Buch: Blues Made In Germany – Martin Knoch (DE_BE)

Veröffentlicht am 2. Dezember 2025 um 20:50

Blues Handgemacht in Deutschland: Ein anderer Bericht – Wir sind im Zuge von Recherche für das 2. All Is Blues Festival 2025 in Würzburg (wir berichteten) auf ein Buch der Extraklasse gestoßen. Unsere erste Reaktion: Konnten die beiden Gedanken lesen, das wollten WIR doch machen !! Den ersten Schritt zu unserem Projekt hatten wir ja schon 2023 mit dem Empire Sonderheft Blues (#153) umgesetzt.

15 Blues-Künstler mit Texten, Rezensionen, Musik auf CD und dazu Liveberichte von vielen Blues-Festivals, geballtes, kraftvolles Blues-Futter. Aber der Berliner Autor & Musiker Martin Knoch und Verleger & Musiker Jürgen Stollberg von TriMax Media sind uns mit dem großformatigen (B: 210, H: 265 mm), hochqualitativen Buch Blues Made In Germany zuvor gekommen !! Jürgen: „Das Table Book Blues Made In Germany präsentiert 16 der bekanntesten deutschen Blues-Musikerinnen und Musiker im Gespräch. Es zeigt teils noch nie zuvor veröffentlichte Fotos aus ihrem Leben und ihrer Karriere. Die Erzählungen der Musiker und Musikerinnen bilden ein spannendes Kaleidoskop der Live-Musik der letzten 50 Jahre und der legendären Clubs, Kneipen, Festivals, die den Blues in Deutschland bis heute feiern. Damit erzählt es durch den Blickwinkel der Musik ein Stück Lebens- und Gesellschaftsgeschichte unseres Landes in West und Ost.“ Bilder Oben L_R: 1. Promo TriMax, 2. Martin Knoch, 3. Martin & Abi

Um endlich halten wir das Druck-Werk in Händen !! Beim ersten Durchsehen, jawohl, alles wie versprochen, hochwertige Ausführung, schöne, teils exklusive Bilder, gute Struktur und massenhaft authentische Informationen von den in Bild, Video (digitales Extra per Barcode & Password) und Wort abgebildeten Musikern !! Diesmal werden wir nicht wie gewohnt zu viele Worte zu den Geschichten im Dialog verlieren, sondern die Künstler mit Zitaten aus dem Buch sprechen lassen und das gesagte mit unserer Sicht ergänzen. Das heißt, wir wollen versuchen diese 16 einzelnen Geschichten zu verlängern, ergänzen, kommentieren. Wir lassen euch hiermit teilhaben an unserem schrittweisen Studium des Buches.

Martin Knoch (1971, Karlsruhe) – Schon das Vorwort überrascht mit geballter Kompetenz, eine kurze 7-seitige geschichtliche Zusammenfassung (mit eingestreuten Zitaten einiger Künstler) des Nachkriegs-Blues In Deutschland, Ost und West. Hier gibt es keinen Füllstoff, sondern Wort für Wort Blues-Geschichte. „Der Pianist und Sänger Champion Jack Dupree ließ sich in Hannover nieder, genauso wie später auch der Gitarrist Louisiana Red (Seite 12).“ Wir haben auch Iverson Minter alias Louisiana Red mit Gitarre und Stimme als Solist auf einer großen Bühne Live erlebt und er bekam berechtigt tosenden Applaus. Nach dem Konzert sprachen wir kurz mit Iverson und seine Frau Dora. Ein wundervolles Pärchen. Wir haben uns darüber auch öfter mit Blueser Norbert Egger unterhalten, der mit Louisiana Red nicht nur das Album World On Fire (1985) aufgenommen hat, sondern mit ihm auch auf Tour gehen sollte. Aber das ist eine andere interessante Geschichte.

Abraham „Abi“ Wallenstein (08-12-1945, Jerusalem)Abi: „Der Begriff Blues löst oft Vorurteile aus. Man denkt an langweilige Musik. Aber wenn wir auf Festivals spielen, wo auch jüngere Bands auftreten, dann merken die Leute, dass unser Blues modern und lebendig ist. Sie sind dann begeistert (Seite 29).“ Wenn man Abi zum ersten Mal begegnet, ist man von seiner liebenswerten Aura sofort gefangen. Sein Gesicht ist freundlich und gütig, seine Augen strahlen wie zwei Scheinwerfer (geführte, fokussierte Bühnenleuchten). Dass was Abi oben selbst sagt, begeistert ihn rastlos immer wieder. Wir haben es selbst erlebt. Er ist ein würdiger Botschafter für zwei Nationen, kommt manchmal von der Bühne herunter und spielt mit seiner vorher beschrieben Art auf Augenhöhe und lächelnd für ältere Zuschauer und besonders gerne auch für die Jüngeren. Bilder: Abi beim Jeinsen Blues Fest

Todor „Toscho“ Todorovic (16-02-1951, Lingen) Toscho: „Bei mir ist das anders. Ich bin ein Teil der Band, singe zwar das meiste, aber die anderen Sänger und Instrumentalisten haben ihre Spots. Da achte ich ganz verschärft drauf, dass jeder sein Solo bekommt. Ich bin nicht der Star der Band. Ich bin nur derjenige, der am längsten dabei ist (Seite 47).“ Genauso haben wir den entspannten Vorstand der Blues-Firma aus dem südlichen Niedersachsen in Würzburg erlebt (Toscho erwähnt das Konzert im Buch, Seite 48). Und gerade wegen seiner Führung genießt Toscho nicht nur die Sympathie der Blues-Fans, sondern auch seiner Musiker-Kollegen. Und das spürt man, wenn der Schlagzeuger ein fulminantes Solo trommelt, das mit einem Freudenschrei endet und alle in der Firma, inklusive der Chef, sich darüber kollektiv freuen. Toscho hat nicht nur seit 60 Jahren den Blues, er spielt und lebt ihn auch bis heute leidenschaftlich. Darüber haben wir uns dieses Jahr oft unterhalten. Und nicht nur deswegen, aber auch, ist er einer der Legenden des deutschen Blues. Bilder: Toscho im Z 87 Würzburg 11-2024.

Ina Spang (1988, Schwabach)Ina: „Als Kind Live Musik wirklich erleben zu können, ist wertvoll. Wenn du die Leute auf der Bühne siehst, wie sie spielen und wie sie die Musik fühlen, dann verändert das etwas an der Art, wie du Musik aufnimmst. Und wie du dann selber Musik machen willst (Seite 55).“ In dem was Ina sagt, steckt so viel Wahrheit. Genau das haben wir über die Saison 2025, gottlob, wieder verstärkt erlebt. Denn durch stetige Weiterentwicklung und verstärkte Fokussierung auch auf die Jugend (Chris Kramer macht das auch), ist im Bereich Labels, Magazine, Veranstalter spürbar langsam ein Wandel zu vermerken. Wir Aktivisten müssen dankbar dafür sein und ständig weitermachen in diese Richtung. Dabei helfen uns viele junge und sehr talentierte Künstler, auch Martin Knoch mit seinem Buch. Weiterhin gehören auch Ina, Fabian und Michi Lang (1991) dazu, manchmal ist auch Manfred Mildenberger oder Dominik Back dabei, alles talentierte musikalische Menschen, die unsere heimische Kulturszene durchschlagkräftig und fantastisch vertreten, europaweit. Jeder der diesen Text liest: wenn ihr einmal eine Gelegenheit habt, Muddy What? irgendwo mal erleben zu können, hingehen und sich vom jugendlichen Charme der Musiker verzaubern lassen. Bilder: Ina mit Muddy What? im Z 87 Würzburg 11-2024.

Muddy What? (DE_BY)

Spider Legs (08:52)

Christian „Chris“ Kramer (02-03-1970, Marl)Chris: „Mein Vater hat Oberkrainer gehört, und meine Mutter manchmal James Last. Meine Eltern hatten vielleicht fünf Platten, nein eher drei. Das war jetzt echt nicht so, dass ich zuhause an den Blues herangeführt wurde. So mit dreizehn habe ich Heavy Metal gehört und Udo Lindenberg. Mein erstes Konzert war 1983, Mitch Ryder in der Zeche in Bochum, und einen Monat später war ich in der Westfalenhalle bei Monsters Of Rock Festival (Seite 71).“ Ich übrigens auch Chris !! Wie ich immer sage, es gibt keine Zufälle !! Ich habe heute Morgen die Geschichte von Chris Kramer gelesen und mir die Textstelle von der ersten Seite ausgesucht (siehe oben). Die ganze Geschichte hat mich an vielen Stellen sehr berührt. Vor meinem geistigen Auge hat sich ein Bild von Chris aufgebaut. Dann habe ich beim Arbeiten an diesem Beitrag kurz den Fernseher eingeschaltet um kurz Nachrichten zu schauen. Auf dem WDR lief eine Reportage über das Ruhrgebiet. Und wen sehe ich wie elektrisiert sofort in der ersten Film-Szene, unfassbar, das erste Mal in meinem Leben den Landsmann und Ruhrgebietskind Chris Kramer. Es gibt eben keine Zufälle. Er sagte in seiner lebensfrohen Art, die mich sehr an die MINT-Chef-Redakteurin Christa erinnert, einige Sätze und ich spürte sofort die tiefe Verbundenheit mit ihm und mit dieser Region. Chris ist ein Aushängeschild und Chamäleon des Blues, warum, weil er über seinen Lebensweg mit seiner Kunst verschmolzen ist und seine Kunstwerke gerne mit anderen Menschen egal welchen Alters teilt. Ich freue mich schon darauf, sollte ich ihn mal treffen. Bilder: L. Promo Chris Kramer (Frank Beer), R. Albie Donnelly in Bamberg 08-2025 (MINT)

Gregor „Gregs Guitars“ Hilden (04-12-1963, Meppen) Gregor: „…während andere, auch populäre Musiker, sich mitunter auf dem ausgeruht haben, was sie sich irgendwann einmal erarbeitet haben. Man merkt, dass irgendwann durch den fehlenden Ehrgeiz im Alter Dinge verloren gehen können. Das möchte ich auf jedem Fall vermeiden und deswegen ist mein neuer Plan – und der ist mir besonders wichtig – mich ab diesem Jahr wieder mehr dem Üben und meiner eigenen Musik zu widmen und natürlich den Live-Konzerten (Seite 99).“ Und wir können diesen Plan bestätigen, konnten sogar mit unserer Arbeit etwas dazu beitragen, das Gregor und seinen Kumpanen ordentlich die Promo-Spur beleuchtet wurde. Mitte November 2024 hatten wir Dirk, Gregor und Wolfgang in Würzburg beim Debüt des All Is Blues Festival getroffen und durften über den energiegeladenen Auftritt dort als Trio berichten. Auch über seine beiden Alben, Solo mit Plays The Music Of Peter Green und als Gregor Hilden Organ Trio mit New Boogaloo, haben wir ausführlich berichtet. Und Gregor hält Wort, ist 2025 nonstop unterwegs, Solo, Duo, mit seinem Trio, aber auch zusammen mit Richie Arndt und seiner Band mit dem Peter-Green-Abend Green-ish. Wir sprachen kürzlich mit Michael van Merwyk über Live-Musik mit Blues. Er meinte: „Es ist etwas schwieriger geworden, man muss heute mit einer geschrumpften Szene leben. Aber derjenige der auch an entfernteren Orten zu Live-Musik bereit ist, findet immer noch genügend Möglichkeiten seine Künste vor Publikum zu präsentieren.“ Wie wahr, das können auch wir bestätigen. Das deutsche Blues-Süppchen ist aber durch das lange köcheln konzentrierter geworden. Um Richie, Michael und Gregor machen wir uns deshalb keine Sorgen. Sie sind das leckere schmackhafte Besondere im Suppen-Topf. Damit haben wir auch gleich den Übergang zum nächsten Blues-Helden Michael van Merwyk aus Rheda-Wiedenbrück. Bilder: Gregor mit seinem Organ Trio im Z 87 Würzburg 11-2024.

Gregor Hilden Organ Trio (DE_NW)

Bluesy Mood (07:41)

Michael „The Bear“ van Merwyk (1969, Rheda-Wiedenbrück)Michael: „Wir haben damit kein Geld verdient, weil wir alles, was wir einnahmen, immer an die Künstler weitergegeben haben. Der Kneipier hat auch immer noch was draufgelegt. Es war einfach nur Spaß. Und den gewissen Vibe, den findest du weltweit nicht so häufig. Das ist ja das Schöne, wenn du so Randgruppenmusik machst. Du kommst immer irgendwohin, wo sich die Leute mit Musik beschäftigt haben und ein spezielles Interesse haben, wo es nicht um Geld oder Business geht, sondern um Liebe zur Musik (Seite 114).“ Und wieder einmal genau in das blues-blaue Zentrum getroffen. Wir waren nicht bei den Gesprächen von Gitarrist Martin Knoch mit den Künstlern dabei, aber irgendwie hatten sie wohl immer gute Gesprächsatmosphäre und Musiker-Kollege Martin hat vielleicht auch genau an den passenden Stellen die richtigen Fragen gestellt. Wir möchten beim oben zitierten aber noch einen Schritt weitergehen. Nicht nur das diese Situation bis heute bei vielen Veranstaltern der Randgruppenmusik (aber nicht nur dort) immer noch so ist wie oben beschrieben !! Aber die Einnahmen schrumpfen leider immer weiter, von der Lawine auferlegter zusätzlicher Auflagen einmal abgesehen. Heute wird ALLEN; Künstlern, Veranstaltern, Spielstätten, Freiwilligen, Sponsoren, Besuchern; immer mehr abverlangt um Kultur in allen Rand-Bereichen zu realisieren. Hier mit dem Buch Blues Made In Germany ein reales Beispiel. In einer Zeit in denen physische Produkte praktisch fast unverkäuflich sind, starten Autor Martin und der Verlag TriMax Media dieses schöne zeitgemäße Projekt. Wie der gemeinnützige Verein von Chris Kramer, auch ein Projekt das nach Unterstützung schreit, besonders in dieser immer herzloseren Zeit !! Christa & Roland: „Auch hier geht es NICHT um Geld oder Geschäft, sondern um Liebe zur Musik und Kultur.“ Bilder: Blues Camp Göhren auf Rügen 06-2023.

Michael van Merwyk (DE_NW)

Lay Down And Die (02:42)

Fabian Spang (1986, Schwabach)Fabian: „Ich finde, man hat beim Blues ein Publikum, das die Musik zu schätzen weiß. Aus unserer Perspektive hatten wir nie das Gefühl, wir müssen bestimmte Sachen machen oder spielen, um irgendwelche Erwartungen des Publikums zu erfüllen. Es ist vielleicht ein glücklicher Zufall, dass es genug Schnittmenge zwischen der Erwartung des Publikums und dem, was wir machen wollen, gibt (Seite 67).“ Du hast gut beobachtet und analysiert Fabian. Michael „The Bear“ sieht das wohl auch so ähnlich wie Du. Vielleicht ist mit deiner Analyse auch der kometenhafte Aufstieg von Muddy What? erklärt. Aber vermutlich ist das nicht der einzige Grund. Sehr sicher ist, dass die gemeinsame Schnittmenge unbedingt passen muss, damit eine gemeinsame Reise beginnen kann und ihr es schafft reproduzierbar genau dieses Band zu knüpfen. Wir hatten das Vergnügen euch als Trio und Quartett erleben zu dürfen. Dabei ist das Wort Erleben ein ganz wichtiger Faktor. Eure Freude vor Publikum, in eurem von Ina gestalteten hippie’sken Bühnen-Wohnzimmer, musizieren zu dürfen ist ansteckend. Ihr seid zusammen mit den Geschwistern Nico & Philipp Dreier (Bluesanovas) die Vertreter der jungen Genration der Blues-Szene im Buch Blues Made In Germany. Und die Bluesanovas sowie Muddy What? bewegen sich nahe an den Wurzeln der US-Vorbildern, aber mit zeitgemäßen, europäischen Einschlag. Sehr erfreulich, dass Pflänzchen nachwachsen, in ganz Europa, aber auch in Deutschland. Bilder: Fabian mit Muddy What? im Z 87 Würzburg 11-2024 und im Bahnhof Binz auf Rügen 06-2024.

Steve Baker (01-05-1953, London)Steve: „Chris Jones war klassisch ausgebildeter Gitarrist und Komponist, und wir haben auch entsprechend gearbeitet. Einige Dinge hat er mir vorgeschlagen, aber das meiste habe ich mir selbst ausgearbeitet. Ich hatte sehr viel Freiraum. Wenn ich einen Song zum ersten Mal spiele, beginne ich automatisch ein Arrangement zu bauen. (Seite 132).“ „Virtuosität interessiert mich ehrlich gesagt ziemlich wenig. Mir ist Gefühl viel wichtiger. Zum Beispiel mag ich unheimlich gerne Michael van Merwyk. Weil er nicht viele Töne braucht, um die Dinge auf den Punkt zu bringen (Seite 135).“ „Lieber Steve, da sprichst du uns aus der Seele. Und das nicht das erste Mal, du weiser Mann von der Insel.“ Virtuosität ist individuell und hat auch etwas damit zu tun was NICHT nur mit Saiten oder Luftdruck erzeugt werden kann. Und zur Entstehung eines Songs gehört auch ein eigenständiger Prozess dazu wie er geboren, weiterentwickelt und final eingespielt wird dazu. Und ja, Michael spielt nicht nur ein Instrument, sondern er liebt das was er tut und besonders für wen er es macht. Das spürt man in seiner Art, Musik zu machen und das spürt man wenn man mit ihm spricht. Er ist immer sehr entspannt, ruht in sich. Sehr präzise und punktgenau sind seine Aussagen und ausnahmslos mit großer Wertschätzung vor fast jedem. Und genauso haben wir auch Steve erlebt. Er ist virtuoser Solist sowie auch Aushängeschild und Pionier an der Mundharmonika. Aber vor allem Team-Spieler an unterschiedlichsten Positionen. Und er geht mit seiner eigenen Band The Live Wire seit einigen Jahren genau den richtigen Weg. Zu sehen zu Beginn der Pandemie in seiner Küche in der Nordheide, damals zwangsläufig voll akustisch durchgestartet. Zurück zu den Wurzeln dieser Musik, mit zeitgemäßen, kritischen Texten, teils starkem 3-stimmigen Gesang und kraftvoller Präsenz bei Auftritten. Virtuosität und eigenständige Prozesse liefern hier Robert Carl Blank (Gitarre, Gesang), Jeff Walker (Bass, Gesang), Yogi Jockusch (Perkussion) und Steve Baker auch als Akustik-Blues-Ensemble. Bilder unten: L. Steve Baker Promo (Nico Baker), R. Diashow Bilder Rockhouse Salzburg 04-2023 und Alte Saline Bad Reichenhall 03-2025 und Text (Christa & Roland Koch)

Steve Baker (UK)

Poison Chalice (04:51)

Wilhelm Karl „Willy“ Michl (09-07-1950, München)Willy: „Jeder Musiker hat seinen Style, ich bin absolut Solo auf der Bühne seit 1991 und somit brauch ich mich an gar nix halten. Ich kann extemporieren und bringen was mir einfällt. Das tu ich mit Freude, mein Gesetz heißt, die Zuschauer müssen begeistert sein, und zwar von guter gehaltvoller Musik und sinnvollen Texten. Daran halte ich mich, und daran werde ich nie was ändern. Es ist ein Wesen des Blues, zu singen was die Geister und dein Herz dir sagen. Das muss man drauf haben. Ich kann’s (Seite 151) !!“ Man sieht auch hier wieder wie gut sich Martin Knoch auf die Dialoge vorbereitet hat. Hier hat der Autor die Fragen vorab geschickt und das druckfertige Skript dann von (SOTH: Sound Of Thunder) Willy zurückbekommen. Favorisiert gehen wir normalerweise auch so vor, aber es gibt manchmal einige Gründe warum wir natürlich davon abweichen müssen. Das, was Willy dort oben im Text beschreibt, ist in der DNA der meisten Blues-Künstler verankert, besonders aber auch bei den Sechszehn, die hier im Buch Blues Made In Germany sehr ehrlich und authentisch aus ihren individuellen Nähkästchen plaudern. Wir können uns sehr in viele von Willy‘s preisgegebenen Aussagen hineinversetzen, denn wir kennen noch einen anderen stolzen Indianer, zwar von einem anderen Stamm, aber in seiner Lebensphilosophie wie Brüder im Denken und Handeln. Es ist „Der Puma der nach Norden zieht“ Pit Budde (Cochise), ein Lippe-Ruhr-Native der ab Mitte der 70er ein ähnliches Werte-System wie Willy hatte. Aber auch das ist eine andere interessante Geschichte. Bilder unten: L. Willy Michl (SOTH alias Sound Of Thunder).

Heinrich Richard „Richie“ Arndt (23-02-1958, Bielefeld)Richie: „Rock, Americana oder Blues kommen nicht (Anmerkung MINT: TV-Unterhaltung) vor. Das ist in anderen Ländern anders. Meine Söhne leben in Holland. Wenn ich da hinfahre und das Radio anmache, läuft andere Musik. Das war dort schon immer so. Und da gibt es auch eine viel größere Szene für amerikanische Musik, also für Rock’n’Roll, Americana oder Country. Selbst die Teenager singen die alten Dinger mit. Die Hörgewohnheiten sind in Deutschland einfach anders, und da müsste man ansetzen. Ich glaube, das Publikum für diese Musik ist eigentlich riesig, es wird nur nicht ausreichend bedient (Seite 166).“ Und das machen wir, hier mit Hilfe der 18 phänomenalen Musiker (Martin & Jürgen sind auch dabei) und stellvertretend zwei außergewöhnlichen Fotografen (Heinz Jörres und Manfred Pollert). Aber die Reise ist erst am Anfang und sollte kollektiv weitergehen. Wir sehen das auch nicht als eine Reise eines Einzelnen, sondern als kollektiven Werbefeldzug für die anspruchsvolle deutsche Blues-Musik. Und wir haben damit erst Anfang der 2020er angefangen und werden weitere Helfer für unsere gemeinsame Mission rekrutieren. Lieber Martin: Spitze deine Bleistifte, lade die Akkus deiner Aufnahme-Maschine und bereite dich bitte vor auf Teil 2 des Buch Blues Made In Germany. Das lesen und studieren dieser Menschen-Geschichten auf 256 prallvollen Blues-Seiten macht uns Hoffnung auf eine Belebung der Musikkultur in diesem wichtigen Segment: Richie: „Also eine Idee wäre, die Medienlandschaft zu verändern (Seite 166).“ Genau SOOO !! Nicht abwinken und hoffnungsloses Gesicht machen. Nein, die Botschafter unser Musik unterstützen: zu Konzerten gegen, Merchandise konsumieren, das Buch vom Martin kaufen und auch verschenken, ein paar Flaschen Roten Pfälzer Black Dawg Bone vom Timo bestellen, Chris eine Spende schicken für seine Jugend-Arbeit !! Das ist doch nicht so schwer, das ist doch für euch eine Kleinigkeit !! Macht mit und lasst euch nicht hängen. Wir erinnern uns an einen Beinkranken Blues-Fan aus Braunschweig, der extra nach Würzburg angereist war, im Club Z 87 keinen Sitzplatz hatte und an zwei Abenden stundenlang die Helden Michael Van Merwyk, Andrea De Luca, Timo Gross, Big Daddy Wilson und alle aktiven Musikanten auf der Bühne (auch Mitveranstalter Jochen Volpert) gefeiert hat. Danke, wir haben jede Minute mit euch und dem Veranstalter genossen, gelebter Premium-Blues 2025. SOOO Weitermachen !! Bilder unten: L. Richie Arndt Promo, R. Christa & Roland Koch.

Richie Arndt (DE_NW)

On A Night Like This (05:58)

Timo Gross (19-07-1964, Hannover)Timo: „Ich glaube, keiner von den Blues-Typen hört nur Blues. Die hören ja alle irgendwie noch Pink Floyd oder Lady Gaga oder was weiß ich. Man lebt ja nicht auf einer Insel.“ „Ich höre auch gerne so Sachen wie Massive Attack. Wir sind im 21. Jahrhundert und ich probiere die Dinge aus, die zur Verfügung stehen. Ich habe 2016 auf der Platte Heavy Soul das erste Mal tatsächlich auch Loops benutzt. Ich habe die Stimme durch Autotune gejagt, habe Gitarren-Soli durch Autotune gejagt, Leadbelly gesampled und mit eingebaut. Ich versuche, die künstlerische Entdeckungsreise nie enden zu lassen (Seite 181).“ Wir hatten vor einigen Jahren bei der Beschäftigung mit den Vineyard Sessions Berührungspunkte mit Timo und kürzlich den selbstbewussten Süd-Pfälzer Klang-Forscher in Würzburg erlebt. Und wenn man ihn mal persönlich getroffen hat, dann spürt man, dass er es wie oben beschrieben auch meint und das er genauso vorgeht. Auch viele anderen Aussagen sind deckungsgleich mit dem was er spricht, spielt und lebt. Somit ist und bleibt er ein sehr wichtiger authentischer Forscher nach neuen Wegen und Ausdrucksformen. Das ist gut so, denn die Blues-Szene brauchte immer schon solche aktiven Visionäre wie Timo. Er hat in seinem Interview viele Namen von Musikern genannt. Von uns einige zusätzlich: Roy Buchanan, John Martyn aber auch Philipp Nespital, Martin Schnella oder Stefano Ronchi, hierbei auch eine große Spannbreite die Timo berechtigt thematisiert hat. Auch was er über Altersstruktur des Publikums, Besucherzahlen, Tresen-Geschichten, schnelles Gefiedel, Leadbelly Calls (Neues erscheint Anfang 2026, wir freuen uns drauf), KI-Musik und über den Klang einer Note schreibt, Respekt, offene Botschaften im respektvollen Timo-Gewand. Schön, dass wir uns begegnet sind und bleibe weiter deiner Lebenslinie treu. Bilder unten: L. Timo Gross Promo (F: Rene van der Voorden), R. Christa & Roland Koch.

Philipp Dreier (18-01-1994, Beckum)Philipp: „Nächstes Jahr im Januar spielen wir unsere ersten zwei Konzerte in Schweden (Anmerkung MINT: 24 bis 26 Januar 2026). Das ist auch noch mal ein Highlight. Das würde ich sogar so hoch einordnen wie die Clapton-Tour. Also wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Überhaupt mit der eigenen Band loszuziehen ist für mich das Allercoolste. Wir sitzen alle zusammen im Bus, haben alle dasselbe Ziel. Was Besseres gibt es gar nicht (Seite 252).“ Bei dieser zitierten Textstelle spielt uns Philipp, Schlagzeuger und der unserer Ansicht nach etwas introvertiertere der beiden Dreier-Zwillinge, zwei gute Spiel-Bälle zu. Zum einen, der Hinweis auf die skandinavische Blues-Szene. Die ist in der Tat über alle vier Länder sehr lebendig, spielfreudig und innovativ. Das haben auch Ina & Fabian und Michi Lang von Muddy What? schon rausgefunden und die touren mit guten Erfolgen regelmäßig in Skandinavien. Und wir prophezeien den The Bluesanovas bereits jetzt, ihr werdet dort gefeiert, denn eure Musik ist dort sehr beliebt und willkommen. Der zweite Ball ist wieder einmal diese Freude an gemeinsamer Zeit zusammen und damit verbunden musizieren auf der Bühne sowie Interaktion mit dem Publikum. Das ist einer der wichtigsten Faktoren für Erfolg einer Band. Gut das die Gründer Filipe, Nico und Philipp immer noch so ein kreatives und harmonisches Kraftwerk sind. Bilder_Text: Christa & Roland Koch

Katherine Elise „Kat“ Baloun (27-07-1956, El Paso)Kat: „Wenn die Leute mich fragten, welche Religion ich angehöre, habe ich immer gesagt: Hängt davon ab, wo meine Mutter spielt (Seite 192).“ „1994 habe ich mich dann entschieden nach Europa zu ziehen. Ich habe mir einen Interrail Pass gekauft und bin mit dem Zug durch alle Länder gefahren, in denen ich Leute kannte (Seite 195).“ „In Amerika ist der Blick sehr eng. Nur zehn Prozent der Einwohner haben einen Reisepass. Also kennen sie nur Amerika. Ich denke, in Europa haben die Leute einen besseren Weltblick (Seite 202).“ Die kurzen Auszüge der Lebensgeschichte von Kat lesen sich sehr spannend. Wir nennen solche quirligen Reisende, Weltbürger. Wer viel reist, wie auch wir, dabei mit Menschen interagiert, taucht etwas tiefer ein in den Mikrokosmos von Kulturen, entwickelt einen „besseren Weltblick“. Wir haben unseren Blick über 5 gemeinsame Jahrzehnte entwickelt und verfeinert. Kat erzählt eine Menge über ihre Zeit in Berlin, ein europäischer Schmelztiegel der Nationen, Religionen und Lebensweisen bis heute. Wenn man den Aspekt der Schwierigkeit dort bezahlbar zu leben ausblendet, ist es ein Paradies für Kultur über alle Bereiche. Der Blues hat seine musikalische Geburt und noch viele Wurzeln in Nordamerika. Sie sind aus der Taufe gehoben von Menschen die aus vielen Regionen der Welt meist unfreiwillig in diesen Kontinent gebracht wurden. Dankenswerterweise leben nun viele Musiker die den wahren Blues haben hier in Europa und helfen mit, diese Kulturform in die nächste Evolutionsstufe zu bringen. Zu diesen Helfern gehören auch die US-Ladies Kellie Rucker und eben Kat Baloun„sie gehören zur heimischen alten Garde.“ Bilder und Text: Christa & Roland Koch

Eberhard „Big Joe“ Stolle (20-10-1950, Rostock)Big Joe: „Ich denke mal, das sind eher Ängste. Es gibt natürlich auch Gegenbeispiele: Heinz Glass (Anmerkung MINT: Epitaph) und Big Joe Stolle. Wir sind zwei Bands, die im Osten genauso wie im Westen spielen. Aber wir haben hier in Berlin ja den Westen direkt vor unserer Tür (Seite 216).“ „Aber die Ängste bestehen nach wie vor. Ich kenne hier auch viele Berliner Musiker, Ostmusiker, die mit dem Westen nichts am Hut haben oder sich da scheuen (Seite 216).“ Du hast genau beobachtet Eberhard und wir stimmen dir zu und auch wieder nicht. Wir könnten jetzt dutzendfach Beispiele für das dafür und gegen das zitierte anführen. Wir haben massenhaft sehr gute Kontakte zu vielen ostdeutschen Aktivisten, Künstlern und Veranstalter. Und wir sind sehr dankbar dafür. Eberhard, bitte gib hier im Suchfeld ein paar Namen ein und lese und schaue welche fantastische Musiker dort aktiv daran arbeiten, dass genau diese Ängste niedergerissen werden. An ihrer Seite stehen viele Künstler aus Europa und der ganzen Welt, die großartig mithelfen. Wir werden mit aller Kraft und unseren verschiedenen Möglichkeiten daran mitwirken, dass diese Ängste abgebaut werden und alle Künstler, über alle Himmelsrichtungen, genau das überwinden und zusammen Europa und die ganze Welt immer häufiger gemeinsam überraschen. Jeder, der mitmachen will ist herzlich willkommen. Big Joe, wir werden unsere Wege kreuzen. Und, wir freuen uns darauf. Bilder und Text: Christa & Roland Koch

Big Joe Stolle Band (DE_BE)

Adrenalin (02:58)

Albrecht „Ali“ Neander (02-07-1958, Hamburg)Ali: „Also ich sehe das Aufnehmen eines Albums heutzutage, jetzt klinge ich ein bisschen großkotzig, als soziale Skulptur. Das soll heißen, man tut sich mit Leuten zusammen und macht irgendwas. Das können dann Musiker sein oder Toningenieure oder Coverdesigner. Ich empfinde es als unglaublich sozialen Akt (Seite 234).“ Genau Ali, die Kultur-Szene hat sich komplett gewandelt und das betrifft Produkte von Buch bis Konzerte, von Idee bis Produktion, von Solo bis Orchester. Das hat auch was mit der Fülle und Schnelligkeit der Informationen zu tun. Heute hat man mit einem kleinen Gerät so groß wie ein Portemonnaie das gesamte Multimedia-Besteck in einer Hand, kann sofort in extrem guter Qualität selbst von den abgelegenen Orten mit der kompletten Welt interagieren. Wer braucht dann noch eine Tageszeitung oder ein Ton/Bildträger, die sind inzwischen dadurch sogar stark limitiert. Deshalb ist der Weg zu einer sozialen Skulptur, von der Idee über Produktion bis zur Darbietung, der richtige Begriff und Ansatz. Und die Spannbreite von Jessica Born über Moses Pelham (beides exzellente Künstler mit denen Ali in Projekten zusammengearbeitet hat) bis zu Rodgau Monotones für uns sehr schlüssig. Und das ist auch mitnichten großkotzig, im Gegenteil, denn du Ali aus Rodgau bis in den zeitgemäßen Kern vorgestoßen. Denn auch dieses Buch Blues Made In Germany ist eine soziale Skulptur. Aber ebenso wie wir dieses schöne Produkt und euch beteiligte Künstler mit modernen Medien zu den interessierten Menschen bringen. Bilder unten: L. Ali Neander Promo, R. Jessica Born & Sammy Milo Crostewitz und Text Christa & Roland Koch.

Nico Dreier (18-01-1994, Beckum)Nico: „Simon Raschen hat mit Filipe (Anmerkung MINT: Mitgründer & Gitarrist) zusammen Musik studiert. Ich glaube, das Wort Produzent hat bei uns eine andere Bedeutung als in der Popmusik. Wir wollten den Sound schon ein bisschen moderner haben, aber letztlich orientiert man sich als Blueser schon an den alten Platten und muss irgendwie die Balance halten (Seite 251).“ „Synthesizer und so, davon sind wir ganz, ganz weit entfernt (Seite 251).“ Wie findet man die Balance zwischen Moderne und Retro ?? Damit beschäftigen sich einige aufstrebende Blues-Bands in Europa. Und die Bluesanovas haben tatsächlich für sich ein gutes Rezept dafür gefunden. Und auch bei ihren Konzerten überraschen die exzellent gekleideten Männer immer wieder mit mitreißenden Shows. Wir nennen sie die jungen Wilden. Und die brauchen wir, die sorgen auch dafür das wieder jüngeres Publikum sich vor den Bühnen Deutschlands versammeln. Überhaupt war das auch bei allen Interviews immer wieder ein Thema. Umso mehr freut es uns natürlich das der 54-jährige Autor Martin Knoch, dieses wichtige Thema aufgenommen hat und viele Musiker dazu Stellung genommen haben. Bilder_Text: Christa & Roland Koch

Resümee – Eine sehr informative und gut gemachte soziale Blues-Skulptur, ein Synergie-Projekt das wir gerne unterstützen, genau passend für die heutige Zeit. Wir haben diese 256 Seiten sehr genossen, denn der Geist der über allem schwebt ist die verbindende Musik des Blues. Es gefällt uns besonders gut, 1. das ausschließlich über heimische Künstler berichtet wird, die auch noch alle Livehaftig spielen und 2. Bei diesen 16 Portraits, aus der Sicht von Autor Martin Knoch, gekonnt noch mehr zusätzliche Facetten in Text und Bild herausgearbeitet wurden. Die geben weitere zusätzliche tiefe Einblicke in die Blues-Herzen der Künstler. Wir haben fast alle im Buch abgebildeten heimischen Blues-Meister:innen; Abi Wallenstein, Ali Neander, Big Joe Stolle, Chris Kramer, Gregor Hilden, Kat Baloun, Michael van Merwyk, Nico & Philipp Dreier (Bluesanovas), Ina & Fabian Spang (Muddy What?), Richie Arndt, SOTH Willy Michl, Steve Baker, Timo Gross, Todor Todorovic, Fotograf Heinz Jörres selbst teils mehrmals getroffen und können sagen, ausnahmslos wunderbare Menschen. Wir freuen uns 2026 auf die Wiederbegegnungen.

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