Ambient & Berliner Schule bis Minimal & FuMu – Auch hier geht die Bandbreite der Instrumental-Musik durch fast alle Genres, beispielsweise von klassischer elektronischer Musik im Stil der (West-) Berliner Schule (Robert Schroeder, Stephan Kaske, Michael Hoenig, Agitation Free, etc.),
über Minimal (Steve Reich, La Monte Young, Terry Jennings, Terry Riley, Jorge Reyes, etc.) oder Ambient geprägte Werke (Kitarō, Steve Roach, Brian Eno, Robert Rich, etc.), zu meditativen Klang-Landschaften (Deuter, Gandalf, Peter Michael Hamel, etc.), weiter mit symphonischen New-Age (Anugama, Kamal, Karunesh, etc.), zu funktioneller Musik (Hans Peter Neuber, Arnd Stein, Klaus Wiese, etc.). Fast alle hier beschriebenen Künstler haben mehr (Eberhard Schoener, Vangelis) oder weniger auch Musik für Aufführungen, Projekte, Programme, Filme, Videos komponiert, produziert und/oder erstellt.
In einigen weiteren zukünftigen Beiträgen der Instrumental-Musik gehen wir immer wieder auch auf dieses Kapitel ein. Die Auswahl der Künstler soll nur ein wertfreier Querschnitt sein. Lasst euch inspirieren und geht selbst auf Entdeckungsreise. Es besteht nicht der Anspruch der Vollständigkeit, sondern spiegelt die Breite und Tiefe dieses Teils der Instrumental-Musik wieder. Von allen portraitierten Künstlern haben wir Ton- und Bildträger in verschiedener Form. Besonders die Musik von Deuter begleitet uns seit 45 Jahren und ist ein stetiger Bestandteil in unseren Tagesabläufen. Zu diesem Künstler ist eine Werkschau in Arbeit.
Werner Hagen (1952, Köln am Rhein) alias Anugama (Osho School Of Music And Celebration) ist wie Bruno Reuter (1956, Köln) alias Karunesh auch ein Kölner Instrumental-Gewächs und beide Multi-Instrumentalisten sind fast gleichalterig sowie New-Age- und Ambient-Musiker. Er produziert und veröffentlicht seit den frühen 80ern seine eigene Musik und benutzt dabei neben den klassischen Synthesizern & Keyboards auch viele asiatische und indische Klänge sowie exotische Instrumente wie beispielsweise indische Sitar, Kora, akustische Gitarren, verschiedene Flöten und Trommeln, aber auch begleitenden Gesang. So viel zu den vielen Gemeinsamkeiten der beiden „Ambient-Höhners“.
Seine Kompositionen und ätherische Musik voller Weite aber auch Stille decken ein breites Ausdrucksspektrum ab, mitreißende rhythmische Tribal-Tanz-Musik, schamanische und spirituelle Klänge voller Kraft und Frieden, erhebende, lyrische Melodien sowie Flöten-Musik, die verschiedene Kulturen aus aller Welt widerspiegeln. Anugamas Musik versucht in sehr langen Klang-Reisen (oft über 20 bis 30 Minuten) den inneren humanen Raum auszudehnen, dadurch mehr Platz für Ruhe, Frieden, Gelassenheit zu schaffen. Diesen Ansatz versuchen viele Künstler in diesem Bereich, der Rheinländer schafft es reproduzierbar und meisterlich.
Sein Debüt mit Cherubin – Floating Gently (1984) und seine weiteren nachfolgenden 14 Alben veröffentlichte Anugama bis 1999 beim bekannten deutschen New-Age-Label Nightingale Records (Meistersinger Musik), wo auch die ersten Aufnahmen von Karunesh, Kamal und vielen anderen Klang-Magier erschienen sind. Werner Hagen lebt inzwischen in Nordamerika und ab den 2000er veröffentlichte er beginnend mit der Wiederveröffentlichung von Shamanic Dream (2000) seine Werke unter seinem eigenen Label Open Sky Music USA, in dem zum Beispiel auch Alben von Peter Makena und anderen erschienen sind.
Chaitanya Georg Deuter (01-02-1945, Falkenhagen, Kreis Lippe, NRW), Künstlername einfach nur Deuter (Osho School Of Music And Celebration), ist einer der bekanntesten deutschen New-Age-Musiker und Pionier dieser Musikrichtung. Er lernte als Jugendlicher autodidaktisch Flöte und Gitarre, arbeitete zunächst als Grafik-Designer und Journalist in München. Ein fast tödlicher Autounfall 1970, prägend wie der Motorrad-Unfall von Karunesh, sowie Einflüsse aus dem Sufismus brachten ihn zu einem neuen, tieferen Musik-Verständnis. Bei seinem ersten Album D (1971) war zwar sein späterer Stil schon gut erkennbar, aber der war hier noch stark überdeckt von der vermutlichen zu starken Einflussnahme seines Labels Kuckuck. Schon ein Jahr später beim nächsten Werk Aum (1972) wurde die Richtung korrigiert und hier tritt schon sein für die damalige Zeit außergewöhnliche Spielart deutlicher heraus. Bei Kuckuck veröffentlichte er regelmäßig mit einem großen Spektrum an Instrumenten viele Alben bis Henon Mitte der 90er.
Kuckuck wurde am 01. April 1968 für deutsche Rock-Musik von Eckart Rahn als erstes Label seines E.R.P. Musikverlag gegründet. Der musikalische Schwerpunkt verlagerte sich im Laufe der Jahre etwas, wurde ausgerichteter. Eckart Rahn übernahm dann das US-Label Celestial Harmonies und Kuckuck wandelte sich dadurch zu einem der weltweit führenden Labels für New Age, Meditations- und Welt-Musik mit zahlreichen erfolgreichen internationalen Künstlern. Deuter wechselte dann zum Münchener Label New Earth Records (Silenzio), brachte auch dort unzählige weitere Meisterwerke, größtenteils vokalfreie musikalische Perlen, heraus. Auch bei anderen Labels veröffentlichte er gelegentlich, beispielsweise zusammen mit Dr. Günter Bayer die therapeutische Box Fantasie-Reisen Teil I beim Dehypno Verlag München mit 14 langen 45-minütigen Titeln. Die Teile 1 bis 7 sind auch einzeln veröffentlicht worden.
Deuters musikalische Landschaften verbinden auf magische Weise Natur (teils eigene Naturaufnahmen), Herz (berührende Melodien, Cello, Flöten, Gitarren, Piano, Schlaginstrumente) und Stille (Synthesizer-Space, gleitende Form und Atmosphäre der Stücke). Seine Musik verbindet Musik-Instrumente westlicher und östlicher Kulturen. Die vokalen Beiträge in seinen Titeln sind selten, meist wird die Stimme dort aber unterstützend wie ein Musik-Instrument eingesetzt. Einige Ausnahmen wie auch bei der Zusammenarbeit mit Annette Cantor-Groenfeldt auf Garden Of The Gods (1999) sind und bleiben selten. Im Ashram (Einsiedelei eines indischen Asketen) von Bhagwan Shree Rajneesh Osho komponierte Deuter zwischen 1974 und 1980 die Musik zu verschiedenen von Osho entwickelten Meditationstechniken, die seitdem weltweit erfolgreich im therapeutisch-medizinischen Bereich eingesetzt werden. Deuter lebte auch eine lange Zeit in der Nähe vom US-amerikanischen Santa Fe, New Mexiko.
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