Duell zwischen Mondän und Blues-Wurzeln – Das Blue Wave Festival ist scheinbar auch im Wandel, genau wie die Welt um uns herum. Neuer Bürgermeister, vielleicht eine neue Ausrichtung des Kurbetriebes. Mal sehen ob das zukünftig so gut geht, vor allem für die Blues-Fans die seit Jahrzehnten nach Binz pilgern.
Da waren einige Schlussendlich nicht so begeistert. Eröffnet wurde das diesjährige 28. Blue Wave Festival mit Kat Baloun & The Frostbites (US_SF_DE), wie immer etwas außerhalb im Klein-Bahnhof Binz, der Heimat der Nostalgie-Dampf-Lok Rasender Roland. Nicht im Traum wäre uns in den Sinn gekommen, als wir kurz nach der Wende einen unseren ersten Ostdeutschland-Urlaub im Schloss von Lühburg (südöstlich von Rostock) gemacht haben, dass einmal Rügen regelmäßig auf unserem Reiseplan stehen würde.
Kat Baloun & The Frostbites (US_SF_DE) – Katherine Elise „Kat“ Baloun hat mit Jan Hirte (Gitarren), Michael „Micha“ Maass (Trommeln) und den Finnen Jaska Prepula (Bass) Blues-Prominenz zur Eröffnungsparty am Donnerstag ab 20:00 Uhr mitgebracht. Das Quartett spielte wie nicht anders zu erwarten ein zweiteiliges furioses Konzert. Leider mussten diesmal etwa zwei Drittel der Blues-Fans wegen Auflagen der Feuerwehr draußen bleiben. Ebenso wurde wegen behördlicher Reglementierung diesmal noch einiges mehr anders, dazu später mehr. Der Auftritt von Kat und ihren Frostbeulen fand also vor nur circa 50 Menschen statt die sich ein offizielles Ticket gekauft hatten, die anderen Blues-Stammgäste konnten nicht mal zusehen, weil schwarze Vorhänge die Sicht verhinderten. Noch besser, man hätte auch nicht verstärkt sondern akustisch spielen sollen, dann hätten die „Schaulustigen“ zusätzlich weniger gehört.
So ein klein wenig erinnert uns das an die TV-Beiträge Der Reale Irrsinn von NDR Extra-Dry. So schafft man es sicher die echten Blues-Fans aus dem Ostseebad Binz zu vertreiben, vielleicht will man den nicht so mondänen „Oldschool Blueser“ hier nicht mehr. Es bleibt uns hoffentlich das Blues Camp Göhren erhalten, Micha Maass tut praktisch alles dafür. Egal, es gibt inzwischen auch in diesem Format andere sehr gute Veranstaltungen, beispielsweise von Nord nach Süd: Guitar Hero Festival Joldelund (Deutscher Blues-Preis 2025) Live In Reitwein, Winterblues Bremerhaven, Goin Up The Country Edewecht, Winterblues Erfurt, Blues in Petershagen, Jeinsen Blues Festival, Woodstock Forever Thüringen, All Is Blues Würzburg. Wir werden dazu weiter berichten. Seid weiter interessiert und sucht weiter mit der Lupe nach musikalischen Perlen.
Waking Blues Prophets (DE_NW) – Der erste Voll-Programm-Festival-Tag startete bei schönstem Sommerwetter wie gewohnt mit der traditionellen Straßen-Parade am Steg des Schmachter See mitten im weitläufigen Park der Sinne. Es ging von dort wie immer kerzengerade über die Schmachter-See-Straße und Hauptstraße bis zur Seebrücke Ostseebad Binz. Die Marching-Band Waking Blues Prophets war diesmal aus dem Münsterland gekommen um die Blues-Gemeinde mit dem 50 Meter langen tiefblauen Banner anzuführen. Am Brunnen vor der Seebrücke musizierte die 5-köpfige Kapelle umringt vom Publikum munter weiter. Dort wurden die Musik-Liebhaber so richtig eingestimmt auf 8 bis 10 Stunden mit Blues – Blues – Blues !!
Tomi Leino Trio (SF) – Nach kurzer Verschnauf-Pause geht es wie geplant auf der Bühne vor der Konzert-Muschel auf dem Kurplatz weiter im heutigen pressengen Programm. Hier haben schon die drei Finnen, die sind mit einem Segelboot von Helsinki über die Ostsee gekommen, ihr Equipment aufgebaut. Die skandinavische Blues-Szene ist leider überschaubar, aber jedoch sehr variantenreich und durchschlagskräftig. Wir lieben die Wikinger-Combos aus dem Norden Europas und berichten auch häufig von den Bands wie The Jelly Roll Men (NO), The Scandinavian Blue Flames (SW), Virginia & Skybenders (SW), Thorbjørn Risager & The Black Tornado (DK) und eben das Tomi Leino Trio (SF). Seit ihrer Gründung 2011 spielen Tomi Leino (Gesang, Harmonika, Gitarre), Jaska Prepula (Bass, Gitarre, Gesang), Mikko Peltola (Schlagzeug) regelmäßig auf Festivals und Clubs in ganz Europa. Jaska war ja schon am Vortag mit den Frostbeulen im Binzer Bahnhof aufgetreten und begleitete uns bis zu unserer Abreise aus dem Blues Camp Göhren. Die drei erfahrenen Kumpane kennen sich eine Ewigkeit und sind deshalb bekannt für ihr hypnotisches Zusammenspiel. Das zeigt das finnische Trio auch sofort von den ersten Takten an. Erstaunlich wie variantenreich vier Instrumente und zwei Singstimmen sein können. Die Zeit vergeht im Nu, dann stehen die Drei vorne und genießen den verdienten Applaus vom Publikum im gut besuchten Areal vor der Bühne.
Roger C. Wade & The Houserockers (UK_DE) – Und gleich mit der nächsten Formation wird wieder vom Tafelsilber der renommierten Rügener Blues-Veranstaltungen in Binz und Göhren präsentiert. Marion und Roger C. Wade sind mal wieder mit ihren The Houserockers zu Gast beim Blue Wave. Und wer sind diesmal die Hausgäste: Schlagzeuger Micha Maass, Kontra-Basser Stephan „Roffi“ Roffmann und Gitarren-Turner Tilmann Michalke. Der britische Blues-Entertainer Roger, bewaffnet mit Mundharmonika und knallgelber Sonnenbrille, zeigt gleich mal wohin die Reise geht: Boogie-, Chicago- und Jump-Blues. Roger weiß genau welche Tasten (Marion), Trommeln (Micha) und Saiten (Roffi & Tilmann) seine Begleiter benutzen müssen um den Express unter Dampf zu halten. Beim Energiebündel Tilmann Michalke weiß man nie wann er mit seiner im spitzen Winkel zum Himmel gespielten Gitarre nicht abhebt in die Wolken. Roffi stichelt ohne eine Miene zu verziehen dazu ständig von hinten. Micha wirkt wie immer gewohnt entspannt und Marion im Pink-Piano-Kostüm und Blumen im Haar bringt nicht nur das treibende Tastenspiel, sondern auch noch die kräftigen Farben in das Ensemble. Das Quintett ist ja auch ein Teil der Boogie-Circus-Revue die wir in der Feldsteinkirche Dolgelin auch schon erleben durften. Fantastische Veranstaltung die auch zum Jahreswechsel hier in Binz mehrmals aufgeführt wird, wer in der Zeit mal in Binz ist, unbedingt hingehen !! Bilder_Texte: Christa & Roland Koch
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