Alle sprechen über Berlin, Düsseldorf, Köln – und was ist mit München – In der klassischen, frühen Phase der deutschen Rockmusik, umgangssprachlich auch Kraut-Rock genannt, gab es eine kleine aber feine Schar von besonders skurrilen Formationen, dazu gehörten beispielsweise Amon Düül, Dissidenten, Embryo, Faust, Ihre Kinder, Out Of Focus
und einige noch unbekanntere mehr, aber auch Popol Vuh. Der Name hat Wurzeln im Maya-Kult, erinnert namentlich an die Schöpfungsgeschichte der Menschheit. Warum skurril, weil sie nur minimal in das damals gängige Schema von klassischen Rockgruppen passten und dass in vielerlei Hinsicht. Keine Massenprodukte, deshalb leider von vielen Liebhabern guter Musik recht unbeachtet. Nichtdestotrotz gibt es bis heute einen harten Kern von Fans, die genau diese Musikperlen schätzen und behüten. Jede einzelne Formation ist ein Legenden-Beitrag wert, ich konzentriere mich zuerst einmal auf die Blau-Weißen-Bands (und Protagonisten) aus der Münchener Szene: Amon Düül, Amon Düül II und eben Popol Vuh. Bild_R: Chris Karrer 2018.
Amon Düül – Diese berühmte Musik-Kommune fand sich 1967 zusammen. Der Gründer-Kern waren Chris Karrer (02-01-2024 verstorben), Ulrich & Peter Leopold (08-11-2006 verstorben) und Rainer Bauer. Sie lebten in einer losen Gruppe aus Erwachsenen und einigen Kindern, machten alles gemeinsam, musizierten auch zusammen. Grundsätzlich eine gute Idee, die sicher auch positive Aspekte und Einfluss auf das menschliche Zusammenleben hat. Will man aber vor Publikum und sogar gegen Bezahlung auftreten, sollte man aber zumindest das Instrumentarium und kollektives Zusammenspiel über das rudimentäre hinaus beherrschen. Aber Non-Perfekt, Ursprünglich, Rustikal war auch Mission. Schon während der Aufnahmen zum ersten selbstbetitelten Album (auch Psychedelic Underground) bricht 1969 der musikalische Teil der Kommune auseinander. Beim im selben Jahr veröffentlichten Para Dieswärts ist bereits eine andere Truppe am Werkeln. Über die musikalische Reste-Rampe und einige berühmte Protagonisten wird seit über 50 Jahren in der Presse, Radio, TV endlos berichtet, ist aber tatsächlich nicht weiter der Rede wert.
Amon Düül II – Der Abtrünnige Internatsschüler und Jazzer Chris Karrer gründete mit einigen guten Freunden, Renate Knaup, John Weinzierl, Falk-Ulrich Rogner, Dieter Serfas, Christian Thiele (später Sameti), eine richtige Musikgruppe als Kunst- und Kommunikationskreis. Auch in diesem Kollektiv gibt es ein munteres kommen und gehen, später sind auch noch Daniel Fichelscher, Peter Leopold, Lothar Meid, Rolf Zacher und viele andere kürzer oder länger Mitspieler der Band. Schon mit der Liberty-Trilogie Phallus Dei (1969), Yeti (1970), Tanz Der Lemminge (1971), entsteht deren Fundament, bis heute berechtigt wesentlich beachteter und positiver bewertet als alles von der ursprünglichen Mark-1-Truppe. Die weitere auch sehr interessante Geschichte werde ich aber ein anderes Mal weitererzählen. Unglaublich was damals so los war in der Münchener Underground-Szene. Und damit sind wir nun bei den Verbindungen zu Popol Vuh, eben die lokale Münchener Künstlerschar und das Label Liberty. Dass die Düüls II richtig was konnten, davon konnten wir uns mehrmals überzeugen.
Florian Fricke – Nachdem auch in München und Berlin die Hippies immer musikalischer und aufständischer wurden, entstand 1969 um den 1944 in Lindau am Bodensee geborenen Florian Fricke (23. Februar) im bayrischen Süden eine experimentelle Gruppierung. Florian spielte in der Kindheit schon früh Klavier, das ist für talentierte, motivierte Kinder erst mal nichts Ungewöhnliches. Dagegen das studieren von Klavier, Komposition und Dirigieren an den Musik-Hochschulen Freiburg und München schon eher. Zeitweise lebte er auch in Miesbach. Bereits 18-jährig drehte er schon Kurzfilme, schrieb als Film- und Musik-Kritiker für den Spiegel, Süddeutsche und Neue Züricher. Es war somit kein echter Zufall das er 1967 den 24-jährigen Regisseur Werner Herzog traf, in dessen Spielfilm-Debüt Lebenszeichen er eine Rolle spielte. Später komponierte Fricke auch die großartige Musik für verschiedene, ausgezeichnete Filme mit bekannten Darstellern (unter anderem: Isabelle Adjani, Bruno Ganz, Klaus Kinski) von Werner Herzog, unter anderem für Aguirre: Der Zorn Gottes, Herz Aus Glas, Fitzcarraldo, Nosferatu: Phantom Der Nacht. Auch die Begegnung mit Eberhard Schoener war 1968 unvermeidbar, denn Schoener richtete an den Münchener Bavaria Studios ein Labor für elektronische Musik ein und experimentierte als einer der ersten deutschen Musiker mit dem Moog-Synthesizer.
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