Bruder, Oma, Sohn und Mudda; alle Saufen auf’m Kudda – Frei nach Rollo dem Wikinger von den verrückten Torfrockern. Ein vermeintlich sehr anstrengendes, verlängertes Wochenende stand uns bevor. Freitag ging es in den hohen Norden Richtung Blues-Metropole Bremerhaven an der Geeste- und Weser-Mündung.
Hier zu einem besonderen, atmosphärischen Club-Konzert auf die MS Geestemünde. Samstag und Sonntag reisten wir wieder zurück nach Südosten zum 14. Artrock Festival 2026 nach Reichenbach im sächsischen Vogtland an der tschechisch-deutschen Grenze. Dort spielten an den beiden letzten Haupt-Tagen (Donnerstag: Eröffnung im Bergkeller mit der Plauner Art-Rock-Band Polis, Freitag: vier Formationen im Neuberinhaus) zehn internationale Formationen (Frankreich, Germanien, Italien, Litauen, Polen, Schweden, Schweiz, UK, US), unter anderem auch Blues-Boy Krissy Matthews mit eigener Band.
Mit der Blues-Big-Band Must B Blues erlebten wir dort am ersten dieser drei Tage, schon zu Beginn, unseren emotionalen und musikalischen Höhepunkt im mondänen Übersee-Hafen. Erst einmal checkten wir bei schönsten Frühlingswetter in unser kleines aber feines Familien-Hotel An der Karlstadt ein. Wir marschierten sodann vorbei an Kunst-Museum, Stadt-Theater, Bürgermeister-Schmidt-Denkmal, zur imposanten Hafen-Promenade mit Deutschem Schifffahrt-Museum (inklusive: U-2540, Feuerschiff Elbe 3, Walfangdampfer, Tragflügelboot, Hafenschlepper, weiteren historischen Schiffen), Klimahaus, Atlantic Hotel Sail City und zielstrebig weiter Richtung Übersee-Hafen zum „Kudda“ MS Geestemünde. Alle sprechen von der Elb-Philharmonie und der Speicherstadt in der Hansestadt Hamburg, leider kaum einer von dieser Ballung von gleichwertigen imposanten Sehenswürdigkeiten hier im Übersee-Hafen der Hansestadt Bremen, einmalig an der Nordsee-Küste und in Germanien, einzigartig europaweit. Wer, wie wir, das erste Mal in Bremerhaven zu Besuch ist, dem wird der Hering (sprich Zunge) aus dem Mund hängen.
Wir wurden schon von weitem vom Veranstalter und Harmonika-Spieler Käpt’n Uwe Rademacher sowie Gitarrist und 1. Offizier Helmut Stehr „an Land“ freudig begrüßt. Rauf auf das Schiff und rein in den Bauch des „Kudda“ zur Band Must B Blues. Nina, Charly, Christian, Gavin, Helmut, Jürgen, Jürgen Mattias, Manfred, Uwe hatten schon schwer geschuftet, alles aufgebaut: eine riesige Trommelburg, Keyboard-Festung, haufenweise Verstärker, Mikrofone und Zubehör. Davor die Armada an Instrumenten und eine kleine Tanzfläche für die Bewegungssüchtigen. Wir lernten die internationale Crew kennen, alles norddeutsche Menschen mit dem Herz an der richtigen Stelle. Die Fisch-Köppe nahmen die westfälischen Mett-Würstchen sofort in ihre Reihen auf. Danke an dieser Stelle noch einmal an ALLE, die diesen schönen Abend auch mit Speisen & Getränken gestaltet und möglich gemacht haben.
Zu diesem schwimmenden Blues-Gipfel waren viele illustre Gäste geladen, unter anderem kam auch eine gemischte Kopfstarke Delegation vom Eigentümer des „Kudda“, der Reederei Weserfähre Bremerhaven. Die generalüberholte MS Geestemünde, geboren 1975 in Husum, füllte sich langsam, die Stimmung wurde ausgelassener und die Musiker:innen konnten sich dann auch nicht mehr zurückhalten. Es war für die 2017 gegründete Big-Band Must B Blues ein besonderes Konzert, denn zum einen wurde damit offiziell der Wechsel von Charly Blendermann zu Gavin Hayes auf dem Trommelsitz vollzogen und zum anderen das ausstehende Album-Debüt der Band angekündigt. Dafür war dieser Abend genau der richtige Ort und Zeitpunkt. Keine Sorge, Charly wird natürlich immer mal wieder hinter dem Schlagzeug sitzen, wie diesmal als sich beide Musiker kollegial abwechselten. Auch in den Dialogen der Musiker untereinander konnte herausgehört werden, welchen Stellenwert der „Charly“ im Bandgefüge genießt. Nina: „Den Titel möchte ich aber mit meinem Charly spielen.“ Mit den beiden Küken Nina und Gavin vollzieht sich nun langsam der Generationswechsel. Bei den zunehmend individualistischen Zeiten ist das kollektive Denken und Handeln als Gruppe sehr wichtig und wird von Must B Blues menschlich vorgelebt. Chapeau und so weitermachen !!
Um es gleich vorweg zu nehmen, es war ein magischer Blues-Gipfel. Nicht nur, das neun Musiker alles aus sich herausholten, diese Harmonie von Band, Besucher, Crew, zeigt was der Blues auch heutzutage noch für Kräfte entfesseln kann. Wir unterhielten uns auf der Rückreise nach dem Festival im Vogtland lange über diese wunderbaren Stunden in Bremerhaven. Für uns war es der Höhepunkt eines arbeitsintensiven Wochenendes und jeder der dabei war, hat dazu beigetragen, dass es ein FEST wurde. Ein kollektives menschliches Erlebnis.
Und Musik wurde auch gespielt. Und zwar Live und in Farbe. Eine neunköpfige Band von erfahrenen Musikern lieferten einen Hit-Potpourri aus über 70 Jahre Blues. Und das alles im individuellen Gewand einer Blues-Band, die praktisch jeden Klassiker interpretieren kann. Allen voran Nina Morgenroth mit einer umwerfenden Röhre. Wir haben gerade in Paderborn Inga Rumpf in Bestform erlebt, Nina kann da locker mithalten. Zusammen mit der ebenso fantastischen männlichen Stimme von Jürgen Hartung dirigierten die beiden Vokallisten ihre Musiker durch das breite über 3-stündige Programm. Sie konnten aus ihrem unerschöpflichen Repertoire, selbst auf Zuruf, den Blues-Geist, wie Aladdin aus der Wunder-Lampe, herauslocken und damit den „Kudda“, im wahrsten Sinne des Wortes, in Brand setzen. Feuer ist auf einem Schiff immer sehr gefährlich, deshalb war die Crew IMMER mit einer Hand an den unzähligen Feuerlöschern.
ALLE wollten nicht, dass dieser schöne Abend zu Ende geht, das haben wir bei den vielen herzlichen Verabschiedungen gespürt. Für Käpt’n Uwe Rademacher wird es noch unvergesslicher bleiben, seinen 70er mit all seinen Blues-Brüdern und Schwester Nina, versammelt auf seinem „Kudda“. Käpt’n Uwe, alles richtig gemacht !! Was uns alle; Band, Besucher und Crew; nun verbindet ist dieses schöne Zusammentreffen der Superlative. Und diese emotionale Tiefe erlebt man als alternde Biomasse sicher NICHT bei Adele oder Taylor Swift, sondern auf circa 150 Quadratmeter Planken bei Ebbe & Flut auf dem Wasser der Weser.
Und nach dem Fest, ist vor den FESTEN; Blue Wave Binz & Blues Camp Göhren (Organisator, Kurator und Kommandant Micha Maass), Vorglühen mit Henry Heggen und Blues Rudy in Kiel (organisiert von Käpt’n Rademacher), 4-Länder-Blues-Kreuzfahrt (Kiel nach Cuxhaven: DE, DK, SW, NO, DE), Großer Blues im kleinen Jeinsen (Kathrin & Andreas Bock). Wir sind überall dabei, das ist eine echte Drohung und gleichzeitig Einladung von uns an alle Feierbiester. Lasst uns treffen und zusammen den wahren Geist des Blues ERLEBEN !! Rock’n’Roll !! Bilder_Texte: Christa & Roland Koch
Die MS Geestemünde wurde als Adler III für die Adler Reederei als Fahrgastschiff für den Nord- und Ostseeraum 1975 bei der Husumer Schiffswerft in Husum gebaut. 1990 ist das Schiff verlängert worden. Im Jahr 2010 erwarb die Weserfähre GmbH Bremerhaven die Adler III und unterzog sie einer Generalüberholung. Nun, als MS Geestemünde, erstrahlt dieses solide Schiff wieder in einem neuen Glanz. Neben einer gründlichen technischen Überholung wurde besonderer Wert auf die Gestaltung des Panorama-Salons mit seinen 70 Sitzplätzen gelegt. Der moderne Gastronomie- und Partybereich ermöglicht eine auf die Wünsche der Gäste abgestimmte Bewirtung. Technische Daten: Länge: 30,50 Meter, Breite: 6,20 Meter, Tiefgang: 1,60 Meter, Geschwindigkeit: 9,5 Knoten, Maschine: 294 kW (Deutz KHD), Passagiere: Maximal 150 Personen.
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