CD: Lazuli – Être Et Ne Plus Être (FR)

Veröffentlicht am 20. März 2026 um 22:43

Sein und Nicht-Mehr-Sein – Eine Messe Für-Das-Leben – Wir sind nicht ganz unvoreingenommen und verstehen kein Wort Französisch, aber dennoch sind wir immer wieder begeistert von den Kompositionen und Vorträgen des südfranzösischen Quintetts aus der Provinz Gard. Wie kann man das erklären, wir versuchen es in diesem Beitrag.

Schon das Cover und der Titel sind Fingerzeige wohin die thematische Reise der fünf Gallier im neuen Werk Être Et Ne Plus Être (Sein und Nicht-Mehr-Sein) gehen soll. Auch die Franzosen beschäftigen sich, wie aktuell eine Legion von anderen Bands weltweit, sehr eingehend mit der aktuellen Lage auf und mit diesem Planeten. Auch sie machen sich, nicht überraschend besonders unbegründet, viele Sorgen. Die aktuellen Botschaften dieser fünf sympathischen Musiker sind über gesamte Album noch leiser, ruhiger, behutsamer, intensiver, emotionaler geworden. Denn in einer Zeit, wo es weltweit massenhaft Staatsführer gibt, die eine grenzenlos unmenschliche Rhetorik benutzen, da wird nun dieses achtsame Benutzen von Worten und Klänge noch viel wichtiger.

Gleich das Titelstück Sein und Nicht-Mehr-Sein ist zum Einstieg in dieses zwölfte Studio-Album eine mahnende Botschaft und die Präsentation ist wieder wie man es von den fünf Franzosen gewohnt ist. Auch wenn die Lieder Live gespielt noch viel intensiver wirken, das haben wir kürzlich bei einer Messe Für Das Leben im Musik-Theater Piano erlebt, haben die ausdruckstarken Studio-Versionen auch ihren eigenen Charme und Klasse. Gut, das sind keine echten Neuigkeiten im Zusammenhang mit Lazuli. Der stark verflochtene Einsatz von klassischen und ungewöhnlichen Instrumenten sowie der dazu passgenaue Gesang von Dominique Leonetti sind in Kombination mit den wunderbaren Geschichten eine unschlagbare Melange. Das werden ganz sicher zukünftig noch mehr Menschen feststellen und lieben lernen. Dass es so Wirklichkeit wird, daran arbeitet Lazuli seit Jahren sehr hart. Sie spielen fast pausenlos und verzaubern immer mehr Menschen, bekehren sie zum Zuhören, Beobachten, Nachdenken. Vincent Barnavol: Perkussion und Marimba, Romain Thorel: Tastengeräte und Waldhorn, Arnaud Beyney: E-Gitarren und Bass, Dominique Leonetti: Akustische Gitarren und Gesang, Claude Leonetti: Léode und die neunte Hand an der Marimba, das sind zusätzlich zu ihrer Menschlichkeit die Werkzeuge dieser Formation. Dazu kommen noch Lebens- und Spielfreude und ausgezeichnete, ausbalancierte Kompositionen.

Gleich mit den ersten Wohlklang-Tönen und der wunderbaren Stimme von Domi geht es bei Être Et Ne Plus Être – Sein Und Nicht-Mehr-Sein sofort wieder hinein in diesen weltweit einmaligen Lazuli-Kosmos. Gleich ist wieder die unglaublich intensive Vertrautheit da, die immer wieder bei Konserve und Live dazu führt, dass trotz neuer Kompositionen, das Gefühl von Wiedererkennen und Bekanntheit entsteht. Bei Chaque Jour Que Soleil Fait – Jeden Tag An Dem Die Sonne Scheint geht es nahtlos damit weiter. Die beiden Titel wurden auch schon bei den letzten Konzerten im vergangenen Jahr gespielt. Mit Sourire – Lächeln und Matière Première – Rohmaterial wird es ruhiger und noch intensiver. Hier ist die Bezeichnung Rock-Chanson und Kineastisch absolut passend. Bei 7-minüter L’Eau Qui Dort – Stille Wasser wieder ein dezenter Stimmungswechsel und sehr starke Verbindung zwischen den Instrumenten und den geschichteten Stimmen. Bei allen bisherigen tastenbetonten Liedern kann man auch einen Bezug zum Thema des Albums, besonders aber zur visuellen Umsetzung feststellen. Im sehr wertigen Begleitbuch findet man alle Texte in Französisch und zu jedem Lied eine passende Grafik. Bei Konzerten werden diese visuellen Leckerbissen im Hintergrund gezeigt. Bei Werken anderer Künstler können die Mitarbeiten klar zugeordnet werden, bei Être Et Ne Plus Être möchten wir es gleichberechtigt teilen. Instrumentierung und Arrangements: Lazuli, alles andere, Aline, Claude, Dominique, Maryse Leonetti. Hinter diesem famosen Werk steht der komplette Leonetti-Clan, sehr sympathische Menschen, von denen wir schon einige bereits kennengelernt haben.

Mit Une Chanson Cherokee – Ein Cherokee-Lied, Quel Dommage – Was Für Eine Schande, L’Instant – Der Moment, L’Homme Sûr – Der Sichere Mann, hat man allesamt Lieder mit wechselnder Instrumentierung und Liedgut auf höchsten Niveau. Alle Kompositionen krallen sich förmlich in den Gehörgängen fest, wollen nicht mehr raus, schreien nach Wiederholung. Mit einer rhythmischen Melodie und überirdischen Léode-Klängen von Mon Body Se Meurt – Mein Körper Stirbt beginnt leider schon das letzte Drittel dieses Album. Bei Les 4 Raisons – Die vier Gründe wieder etwas Zeit zum Durchatmen, sehr starker Chorgesang, erinnert etwas an Adiemus mit sinnhafter Botschaft, der das Miteinander dieser Truppe noch einmal deutlich heraushebt.

Ein Album in Gänze ohne Schwächen, zwölf Lieder die die Schönheit von Musik sehr atmosphärisch in leisen und lauten Passagen zelebriert, teilweise mit überragender Instrumentierung und meisterlicher technischer Umsetzung. Alle Anstöße und Verbindungen an andere Musik, Instrumentierung, Komposition hier aufzuführen wäre möglich, würde aber den Rahmen hier sprengen sowie zu sehr Schwergewichten und Beeinflussen. Geht doch selbst auf Entdeckungsreise zu nahen oder fernen Plätzen, genießt diese wunderbaren kleinen und großen, ernsten und lebensfrohen Geschichten, folgt dem Weg des Menschen seins; Sein und Nicht-Mehr-Sein. Und wenn ihr dann auch ein Lächeln, wie dieser wunderbare Mensch Dominique im Gesicht habt, lasst uns an irgendeinen Ort der Lazuli-Pilgerreise treffen und uns austauschen und zusammen-sein.

Zuletzt Au Bord Du Précipice – Am Rande des Abgrunds, was für ein Abschluss mit allen Ingredienzien die zu einem Lazuli-Klassiker gehören, ein Parforce-Ritt durch die Gefühlswelt, mit einem abschließenden Gitarren-Solo der Extraklasse. Wer beim hören von Être Et Ne Plus Être – Sein Und Nicht-Mehr-Sein keine Gefühlsregung hat, ist über den Punkt oder schon in der letzten, neunten Phase der Reise vom Menschenkopf aus kristallklaren Eis zur Wasserpfütze (visuelle Geschichte im Büchlein). Danke Arnaud, Claude, Domi, Romain, Vince, uns hat diese Reise durch euer Werk sehr berührt. Wir freuen uns schon auf unsere nächsten Begegnungen. Ein Lied aus diesem Meilenstein des Chanson-Rock herauszustellen wäre diesem Werk unwürdig. Uns hat diese Musik beim Zuhören oft bewegt, gefordert, inspiriert, wollig mitgenommen, Musik bei der es sehr schwer fällt keine mannigfaltigen Emotionen zu spüren. Bilder: Promo, Text: Christa & Roland Koch

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