Wer den Winterblues hat, der sollte zum Winterblues !! – „Bis zum 01. Januar 2026 gilt der Early-Bird-Preis von 20 Euro.“ Was, ein Festival mit 10 Stunden Nonstop-Blues von sechs verschiedenen Bands an fünf Spielorten, und das für nur 20 Euro-Dukaten ?? Da kann doch etwas nicht stimmen, ODER ?? Wir versuchen nun mit unserem Bericht über das 14. Winter-Blues-Festival 2026 in Bremerhaven...
...Schritt für Schritt die Haare in der bluesigen Fisch-Suppe zu finden. Schon letztes Jahr gab es im ausverkauften Haus Theater im Fischereihafen (TiF) bei zwei Superstars der europäischen Blues-Szene, Angela Cory Band aus Berlin und Virginia & Skybenders aus Schweden, zweimal tobendes Publikum und stehenden Applaus am Fließband. Saiten-Virtuose Jan Hirte war Anfang Februar 2025 bereits mit Angela Cory, Micha Maass, Martin Rose hier im Blues-Juke-Joint im Schaufenster Fischereihafen von Bremerhaven. Diesmal ist er mit seinem Quartett Jones & The Crew erneut hier im mondänen Hafen-Feier-Areal an der Weser. Txako Jones alias „Voodoo Woman“, die charismatische Frontfrau Der Crew, ist für diese 10-tägige Winter-Tour extra aus dem heimatlichen spanischen Sevilla angereist. Und sie hat gemeinsam mit ihren drei Männern, Gitarrenlegende Jan Hirte, die mosambikanische Rhythmus-Maschinerie Carlos Dalelane und dem furiosen Matthias Falkenau an der Hammond-Leslie-Orgel, früh im Jahr schon wieder eine Ochsen-Tour durch ganz Deutschland hinter sich gebracht. Am Vortag noch in Bremen-Borgfeld bei Claudia Hugenschmidt im kleinen kuscheligen Kreis als Quartett aufgetreten, kommt für die beiden Abschluss-Konzerte im imposanten TiF und im Club Alten Nähstübchen in Edewecht noch der italienische Sänger & Gitarren-Held Stef Rosen alias Slidin Wolf dazu. Bisher kein einziges Haar gefunden, im Gegenteil, denn mit der zweiten Band, den wieder formierten Harpface & The Heat aus Oldenburg, wurde die Blues-Bandbreite, von Traditionell bis Experimentell, noch einmal erweitert und besonders am Hauptschauplatz der Stimmungspegel dauerhaft im roten Bereich gehalten. Bilder oben L_R: Must B Blues Promo, Jan Hirte & Stef Rosen im Duell, Harpface & The Heat
Die Fisch-Suppe Bremerhaven ist wieder einmal von Käpt’n Uwe Rademacher, selbst ein erfahrener Blues-Harmonika-Spieler in der Blues-Big-Band Must B Blues, wunderbar angerichtet und alles optimal garniert und organisiert. Er stand beim Blues-Treffen in Edewecht kurz zusammen mit Jones & The Crew mit auf der Bühne und hat die 5-köfige Truppe mit seiner Harmonika verstärkt. Er hat bis zur letzten Minute an dieser sehr schönen Leuchtturm-Veranstaltung gewerkelt. An dieser Stelle auch noch einmal einen großen Applaus an die vielen ungenannten Helfer von Uwe, ebenso ein Dankeschön an die Betreiber der vier Clubs und die Sponsoren, ohne die so eine Veranstaltung in dieser Qualität heute nicht mehr durchzuführen wäre. Selbst wir waren ein Teil der Crew, denn wir waren circa 30 Stunden die Roadies von Stefano. Den haben wir auf unserem Weg vom Ruhrgebiet direkt am Haupt-Bahnhof Bremerhaven abgeholt. Er ist bepackt wie ein Maultier, E-Gitarre links, Sonor Box-Verstärker-Combo rechts, auf dem Rücken ein riesiger Rucksack. Und Christa meint, „wir Beide, plus der stattliche Stefano und das komplette Gepäck, geht das alles in unserem Mini-PKW.“ Das geht nicht nur auf der Kurzstrecke, sondern sogar auch noch am nächsten Tag zwei Stunden von Bremerhaven nach Edewecht, südwestlich von Oldenburg. Darüber hinaus haben wir Stef in unserem Hotel untergebracht, einen Steinwurf von den Spielstätten im Fischereihafen entfernt. Trotz nur 250 Meter Fußweg und vielen Erklärungen unsererseits, strandet Stef ungeplant in einem Lokal, kommt aber dennoch pünktlich zum Technik-Check. Bildserie unten: Jones & The Crew Featuring Stef Rosen
Um 19:00 Uhr geht es mit Jones & The Crew Featuring Stef Rosen im Theater im Fischereihafen (TiF) pünktlich mit der erfahrenen Blues-Ikone Txako Jones aus der Hochburg des Flamencos Sevilla los. Das charmante Aushängeschild präsentiert sich mit Glamour im hautengen, schicken gold-glitzernden Abendkleid und passenden roten Schuhwerk und hat eine hochkarätig besetzte Blues-Crew dabei. Ihre belebende Art den Blues modern zu zelebrieren macht diese internationale Allstar-Band (Spanien, Berlin, Mozambique) zurzeit zu einer der gefragtesten Blues-Attraktionen im deutschsprachigen Raum. Feinfühliger, mitreißender und tanzbarer Blues machen jeden Auftritt dieses Quartetts vor Publikum zu einem unvergesslichen Live-Erlebnis. Wer noch nicht das Vergnügen hatte das erleben zu dürfen, dem empfehlen wir die preisgekrönte EP-Konserve Soulmates (unten zwei Titel zum reinhören). Aber ein Live-Erlebnis ist bei dieser Band ein Muss. Für ein Sahnehäubchen, und damit sind die Haare Lichtjahre weit von der Suppe entfernt, sorgte unser Käpt’n Uwe Rademacher. Ein genialer Schachzug mit dem Genueser Stef Rosen ein weiteres hochkarätiges Blues-Schwergewicht aus dem Schmelztiegel Berlin an die Gestade der Weser zu locken. Und wer sich in der Welt des Jan Hirte auskennt, der weiß warum Stef eine äußerst gute Wahl als Gast war. Txako, Jan & Stef spielen auch gemeinsam im Semi-Akustischen Trio Sonora Blues zusammen. Meist mit einem Programm, das direkt auf der Bühne per Zuruf entsteht. Wer auch am nächsten Tag im Alten Nähstübchen in Edewecht dabei war, der konnte dort die Magie erleben, die diese drei Musiker praktisch aus dem Stehgreif erzeugen können. Und dass alles immer sehr konzentriert und mit einem Lächeln im Gesicht.
Bei Jones & The Crew ist dann erst einmal Halbzeitpause und es geht in der oberen Etage des Restaurant Dock IV mit dem norddeutsches Blues-Rock-Projekt Black Mojo Crew weiter. Hier sorgte Front-Lady Anja Dammasch und ihre vier Jungs für richtig Alarm im Venue. Die Spielstätte ist proppenvoll und der kraftvolle und handgemachte Blues-Rock sorgt für ordentlich Stimmung im Lädchen. deren harter Blues’n’Roll bringt richtig Durchblutung in die Gesichter des Publikums. Das könnte aber auch an der Kopf-Dichte der Humanoiden mit reichlich Gerstensaftzufuhr gelegen haben. Leider müssen wir nach kurzer Zeit die ausgelassene Party verlassen und eilen weiter zum nächsten Spielplatz. Denn etwas zeitversetzt startete im Restaurant Takelage, ebenfalls im Oberstübchen, die Mannschaft von Lokalmatador Motor Planet ihr ebenso rock-lastiges Konzert. Die Band um Sängerin Nici Polixa hatte extra für das Winterblues Festival einige neue Blues-Nummern mit in ihr Programm aufgenommen und die mit einer kräftigen extra Portion Rock im eigenem Stil gewürzt. Den Besuchern ist es mehr als recht, denn man braucht sich nicht umgewöhnen und ausruhen kann man sich auch später wieder. Bei den Konzerten ist sehr auffällig, 1. Ausnahmslos gut agierende und sehr talentierte Blues-Ladies im Frontbereich, 2. Handwerklich sehr gute Musiker, 3. trotz Platzmangel und wenig Vorbereitungszeit, gut ausgesteuerter Ton und genügend Licht, 4. nur Akteure mit Leidenschaft, Spielfreude und frischer Energie im Einsatz. Wie schon letztes Jahr, spielten die Sängerinnen auch beim diesjährigen Winterblues wieder eine herausragende Rolle. Gut so !! Bildserie unten: Black Mojo Crew, Motor Planet
Die Stimmung im weitläufigen Feier-Areal steigt nun überall kontinuierlich und für uns geht es im Laufschritt wieder zurück zur zweiten Halbzeit des Festival-Höhepunkts von Txako und ihren vier Männern. Die Band spielt sich in einen wahren Rausch, die Interaktionen und das blinde Verständnis zwischen den fünf Künstlern auf der Bühne steigern die Atmosphäre immer weiter, uferlos wäre hier ein angemessenes Attribut. Jeder Musiker, Solo oder auch Team, bekommt seine Zeit für seine Küren. Txako hält es nicht mehr auf der Bühne, sie geht in direkten hautnahen Kontakt mit den feiernden Menschen, zieht als Voodoo Woman das Publikum in ihren Bann. All das wird vom Publikum in der erstklassigen und komplett ausverkauften Halle (keine Bändchen mehr, bemerkte Uwe mit berechtigten Stolz) im Fischereihafen immer wieder mit lautstarken Zwischen-Applaus belohnt. Zum Schluss ist die Stimmung am Siedepunkt und die Band ist nach der Zugabe komplett platt, aber super-glücklich !! Wer wieder einmal an diesen ersten Samstag im Februar seinen Allerwertesten nicht hochbekommen hat, Pech gehabt, wieder einmal Blues im Premium-Bereich verpasst. Aber die Planung für das 15er Jubiläum hat Käpt’n Uwe Radermacher schon im Blick. Und wir raten euch dringend, plant das Winter-Blues-Blues Festival 2027 Bremerhaven nächstes Jahr mit ein. Wenn ihr ein Training vorab braucht, wir empfehlen euch Trainingslager für 2026 (alle auch von uns betreut): Schöppingen, Petershagen, Binz, Göhren, Jeinsen, Blues-Kreuzfahrt (es gibt noch einige Kabinen), Bamberg, Live in Reitwein, Würzburg. Wir sehen uns !!
Es ist noch eine halbe Stunde Zeit bis im Theater im Fischereihafen (TiF) ab 21:30 Uhr dann Harpface & The Heat ihren Auftritt hatten. Es geht wieder im Laufschritt Richtung Dock IV und Takelage. Hier haben die Front-Frauen Anja Dammasch mit Black Mojo Crew und Nici Polixa mit Motor Planet ihre Besucher auch schon weichgeklopft. Stimmung ist noch gestiegen und überall lächeln uns die zu Blues-Tieren mutierten Menschen entgegen. Aber wir fragen uns heute zum x-mal, wo sind die Haare in der Suppe !! Wir hören schon von weitem beim Zulaufen zurück Richtung Halle, Harpface & The Heat haben schon ihre Start-Raketen gezündet. Nach einer längeren Pause ist diese regional noch gut bekannte Formation wieder zurück im Geschäft. Sie verbindet Blues kraftvoll mit Rock, Funk, Country und Punk. Ihr unverwechselbarer Sound, vielfach gefeiert als moderner Blues-Rock mit ureigenem Stil, ist stark geprägt durch den Harmonika-Virtuosen Rainer Süchting. Der verwendet sein Instrument völlig anders als gewohnt und setzt es wie eine zusätzliche Gesangsstimme und/oder ein Solo-Instrument ein. Ein elektrisierendes Musikerlebnis zwischen Tradition und Innovation ist das Resultat. Ein sehr interessanter rockiger Ansatz mit frischer Energie und neuen Ideen, der uns echt überrascht und den wir erfreulicherweise so zum ersten Mal erleben. Sie spielen fast ausschließlich eigene Kompositionen von ihrem selbstbetitelten Debüt (1996) und Here And Now (1998), aber auch neues bisher unveröffentlichtes Material. Pause im TiF und im Dauerlauf zu den nächsten Schauplätzen. Bildserie unten: Harpface & The Heat
Wir sind pünktlich im Oberstübchen vom Restaurant B-Haven. Das Quartett High Octane um Gitarrist Michael Glienapp hatte dort in einer Bierdeckelgroßen Ecke aufgebaut und steht nach ihren Vorbereitungen in den Startlöchern um ihren Raketen-Treibstoff zu verbrennen. Michael hat noch zu viel Platz, weil die Besucher im Schaufenster-Areal noch nicht mitbekommen haben, was hier gleich abgeht. Er animiert die Zuschauer näher zu kommen, und als die nicht folgen, sprintet er kurzerhand Gitarre spielend durch den Laden. Zweite Gitarre und Bass sind da etwas zurückhaltender, aber der Schlagzeuger drischt auf seine Trommeln ein, als wolle er sie zu Altmetall verarbeiten. „Die haben halt High Octane im Blut“ raunt ein schmunzelnder Blueser hinter uns. Kraftvoller Gesang, energiereiche Gitarren-Arbeit, satter Bass und Trommel-Gewitter verschmelzen zu einem elektrisierenden Live-Erlebnis. Das es auch ruhiger geht, beweisen Sängerin Sammy und Keyboarder Jürgen M. Georges von Must B Blues im Krohn's Eck als Duo Ivory & Gold. Leider war Nina Morgenroth, die hatte letztes Jahr zusammen mit Must B Blues zwei Stunden im Restaurant Takelage gerockt, krankheitsbedingt ausgefallen. Dafür sprang dann kurzerhand Sammy ein. Das Duo bot einen eher ruhigeren Ausklang des Winter-Blues-Festival 2026. Später kamen auch noch, von der Musik angelockt, einige Musiker von Jones & The Crew und Harpface & The Heat dazu. Bis weit in die Nacht gab es noch Schmuse-Blues beziehungsweise rockige, mitreißende Party-Klänge an zwei Spielplätzen. High Octane spielten pausenlos und hochenergetisch bis der Tank leer war. Zum Glück hatte das Quartett vorher ordentlich vollgetankt und der Raketen-Sprit reichte bis weit nach Mitternacht. Bildserie unten: High Octane, Ivory & Gold
Es hatten sich auch diesmal wieder viele jüngere Musik-Liebhaber in das Schaufenster eingefunden, und warum: „Klasse Rockmusik am Samstag im Schaufenster Fischereihafen bis in die Morgenstunden am Sonntag, besser geht es nicht.“ Sechs Blues-Bands an fünf Spielstätten, alles zeitlich wunderbar verschachtelt, ein Nonstop-Programm über fast sieben Stunden und alles tatsächlich ohne ein einziges Haar in der Fisch-Suppe. Na also, läuft doch !! Auch 2027 wird es wieder stattfinden, denn die Planung für das 15er Jubiläum läuft und Käpt’n Uwe Radermacher hat schon den Termin im Blick und die ersten Ideen auf dem Zettel. Unten eine Bildserie von Christa – 24 Stunden Arbeit als Roadies !!
Am Sonntagmorgen nach unserem gemeinsamen opulenten Frühstück im „Blues-Hotel“ im Fischereihafen, starteten wir zusammen mit Stef Rosen in unserer Knutschkugel Richtung Edewechtdamm zum Konzert Alten Nähstübchen. Diese zweite gekoppelte Geschichte könnt ihr auch hier im MINT nachverfolgen, auch ein ebenso spannender, erfolgreicher und emotionaler Live-Bericht. Was habt ihr denn auch von Jones & The Crew anderes erwartet ?? Wir sehen uns 2027 !!
Jones & The Crew (SP_MOZ_DE)
Soulmates (03:50)
Jones & The Crew (SP_MOZ_DE)
Kommentar hinzufügen
Kommentare