Genre: Canterbury Sound 2 (UK)

Veröffentlicht am 19. Oktober 2026 um 21:28

Startrampe für komplexe Rock-Musik – Das Thema Canterbury-Sounds ist komplex und umfangreich, deshalb zwei Teile. Wir beginnen im zweiten Teil mit der Prog-Rock-Big-Band Tausendfüßler. Hier findet man bereits Protagonisten die später große Stars wurden,

Ian Carr (Nucleus), Elton Dean, John Marshall, Robert Wyatt, Roy Babbington (Soft Machine), Alan Skidmore (John Mayall), Karl Jenkins (Adiemus), Julie Driscoll (The Steampacket, The Trinity), Boz Burrell (Bad Company, King Crimson), Robert Fripp (King Crimson), Mike Oldfield.

Centipede (UK, 1970-1972) war eine Progressive-Rock-Big-Band mit teilweise mehr als 50 Mitgliedern, die vom englischen Free-Jazz Pianisten Keith Graham Tippetts organisiert und geleitet wurde. Das im November 1970 gegründete Ensemble vereinte viele junge britische Musiker aus den Bereichen Jazz-Rock, Progressive-Rock und Avantgarde, unter anderem von Soft Machine, King Crimson, Nucleus, Blossom Toes und anderen sowie Mitglieder der klassischen London School Of Music. Die Band führte im November 1970 in einigen Konzerten in Großbritannien (Live-Debüt Lyceum, London, 15-11-1970, einschließlich Mike Oldfield, der als Ergebnis der Teilnahme am Konzert inspiriert wurde, Tubular Bells zu komponieren), Frankreich (zwei unvergessliche Konzerte in der Alhambra Theatre Bordeaux) und den Niederlanden Tippetts üppiges, großformatiges, teils improvisiertes und genre-übergreifendes Werk Septober Energy auf, das auch als Studio-Werk auf dem wegweisenden Doppel-Album Septober Energy (Aufnahme: Juni 1971, Produktion: Robert Fripp) Ende September 1971 bei RCA Victor veröffentlicht wurde. Bereits im Gruppen-Sound unterscheidet sich die Band deutlich von allem anderen, das im damaligen Progressive-Rock-Trend produziert und veröffentlicht wurde.

Nach Ansicht von Tippett handelte es sich um eine Band, die man Live sehen musste, was in der Royal Albert Hall (Oktober 1971) mit reduzierter Kopfzahl und letztmalig vor der Reunion 1975 im Rainbow Theatre (Dezember 1971). Aus ökonomischen Gründen musste er die Formation Ende 1971 auflösen. Keith belebte dann aber im Herbst 1975 (auch mit David Cross) die Truppe noch einmal für eine kurze Tournee zu mehreren Jazz-Festivals in Frankreich. Mitglieder Centipede (Tausendfüßler) – Violine: Wendy Treacher, John Trussler, Roddy Skeping, Wilf Gibson (Konzert-Meister), Carol Slater, Louise Jopling, Garth Morton, Channa Salononson, Steve Rowlandson, Mica Gomberti, Colin Kitching, Philip Saudek, Esther Burgi, Cello: Michael Hurwitz, Timothy Kramer, Suki Towb, John Rees-Jones, Katherine Thulborn, Catherine Finnis, Trompete: Peter Parkes, Mick Collins, Ian Carr (auch: Flügelhorn), Mongezi Feza (Kornett), Mark Charig (Kornett), Alt-Saxophon: Elton Dean, Ian Steel, Ian McDonald, Dudu Pukwana, Tenor-Saxophon: Larry Stabbins, Gary Windo, Brian Smith, Alan Skidmore, Bariton-Saxophon: Dave White, Karl Jenkins, John Williams, Posaune: Nick Evans, Dave Amis, Dave Perrottet, Paul Rutherford, Paul Nieman, Schlagzeug: John Marshall, Tony Fennell, Robert Wyatt, Frank Perry, Gesang: Maggie Nicols, Julie Tippetts (geborene Driscoll, Ehefrau von Keith Tippett), Mike Patto, Zoot Money, Boz Burrell, Kontra-Bass: Roy Babbington (und E-Bass), Jill Lyons, Harry Miller, Jeff Clyne, Dave Markee, Brian Belshaw, Gitarre: Brian Godding, Robert Fripp, Piano: Keith Tippett (musikalischer Leiter) sowie Bryan Spring, Peter Sinfield. In dieser Aufstellung befinden sich heutige Musik-Legenden !!

Gong (UK/FR, 1971-2015) ist ein 1967 gegründetes Band-Projekt, das zum zentralen Kern der Canterbury-Szene gerechnet wird. Die Formation bot in ihrer langen und wechselhaften Geschichte verschiedene musikalische Stile wie Progressive-Rock, Fusion, Space-Rock, Jazz-Rock sowie World-Music dar. Zu den bekanntesten der zahlreichen, wechselnden Musikern des Band-Projekts zählen der australische Gründer Daevid Allen, der Perkussionist, Schlagzeuger und spätere musikalische Leiter Pierre Moerlen sowie die Gitarristen Allan Holdsworth und Steve Hillage. Zu dieser Band ist eine 3-teilige Werkschau in Arbeit !!

Khan (UK, 1971-1972) war eine britische Progressive-Rock-Band aus der Canterbury-Szene. Gegründet wurde sie von Steve Hillage (Gitarren), Nicholas Greenwood (Bass), Dick Henningham (Keyboards) und Pip Pyle (Schlagzeug). Die Band entschied sich für Terry King als Manager, der damals auch Caravan managte. Die sich nun anschließenden Konzerte unter anderem mit Caravan, Steamhammer und Gnidrolog führten zu einem Vertrag mit Decca/Deram Records. Das einzige Album Space Shanty, heute ein Klassiker des progressiven Canterbury-Sound, wurde in der letzten Besetzung Steve Hillage (Gitarren, Arzachel), Nicholas Greenwood (Bass, The Crazy World of Arthur Brown), David L. Stewart (Keyboards) und Eric Peachey (Schlagzeug) 1971/72 aufgenommen und dann 1972 veröffentlicht. Die Besetzung wechselte ständig und das Label Decca weigerte sich ein zweites Album zu veröffentlichen. Hillage löste die Band auf, schloss sich zunächst der Gruppe um Kevin Ayers und anschließend der Band Gong an. Ein Teil des Materials für Steve Hillages erstes Soloalbum Fish Rising, war ursprünglich für das nie realisierte zweite Album von Khan vorgesehen.

Die englische Rock-Band Matching Mole (UK, 1971-1972) wurde im Oktober 1971 von dem Schlagzeuger und Sänger Robert Wyatt (ehemals Soft Machine) gegründet und wird der Canterbury-Szene zugeordnet. Weitere Gründungs-Mitglieder waren Gitarrist Phil Miller von (Delivery), Keyboarder Dave Sinclair von (Caravan) und Bassist Bill MacCormick (Quiet Sun). Der Name Matching Mole ist eine Anspielung auf Wyatts vorherige Band, Soft Machine heißt ins Französische übersetzt Machine Molle. Die Band bewegte sich musikalisch zwischen Rock und Jazz. Das erste Album Matching Mole (1972) variierte zwischen gesungenen, zumeist balladenhaften Pop-Titeln wie O Caroline und weiträumig angelegten Instrumental-Stücken, die viel Raum für Improvisation und instrumentale Interaktion ließen. Charakteristisch sind bei dieser Musik einleitende Keyboard-Arrangements von ausgeprägt melancholischer Grundstimmung, die sich dann zu Improvisationen auf Rock-Basis entwickeln wie etwa in den Stücken Instant Kitten oder Part Of The Dance. Sowohl die Rock-Besetzung mit E-Gitarre als auch der Verzicht auf komplizierte Harmonik und ungerade Taktarten ließ das erste Album musikalisch konventioneller erscheinen als die vorangegangenen Alben von Soft Machine. Besondere Erwähnung verdient der Einsatz des Mellotron in dem Stück Immediate Curtain. Durch den Einsatz von Cluster-Techniken erzeugt Robert Wyatt auf diesem Instrument dissonante Klänge von düsterer atmosphärischer Intensität, wie sie etwa in vielen spätromantischen und expressionistischen Stücken zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts anzutreffen sind. Auf einigen Stücken des ersten Albums wirkte der neuseeländische Keyboarder Dave MacRae (Caparius, Nucleus, Just Us) mit, der im Februar 1972 schließlich ein festes Band-Mitglied wurde. Kurz darauf verließ David Sinclair die Band. Im darauffolgenden halben Jahr spielten Matching Mole zahlreiche Konzerte in England und auf dem Kontinent und nahmen mehrere BBC-Sessions auf, die später als BBC Radio 1 Live In Concert dann 1994 veröffentlicht wurden. Im August schließlich spielten sie ihr zweites Album Matching Mole´s Little Red Record (1972) ein, ein weniger Wyattzentriertes Gruppen-Werk.

Im Gegensatz zum ersten Album löste sich die Band hier weiter von konventionellen Pop-Schemen. Matching Mole weiteten hier ihr musikalisches Spektrum in Bereiche wie Minimal Music, experimentelle Elektronik und E-Musik-Avantgarde aus. Einige Titel zeigen aber auch eine Affinität zu rasanten, temporeichen Rock-Jazz-Spielweisen wie sie Mitte der siebziger Jahre sehr verbreitet waren. Kurze Zeit später löste Wyatt die Band auf. Pläne zu einer Neuformierung von Matching Mole (mit dem Keyboarder Francis Monkman, zuvor bei Curved Air, und Saxofonist Gary Windo) scheiterten im Sommer 1973 an einem tragischen Unfall von Wyatt, seitdem ist er querschnittgelähmt. David Sinclair und Phil Miller gründeten im Oktober 1972 Hatfield & The North. Dave Sinclair verließ die Gruppe aber vor ihrem ersten Album wieder, kehrte 1973 zu Caravan zurück und gehörte außerdem zeitweilig zu Camel und der Band seines Cousins Richard Sinclair. Phil Miller musizierte, nachdem sich Hatfield & The North 1975 zunächst auflösten, Ende der 70er bei National Health, ab den 80ern in In Cahoots und in den 90ern in Short Wave, im Duo mit Fred T. Baker, sowie im Trio mit Mark Hewins und seinem Bruder, dem Keyboarder Steve Miller (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen US-Amerikanischen Gitarristen). Mit Hatfield & The North tritt Phil Miller bis heute Live auf (Burg-Herzberg-Festival 2006). Dave MacRae wirkte bei Ian Carrs Nucleus sowie auf dem Album Nite Flights von den Walker Brothers mit. Bill MacCormick spielte 1976 zusammen mit Phil Manzanera, mit dem er auch schon 1970 bis 1974 in der Band Quiet Sun zusammengearbeitet hatte, und Brian Eno in der Band 801. In den späten Siebzigern gründete er mit Gitarrist David Rhodes (der später für Peter Gabriel spielte) die Band Random Hold, nach deren Auflösung 1980 er sich aus dem Musikgeschäft zurückzog. Robert Wyatt wurde als Sänger, Multi-Instrumentalist und Songschreiber ein angesehener und renommierter Solo-Künstler. 2001: Smoke Signals (BBC- und Live 1972), 2002: March (Live 25-03-1972).

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