Bis zur Halbzeit ohne Gitarre – Wir sind für einen Kollegen eingesprungen, kommen von einem spannenden Konzert aus Bremerhaven und waren erst am Samstagnachmittag in Reichenbach. Schon dieser Festival Samstag hatte mit dem Konzert der Rockpommel’s Band mit einem spektakulären fast 3-stündigen Vollprogramm
für einen strahlenden Höhepunkt des Tages gesorgt. Und mit den vier Formationen am Sonntag wurde nahtlos an den Vortag angeknüpft. Wir hatten ja bei früheren Berichten über das Artrock-Festival im Neuberinhaus immer einmal von einer Fachmesse für anspruchsvolle Rockmusik gesprochen. Diesen Charakter hat dieses Festival, leider für dieses gute Programm wieder sehr überschaubar besucht, erfreulicherweise beibehalten. Auf den Startplätzen Uno und Due des Tages spielten wieder einmal und zur Freude vieler Besucher zwei Formationen aus Bella Italia. Der Veranstalter scheint immer noch sehr gute Kontakte in das Land hinter den Alpen und damit Zugang zu einem unerschöpflichen Reservoir an kreativen italienischen Bands und Projekten zu haben. Hier aber erst einmal die Bilder und Texte von Donnerstag bis Samstag !!
Warmlaufen – Schon am DONNERSTAG, 09. April 2026 gab es ein traditionelles Aufwärm-Konzert im Bergkeller. Hier glänzte das Plauener Quintett Polis wieder einmal mit einem zu erwartenden fantastischen Auftritt. Im Mittelpunkt stand natürlich das aktuelle Album Pilger.
Am FREITAG gab es dann in einem Hallen-Format einiges im Reichenbacher Neuberinhaus zu bestaunen. Gestartet wurde um 16:30 Uhr mit Neronia aus dem hessischen Darmstadt, die sind aus der deutschen Neoprog-Band Ulysses (1993: Neuronia) entstanden. Wieder so eine deutsche Perle der Prog-Szene die hier im Vogtland aufspielt, wie vorher Emerald Lies (2023) aus dem hessischen Friedberg oder Mirror (2019) aus Gelsenkirchen im Pott. Auf Posto Due mit Black Banjo wieder mal Italien, diesmal mit modernen Blues-Rock. Die Truppe ist allseits bekannt und haben auch schon 2022 hier virtuos aufgespielt. Die litauische Progressive-Rock-Band The Skys, bestehend aus Jonas Čiurlionis (Gesang, Gitarre) und Božena Buinicka (Keyboard, Gesang), besteht seit Mitte der 90er und hat zwischen 1997 und 2019 sechs Alben veröffentlicht, zuletzt Automatic Minds (2019). Sie sind das erste Mal im Vogtland und auch der erste Vertreter aus Litauen. Als Gast hatten sie den britischen Bassist Steve Vantsis und einen Schlagzeuger dabei. Zuletzt im Ring Electric Guitar Land, die den ersten Tag abschlossen. Wer vier Gitarristen, fünf zusammen mit dem Bassisten Francesco Caporaletti (The Gang, Rowan Robertson, Black Banjo, Steve Bolton) der die nun gefühlt zehnte Band hier im Neuberinhaus im Tieftonbereich begleitete, fast zwei Stunden aushält, Chapeau dafür. Leider waren wir an diesem Freitag noch in Bremerhaven und haben deshalb diese drei Formationen und das Gitarren-Spektakel verpasst. Text_Freitag: Christa & Roland Koch
Freitag: Chronologische Bildstrecke von Bild-Reporter Ingolf Uhlig
Hauptprogramm_1 – Am SAMSTAG geht das Schaulaufen der anspruchsvollen Rockmusik mit fünf Bands aus sieben Ländern dieser Welt weiter. USA, Schweiz, Schweden, Polen, Kanada, Deutschland und sogar Hagen in Westfalen. Genauso standen die Ländernamen auf dem offiziellen Plakat im Foyer des Reichenbacher Neuberinhaus. Mit Hagen verbeugt sich der Veranstalter vor dem Rock-Mekka am Tor zum Sauerland. Die Mannschaft von Rockpommels Band hat es sicher gefreut über diese besondere Herausstellung ihrer musikalisch geschichtsträchtigen Region. Green, Grobschnitt, Extrabreit, Nena, Annette (Ideal) und Inga Humpe (DÖF, 2Raumwohnung), das sind schon Schwergewichte, alle haben ihre Wurzeln in Hagen an der Ruhr.
Aber zuerst zu dem polnischen Überraschungsduo Bartosz Kusik (Schlagzeug, 14 Lenze, Sohn Robert Kusik von Retrospective) und Igor Smelkowski (Gitarre, 17 Lenze). Zwei außergewöhnliche und talentierte Nachwuchsmusiker, die trotz ihrer Jugendlichkeit in unserem östlichen Nachbarland Preise gewonnen und dort bereits für viel Furore gesorgt haben. Es ist fantastisch, teilweise atemberaubend, was unser europäischer Nachwuchs inzwischen auf die Beine stellt. Im Hintergrund der Bühne wurden bei diesem Auftritt Videos abgespielt zu denen die beiden jungen Musiker simultan ihre Kompositionen mit Enthusiasmus präsentierten. Doch trotz dieses technisch aufwändigen Konzeptes und der jungen Musiker wirkte alles wie aus einem Guss. Vor Jahren als die ersten Bands mit solchen technischen Mitteln arbeiteten, hatte die gesamte internationale Musik-Journaille breit darüber berichtet. Das Zusammenspiel von Bartosz und Igor war bemerkenswert präzise, Timing und Technik beeindruckend, und alles wurde mit jugendlicher Energie und Spielfreude präsentiert. Merkt euch diese beiden Namen. Oliver Wenzler sagte uns kürzlich mit berechtigtem Stolz: „Ich erinnere mich noch, als wir die völlig unbekannte polnischen Rock-Band Riverside für mein erstes PPR-Festival (2011) verpflichteten. Kaum einer kannte diese progressive Band. Und was für eine Karriere haben die dann hingelegt.“ Nun ist vermutlich das Ende von Riverside gekommen, denn der Bandgründer Mariusz Duda ist ausgestiegen und damit die Zukunft dieses Quartett wage. Das Schlagzeugspiel von Bartosz, ganz im Stil von Mike Portnoy, war beeindruckend und das Zusammenspiel mit Gitarrist Igor führte bei den Besuchern immer wieder zu ungläubigem Staunen, Szenen-Applaus und Jubelsturm am Ende des Auftritts. Bei solchen Talenten wie Igor und Bartosz müssen wir uns keine Sorgen um die Zukunft der anspruchsvollen Rockmusik machen.
Danach Wechsel zu einem druckvollen instrumentalen Trio aus Bayern und hochschalten auf brettharten Rock. Eine weitere Überraschung war für viele Besucher das Hard-Rock-Trio Ape Shifter. Wir kennen den Amerikaner Jeff Aug, Kreativ-Kopf und Gitarrist der Formation, von verschiedenen anderen Projekten. Beispielweise hat er als Duo Floating Stone zusammen mit Nikolei Rieche das wunderbare Album Arco’s Third Eye eingespielt. Schon einmal sorgten die drei Musiker für Aufmerksamkeit im Neuberinhaus. Sie betraten, wie schon 2021, wieder mit ihren furchterregenden, fast schon archaischen Affenmasken, wirkungsvoll die Bühne. Wortspiele mit den Affen erspare ich mir, obwohl mir einige auf der Zunge liegen. Kosmopolit und Gitarrist Jeff mit seiner Höllen-Gitarre, treibende Kraft und Schlagzeuger Kurty Münch (übrigens im gleichen gelben T-Shirt wie 2021) und Tiefton Unterstützer Florian Walter spielen bereits seit einer Ewigkeit zusammen, verstehen sind blind, erzeugten mit nur drei Instrumenten wahre, vibrierende, druckvolle Klangwände. Sie arbeiteten auch bei den Punk-Rockern Banana Peel Buzz zusammen. Das Trio Ape Shifter lieferten mit ihren effektgeladenen Klangstrukturen aus den Alben AS1, AS2 und Monkey Business, einer gelungenen Mischung aus kontrollierter Rock-Härte und instrumentaler Virtuosität wieder ihre Visitenkarten im vogtländischen Reichenbach ab. Ein kurzweiliger, intensiver, facettenreicher Auftritt, der wieder einmal zeigte, wie durchschlagkräftig harte Instrumental-Musik sein kann. Für uns eine gute Wahl zum Beginn des Tages, danach sind die Ohren frei und die Besucher energetisch aufgeladen für einen Tag voller Rock’n’Roll. Schade das diese beiden ersten Formationen, trotz erstklassiger leidenschaftlicher Musik-Präsentation, vor einem spärlichen Publikum spielen mussten. Aber das ist mal wieder ein ganz anderes Thema. Text_Samstag_1: Christa & Roland Koch
Samstag Teil 1: Chronologische Bildstrecke von Bild-Reporter Ingolf Uhlig
Hauptprogramm_2 – Leider war der Besucherstrom auch bei Station Zwo (1. Empire Of Prog Festival, Ramstein) und Tres (1. TAP Festival, München Alte Kongreßhalle) der selbsternannten Prog-Triangel sehr bescheiden. Dazu kam auch noch das der ursprünglich geplante Akustik-Auftritt von Nick Barrett (Pendragon) am Sonntag in Ramstein leider kurzfristig wegen Erkrankung ausfiel. Dafür waren dann kurzfristig und spontan Flame Drop aus der Schweiz eingesprungen. Zwar damit nur Instrumental, auch eine ganz andere Musikrichtung, dennoch eine sehr gute Wahl. Hier in Reichenbach folgte am SAMSTAG eben mit Flame Drop nun die dritte Instrumental-Band hintereinander. Man könnte bisher von einem Thementag sprechen. Dieses im September 2022 in Zürich gegründete Schweizer Art-Rock-Projekt ist anders als die beiden ersten Bands, aber ebenso interessant. Hinter dem erneut überschaubaren Personal, das wird sich bei den nächsten beiden Bands am Samstag massiv ändern, stecken die beiden erfahrenen Multiinstrumentalisten Roland Hegi (Paul Mancini Group, Pazzoo, Troppo Forte, Sweet November, The Space Orchestra) und Felix Waldispuehl (Crazy Diamond, Tsering Purtag`s Rockfuel, feelX) sowie noch im Hintergrund Julia Hegi mit ihrer kreativen Arbeit Bereich Grafik, Design, Gestaltung. Im Kern ist es die Hälfte der Schweizer Formation F.O.R.S. (Famous Or Random Stars), die einigen Fans der Schweizer möglicherweise bereits vom Night Of The Prog Festival 2019 bekannt sind. Im Duo führen sie mit Flame Drop nun ihre Mission Instrumental-Sphäre-Rock mit breiten und voluminösen Klanglandschaften ohne Gesang fort. Die Stücke von den beiden Alben Flow (EP, 2023) und Beyond Cosmic Infinity (2025) sind vollgepackt mit reichlich eingesetzten Tasteninstrumenten, die wurden aber hier im Neuberinhaus vom unsichtbaren digitalen Dritten passgenau dazu gemischt. Gitarrist Roland und Trommler Felix, traumwandlerisch in ihrem Zusammenspiel, erzeugten eine dichte Melange, die das Publikum trotz langen instrumentalen, atmosphärische Klangreisen im Bann hielt. Interessant war rückblickend vor allem der Blick auf Felix Waldispühl, während er hier im Duo sehr kontrolliert, zurückhaltend, fast vorsichtig agierte, sollte sich später beim Multi-Star-Projekt Digital Life Project zeigen, dass er auch deutlich kraftvollere Akzente setzen kann.
Wir hatten heute am Samstag bei den drei bisherigen Formationen insgesamt SIEBEN Musiker auf der Bühne im Neuberinhaus. Das es auch, in jeder Hinsicht, voluminöser geht, zeigt einer der Höhepunkte der vierzehn Artrock Festivals. Insgesamt agieren 10 Akteure auf der Bühne, plus Crew im Hintergrund. Die Hagener Kult-Rocker Grobschnitt beendeten nach mehreren Auflösungen und Pausen sowie Reinkarnationen ihre Karriere eigentlich 2012 mit der Last-Party-Tour. Doch das musikalische Erbe der 70er ließ das Hagener Künstler-Kollektiv nie wirklich los. Aktuell sind auch wieder einmal ehemalige Mitglieder als Grobschnitt-Akustik-Trio unterwegs, die haben auch die Namensrechte. Um das klassische Repertoire mit allem „Sauerländer Rambo Zambo“ auch wieder elektrisch und in voller Mannschaftsstärke auf die Bühne zu bringen zu können entstand so parallel die Idee zur Rockpommels Band. Der persönliche Bezug zum gesamten Material, ein Teil der Besetzung hatten an den Kompositionen selbst mitgewirkt, und die Leidenschaft den Legionen von Fans heute noch einmal ein Spektakel für Ohren, Augen und Sinne präsentieren zu können, waren der nimmermüde Antrieb. Wie Milla Kapolke uns mit berechtigtem Stolz sagte: „Es sollte nicht nur ein einfaches Musik-Cover-Projekt sein, sondern eine lebendige und zeitgemäße Weiterentwicklung der Werke von Grobschnitt präsentieren.“ Schließlich fanden sich mehrere Musiker der letzten Grobschnitt-Inkanationen wieder zusammen. Sie hatten auch schon in den Projekten Green und Symphonic Floyd erfolgreich zusammen musiziert und interagiert und sie stellten fest, die gemeinsame Chemie stimmte nach Jahrzehnten immer noch. Der bewusste Anspruch, vergangene Zeiten nicht zu kopieren, sondern die Stücke mit neuer Besetzung und frischen Arrangements wieder zu beleben war ein weiterer starker Anreiz.
Wir möchten hier an dieser Stelle den Kreis der Unterstützer erweitern und verweisen hier auf die zwei sehr schönen Berichten von den Premium-Verehrern Zirkus-Direktor Stephan Schelle (4. Rock Fest Paderborn 2026) sowie Conny Kökert und Udo „Harry Horch“ Eckardt (14. Art-Rock-Festival 2026). Diese sehr geschätzten Kollegen haben nicht nur zwei detailreiche und begeisterte Berichte geschrieben, sondern sich über die ehemalige Bundes-Grenze hinaus die Hände gereicht und sich im Geiste umarmt. Genauso wie wir uns zusammen mit einem sächsischen Freund bei „Heut Ist Ein schöner Tag“ mitsingend in den Armen lagen. Das ist was gelebte Musik und Kultur leisten kann und weiterhin das Zusammenleben von Menschen mitprägt. Es ist ein anderer Bericht geworden als geplant, aber besser als unsere genannten Reporter-Kollegen können wir es euch auch nicht präsentieren. Abschließend noch ein paar Worte zum Rockpommels Kollektiv. Diese wunderbaren Menschen aus den bergigen Regionen südlich hinter dem Ruhrgebiet haben, wie auch schon beim MEGA-Spektakel Symphonic Floyd, diesmal auch wieder hier ihre ganze Liebe zur deutschen Musik-Kultur eingebracht, haben unter widrigsten Bedingungen geprobt, viel Arbeit, Leid, Rückschläge auf sich genommen um dieses komplexe Repertoire dem deutschen Publikum 2026 spektakulär zu präsentieren. Hier ist der Begriff Vermächtnis durchaus angemessen. Was Night Of The Prog, trotz unserer ständigen und kleberigen Anfragen bei WIV-Entertainment, immer wieder NICHT geschafft hat, das haben einige mutige Veranstalter in Hagen, Paderborn, Reichenbach, Zoetermeer, Fulda (Herzberg Festival), Aschaffenburg bravourös geschafft. Eine große Verbeugung vor dem „Grobschnitt-Phase-Drei-Kollektiv“, allen genannten und zukünftigen Veranstaltern. Die sensationellen Musik-Programme aus Hagen in Westfalen werden weiterleben, dafür wird die nächste Generation um Manu Kapolke sorgen. Da sind wir ganz sicher, denn kein Musiker kann seine eigene DNA verändern !!
Samstag Teil 2: Chronologische Bildstrecke von Christa & Roland Koch
Weiter geht es in Teil 2 dieses Festival-Bericht: 14. Artrock Festival 2026_2 – Reichenbach, Vogtland (DE_SN)
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