Genre: Instrumental Musik – New Age, Chill-Out (XX)

Veröffentlicht am 3. September 2026 um 12:51

Ambient & Berliner Schule bis Minimal & FuMu 1 – Auch hier geht die Bandbreite der Instrumental-Musik durch fast alle Genres, beispielsweise von klassischer elektronischer Musik im Stil der (West-) Berliner Schule (Robert Schroeder, Stephan Kaske, Michael Hoenig, Agitation Free, etc.),

über Minimal (Steve Reich, La Monte Young, Terry Jennings, Terry Riley, Jorge Reyes, etc.) oder Ambient geprägte Werke (Kitarō, Steve Roach, Brian Eno, Robert Rich, etc.), zu meditativen Klang-Landschaften (Deuter, Gandalf, Peter Michael Hamel, etc.), weiter mit symphonischen New-Age (Anugama, Kamal, Karunesh, etc.), zu funktioneller Musik (Hans Peter Neuber, Arnd Stein, Klaus Wiese, etc.). Fast alle hier beschriebenen Künstler haben mehr (Eberhard Schoener, Vangelis) oder weniger auch Musik für Aufführungen, Projekte, Programme, Filme, Videos komponiert, produziert und/oder erstellt.

In einigen weiteren zukünftigen Beiträgen der Instrumental-Musik gehen wir immer wieder auch auf dieses Kapitel ein. Die Auswahl der Künstler soll nur ein wertfreier Querschnitt sein. Lasst euch inspirieren und geht selbst auf Entdeckungsreise. Es besteht nicht der Anspruch der Vollständigkeit, sondern spiegelt die Breite und Tiefe dieses Teils der Instrumental-Musik wieder. Von allen portraitierten Künstlern haben wir Ton- und Bildträger in verschiedener Form. Besonders die Musik von Deuter begleitet uns seit 45 Jahren und ist ein stetiger Bestandteil in unseren Tagesabläufen. Zu diesem Künstler ist eine Werkschau in Arbeit.

Werner Hagen (1952, Köln am Rhein) alias Anugama (Osho School Of Music And Celebration) ist wie Bruno Reuter (1956, Köln) alias Karunesh auch ein Kölner Instrumental-Gewächs und beide Multi-Instrumentalisten sind fast gleichalterig sowie New-Age- und Ambient-Musiker. Er produziert und veröffentlicht seit den frühen 80ern seine eigene Musik und benutzt dabei neben den klassischen Synthesizern & Keyboards auch viele asiatische und indische Klänge sowie exotische Instrumente wie beispielsweise indische Sitar, Kora, akustische Gitarren, verschiedene Flöten und Trommeln, aber auch begleitenden Gesang. So viel zu den vielen Gemeinsamkeiten der beiden „Ambient-Höhners“.

Seine Kompositionen und ätherische Musik voller Weite aber auch Stille decken ein breites Ausdrucksspektrum ab, mitreißende rhythmische Tribal-Tanz-Musik, schamanische und spirituelle Klänge voller Kraft und Frieden, erhebende, lyrische Melodien sowie Flöten-Musik, die verschiedene Kulturen aus aller Welt widerspiegeln. Anugamas Musik versucht in sehr langen Klang-Reisen (oft über 20 bis 30 Minuten) den inneren humanen Raum auszudehnen, dadurch mehr Platz für Ruhe, Frieden, Gelassenheit zu schaffen. Diesen Ansatz versuchen viele Künstler in diesem Bereich, der Rheinländer schafft es reproduzierbar und meisterlich.

Sein Debüt mit Cherubin – Floating Gently (1984) und seine weiteren nachfolgenden 14 Alben veröffentlichte Anugama bis 1999 beim bekannten deutschen New-Age-Label Nightingale Records (Meistersinger Musik), wo auch die ersten Aufnahmen von Karunesh, Kamal und vielen anderen Klang-Magier erschienen sind. Werner Hagen lebt inzwischen in Nordamerika und ab den 2000er veröffentlichte er beginnend mit der Wiederveröffentlichung von Shamanic Dream (2000) seine Werke unter seinem eigenen Label Open Sky Music USA, in dem zum Beispiel auch Alben von Peter Makena und anderen erschienen sind.

Chaitanya Georg Deuter (01-02-1945, Falkenhagen, Kreis Lippe, NRW), Künstlername einfach nur Deuter (Osho School Of Music And Celebration), ist einer der bekanntesten deutschen New-Age-Musiker und Pionier dieser Musikrichtung. Er lernte als Jugendlicher autodidaktisch Flöte und Gitarre, arbeitete zunächst als Grafik-Designer und Journalist in München. Ein fast tödlicher Autounfall 1970, prägend wie der Motorrad-Unfall von Karunesh, sowie Einflüsse aus dem Sufismus brachten ihn zu einem neuen, tieferen Musik-Verständnis. Bei seinem ersten Album D (1971) war zwar sein späterer Stil schon gut erkennbar, aber der war hier noch stark überdeckt von der vermutlichen zu starken Einflussnahme seines Labels Kuckuck. Schon ein Jahr später beim nächsten Werk Aum (1972) wurde die Richtung korrigiert und hier tritt schon sein für die damalige Zeit außergewöhnliche Spielart deutlicher heraus. Bei Kuckuck veröffentlichte er regelmäßig mit einem großen Spektrum an Instrumenten viele Alben bis Henon Mitte der 90er.

Kuckuck wurde am 01. April 1968 für deutsche Rock-Musik von Eckart Rahn als erstes Label seines E.R.P. Musikverlag gegründet. Der musikalische Schwerpunkt verlagerte sich im Laufe der Jahre etwas, wurde ausgerichteter. Eckart Rahn übernahm dann das US-Label Celestial Harmonies und Kuckuck wandelte sich dadurch zu einem der weltweit führenden Labels für New Age, Meditations- und Welt-Musik mit zahlreichen erfolgreichen internationalen Künstlern. Deuter wechselte dann zum Münchener Label New Earth Records (Silenzio), brachte auch dort unzählige weitere Meisterwerke, größtenteils vokalfreie musikalische Perlen, heraus. Auch bei anderen Labels veröffentlichte er gelegentlich, beispielsweise zusammen mit Dr. Günter Bayer die therapeutische Box Fantasie-Reisen Teil I beim Dehypno Verlag München mit 14 langen 45-minütigen Titeln. Die Teile 1 bis 7 sind auch einzeln veröffentlicht worden.

Deuters musikalische Landschaften verbinden auf magische Weise Natur (teils eigene Naturaufnahmen), Herz (berührende Melodien, Cello, Flöten, Gitarren, Piano, Schlaginstrumente) und Stille (Synthesizer-Space, gleitende Form und Atmosphäre der Stücke). Seine Musik verbindet Musik-Instrumente westlicher und östlicher Kulturen. Die vokalen Beiträge in seinen Titeln sind selten, meist wird die Stimme dort aber unterstützend wie ein Musik-Instrument eingesetzt. Einige Ausnahmen wie auch bei der Zusammenarbeit mit Annette Cantor-Groenfeldt auf Garden Of The Gods (1999) sind und bleiben selten. Im Ashram (Einsiedelei eines indischen Asketen) von Bhagwan Shree Rajneesh Osho komponierte Deuter zwischen 1974 und 1980 die Musik zu verschiedenen von Osho entwickelten Meditationstechniken, die seitdem weltweit erfolgreich im therapeutisch-medizinischen Bereich eingesetzt werden. Deuter lebte auch eine lange Zeit in der Nähe vom US-amerikanischen Santa Fe, New Mexiko.

Der in England als Brian Peter George St. John Le Baptiste De La Salle Eno (15-05-1948, Woodbridge, Suffolk) geborene, lebende und bis heute wirkende Mega-Künstler, Musiker, Produzent und Ideologe/Philosoph (Gründer Long Now Foundation) braucht niemanden gar nichts mehr beweisen. Er besuchte Kunsthochschulen in Ipswich und Winchester, begann seine musikalische Laufbahn früh, produzierte Eno viele Alben für sich und andere und das mit äußerst breiter Ausrichtung. Brian Eno hat seit Anfang der 70er ein einzigartiges Werk geschaffen, hat in dieser Zeit zeitgenössische Musik und Kunst oft entscheidend mitgeprägt und deswegen kann und wird er frei von kommerziellem Druck immer wieder außergewöhnliche Werke veröffentlichen. Die schier unglaubliche Liste an Eigenwerken, Produktionen, Mixen oder Mitarbeit als Musiker reicht von Hits bis zu krudem Underground, von Jazz, Weltmusik, Rock, Glam bis zu seiner Genre-Begriff-Findung Ambient.

Einer der außergewöhnlichsten Künstler auf dem Planeten Erde kennt sie alle: Roxy Music, U2, Talking Heads, Robert Fripp, Ramones, Devo, David Bowie (1977/78/79: Berlin-Trilogie), Bono, David Byrne (1981: My Life In The Bush Of Ghosts), Robert Wyatt (1997: Shleep), Jon Hassell, Peter Gabriel, Laurie Anderson, Baaba Maal, Coldplay, 808 State, Harmonia, Cluster, John Cale, James und mehrere Dutzende mehr. Sie alle schätzten seine Weltoffenheit, Visionen und besondere Art, seine Fähigkeit sich auf die unterschiedlichsten Projekte einzulassen, in Klänge einzutauchen, sie so zusammen zu bauen, dass etwas Ungewöhnliches entstand. Manchmal bewegte er sich nicht an den äußeren Rädern des Eno-Klang-Kosmos, orientiert sich auch in der Mitte, irgendwo zwischen Jazz, Pop, Rock und Klassik. Fans des Briten treffen immer wieder auf vertraute, warme Töne und Klang-Landschaften, die eine Brücke von Karriere-Höhepunkten wie Taking Tiger Mountain, Another Green World, oder Before And After Science, zu seiner 4-teiligen Ambient-Reihe Music For... und 3-mal Music For Films schlägt.

Mal sind es schöne kleine polierte Pop-Perlen, dann wieder rhythmische teils progressive Rocker und das nächste Mal endlos anmutende hypnotische instrumentale Klang-Reisen, die beeinflussen und stimulieren. Tausendsassa Brian Eno bekam 1994 und 1996 den BRIT Award als bester Produzent, wurde 2019 als Mitglied von Roxy Music in die Rock & Roll Hall Of Fame aufgenommen, ist auch im Bereich der bildenden Kunst tätig und zudem Kolumnist der britischen Zeitung The Observer. Er war Innovator in verschiedenen musikalischen Bereichen, bei vielen Firmen an Klang-Projekten beteiligt, auch an der Entwicklung des algorithmischen Musikgenerators Koan. Er nutzte wie kein anderer schon früh die sich entwickelnden technischen Möglichkeiten, quasi wie ein zusätzliches Instrument, war offen für: „Die Welt ist Klang.“

Musik-Geschichten-Erzähler Gandalf ist Musiker, Komponist und Produzent. Geboren als Heinz Strobl (04-12-1952, Pressbaum) und wohnhaft in Niederösterreich, unweit der Musikstadt Wien, bezeichnet er sich selbst als musikalischen Poeten. Seit Beginn seiner Karriere in den frühen 1980er verfolgt der Künstler konsequent seine Vision einer globalen Musik jenseits musikalischer Kategorien und Klischees, anfangs zunächst als typischer Vertreter der in den 80ern angesagten elektronischen New-Age-Musik. Sein Musikstil, der unter anderem auch Elemente der Weltmusik beinhaltet, wurde oft mit dem von Kitarō oder dem Frühwerk von Mike Oldfield verglichen. Jedoch veränderte sich die Ausrichtung immer mehr zu vornehmlich akustischen Instrumenten. In seinen fein strukturierten, meist wortlosen Kompositionen erzählt er Geschichten voller Magie und Faszination, von Freude und Trauer, Liebe und universeller Harmonie. Die Sprache seiner Musik ist international und hat ihm weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus Anerkennung eingebracht. Gandalfs Werk ist von klassischer Musik sowie von ethnischer Musik verschiedener Kulturen inspiriert. Er verbindet eine Vielzahl von selbst gespielten Instrumenten wie Klavier, akustische und elektrische Gitarren, Mandola, Sitar, Saz, Charango, Bouzouki, Balaphon (afrikanisches Xylophon), Cello, Flöten, Oboe, diverse Perkussion-Instrumente mit sphärischen Synthesizer- und Keyboard-Klängen.

In seiner unverwechselbaren Handschrift verwebt er folkloristische Melodien mit großen symphonischen Arrangements zu gefühlvollen, melodischen Klang-Landschaften. Neben zahlreichen Album-Veröffentlichungen hat Gandalf Musik für Sinfonie-Orchester (Symphonic Landscapes, Earthsong & Stardance) sowie Themen-Musik für Theater, Video, Film und Fernsehen komponiert und arrangiert. Seit 2003 erscheinen viele seiner Alben auf dem kalifornischen Label Real Music. Weitere Musiker, die an seinen Alben oder bei Live-Auftritten mitwirkten oder mitwirken: Peter Aschenbrenner (Flöte), Emily Burridge (Cello), Merike Hilmar (Cello), Bruder Christian Strobl (Perkussion). Gandalf arbeitete auch mit Steve Hackett, Richard Schönherz, Thomas Klock und vielen anderen zusammen. Gandalf, der 2011 das Buch Erdenklang und Sternentanz: Aus der Partitur meiner Lebenssinfonie veröffentlichte, ist heute einer der international erfolgreichsten zeitgenössischen Musiker Österreichs. „Musik ist eines der wichtigsten Dinge in meinem Leben. Seit meiner frühen Kindheit beflügelt sie meine Fantasie und entführt mich auf abenteuerliche Reisen in unbekannte Gefilde meiner Gedanken. Musik ist wie nichts anderes ein Weg, meine intimsten Gefühle und Visionen mit anderen zu teilen, ein Weg, direkt von Herz zu Herz zu kommunizieren. Mein Leben lang war Musik für mich eine Art Zufluchtsort, ein geschützter Raum, in den ich mich zurückziehen konnte, um dem Lärm und dem Wahnsinn dieser Welt zu entfliehen und Trost und Frieden zu finden.“

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