert vor 60.000 Menschen im Oval Kennington. Peter wurde dann durch Blues-Röhre Chris Farlowe ersetzt.

Chris Farlowe (1940) – Über die Karriere von dem Blues-Sänger Farlowe ist ja im MINT schon einiges geschrieben und berichtet worden. Natürlich sind seine Stationen bei Chris Farlowe & The Thunderbirds und vor allem Colosseum vielen bekannt. Aber wenn man tief genug gräbt findet man immer wieder Perlen die er mit seiner Stimme veredelt hat. So auch bei Atomic Rooster, wo er auf den Alben Made In England (1972), IV (1973), Nice & Greasy (1973) sowie auf verschiedenen Liveaufnahmen aus dieser Zeit zu hören ist.

Steve Bolton (1949) – Anfang der 70er zieht Steve von seinem Geburtsort Manchester nach London um, schloss sich nachdem er auf eine Such-Anzeige in der Musik-Presse geantwortet hatte, kurzerhand Atomic Rooster an. Er ersetzte John Cann, der zusammen mit Paul Hammond die Band Richtung Hellhound sowie Bullet verlassen hatte, um seine eigene Truppe zu gründen. Er tourte mit Atomic Rooster durch USA, Kanada, Großbritannien (auch dokumentiert mit BBC Sessions) und Europa mit Pete French und nimmt mit ihnen Made In England (1972) auf. Er verließ Atomic Rooster danach und gründete Headstone (2 Alben bei EMI) zusammen mit Mark Ashton (Rare Bird).

Top Of The World – Schrittweiser Absturz

Ab 1972 hatten Atomic Rooster etliche ausgedehnte Tourneen durch Europa und Amerika. Sie spielten als Headliner auf den renommiertesten Bühnen und TV-Studios. Es erschienen das zweite Hit-Album In Hearing Of (1971) sowie die stilistisch etwas geschliffeneren und poppigeren Alben Made In England (1972), IV (1973), Nice & Greasy (1973). Die Mitmusiker wechselten, es kommen Peter French und Steve Bolton, später Ric Parnell und Chris Farlowe. Crane löste die Band 1975 auf und 1976 wurde Cranes erste Ehe mit Pat geschieden. Steve Bolton: „Pat belegte mich mit einem bösen Fluch als sie erfuhr, dass ich die Band verlassen wollte.“ Keine besonders geeignete Partnerin für den depressiven und mit Medikamenten vollgestopften Vincent. 1977 heiratete er dann seine zweite Frau Jean (Cheesman). In dieser Zeit arbeitete Crane viel für Theater- und Radio-Produktionen, hatte aber auch ein Projekt namens Green Goddess (Single Fire Fighter – Crazy About My Baby, Atomic Records, 1977). Auch nahm er die frühere Zusammenarbeit mit Paul A. Green und Arthur Brown wieder auf. Mit Arthur (ein guter Freund von Klaus) entsteht 1979 für das Label Innovative Communication von Klaus Schulze das Vinyl-Album Faster Than The Speed Of Light (IC 58 088). 1980 gab es sogar eine Wiederbelebung von Atomic Rooster. Neue Aufnahmen mit Stammbesetzung Crane & Cann plus Schlagzeuger Preston Heyman (selbstbetiteltes EMI-Album mit roten Hahn) und mit illustren Gästen (siehe oben bei Paul Hammond) wurde Headline News (1983) veröffentlicht, die Band ging sogar wieder auf Tour. Schon 1984 wurde Atomic Rooster von Crane wegen Erfolglosigkeit zum zweiten Mal wieder aufgelöst. 

Dadurch hatte er nun Zeit am Allstar-Projekt Katmandu teilzunehmen, zusammen mit Peter Allen Greenbaum (Peter Green), Ray Dorset (Mungo Jerry), Jeff Whittaker entsteht das einzige Album A Case For The Blues – Katmandu (1986). Bereits 1985 spielte Crane mit Dexys Midnight Runners und ging mit ihnen in Großbritannien und Frankreich auf Tour. 1987 lösten sich die Midnight Runners auf, und Crane versuchte einen erneuten Anfang mit Atomic Rooster. Allerdings erkrankte er, und die geplante Deutschland-Tour musste abgesagt werden. Vincent starb am Valentinstag 1989 an einer Überdosis Schmerztabletten. Das Lebenswerk von Vincent Rodney Cheesman ist vor allem Atomic Rooster. Wer die gesamte Geschichte aufmerksam gelesen hat, versteht vielleicht warum ich am Anfang von einer tragischen Figur sprach. Das Atomic Rooster heute so einen Kultstatus genießt, hat Vincent natürlich nicht mehr erlebt. Aber seine kraftvollen, durch die Orgel geprägten Rock-Hymnen, haben heute, eben auch durch die aktuelle Band-Besetzung, wieder enorme Strahlkraft bekommen und werden als sein Vermächtnis weiter erhalten. Wer den ganzen Karriereweg von Vincent musikalisch nachverfolgen möchte, von The Word Engine bis Dexys Midnight Runners, dem empfehlen wir die sehr schöne Doppel-CD Close Your Eyes: A Collection 1965-1986 (2008).

SchoTTenTippSleeping For Years ist eine neu gemasterte 4CD-Werkschau (Esoteric Records, 2017), die alle Alben und Einzeltitel der legendären Atomic Rooster zwischen 1970 und 1974 auf den klassischen Alben Atomic Rooster, Death Walks Behind You, In Hearing Of, Made In England und Nice n' Greasy sowie auch Hitsingles wie Tomorrow Night und Devil’s Answer enthält. Ebenso die letzte Veröffentlichung in den 70er, die Single Tell Your Story (Sing Your Song) mit B-Seite O.D.. Darüber hinaus enthält die Box auch sechs seltene alternative Versionen und Demos und ein bebildertes Booklet mit einem neuen Kommentar von Malcolm Dome und ebenso exklusive Interviews mit Nick Graham, Peter French, Steve Bolton und Chris Farlowe. Mit der Box bekommt man die umfassendste und beste Zusammenstellung der britischen Gothic-Rocker. Es fehlt nur das Reunion-Album Headline News. Mit On Air: Live At The BBC & Other Transmissions (Repertoire Records, 2018) bekommt man auf DCD und DVD Live-Aufnahmen von BBC Radio 1 (UK), Beat Club (DE) und Pop Shop (BE). Damit ist das die ultimative Ergänzung zu Sleeping For Years.

♫♫♫ – Warum spielen Atomic Rooster nicht in der Liga der ganz Großen ?? Diese Frage betrifft viele Bands der Zeit Ende 60er bis Mitte 70er. Am Material hat es sicher nicht gelegen, denn das war erstklassig. Und sie haben ja in der Besetzung Vincent Crane, John Cann, Paul Hammond, Peter French sowie später Steve Bolton von 1970-1972 die Oberliga der klassischen Rock-Szene erreicht und die Bühnen weltweit sehr erfolgreich bespielt. Es ist vermutlich wie bei anderen Formationen immer das gleiche Muster. Kampf der Egos und zu wenig kollektives Denken, kein beständiges Label und damit keine durchgängige Promotion, zu viele Besetzungswechsel. Aber sicher auch in diesem Fall, die Dämonen mit denen Vincent Crane leider zu kämpfen hatte. Er konnte sich dem Gevatter Tod, der Jahre lang hinter ihm herlief, nicht mehr entziehen und stirbt an zu viel Tabletten zu früh. Um aber den Stellenwert von Vincent Crane und Atomic Rooster für die Musikgeschichte hier noch einmal zu unterstreichen hier eine Aufzählung einiger Stationen von ihm und seinen wichtigsten Weggefährten.

The Word Engine – Die erste erwähnenswerte Rockband von Vincent Crane.

The Crazy World Of Arthur Brown – Ein Meisterstück mit Arthur Brown.

Emerson, Lake & PalmerCarl Palmer ist Partner bei Crazy World und Atomic Rooster.

Skin Alley – Das erste Album-Lebenszeichen von Multi-Instrumentalist Nick Graham.

Rory GallagherVincent Crane arbeitet am Solo-Debüt des irischen Blueser mit.

The Attack – Die erste erwähnenswerte Rockband von John William Cann.

Andromeda – Fast im Alleingang von John Cann entsteht ein Psych-Meilenstein.

Damoen/Bullet – Von Paul Hammond und John Cann gegründet. Demos erscheinen 1994.

Leaf Hound – Mit Peter French wird aus Black Cat Bones dann Leaf Hound.

Cactus – Kurzes Gastspiel von Peter French 1972 bei den US-Rockern, kurz vor Auflösung.

Randy Pie – Nach Cactus war Pete 1977 auch die Frontröhre der Hamburger Band Randy Pie.

HeadstoneSteve Bolton & Mark Ashton gründen, beim Debüt ist auch Steve Gould dabei.

Brand X – John Goodsall aka Johnny Mandala macht Karriere bei den Fusion-Rockern.

Colosseum – Diese Band ist das größte Stück Lebenswerk der Blues-Röhre Chris Farlowe.

Thin Lizzy – Bei den irischen Rockern entsteht die Namensänderung zu John Du Cann.

KatmanduVincent in Zusammenarbeit mit Peter Green, Ray Dorset, Jeff Whittaker.

Dexys Midnight RunnersVincent Crane ist bei einigen Touren in Europa dabei.

Neuanfang mit Steve Bolton & Adrian Gautrey

Nachdem Sänger Peter French nun, hauptsächlich wegen des anstrengenden Tour-Lebens, nun wieder ausgestiegen ist, macht der Rest der atomaren Hähne nun richtig Druck im Kessel. Steve „Boltz“ Bolton, Paul EverettShug Spencer, Adrian Gautrey haben sich jahrelang kreuz und quer durch Europa gespielt, noch mit Pete in Rom Live In Studio (2023) aufgenommen und sind damit die dauerhafteste Inkarnation von Atomic Rooster überhaupt. Was liegt nun näher als der nächste Schritt, den sie nun als Quartett gehen und mit dem Album Circle The Sun veröffentlichen. Steve: „Mit modernen Anspruch steht es ganz in der Tradition der Klassiker von Atomic Rooster. Vince würde diese Scheibe lieben, das ist mit das Wichtigste an allem.“ Und das Album hat tatsächlich den Geist des manischen Mönchs Vincent Crane. Dafür sorgen vor allem die großartigen Kompositionen, das Zusammenspiel des Quartetts und das magische Orgelspiel sowie der Gesang von Adrian Gautrey. Die Jünger von Atomic Rooster mussten 43 lange Jahre warten, aber es hat sich sehr gelohnt !! Bilder: Cover, Promo, Bild-Serie unten: Two Days Prog + 1, Veruno 2022, Text: Roland Koch

Steve „Boltz“ Bolton (Gitarre und Gesang) – Steves Lebenslauf ist ziemlich beeindruckend. Nachdem er als Teenager erfolgreich für einen Job bei Atomic Rooster vorgespielt hatte, spielte er anschließend – in keiner bestimmten Reihenfolge – mit Belinda Carlisle, 6’3”, Vampire Bats, Scott Walker und Paul Youngs Royal Family. Er wirkte unter anderem an dem 80er-Jahre-Mega-Hit-Album No Parlez mit und tourte mit ihm. Zwei Jahre lang tourte er als Gitarrist mit The Who um die Welt und kann von sich behaupten, von John Entwistles gewaltigem Bass-Equipment taub geworden zu sein. Er spielte mit Iggy Pop, Chris Isaak, Lemmy, Bob Dylan, der Blues-Legende Hubert Sumlin und Richard Strange, tourte mit John Otway durch Amerika und jammte mit Keith Richards und Steve Jordan. Aktuell spielt er in seiner eigenen Band Dead Man’s Corner, gibt viele Solo-Konzerte, ist ein talentierter und humorvoller Geschichtenerzähler und unterrichtete Gitarre und Bühnenpräsenz an der School Of Rock in London.

Adrian Gautrey (Keyboards und Gesang) – Adrian ist ein Ausnahmetalent. Als hochbegabter Musiker und Sänger beherrscht er Keyboard, Gitarre und Pedal-Steel-Gitarre meisterhaft. Er tourt regelmäßig mit Größen wie der US-amerikanischen Blues-Sängerin Sari Schorr, Hollywood-Star Kiefer Sutherland, Huey Morgans Fun Loving Criminals und der Liverpooler Legende Pete Wylie. Letztes Jahr spielte er Hammond-Orgel und Klavier auf Robin Trowers neuestem Album. Er ist als Session-Musiker und mit seiner eigenen Adrian Gautrey Band auf zahlreichen Konzerten zu hören. Seit dem Ausscheiden von Peter French im Jahr 2023 hat er mit großem Erfolg den Gesang bei Atomic Rooster übernommen.

Shug Spencer (Bass) – Er stieß 2016 zu Rooster, als die Band sich wiedervereinigte. Er spielte in der Band des verstorbenen Denny Laine, bei New Amen Corner und arbeitete mit dem Weltklasse-Schlagzeuger Ged Lynch (Peter Gabriel, Goldfrapp, Clannad, Black Grape, Dave Gilmour, Imagined Village und viele mehr). Außerdem war er Bassist bei den leider aufgelösten Hiding Magpies, Fruitless Forest, The Mighty Revelators, The Cheating Hearts und vielen weiteren Bands.

Paul Everett (Schlagzeug) – Paul Everett, geboren in Liverpool, ist ein Schlagzeuger, dessen Karriere internationale Tourneen, Studioarbeit und Fernsehauftritte umfasst. Der mehrfach preisgekrönte Musiker ist aktuell Schlagzeuger bei Atomic Rooster. Er war außerdem Mitglied von Bands, die mit The Killers, The Who und Mötley Crüe tourten und sich so einen Ruf als mitreißender Live-Performer erarbeiteten. Er hat mit einer Vielzahl von Künstlern zusammengearbeitet, darunter Mitglieder von The Searchers, The Monkees, Chris Montez, Pete Wylie und The Mighty Wah! sowie die Liverpooler Legende Gerry Marsden. International trat er mit der kanadischen Band Blackie & The Rodeo Kings auf und arbeitet regelmäßig mit renommierten Session-Musikern für private Veranstaltungen in ganz Europa. Als Resident-Schlagzeuger im weltberühmten Cavern Club in Liverpool ist Paul Everett ein fester Bestandteil der lebendigen Musikszene der Stadt.

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